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Ein Museum zwischen moderner Kunst und scharfen Klingen
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Bettina Staub und Sibille Arnold im Museum Sankturbanhof. (Bild: giw )

Kulturlokale auf dem Land: Sankturbanhof Sursee Ein Museum zwischen moderner Kunst und scharfen Klingen

5 min Lesezeit 11.04.2018, 11:00 Uhr

Wo einst die reichen Güter und Einkünfte der Abtei St. Urban verwaltet wurden, erzählt der Sankturbanhof Sursee heute die Geschichte der Region. Statt auf trockene Fakten setzen die Leiterinnen aber auf Spiele, Fechtübungen und Streifgänge durch örtliche Gärten. Doch weil der wichtigste Geldgeber spart, droht das Angebot zu schwinden.

Am Rande des malerischen Städtchens Sursee steht das Museum «Sankturbanhof». Ein Kulturraum, der als Schnittpunkt zwischen Stadt und Land, Vergangenheit und Zukunft, aber auch Konventionellem und Gewagtem verstanden werden kann.

Im historischen Amtshaus der Abtei St. Urban, das vor mehr als 420 Jahren erbaut wurde, manifestiert sich das bereits in der Innenarchitektur. In der einen Hälfte des Gebäudes, mit dem Äbtesaal als Herzstück, ist die ehrwürdige Geschichte des Hauses klar erkennbar. Die Räume in diesem Flügel der Ausstellung zeigen verschnörkelte Wandbemalungen, eine massive Tür markiert den Übergang. Die andere Hälfte des Hauses wurde nach der Renovation deutlich umgestaltet, hier dominieren klare Formen und neutrale, weiss gestrichene Räume.

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Ein langer Weg

Co-Leiterin Bettina Staub führt uns durch das Haus mit den vielfältigen Sammlungen, für die sie seit 18 Jahren verantwortlich ist. Im November 2004 sagte die Bevölkerung Ja zur Sanierung des Hauses und zum regionalen Museumsbetrieb – zuvor fehlte ein fester Ort, um die Objekte auszustellen.

«Wir haben die Abstimmung mit nur wenigen hundert Stimmen Unterschied gewonnen», sagt Staub. Ein Entscheid, der das Ende eines langwierigen Prozesses markierte. Bereits 1979 wurde ursprünglich die Stiftung Stadtmuseum ins Leben gerufen mit dem Ziel, eine Ausstellung im Sankturbanhof einzurichten und die bildende Kunst zu fördern. Erst im Jahr 2007 öffnete der Sankturbanhof schliesslich seine Pforten der Öffentlichkeit. Zuvor war es ein heruntergekommenes Gebäude, das seit dem Jahr 1982 nicht mehr bewohnbar war.

«Inzwischen ist man sich bei allen politischen Parteien einig, dass Sursee ein solches Haus braucht.»
Bettina Staub, Co-Leiterin Sankturbanhof

Seit 2015 steht ihr mit Sibille Arnold eine jüngere Kollegin zur Seite. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die beiden Kunsthistorikerinnen heute regionale Kunst und die Geschichte von Sursee zur Schau stellen können.

Zwischen alt und neu: Das Museum Sankturbanhof in Sursee.

Zwischen alt und neu: Das Museum Sankturbanhof in Sursee.

(Bild: giw)

Kunterbuntes Sammelsurium

Im vergangenen Herbst feierte der Sankturbanhof sein zehnjähriges Bestehen – und der Betrieb hat sich in der Zeit gut etabliert in Öffentlichkeit und Politik. Die Zweifler sind verstummt. «Inzwischen ist man sich bei allen politischen Parteien einig, dass Sursee ein solches Haus braucht.» Im Gegensatz zur Stadt Luzern sei der Besucherkreis im ländlichen Sursee jedoch etwas kleiner – und ein paar Unverbesserliche bleiben: «Es gibt auch kritische Leute, die nie hierher kommen werden.»

Serie: Kultur abseits der Stadt

In einer Serie stellt zentralplus Luzerner Kulturräume vor, die von Städtern oft links liegen gelassen werden. Zu Unrecht, denn die Kultur auf dem Land ist lebendig, vielfältig und findet an charmanten Orten statt.

Ab Sonntag, 29. April, 11 Uhr, wird im Sankturbanhof «Stadtgemüse – Eine Ausstellung für Menschen mit und ohne grünen Daumen» eröffnet. Das Programm läuft bis zum 4. November.

Arnold und Staub wagen durchaus etwas – statt verstaubte Requisiten gibt es hier viele spielerische, interaktive Elemente. Gemeinsam haben die beiden auf das Jubiläum hin die Dauerausstellung neu kuratiert. Gar nicht so einfach – denn die vielen Sammlungen sind zuweilen äusserst unterschiedlich. «Die Dauerausstellung neu zu gestalten, war ein sehr intensiver Prozess – schliesslich muss sie auch einige Jahre Bestand haben.»

