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Ein tragisch-heiteres Jubiläum
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Der alte Spelterini. (Bild: zvg)

Spielleute Luzern Ein tragisch-heiteres Jubiläum

3 min Lesezeit 14.08.2014, 16:23 Uhr

Diesen Sommer wird ein Luzerner Ballonfahrer bei Tribschen auferstehen. Die Jubiläumsproduktion der Spielleute «Spelterini hebt ab» wird jedoch nicht bloss Theater und nicht nur eine «ordentlich abgetakelte Revue».

Eduard Spelterini war ein Ballonpionier der vorletzten Jahrhundertwende, ein Tausendsassa und Lebemann, dessen Leben Stoff für viele Geschichten bereithielte. Luzern hat nach ihm den Weg benannt, an welchem der Theater Pavillon heute steht, Heimat der Luzerner Spielleute. Ab 1910 standen die «Luftschiffhallen Tribschen» dort gleich um die Ecke. Bei deren Bau war Spelterini noch als Experte zugezogen worden. Kaum ein Zufall also, dass sich die Spielleute zu einem historischen Anlass diesem Teil der Luzerner Geschichte angenommen haben.

Das Ensemble befindet sich momentan in den anstrengenden Endproben. Christov Rolla, musikalischer Leiter der Produktion: «Jetzt stehen die technischen Durchläufe an. Das sind jeweils lange und intensive Proben für alle. Da wir ohne Umbau-Helfer arbeiten, wird noch eine ganze Reihe an Aufgaben auf die Spieler zukommen. Wir stehen aber gut im Zeitplan.»

Neue und altbewährte Zusammenarbeit

Die Spielleute feiern ihren 80. Geburtstag mit dem Stück «Spelterini hebt ab» unter der Regie von Reto Ambauen. Auf der Bühne kann der traditionsreiche Verein in der Jubiläumssaison mit vielen neuen Gesichtern im Ensemble auftreten. Die künstlerische Leitung jedoch ist bereits ein eingespieltes Team. Der Regisseur Reto Ambauen und der musikalische Leiter Christov Rolla waren dieses Jahr bereits gemeinsam für die Produktion «Der Krieg hat kein weibliches Gesicht» vom Theater Nawal verpflichtet, die ebenfalls im Pavillon aufgeführt wurde.

«Eine schöne, grosse und ordentlich abgetakelte Revue über den Luftballonfahrt- und Weltvonobenphotographierpionier.»
Christov Rolla, Theatermusiker

Das Stück basiert auf der Fassung des Schweizer Dramatikers Lukas B. Suter, die im Jahr 1984 in Berlin uraufgeführt wurde, in einer Mundartfassung von Paul Steinmann.

Theater im Theater

Die Geschichte des Ballonfahrers wird von den Spielleuten als Theater im Theater erzählt. Eine Schauspieltruppe, bereits in die Jahre gekommen, will die Geschichte Spelterinis auf ihrer Wanderbühne erzählen. Die Truppe singt, tanzt und gibt sich ausserordentlich Mühe, doch es geht nie ganz ohne Pannen über die Bühne. In variétéartiger Manier und begleitet durch ein kleines Theaterorchester von drei Musikern zeigt sie das schillernde Leben des Spelterini.

Spelterini am Nordpol - Postkarte

Spelterini am Nordpol – Postkarte

(Bild: zvg)

Opernsänger und Alpenüberquerer

Spelterini lebte von 1852 bis 1931 und war nach eigenen Aussagen ein in Paris ausgebildeter Opernsänger. Er wurde jedoch durch seine Ambitionen in der Ballonfahrt berühmt. Doch letztlich scheiterte er grandios: Mit dem 1. Weltkrieg blieben die zahlenden Gäste aus, die Luftfahrttechnik überholte ihn, bald würde er nur noch als Jahrmarktattraktion am Seil des Fesselballons hängend in die Lüfte steigen. Die Welt hatte sich in rasendem Tempo weitergedreht, aber Spelterini nicht mitgenommen. Ein tragisches Ende einer grossen Karriere.

Er verwand es nicht, starb alt, einsam und verbittert in einem kleinen Dorf in Österreich – er, der auf der ganzen Welt zu Hause war. Sein Begräbnis, minutiös geplant, wurde kaum mehr zur Kenntnis genommen.

Spelterini in den Southhamptons - Postkarte

Spelterini in den Southhamptons – Postkarte

(Bild: zvg)

«Spelterini hebt ab» zeigt den Aufstieg und den Fall eines Helden. Es ist eine Geschichte über das Scheitern und trotzdem heiter – ein spätsommerliches Theaterfest zum Geburtstag der Spielleute. «Eine schöne, grosse und ordentlich abgetakelte Revue über den Luftballonfahrt- und Weltvonobenphotographierpionier», nennt Rolla die Produktion auf seiner Website.

Einladung und etwas zu gewinnen

Am Samstag, 23. August, ab 15 Uhr, steigt das Fest der Luzerner Spielleute. Mit einem bunten Fest im Pavillon soll das 80-jährige Bestehen gefeiert werden – und auch Spelterini soll zu Ehren kommen: Ballonspiele, Jahrmarkttreiben und Live-Musik, sogar einen Ballonflug gibt es zu gewinnen.

Geschichte der Spielleute

Die Wurzeln der Luzerner Spielleute reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Damals spielte die «Bruderschaft zur dörnig Kron» alle fünf Jahre auf dem Weinmarkt die Passion und Mysterienspiele.

1924 wurde jene Tradition durch Oskar Eberle nach Jahren der Vergessenheit wiederbelebt. Die Geistlichen Spiele vor der Hofkirche wurden über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Aus der Bruderschaft entstanden die Luzerner Spielleute mit dem Ziel, neben dem religiösen auch das weltliche Theater zu pflegen.

In den 80 Jahren ihres Bestehens brachten die Spielleute Freilicht-Grossproduktionen, aber auch Kammerspiele und kleinere Aufführungen auf verschiedenste Bühnen der Stadt Luzern.

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