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Ein paar Cars dürfen beim Inseli bleiben
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Die meisten Cars nutzen das Inseli nur zum Zwischenparken – das können sie weniger zentral tun, findet der Stadtrat. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzerner Stadtrat kommt Nein-Komitee entgegen Ein paar Cars dürfen beim Inseli bleiben

6 min Lesezeit 12.07.2017, 15:59 Uhr

Bürgerliche Parteien, Tourismus und Wirtschaft sind gegen ein carfreies Inseli. Zu gross sind die Sorgen um Schifffahrt, KKL und Määs. Die Stadt kontert nun: Die Määs auf dem Inseli sei gesichert. Und er präsentiert neue Ideen für Anhalteplätze für Cars in KKL-Nähe. Ist das Nein-Komitee nun zufrieden?

Am Anfang waren die Jungsozialisten alleine. Ihre Idee: Das Inseli carfrei machen – und die Grünfläche vergrössern. Die Unterschriften für die Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» waren schnell beisammen.

Dann kamen die hochtrabenden Pläne für die Salle Modulable in diesem Park dazu. Sie wirbelten die Debatte gehörig auf und verschwanden wieder. Zurück blieb die Initiative unter neuen Vorzeichen: Der Stadtrat und eine Mehrheit des Parlaments unterstützen jetzt ein Inseli ohne Cars – im September stimmt das Volk darüber ab (zentralplus berichtete).

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Gibt’s ein Ja, würden 26 Carparkplätze und 6 Halteplätze frühestens ab 2019 wegfallen. Das um 3’300 Quadratmeter erweiterte Inseli würde danach zuerst zwischengenutzt, und dann mittels eines Ideenwettbewerbs ab etwa 2023 umgestaltet.

Bürgerliches Gegenkomitee

Dagegen wehrt sich ein Komitee aus den Parteien CVP, FDP und SVP sowie der SGV, Wirtschaftsverbänden und Tourismus (zentralplus berichtete). Gar nichts soll sich beim beliebten Inseli ändern. Ihre Befürchtungen: Schiffsanlegeplätze und das KKL wären ohne Anhalteplätze für Cars nicht mehr gut zu erreichen – kurz: Es brauche auch auf dieser Seeseite einen zentralen Umschlagplatz für Cars und Reisebusse. Zudem sehen sie die Herbstmesse mit ihrem Lunapark und den Ständen auf dem heutigen Parkplatz gefährdet.

«Es verwundert mich schon, dass gewisse Politiker damals für die Salle Modulable waren, jetzt aber das Argument Määs gegen die Grünzone auf dem Inseli einsetzen.»

Adrian Borgula, Stadtrat

Jetzt nimmt der Stadtrat dem Nein-Komitee den Wind aus den Segeln und versichert: Die Määs bleibt auf dem Inseli, auch nach Annahme der Inseli-Initiative. Ein deutliches Bekenntnis also – für Stadtrat Adrian Borgula ist das konsequent: «Wir haben schon immer – namentlich beim Projekt Salle Modulable – deutlich gemacht, dass sich der Stadtrat für eine Määs in der Innenstadt einsetzt.»

Die Määs bleibt

Es werde zwar Anpassungen geben für die Herbstmesse, aber die Bedingungen sollen sich gar verbessern, weil mit einer Umgestaltung des Parks auch die Infrastruktur – also Strom, Wasser und Abwasser – für die Stände erneuert werden können. Zudem werde der Boden des neuen Grünraums so gestaltet, dass darauf weiterhin der Lunapark mit seinen Ständen stehen kann.

Adrian Borgula: «Mit der Salle Modulable wäre die Voraussetzung für die Määs auf dem Inseli deutlich schwieriger geworden. Deshalb verwundert es mich schon, dass gewisse Politiker damals für die Salle Modulable waren, jetzt aber das Argument Määs gegen die Grünzone auf dem Inseli einsetzen.»

Es bleibt noch Zeit

Weil das Inseli frühestens 2023 umgebaut wird, bleibe für «verlässliche Lösungen für die Car-Fragen» genügend Zeit. Zudem verspricht der Stadtrat: «Der Terminplan gilt nur unter der Voraussetzung, dass bis zu diesem Zeitpunkt adäquate Lösungen für die Cars vorhanden sind, welche heute das Inseli nutzen.» Dies schreibt der Stadtrat in einer Antwort auf eine Interpellation von FDP-Stadtrat Fabian Reinhard.

Der Widerstand gegen den Wegfall der Carplätze hat aber durchaus Wirkung gezeigt: Der Stadtrat geht auf die Bedürfnisse von Kultur und Schifffahrt ein und hat seit der Car-Debatte im Parlament vom April mit Vertretern von KKL und SGV gesprochen. «Es ist unbestritten, dass für diese beiden Anziehungspunkte eine Lösung gefunden werden muss, damit die Zufahrt zu diesen kulturell und touristisch wichtigen Anbietern auch in Zukunft gewährleistet ist», so der Stadtrat. Er präsentiert darum neue Ideen: Bis zu sechs neue Anhaltefelder sind laut Stadtrat in der Umgebung Bahnhof/Inseli möglich.

