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Ein Pop-up-Spielplatz, der ganz ohne Rutschbahn und Schaukel auskommt
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Aus Karton, Röhren und Klebeband entstehen verrückte Dinge. (Bild: zvg)

Verein Spieltraum Luzern sucht neue Spiel-Räume Ein Pop-up-Spielplatz, der ganz ohne Rutschbahn und Schaukel auskommt

3 min Lesezeit 21.02.2020, 12:08 Uhr

Während in den Spielwarenläden massenweise Plastikkram verkauft wird, geht der Verein Spieltraum in Luzern ganz andere Wege. Weniger Kram, mehr Kreativität, so die Devise. Ein ungewöhnlicher Pop-Up-Spielplatz im Eichhof-Quartier beweist: Der Ansatz der Macher funktioniert.

«Mit Mikadostäben kann man natürlich Mikado spielen. Doch man kann damit auch Sachen jonglieren oder etwas aufbauen. Alles, was man in die Hand nimmt, ist vielfältig brauchbar», sagt Janine Basile. Sie ist die Koordinatorin des Luzerner Vereins Spieltraum, der vor über zwanzig Jahren gegründet wurde mit dem Ziel, das sogenannte «freie Spiel» zu fördern.

Damals zogen die Initianten noch durch die Luzerner Quartiere, wo sie ihre Spielsachen aufstellten, um Kinder aus der Gegend zum Spielen zu animieren. Es folgten erste Spielanlässe im BaBel-Quartier, Quartierfeste wurden mitunterstützt.

Angefangen hatte alles unentgeltlich. Nun jedoch ist der Verein «Spieltraum Luzern» quasi erwachsen geworden, hat Leistungsaufträge in den Städten Luzern und Zug und gar eine Koordinationsstelle eingerichtet.

Heute stört Kinderlärm mehr als früher

Man könnte meinen, dass Kinder sowieso genügend spielen, schlicht weil es in ihrer Natur liegt. Basile relativiert: «Die Freizeit vieler Kinder und Jugendlicher ist heute verplanter als früher. Auch scheint es, dass sich mehr Menschen ab Kinderlärm stören. Es ist nicht mehr überall möglich, uneingeschränkt zu spielen.»

Spieltraum sorgt dafür, dass von Zeit und Zeit Kinder die Strassen erobern können.

Auch ändere sich das Umfeld von Kindern mehr und mehr. «Kinder, die auf dem Land leben, können raus, um allein im Wald zu spielen. In der Stadt ist das nicht möglich. Es gibt mehr Gefahren, mehr Verkehr, mehr Beton.» Es sei deshalb wichtig, Spielwelten für Kinder im öffentlichen Raum zu schaffen. Oder aber die Gunst der Stunde zu nutzen und Leerstehendes flugs mit einem Pop-up-Spielplatz zu beleben.

Kartonkisten statt Rutschbahnen

Das passiert aktuell im Viva Luzern Eichhof. Das Haus Diamant wird gerade renoviert. «Der Speisesaal steht derzeit leer. Damit wir ihn während vier Wochen nutzen können, wurde er komplett ausgeräumt», sagt Basile. Es ist ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Fachstelle SpielRaum Bern durchgeführt wird.

Spielplatz? Klingt nach Rutschbahn und Kletterstangen. Nichts dergleichen. «Es gibt dort Kartonkisten und -röhren, Klebeband sowie Holzklötze. Ganz bewusst haben wir also Platz gelassen, um Freiheiten auszuleben.» Und diese Freiheiten würden gelebt: «Es ist so wuselig und so kreativ. Einfach weil der Raum dafür existiert.» Basile ist spürbar begeistert.

100 Besucher an einem Tag

An zehn Tagen war der Pop-Up-Spielplatz bereits geöffnet. Die Erfahrungen? «Für uns ist die Sache eine grosse Herzensangelegenheit. Darum ist es so schön, dass bisher viele tolle Rückmeldungen kamen. 100 Besucher waren vergangenen Mittwoch da», sagt Basile. Viele Eltern würden bereits jetzt nach einem Nachfolgeprojekt fragen.

Ein Dorf, ganz aus Karton, ist an diesem Tag entstanden.

Für den Verein sei dies ein grosser Ansporn, um nach weiteren Standorten für ein solches Pop-Up-Angebot zu suchen. «Etwas zu finden, das so hell, natur- und öV-nah ist wie der aktuelle Raum, ist wohl schwierig. Vielleicht ergibt sich ja etwas in der Rösslimatt», sagt die Koordinatorin von Spieltraum. Dort plant die HSLU derzeit eine grosse Überbauung (zentralplus berichtete).

Noch kann das Pop-Up-Angebot genutzt werden

Nicht zuletzt sei es auch eine Geldfrage. Gerade wenn es ein längeres Projekt werde, müssten Freiwillige gefunden werden, die mitmachen. «Für mich ist klar: Wenn wir einen geschlossenen Raum finden, dann wird es ein Winterprojekt. Ich finde es wichtig, dass man im Sommer draussen ist.»

Zweimal haben Luzerner Kinder bis zwölf Jahre noch die Möglichkeit, im Betagtenzentrum Eichhof zu spielen. Diesen Freitag, 21. Februar, zwischen 16 Uhr und 19 Uhr und am Samstag, 22. Februar, von 14 Uhr bis 17 Uhr.

Auf dem Pop-up-Spielplatz kann auch gebastelt werden.

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