Wie komplex die Aufgabe ist, demonstriert Georg Staffelbach (1900–1983), ein geistlicher Kantonsschullehrer aus Sursee, der einfach alles sammelte in seinem Leben. Von Möbeln über Bilder bis hin zu Goldschmiedekunst und Skulpturen bewahrte er ein kunterbuntes Sammelsurium auf und richtete 1963 eine Stiftung ein. «Ohne Staffelbach würde es das Museum vielleicht nicht geben – gleichzeitig haben nicht alle Objekte seiner Sammlung Museumsqualität oder überhaupt einen Bezug zu Stadt und Region.»

Oder da wäre die Waffensammlung des Carl Beck – der ehemalige Nationalrat sammelte Hunderte Schwerter, Degen und Dolche. Und auch die farbigen Keramiken und Gemälde des Franz Grossert y Cañameras, der seine Arbeit nach seinem Tod 2009 dem Sankturbanhof vermachte, wurden Arnold und Staub anvertraut. 

Spielerische Ausstellung

Aus dieser breitgefächerten Ausgangslage heraus haben die beiden unterschiedliche Räume gestaltet. Unter anderem wird die Stadtgeschichte anhand eines Kartenquartetts aufgearbeitet. Hier tritt beispielsweise die ikonische Sonnenmaske der Gansabhauet gegen ein traditionelles Reklameschild eines historischen Wirtshauses an.

«Wir wollen die Menschen in Sursee miteinbeziehen.»

Sibille Arnold, Co-Leiterin Sankturbanhof

In einem anderen Raum darf man eigene Persönlichkeitsmerkmale angeben – und wird dann mit einem berühmten Sohn oder einer Tochter der Stadt bekannt gemacht, der ähnliche Attribute hat. Die ausgestellten Objekte sind dabei jeweils Ausgangspunkt, um Vergangenes und Aktuelles zu erzählen.

Die Vielfalt befruchtet auch die Wechselausstellungen, welche dem Haus ihre Dynamik geben. Im vergangenen Frühling, als die militärische Sammlung von Beck im Zentrum stand, wurden im museumseigenen Garten beispielsweise die Klingen gekreuzt.

Im Austausch mit der Bevölkerung

Bis vor kurzem war die jurierte Ausstellung mit aktuellem Kunstschaffen aus der Region im Haus – eine von insgesamt vier Ausstellungen auf der Luzerner Landschaft. «Die Partnerschaft mit Willisau und Entlebuch ist für uns wertvoll, sie bildet ein Netzwerk auf dem Land, ansonsten würden wir etwas alleine dastehen.»

Bald steht der Sankturbanhof im Zeichen des «Urban Gardening» (siehe Box). Die Ausstellung wurde vom Mühlerama Zürich übernommen und von Arnold teilweise angepasst und erweitert. Dabei wird nicht nur das Museum bespielt, sondern geplant sind auch zahlreiche Aktivitäten in und um Sursee. So geht es unter anderem in den Klostergarten und in die örtlichen Schrebergärten. «Wir wollen die Menschen in Sursee miteinbeziehen», sagt Arnold.

Sibille Arnold (links) und Bettina Staub führen gemeinsam das Museum Sankturbanhof Sursee.

Sibille Arnold (links) und Bettina Staub führen gemeinsam das Museum Sankturbanhof Sursee.

(Bild: giw)

Stadt spart beim Sankturbanhof

Gegen 6’000 Besucher finden jährlich den Weg in das kreativ bespielte Haus, die Zahlen sind stabil. Bei diesem breiten Mix ist nicht verwunderlich, dass die Herkunft der Gäste sehr unterschiedlich ist, wie Co-Leiterin Staub erklärt.

Doch nicht alles ist rosig: Das Museum Sankturbanhof muss sparen, weil die Kommune seit diesem Jahr seine Beiträge um jährlich 30’000 Franken kürzt – neu bezahlt Sursee 420’000 Franken an den Museumsbetrieb. Die Stadt ist mit Abstand wichtigste Geldgeberin. «Es gibt verschiedene mögliche Massnahmen, wie wir darauf reagieren können», sagt Stiftungspräsidentin Ruth Balmer.

Eine Möglichkeit besteht laut Balmer darin, die Anzahl der Wechselausstellungen zu reduzieren. Eine andere Option sind neue Finanzierungsquellen: Balmer möchte vermehrt private Geldgeber gewinnen, strebt eine engere Zusammenarbeit mit der Volksschule an und kann sich auch ein Crowdfunding vorstellen. «Es wird jedoch nicht ganz einfach, die öffentlichen Mittel zu ersetzen», sagt Balmer. Der Stiftungsrat prüft derzeit verschiedene Strategien.

Weitere Eindrücke aus dem Sankturbanhof:

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