Ein neuer Retro-Foodvan kurvt durch Zug
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Stephanie Spörri und Dinah Schweiger in ihrem Foodvan. (Bild: zvg)

Von der Fleischesserin bis zum Veganer werden alle satt Ein neuer Retro-Foodvan kurvt durch Zug

5 min Lesezeit 27.09.2020, 11:30 Uhr

In Zug gibt es seit Kurzem ein neues Food-Projekt. Mit einem alten, umgebauten VW-Bulli fahren zwei Zugerinnen durch den Kanton und sorgen in den Mittagspausen für kulinarische Abwechslung. Wovor sich die beiden Freundinnen fürchten: Vor einer gesalzenen, nassen Fahrbahn während des Winters.

Gutes, saisonales Essen, schnell und unkompliziert serviert. Werte, welche die beiden Zugerinnen Dinah Schweiger und Stephanie Spörri bei ihrem neuen Herzensprojekt hochhalten.

Ein Projekt, das nun, dank geglücktem Crowdfunding, wortwörtlich ins Rollen gekommen ist. In einem umgebauten alten VW-Bulli kurven die beiden Frauen durch den Kanton und servieren Mittagsmenüs. Dabei wollen sie verschiedensten Ernährungsweisen Rechnung tragen. Veganerinnen, Vegetarier, aber auch Fleischesserinnen sind willkommen.

«Letzten Sonntag haben wir die 20’000-Franken-Marke überschritten und damit unser festgesetztes Crowdfunding-Ziel erreicht», sagt Spörri glücklich, als wir die frischen Gastro-Unternehmerinnen bei ihrem Foodvan besuchen. An diesem Donnerstag steht dieser bei der Carrosserie Aschwanden in Inwil bei Baar. Ein doch eher unscheinbarer Standort in der Industrie, könnte man meinen. Bis man die Menschenschlange sieht, die sich vor dem umgebauten Van gebildet hat.

Das Essen, das hier serviert wird? Gut, einfach, unkompliziert. Das haben sich die Foodvan-Betreiberinnen fest vorgenommen.

«Bis jetzt läuft es richtig gut», bestätigt Spörri. Dabei ist der September für die Foodvan-Betreiberinnen erst eine Probephase, um herauszufinden, ob überhaupt genügend Gäste kommen und wie der Betrieb am besten organisiert werden kann.

Eine Köchin, die Erfahrung beim «Hexer» gesammelt hat

«Tatsächlich gibt das Projekt erstaunlich viel zu tun», sagt Stephanie Spörri, die dafür ihren Job als Primarlehrerin von 80 auf 60 Prozent reduziert hat. Ihre Freundin Dinah Schweiger widmet sich beruflich ganz dem Foodvan. Vor diesem Projekt hat die ausgebildete Köchin unter anderem für den «Hexer» im Entlebuch und in weiteren bekannteren Restaurants gearbeitet.

Dass ihre beruflichen Wege so unterschiedlich sind, sehen die beiden Zugerinnen als Gewinn. «Während Dinah eher kreativ veranlagt ist, bin ich sehr organisiert. Wir kochen zwar beide, doch hat Dinah klar den Lead. Ich schnipple primär.» Vielmehr ist sie fürs Marketing zuständig, kümmert sich ums Crowdfunding und die Buchhaltung.

Obwohl es bereits 13 Uhr ist, finden doch noch Kunden den Weg zum Foodvan.

Bereits am Abend vor einem Verkaufstag bereiten die beiden Freundinnen jeweils das Mittagessen für den nächsten Tag vor. Das geht nicht anders, da der Van noch nicht zur Genüge ausgebaut ist. Das könnte sich jedoch bald ändern. «Das Geld aus dem Crowdfunding brauchen wir zum einen für den Kauf des Vans, zum anderen für dessen Ausbau», erklärt Schweiger. Noch stehen erst zwei mobile Herdplatten behelfsmässig auf einer der Ablageflächen im Auto. Alles sieht etwas handgezimmert aus.

