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Ein rüüdiges Fest mit Charme – aber ohne Asiatisches
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Das erweiterte OK-Team des Lozärner Altstadt Fäschts 2016: Maria Kienholz, Matthias Lips, Alceo Benedetti, Guido Huber und Vreni Amacher. (Bild: les)

Revival des «Lozärner Altstadt Fäschts» Ein rüüdiges Fest mit Charme – aber ohne Asiatisches

5 min Lesezeit 1 Kommentar 26.05.2016, 05:00 Uhr

Dem Luzerner Fest wird immer wieder mangelnder Charme vorgeworfen. Drei Personen aus der Luzerner Fasnachtsszene tun etwas dagegen und holen das traditionelle «Lozärner Altstadt Fäscht» aus der Mottenkiste. Der Andrang ist enorm. Können die Veranstalter die Erwartungen erfüllen?

Am 25. Juni 2016 – dem Tag des Luzerner Fests – findet nach einer neunjährigen Pause das erste «Lozärner Altstadt Fäscht» statt. Diesen Mittwoch hat der gleichnamige Verein an einer Pressekonferenz über die Details informiert. Und diese wurden mit Spannung erwartet. Schliesslich haben sich schon einen Tag nach der Veröffentlichung des Datums auf Facebook weit über 1200 Personen für die Veranstaltung angemeldet, inzwischen interessieren sich über 7000 für eine Teilnahme.

Überwältigt von der Nachfrage zeigte sich Vereinspräsident Alceo Benedetti. «Erst machte es uns fast Angst, dann freute es uns, und jetzt bedeutet es in erster Linie Arbeit», erzählt er. Benedetti erklärte, wie es zur etwas verrückten Idee kam, das Altstadtfest wiederzubeleben. «Seit der letzten Durchführung des Luzerner Altstadtfestes im Jahr 2007 wurde dieses zunehmend vermisst. Das Fest stand stets unter dem Zeichen der Solidarität und Gemütlichkeit und hatte sehr viel Lokalcharme zu bieten.»

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Offensichtlich handelt es sich bei den Organisatoren um Nostalgiker. Sie vermissen die Zeit, als am Altstadtfest vornehmlich Musikformationen aus Luzern und Umgebung spielten und die verschiedenen Plätze von Stadtluzerner Vereinen bewirtschaftet wurden. Das neue «Lozärner Altstadt Fäscht» soll nun diesen Lokalcharme, die Gemütlichkeit und Geselligkeit wieder zurückbringen, so der Plan der drei Initianten Alceo Benedetti, Guido Huber und Matthias Lips. «Klein, aber fein» lautet das Motto. Stattfinden wird der Event im Haus der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern im Süesswinkel.

Dieser Austragungsort kommt nicht von ungefähr: Die drei Veranstalter stammen alle aus der Fasnachtsszene und sind in der Stadt nicht unbekannt. Alceo Benedetti ist Ehrenpräsident der Vereinigten Guggenmusigen, Matthias Lips ist seit Jahren Präsident der Noggeler und Guido Huber war lange Tambourmajor bei den Födlitätschern und ist heute deren Präsident.

Auf Facebook wirbt die Veranstaltung mit folgendem Sujet:

Mit diesem Logo wirbt das Lozärner Altstadt Fäscht 2016 auf Facebook.

Mit diesem Logo wirbt das Lozärner Altstadt Fäscht 2016 auf Facebook.

(Bild: Matthias Lips)

«Es wird eng»

Sind an diesem Standort nicht Platzprobleme vorprogrammiert? Wenn alle, die auf Facebook zugesagt haben, kommen, könnte es ein riesiges Chaos geben. Und das Haus der Maskenliebhaber bietet gemäss Organisatoren Platz für 150 Personen. «Ja, es wird eng werden und es werden wohl nicht alle, auch mit der Rondelle, zu jedem Zeitpunkt Einlass erhalten», konstatiert Alceo Benedetti. Die Organisatoren haben sich jedoch ganz bewusst entschieden, im ersten Jahr den Event ausschliesslich auf diesen Ort zu beschränken, und hoffen auf das Verständnis der Besucher. Während des ganzen Abends rechnen sie mit rund 400 Gästen.  «Notabene geht es vor allem um das Spendensammeln», so Benedetti weiter. Angst, dass zu grosse Erwartungen geschürt wurden und die Besucher möglicherweise enttäuscht sein könnten, ist bei den Veranstaltern keine vorhanden.

