Ein neues Quartier soll der alten Baarer Spinni alle Ehre machen
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Daniel Bünzli (l.) und Urs Oechslin gehören zum Architekturbüro Lilin in Zürich, welches den Wettbewerb für die Überbauung gewonnen hat. (Bild: wia)

370 Wohnungen, Cafés und ein Hotel sind geplant Ein neues Quartier soll der alten Baarer Spinni alle Ehre machen

4 min Lesezeit 2 Kommentare 30.09.2021, 04:41 Uhr

Wer sich im Kanton Zug gegen Corona impfen liess, kennt die Spinnerei in Baar vermutlich. Nur wird sie einem kaum als Bijou in Erinnerung geblieben sein. Nun ist jedoch ein grosses Projekt auf dem Gelände geplant. Eines, das sowohl Urbanität schafft, als auch der Baarer Geschichte gerecht werden will.

Es dürfte der Traum eines jeden Architekten sein, ein Gelände wie das Spinni-Areal in Baar zu bebauen. Denn der Ist-Zustand ist alles andere als befriedigend und es kann eigentlich nur besser werden. Steht man an der Hauptstrasse und blickt in Richtung der Spinnerei, die Baar während der Industrialisierung massgeblich geprägt hat, fällt das ursprüngliche Gebäude von 1853 gar nicht erst auf.

Vor diesem erheben sich nämlich Fabrikhallen aus den Achzigern, die der Geschichte so gar nicht Rechnung tragen. Hinter dem 220 Meter langen Spinnereibau sieht es nicht besser aus. Zwar ist das Gebäude von der Rückseite her immerhin sichtbar, doch sind die rund 500 ebenerdigen Parkplätze davor doch sehr unattraktiv.

Hinter der Spinnerei steht eine tägliche Blechlawine.

Das soll sich nun jedoch ändern. Weg mit dem Achziger-Mief, her mit Wohnungen, Läden, einem Hotel und neu geschaffenen Grünflächen (zentralplus berichtete). Und das, ohne den geschützten, ehemaligen Fabrikbau von 1853 ausser Acht zu lassen. Im Gegenteil. Das Projekt der Lilin Architekten SIA GmbH, welches den Studienauftrag um die Gebietsbebauung gewann und nun zum Richtprojekt ausgearbeitet wurde, sieht den 220 Meter langen Bau als Herzstück des neuen Quartiers. Keines der entstehenden Bauten wird den altehrwürdigen Spinnereibau überragen, das höchste der entstehenden Häuser, der «Silo», wird acht Stockwerke aufweisen.

Insgesamt sollen künftig 700 Personen auf dem Spinni-Areal leben können, welches seit 2015 im Besitz der Patrimonium Anlagestiftung sowie des Patrimonium Swiss Real Estate Funds ist. Daneben entstehen Büros wie auch Kultur-, Freizeit- sowie Bildungseinrichtungen.

Die Spinnerei im frühen 20. Jahrhundert.

Christoph Syz von Patrimonium sagt: «Unser Ziel ist es, ein Projekt zu entwickeln, das nicht nur eine langfristige Anlage für uns ist, sondern auch eine nachhaltige Wohnlichkeit ausstrahlt. Entsprechend planen wir auch viele Freiräume ein.» Für diese zeichnet Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur verantwortlich. Syz klingt überzeugt, als er sagt: «Ich glaube, hier kann ein spannendes Quartier entstehen.»

66 preisgünstige Wohnungen, ebenso viele extra für Senioren

Von den 370 Wohnungen, die auf dem Spinni-Areal entstehen, sollen 66 preisgünstig werden. 238 werden im mittleren Preissegment angesiedelt, dazu kommen 66 Alterswohnungen. Die Parkplätze, welche heute omnipläsent sind, werden unter die Erde verlegt.

Obwohl die Spinni denkmalgeschützt ist, soll im Zuge des Projekts ein Durchgang durch das bestehende Fabrikgebäude entstehen. Schlicht, damit Wege verkürzt werden können. Dies hat zudem den schönen Effekt, dass dem heutigen Verwaltungsgebäude, welches vor lauter 80er-Jahre-Fabriken und parkierten Autos völlig untergeht, neuer Glanz verliehen wird.

Das Verwaltungsgebäude an der Langgasse liegt heute eingepfercht zwischen Fabrikbauten.

Hinter dem Verwaltungsgebäude soll der sogenannte «Henggelerplatz» entstehen, welcher an Wolfgang Henggeler erinnert, der im 19. Jahrhundert nicht nur die Spinnerei in Baar, sondern auch jene in Neuägeri und Unterägeri ins Leben rief.

Der Henggelerplatz, links das Verwaltungsgebäude von der Hinterseite.

Die beiden Architekten Urs Oechslin und Daniel Bünzli verraten ihre Pläne für den Henggelerplatz im Video:

Die 400 Arbeitsplätze in der Spinnerei sollen in den neuen Gemäuern bestehen bleiben, wie Christoph Syz betont. Ausserdem soll hier künftig ein kleiner Lebensmittelladen Einzug halten, «jedoch nur über eine Fläche von 600 Quadratmetern, da dieser keine Konkurrenz zu den bestehenden Läden im Dorf darstellen soll».

Dutzende Bäume und ein aufgewerteter Kanal

Auf der Vorderseite, zwischen Decathlon und Langgasse fliesst, wie er es bereits seit 170 Jahren tut, ein Kanal. Dieser speist ein kleines Kraftwerk und wurde einst für die Industrie verwendet. Nur: Gattung macht er nicht. Architekt Urs Oechslin sagt dazu: «Auf diesem engen Raum zwischen Gebäude und Gewässer ist heute kaum eine Interaktion möglich.

Der Kanal soll künftig zwar bestehen bleiben, doch aufgewertet werden.» Aufwertung ist sowieso ein grosses Stichwort. An vielen Orten, etwa an der Strasse, aber auch in den schmaleren Durchgängen zwischen den Gebäuden, sind Bäume geplant. Ebenso soll ein Spielplatz entstehen.

Ein weiteres Bijou: Der Quartierplatz, also jene Fläche, auf der heute Fitnessfreunde und Fans des Warenpostens parkieren. Die Architekten erklären, was hier genau geschehen soll.

So sieht die weitere Planung aus

Das Richtprojekt bildet die Basis, um den heute gültigen Bebauungsplan zu überarbeiten. Zusätzlich ist der Zonenplan anzupassen. Beide Änderungen kommen voraussichtlich im Sommer 2022 vor die Gemeindeversammlung. Bei der Frage, wann frühstens mit dem Bauen begonnen werden kann, hält man sich bedeckt. 2025 werde es vermutlich schon, so die Verantwortlichen.

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2 Kommentare
  1. W. Bührer, 04.10.2021, 11:54 Uhr

    Ich denke, dass die zunehmende Urbanisierung (hier konkret die alten Baarer Spinni) nicht nur als Problem gesehen werden sollte, sondern auch als Chance. Natürlich gibt es Herausforderungen, die durch die Urbanisierung entstehen: Wohnraum und Infrastrukturen müssen errichtet, Beschäftigungsmöglichkeiten kreiert und Mobilitätsangebote geschaffen werden. Und das alles vor dem Hintergrund des globalen Umwelt- und Klimawandels.

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  2. Jochen, 30.09.2021, 15:03 Uhr

    Das wird ein schöner Spass und ein Verkehrschaos auf der Langgasse par Excellence, wenn dann auch noch die Obermühle bebaut wird.
    Die Umfahrung auf Aegeri könnte nur einen Tropfen auf den heissen Stein gewesen sein.

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