Flexibilität als Trumpf

«Wir hatten anfangs ziemlich Mühe, uns mit der Idee eines Crowdfundings anzufreunden und einfach Geld von Unterstützern anzunehmen», sagt Spörri. «Der Gedanke, dass diese jedoch immer eine Gegenleistung erhalten, hilft uns aber sehr.»

Obwohl es mittlerweile bereits 13 Uhr ist, kommen immer neue Gäste, um sich ein Mittagessen zu kaufen. «Dabei haben wir ausser auf den sozialen Medien keine Werbung gemacht», ist Spörri erstaunt. Heute auf der Karte: Baked Potatoes mit Chili con Carne oder an vegetarischer mexikanischer Sauce, ausserdem Kürbissuppe. Kleine Details wie die mit Balsamico und Kürbiskernöl beträufelte Suppe verraten, dass hier mit Liebe, Talent und Sorgfalt gekocht wird.

«Bewusst haben wir uns kulinarisch auf keine bestimmte Richtung festgelegt. Das Wichtigste ist uns die Flexibilität.» So sind die Menüs je nach Ernährungsstil variierbar. «Ausserdem legen wir Wert darauf, dass beispielsweise das Fleisch vom lokalen Metzger kommt. Auch ein grosser Teil des Gemüses stammt von den umliegenden Bauernbetrieben», so Schweiger.

Erst im Juni begann das Team zu planen

Spörri erzählt, wie die Idee einer mobilen Gastronomie entstand: «Seit 13 Jahre bin ich Primarlehrerin. Obwohl ich meinen Job nach wie vor sehr gerne mache, hatte ich irgendwann das Gefühl, etwas Neues ausprobieren zu wollen.» Auch Schweiger war in der letzten Zeit beruflich nicht ganz glücklich, hatte ihren Job gekündigt und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. «Auf die Idee mit dem Foodvan hat mich mein Freund gebracht», sagt Spörri.

Im Juni dieses Jahres hat sie ihre Freundin ins Boot geholt. Die letzten drei Monate waren sie intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt. Während die beiden Frauen erzählen, kommen immer wieder neue Gäste vorbei, setzen sich zum Essen auf den Boden oder nehmen das Zmittag mit, um es im Büro zu verspeisen. Alles wirkt sehr unkompliziert.

Der hübsche weisse VW-Bulli, den die beiden nutzen, ist gemietet. Noch jedenfalls. «Mit dem Besitzer ist abgemacht, dass wir ihn kaufen können, falls wir das Geld zusammenbringen», so Spörri. Und das ist nun passiert. Die 20’000 Franken, die bereits gesammelt werden konnten, stellen die Hälfte des benötigten Geldes dar. «Für die andere Hälfte kommen wir persönlich auf.»

Im Winter wird der Wagen ausgebaut

Der Probemonat September ist bald vorbei. Nächsten Donnerstagabend sind Schweiger und Spörri in der Galvanik anzutreffen, danach ist vorerst Pause. Die beiden machen Ferien, danach beginnen sie mit dem Umbau des Busses. Und dann? «Wir haben bereits ziemlich viele Anfragen für Caterings und Firmenessen, doch ob wir während der kalten Jahreszeit auch auf öffentlichen Plätzen anzutreffen sein werden, ist noch etwas unklar.»

Denn der alte Bus habe den Nachteil, dass er Nässe und insbesondere Salz nicht verträgt. «Demnach können wir im Winter nur bei trockener Witterung damit fahren.» Es ist eine gewisse Planlosigkeit, welche die beiden Frauen ganz bewusst eingegangen sind. «Auch einen Businessplan haben wir vorgängig nicht erarbeitet. Dafür bringen wir sehr viel Freude mit», sagt Spörri und lacht.

Last but not least: Eine Frage, die seit Corona viele bewegt: Ist Kartenzahlung im Foodvan möglich? «Natürlich.» Ein Glück für die in der Schlange stehende Businessfrau, die gerade erschreckt festgestellt hat, dass sie gar kein Bargeld bei sich trägt.

Stephanie Spörri und Dinah Schweiger vor ihrem Foodvan.

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