Benedetti sagt: «Aufgrund der bisher sehr breiten Unterstützung, welche die Organisatoren erfahren durften, ist mit viel Verständnis seitens der Besucher zu rechnen.» Unzählige Helfer und Musiker hätten sich bisher per Aufruf oder von sich aus beim OK gemeldet und ihre Unterstützung angeboten. «Das Wohlwollen, sei es von Musikern, Sponsoren oder Helfern, ist gewaltig», sagt OK-Mitglied Matthias Lips. «Wir machen gemeinsam ein Fest für eine gute Sache – das motiviert uns extrem und beweist, dass wir eine Lücke füllen.»

Die drei Herren hatten die Idee, wieder ein Altstadt Fäscht im Haus der Maskenliebhaber-Gesellschaft durchzuführen.

Die drei Herren hatten die Idee, wieder ein Altstadt Fäscht im Haus der Maskenliebhaber-Gesellschaft durchzuführen.

(Bild: les)

Lokale Lieferanten kommen zum Zug

Die Veranstalter haben einen klaren Plan, wie der Anlass über die Bühne gehen soll. Bewirtschaftet wird am «Altstadt Fäscht» das gesamte Haus der Maskenliebhaber inklusive der bekannten Kegelbahn. Es werden viele in Luzern bekannte Formationen auftreten: Der Volksmusiker WillyTell, die Estella Benedetti & Michael G Band sowie die Coverband Mama’s Radio spielen im Saal zwischen 17 und 22 Uhr. Mit der Unterhaltungsband Porco Fidelio und den beiden Kleinformationen Labiil und Blächschade treten in der Kegelbahn sowie draussen im Süesswinkel stadtbekannte Luzerner Brassformationen auf.

«Ich hoffe, es kommt zu keinen enttäuschten Festbesuchern.»

Oliver Furrer, OK-Chef Luzerner Fest

Die Organisatoren haben sich auch bei der Getränke- und Speisekarte für Qualität anstelle von Quantität entschieden und setzen bewusst ausschliesslich auf lokale Lieferanten. «Bei uns gibt’s Würste und nicht Asiatisches», schmunzelt Benedetti.

OK-Chef des Luzernerfests gibt sich gelassen

In allen Ausführungen schwingt stets eine Portion Kritik am «grossen» Luzerner Fest mit. Alceo Benedetti sagt jedoch klar: «Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, wir sprechen den Rest der Luzerner Bevölkerung an.» Er betont zudem den solidarischen Gedanken (siehe Box) und dass das gesammelte Geld der gleichen Organisation gespendet würde. «Böses Blut will sicher niemand», so der Vereinspräsident.

«Es wurde auch für das Altstadt Fäscht eine Bewilligung eingeholt.»

Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen

Oliver Furrer, OK-Chef des Luzerner Festes, begrüsst den Anlass grundsätzlich, weil er ja denselben Zweck erfüllt. «Wir finden es etwas schade, dass er am selben Datum stattfindet.» Zudem hält Furrer fest: «Unser Festarmband berechtigt zu Leistungen, das Herz jedoch nicht. Ich hoffe, es kommt zu keinen enttäuschten Festbesuchern.» Als Konkurrenz sieht er das Altstadtfest aber nur bedingt. Und auch mit der leisen Kritik kann er leben. «Wir wollen ein Fest für alle Alterskategorien und alle Musikstile durchführen. Allen kann man es nicht recht machen.»

Und was sagt eigentlich die Stadt dazu? Schliesslich müssen solche Veranstaltungen bewilligt sein. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltung, sagt: «Es wurde auch für das Altstadt Fäscht eine Bewilligung eingeholt, insbesondere, weil für den Betrieb eines Grillstandes öffentlicher Grund genutzt wird.» Lütolf ergänzt, dass der Veranstalter Wert auf einen regelkonformen Umgang mit dem Event lege, und lobt die kooperative Zusammenarbeit. Weiteren Einfluss auf die Ausgestaltung des Anlasses nimmt die Stadt nicht, da mit dem Maskenliebhabersaal ein privater Raum genutzt wird.

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1 Kommentare
  1. Marcel Moser, 01.06.2016, 08:27 Uhr

    Ich verfolge die Geschichte des Ganzen nun seit einiger Zeit. Was die Initianten hier aus dem Hut zaubern ist wunderschön. Kein Gigantismus sondern ein schlichtes und gemütliches Fest. Dazu kann man Ihnen nur alles Gute und Toi Toi Toi wünschen. Und…. das dieses Fäscht keine Eintagsfliege bleiben möge. Vielleicht besinnen sich ja die Luzernerinnen und Luzerner an die schönen Zeiten des Altstadt-Fäschts. Liebe Luzerner ihr habt es in der Hand. Bitte stimmt mit den Füssen ab und nehmt den Weg zum Altstadt-Fäschts unter die Füsse. Die Organisatoren danken es Euch.