Ein starker Söldner reicht dem EVZ völlig, um Playoff-Anwärter zu schlagen
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Zugs Topskorer Jan Kovar (links) war gegen Lugano besser als dessen vier Ausländer (rechts Luganos US-Stürmer Mark Arcobello). (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Zugs Klasse ist nicht von Ausländern abhängig Ein starker Söldner reicht dem EVZ völlig, um Playoff-Anwärter zu schlagen

3 min Lesezeit 22.12.2020, 05:03 Uhr

War es ein Fingerzeig des Hockey-Gottes? Just in diesen Tagen, in denen sich die Zuger für eine Erhöhung der Anzahl Ausländer ab der Saison 2022/23 einsetzen, macht das 5:2 gegen den HC Lugano und der Sprung an die Tabellenspitze deutlich: Der EV Zug braucht nicht mehr als einen starken Ausländer.

Seit Ryan McLeod am vergangenen Freitag zu seiner NHL-Organisation nach Edmonton zurückgereist ist (zentralplus berichtete), stehen nur noch drei Ausländer im Kader der Zuger. Mit etwas Bärbeissigkeit kann man sogar festhalten, dass es effektiv nur noch einer ist: der 30-jährige Tscheche Jan Kovar.

Dies, weil die Schweden Erik Thorell und Carl Klingberg seit Wochen und Monaten ihrer Form hinterherhinken und nicht über die Rolle von Schweizer Ergänzungsspielern hinauskommen. Sie sind in dieser Saison nicht die Verstärkungen, für die sie als Ausländer fürstlich entlöhnt werden.

Auch wenn zu ihrer Ehrenrettung gesagt sein muss, dass Thorell als Linienpartner von Kovar gegen Lugano zwei Assists glückten und Klingberg das Sieg bringende 3:1. Immerhin.

Tangnes: «Einer der Besten ausserhalb der NHL»

Doch die dominante Figur im Spiel der Zuger war einmal mehr Jan Kovar. Quasi als Spiritus Rector. Und alleine besser als die vier Ausländer, die Lugano aufs Eis brachte. Zugs Cheftrainer Dan Tangnes sagte zum Vergleich: «Jan Kovar ist einer der besten Spieler ausserhalb der NHL.»

Das lässt zum einen unweigerlich den Schluss zu: Der EV Zug braucht zumindest in der laufenden Qualifikation nur Kovar als Ausländer, um eines der führenden Teams der Liga zu sein.

Und zum anderen: Die Erhöhung der Anzahl Ausländer auf deren zehn ab der übernächsten Saison scheint aus Zuger Sicht erst recht keinen Sinn zu machen. Weil die laufende Meisterschaft zeigt: Das sportliche Wohl dieses EVZ hängt nach Kovar vor allem von den Schweizer Leistungsträgern ab.

Zugs Sportchef Reto Kläy mochte sich hinterher auf die Frage von zentralplus, ob dieses Spiel nicht gerade ein Plädoyer gegen eine Erhöhung der Anzahl Ausländer in der Liga gewesen sei, lieber nicht äussern.

Schweizer setzen Akzente

Einer dieser Schweizer Leistungsträger im EVZ ist Torjäger Grégory Hofmann. Sein herrlicher Treffer zum 2:1 gab dem Spiel die weitere Richtung vor. Nach dem 4:1 von Captain Raphael Diaz, der den EVZ zum Saisonende verlassen wird (zentralplus berichtete), traf Hofmann ein zweites Mal zum Schlussstand von 5:2.

«Wir gaben uns die Chance, uns selber zu besiegen.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Hofmann gehört zu den Topverdienern bei den Zugern. Ob sein Arbeitgeber dereinst einen Spieler seiner Klasse auf dem Ausländermarkt zu gleichen Konditionen finden wird, darf bezweifelt werden. Die First Class des internationalen Eishockeys spielt in der NHL, die Business Class in der KHL. Und erst dann kommt die Schweizer National League.

Sei’s drum: Was den 13. Sieg der Zuger im 17. Saisonspiel umso wertvoller machte, ist die Tatsache, dass es kein Sonntagsspaziergang an die Tabellenspitze war.

Schmaler Grat zur Nonchalance

Die Tessiner hatten in den ersten 15 Spielminuten die Chance, die Geschichte und den Ausgang dieser Partie anders zu gestalten. Stattdessen traf Santeri Alatalo, der aller Voraussicht nach nächste Saison in Lugano verteidigen wird (zentralplus berichtete), in der 17. Minute zum 1:1.

Und als der Energielieferant des EVZ zu Beginn des zweiten Drittels abermals einen Wackelkontakt verzeichnete, traf Lugano bloss die Latte. Sonst bewahrte Zugs Goalie Leonardo Genoni seine Teamkollegen vor Schlimmerem.

Zug-Trainer Dan Tangnes wusste: «Meine Mannschaft ist derzeit voller Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das trägt sie. Aber es ist eben auch nur ein schmaler Grat zur Nonchalance. Wir gaben uns darum auch die Chance, uns selber zu besiegen.»

Aber seine Mannschaft vereint, wie sich der 41-jährige Norweger ausdrückte, aktuell «Talent, Spass und Vertrauen». Allerdings wüssten seine Spieler darum, dass sie künftig härter und konstanter spielen müssten, um sich durchzusetzen.

In den Ohren der Konkurrenz muss das wie eine Drohung klingen. Erst recht, weil Tangnes dem aktuellen Kader eine deutliche Leistungssteigerung zutraut.

Und das, ohne einen zusätzlichen Ausländer zu fordern.

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