Einerseits könnten sich durch die geplante Umgestaltung des Busbahnhofs neue Möglichkeiten bei der Schifflände vor dem Café «Luz» ergeben. Die Stadt erhofft sich, dass diese Plätze ab 2020 weniger stark als Abstellplatz für VBL-Busse genutzt werden und so mehr den Schifffahrtsgesellschaften dienen.

Auch beim Restaurant «Luz», gleich bei der Schifflände, könnten Cars künftig vermehrt anhalten.

Auch beim Restaurant «Luz», gleich bei der Schifflände, könnten Cars künftig vermehrt anhalten.

(Bild: zvg)

Andererseits sind auch entlang der Strasse des Inseliquais maximal drei bis vier Anhalteplätze denkbar. Also just neben der Fläche, wo die jetzigen Car-Parkplätze wegfallen. Dies aber nur mit «grosser Zurückhaltung», wie der Stadtrat relativiert, entscheidend sei, dass für die heute an dieser Stelle platzierten Veloabstellplätze und für den Fussverkehr eine Lösung gefunden wird. Das werde in den Gestaltungsplan für das Inseli miteinbezogen, so der Stadtrat.

Entlang des Inseliquais kann sich der Stadtrat maximal drei bis vier Halteplätze für Cars vorstellen.

Entlang des Inseliquais kann sich der Stadtrat maximal drei bis vier Halteplätze für Cars vorstellen.

(Bild: zvg)

Parkplätze am Stadtrand

Für die wegfallenden 26 Car-Parkplätze hält der Stadtrat an seinem Bericht zur Carparkierung fest. Ersatz dafür sei mittelfristig in den Bereichen Mattenhof, Allmend, Ibach oder Ried – also in der Peripherie – denkbar. Das ist laut Stadtrat zumutbar, weil nur ein kleiner Anteil der heutigen Cars beim Inseli einen direkten Bezug zur Innenstadt hat. «Aus diesem Grund müssen die Parkplätze nicht zwingend an einem zentralen Ort wie dem Inseli liegen», so der Stadtrat.

«Eine wirkliche Lösung für die wegfallenden Carplätze beim Inseli präsentiert der Stadtrat immer noch nicht.»

Fabian Reinhard, FDP-Grossstadtrat

Aber auch in der Stadt selbst gibt es noch Ersatzmöglichkeiten zur Zwischenparkierung, wie die neue Lösung mit der VBL zeigt: Im Depot gibt es seit Juli tagsüber acht Plätze für Cars (zentralplus berichtete).

Nein-Komitee ist nicht zufrieden

Fabian Reinhard nimmt die Antwort zur Kenntnis, doch sie ist für nicht mehr als eine «vage Absichtserklärung»: «Eine wirkliche Lösung für die wegfallenden Carplätze beim Inseli präsentiert der Stadtrat immer noch nicht.»

Das Argument, dass genügend Zeit bleibe, lässt er nicht gelten: «Wir stimmen im September über die Juso-Initiative ab, das Volk erwartet vom Stadtrat, dass er jetzt eine Lösung hat – oder dass er einen Gegenvorschlag präsentiert hätte.» Es sei zudem alles andere als sicher, ob die vorgeschlagenen Ersatzhalteplätze auch wirklich funktionieren würden.

Auch den Dialog mit Vertretern von SGV und KKL hält Reinhard als nicht zufriedenstellend – und verweist darauf, dass sich SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter im Nein-Komitee engagiert. «Der Stadtrat agiert nach dem Prinzip Hoffnung und tut in der Hektik so, als ob alles kein Problem sei», so Reinhard.

Reinhard setzte sich damals für eine Salle Modulable auf dem Inseli ein, welche die Määs gefährdet hätte – ein Widerspruch? «Damals war die Ausgangslage noch ganz anders, und wir waren in der Planung noch nicht so weit», sagt er. Zudem sei das Parkhaus Musegg als Alternative noch nicht versenkt gewesen.

Inseli-Initianten sind zufrieden

Im Gegensatz zum Nein-Komitee sind die Initianten «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» mit der Antwort des Stadtrates zufrieden. «Die Inseli-Initiative ist problemlos umsetzbar ohne Einschränkungen für Määs, KKL oder SGV», schreiben die Luzerner Jungsozialisten. Sie sind überzeugt: Die gesamte Bevölkerung profitiere, ohne dass dadurch Engpässe bei den Anhalte- und Parkiermöglichkeiten zu erwarten seien.

Dem Initiativ-Komitee sei es ein wichtiges Anliegen, dass die Määs weiterhin auf dem Inseli stattfinden kann. Auch die Vorschläge des Stadtrates zu neuen Caranhalteplätzen entlang des Inseli-Quais und der Schifflände beurteilt das Komitee als «sinnvoll und zielführend».

Kritik gibt’s an die Adresse der bürgerlichen Vertreter: «Beim Projekt Salle Modulable war von Beginn an klar, dass die Carparkplätze verschwinden werden. Dass nun dieselben Personen unter allen Umständen die Parkplätze auf dem Inseli erhalten wollen, ist schwer nachzuvollziehen», schreibt die Juso.

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