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Der Betrieb der Langlaufloipe im Eigenthal kostet pro Saison rund 100'000 Franken. Die Verantwortlichen stellen besonders bei jungen Langläufern einen starken Zuwachs fest. (Bild: mag)

Langlaufloipe Eigenthal Ein stadtnahes Langlaufmekka

5 min Lesezeit 1 Kommentar 26.12.2013, 05:56 Uhr

Liegt genug Schnee, wird die Zentralschweiz zum Langläufer-Paradies. Besonders beliebt ist das Eigenthal. Seit über 40 Jahren werden hier die Loipen jeden Winter gespurt. Bis zu drei Postautos gleichzeitig bringen die Sonnenhungrigen an nebelverhangenen Tagen ins Naherholungsgebiet am Nordfuss des Pilatus.

Trotz den warmen Temperaturen ist der Talboden im Eigenthal mit Schnee bedeckt. «Talboden» heisst auch die Haltstelle, bei der die Besucher aus dem Postauto steigen. Lediglich ein paar Schritte weiter verläuft die Langlaufloipe.

«Die Loipe ist in einem guten Zustand», freut sich Martin Lipp. Sie sei wetterbedingt zwar relativ hart, aber auf der 17 Kilometer langen Strecke liege überall Schnee. Das könne sich schnell ändern, meint Lipp. Täglich – oder besser nächtlich – kümmert er sich um den Unterhalt der Loipe. Vor Weihnachten musste er beispielsweise abwägen, ob er mit der Maschine die Piste präparieren konnte oder nicht. «Es war so warm, da braucht es nicht viel und die Loipe ist nicht mehr befahrbar.»

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Neun Brücken gebaut

Die Tourismusorganisation Pro Eigenthal Schwarzenberg ist für den Betrieb der beliebten Langlaufloipe zuständig. Präsident Ueli Spöring sagt: «Wir kümmern uns um alles, was dazu gehört.» Zum Beispiel die Erstellung der Loipe, die gut 25’000 Franken kostet. «Eine rechte Büez», sagt Martin Lipp. Zu dritt bauen sie ab Anfang November insgesamt neun Holzbrücken. Zwei davon führen über grosse Bäche und sind deshalb besonders lang.

«Das Markieren alleine dauert zwei Tage.»

Martin Lipp, Loipenchef

Zum Aufbau gehört auch das Abräumen von Zäunen und das Anbringen der Markierungen. «Das Markieren alleine dauert zwei Tage», sagt Lipp. Später kommt das Pistenfahrzeug zum Einsatz, das sich im Besitz der Pro Eigenthal Schwarzenberg befindet. Der Betrieb generiert pro Saison einen Umsatz in der Höhe von rund 100’000 Franken. Dieser Betrag sei jedoch stark vom Wetter abhängig und werde wieder direkt in die Loipe investiert.

Kalt, dafür fahrbar

Jetzt, Ende Dezember, erreicht nur wenig Sonnenschein den Talboden. Die Kälte setzt sich dort fest, der Schnee bleibt liegen. Während die Langlaufloipen rund um Marbach, in der Melchsee-Frutt oder auf dem Nottwilerberg wegen Schneemangel geschlossen bleiben, legen die Freizeitsportler im Eigenthal Kilometer um Kilometer zurück. Mehrere hundert Sportler seien es an Spitzentagen, schätzt Lipp.

Breites Angebot in der Zentralschweiz

Neben Wanderern, Spaziergängern und Schlittlern zieht das Eigenthal vor allem Langläufer an. Das Loipenticket kostet acht, die örtliche Saisonkarte 60 Franken. Jeweils am Dienstag und Donnerstag können Sportler einen Teil der Loipe auch am Abend bis um 21 Uhr benutzen. Beleuchtete Langlaufloipen gibt es beispielsweise auch auf der Gerschnialp, in Sörenberg, in Rothenthurm und auf dem Zugerberg.

Die Eigenthaler Loipe ist eine der schönsten und beliebtesten in der Zentralschweiz – bei weitem aber nicht die längste. Spitzenreiter sind da das Gebiet Marbach-Escholzmatt-Bumbach und die Region Einsiedeln. Auch im Engelberger Tal, im Urserntal bei Andermatt, auf dem Seebliboden (Hoch-Ybrig), dem Zugwerberg und in Studen/Unteriberg können Langläufern nicht nur über die Festtage grosse Runden und viele Pistenkilometer zurücklegen. Das Eigenthal zählt wie die Loipen im Finsterwald ob Entlebuch zu den mittelgrossen Gebieten.

Tatsächlich sind viele Langläufer an diesem Nachmittag auf der schattigen, eisig harten Loipe unterwegs. Einige von ihnen haben die Ausrüstung bei Werner Zwimpfer im Shop direkt beim Restaurant Lindenstübli gemietet. Das kleine, auf Langlauf spezialisierte Sportgeschäft befindet sich in einem alten Bauwagen. Ein Provisorium?

Das einzige auf Langlauf spezialisierte Sportgeschäft

Seit über 20 Jahren verleiht die Schweizer Langlaufschule Luzern/Eigenthal Ski, Stöcke und Schuhe – gemäss Zwimpfer ein «gutes Geschäft». In einer kleinen Werkstatt, die ebenfalls im Bauwagen untergebracht ist, werden die Ski einem Service unterzogen.

Mittlerweile gebe es in der Stadt Luzern immer weniger Sportgeschäfte, die für den Langlauf benötigte Ausrüstungsgegenstände wie Ski oder die speziellen Schuhe vermieten würden, so Zwimpfer. «Hier oben kann man direkt Wachs kaufen», wirbt er für das auf Langlauf spezialisierte kleine Sportgeschäft im Eigenthal. Der Wagen gehöre zum Inventar, beschreibt Zwimpfer den schon fast legendären Status des Langlaufshops. Ein neues kleines Gebäude soll den Wagen einmal ersetzen. Davon sei schon lange die Rede, fügt er zögernd an.

Selbst für die Kleinsten gibt es hier Ausrüstung zum Mieten. Ab Schuhgrösse 29 stehen die meist schwarzen Sportschuhe ordentlich aufgereiht im Regal im Innern des Wagens aufgereiht. Im hinteren Teil stehen sowohl klassische als auch Skating-Ski verschiedener Marken. Fachmann Zwimpfer spricht über die Wahl des Skiwachs, die Konstruktion der Ski und erklärt die Unterschiede wie auch die neusten Entwicklungen der Wintersportgeräte. Eine neue Technologie soll die Langlaufski jetzt noch schneller machen.

Hoffnungsvolles Jungtalent

Schnell unterwegs ist auch Nadine Fähndrich. Die 18-jährige Eigenthalerin gilt als grosse Nachwuchshoffnung im nationalen Langlaufsport. Im Winter führt die Loipe praktisch bei ihrer Haustüre vorbei, optimale Trainingsbedingungen also. In dieser noch jungen Saison feierte sie bereits wieder zahlreiche Erfolge. Die mehrfache Junioren-Schweizermeisterin vom Skiclub Horw gehört momentan dem C-Kader von Swiss-Ski an. 

«Langlaufen ist eine Trendsportart.»

Werner Zwimpfer

Überhaupt habe es enorm viele junge Leute auf der Loipe, beobachtet Werner Zwimpfer. Er ist überzeugt: «Langlaufen ist eine Trendsportart.» Das hänge mit der Skating-Technik zusammen. Diese sei einfacher zu erlernen, meint Zwimpfer. Und das Eigenthal sei ohnehin schon immer sehr beliebt gewesen, sagen Gäste im Lindenstübli und Passagiere im Postauto.

Nachtloipen bei Freizeitsportlern sehr beliebt

Eine besondere Attraktion im Eigenthal ist die Nachtloipe. Die beleuchteten Pisten bieten zweimal pro Woche ambitionierten Langläufern und Hobbysportlern auf 2,5 Kilometern eine aussergewöhnliche Trainingsmöglichkeit. Solche Angebote bieten verschiedene Orte in der Zentralschweiz an (siehe Kasten). Einen Überblick bietet zudem der Verband Loipen Schweiz.

Die Unterhaltsarbeiten an der Loipe fordern Martin Lipp heraus. Je nach Wetterverhältnissen ist er zwischen drei und fünf Stunden mit seinem Pistenfahrzeug unterwegs. Manchmal hört er Radio, manchmal eine CD. «Ich will aber zwischendurch auch hören, wie die Fräse den Schnee bearbeitet», sagt Lipp fachmännisch. Obwohl er die Wettervorhersagen genau studiert, ist das Instandhalten der Loipe eine Herausforderung. Die Piste immer richtig zu präparieren, gibt Lipp zu, ist nicht einfach.

Loipe verursacht kaum Landschaftsschäden

Das Tourismusorganisation Pro Eigenthal Schwarzenberg hat sich zum Ziel gesetzt, eine rücksichtsvolle und nachhaltige Förderung des Tourismus und der Freizeitangebote zu gewährleisten. In diesem Sinne zahlt die Organisation Beiträge an den Postautoverkehr. Dennoch reise ein Grossteil der Besucher mit dem Auto an, meint Martin Lipp. Kein Wunder: Das Eigenthal ist von Luzern aus bequem in einer halben Stunde erreichbar.

Die Loipe wird zu einem grossen Teil durch die Langläufer finanziert. Sie lösen für die Benutzung der Piste ein Ticket oder gar eine Saisonkarte. Diese Einnahmen werden unter anderem verwendet, um die Landwirte zu entschädigen. Denn die Loipe hinterlässt im Frühling sichtbare Spuren. Unter der Piste gefriert der Boden tiefer. Die Wiese benötigt an diesen Stellen mehr Zeit zur Erholung, und der erste Grasschnitt fällt merkbar geringer aus.

Hier geht es zum aktuellen Wintersportwetter der Zentralschweiz

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1 Kommentare
  1. Anliker, 22.09.2019, 16:32 Uhr

    Welche Entschädigung erhalten Bauern im Loipenbereich?
    MfG E. Anliker

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