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Ein Motel am Rande Luzerns – das «aus der Not» entsteht
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«Der Bau des Motels ist eine spezielle Angelegenheit und nicht etwa ein 0815-Fall», sagt der Bauherr der Motels. (Bild: ida)

Da in Neudorf Gewerbefläche bebaut werden musste Ein Motel am Rande Luzerns – das «aus der Not» entsteht

4 min Lesezeit 17.09.2018, 16:45 Uhr

Nahe der Grenze zum Aargau entsteht in der Gemeinde Beromünster ein Motel. Die Bauarbeiten sind jedoch in Verzug. Der Bauherr möchte Handwerker und zugleich Turnier-Golfspieler ansprechen. Doch eigentlich wird das Motel nur gebaut, weil «kein Weg dran vorbeiführte».

Neudorf, im Volksmund «Nüderef» genannt – ein 1’000-Seelen-Dorf. Wir befinden uns am Rande Luzerns, nahe des Flugplatzes Beromünster. Die Umgebung: Kuhweiden. Fleissige Hände arbeiteten in den letzten Monaten an einer 14-Millionen-Franken-Überbauung, wozu auch ein Motel mit elf Doppelzimmern und fünf Einzelzimmern gehört. In den Augen des Bauherrn fülle man damit eine Marktlücke, wie er erklärt. Er sagt jedoch im gleichen Atemzug, dass das Motel nicht von Anfang an vorgesehen war.

«Der Entscheid, ein Motel in Neudorf zu realisieren, ist aus der Not entstanden», räumt Viktor Salicunaj, Geschäftsführer der «Consus Immobilien GmbH» ein. Er tritt als Bauherr von drei Liegenschaften der neuen Überbauung auf.

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Das Motel hätte ab Februar 2018 bezugsbereit sein sollen. Recherchen und ein Augenschein vor Ort zeigen, dass die Arbeiten jedoch noch nicht abgeschlossen wurden. Die Farbeimer sind bereit, stehen jedoch seit Monaten unberührt da.

«Motel ist kein 0815-Fall»

Gemäss Viktor Salicunaj kam es zu einer Verzögerung, weil es schwierig einzuschätzen gewesen sei, wann die Baubewilligung effektiv erteilt werde. Deswegen möchte er jedoch nicht der Gemeinde den schwarzen Peter zuschieben. Denn er betont: «Der Bau des Motels ist eine spezielle Angelegenheit und nicht etwa ein 0815-Fall.»

«Neudorf ist schon ein wenig abseits und hat den Ruf, ein Schlafnest zu sein.»

Viktor Salicunaj, Bauherr des Motels

Einsprachen während der Auflage des Baugesuches habe es keine gegeben. Salicunaj realisierte neben dem Motel auch vier Wohnblöcke. Diese seien innert kürzester Zeit alle verkauft beziehungsweise vermietet worden – die letzte Attikawohnung sei reserviert.

«Zimmer werden in unserer Region gesucht.»

Charly Freitag, Gemeindepräsident von Beromünster

Da der rechtskräftige Zonenplan eine Mischzone in der Gegend vorschreibt, musste neben den Wohneinheiten rund 900 Quadratmeter Gewerbefläche realisiert werden. Lange Zeit habe sich Viktor Salicunaj dagegen gesträubt und nicht gewusst, was er mit einer Gewerbefläche dieser Grössenordnung in Neudorf anfangen solle. «Neudorf ist schon ein wenig abseits und hat den Ruf, ein Schlafnest zu sein», gibt er zu. Man habe viel Zeit investiert, um abzuwägen, was man mit dem zur Verfügung stehenden Areal machen solle. Dann kam die Idee mit dem Motel auf: «Es führte kein Weg dran vorbei», so Salicunaj. 

Die Farbeimer stehen schon seit einer ganzen Weile bereit.

Die Farbeimer stehen schon seit einer ganzen Weile bereit.

(Bild: ida)

Gemeinderat befürwortet Motel

Laut Charly Freitag, Gemeindepräsident von Beromünster, stelle das neue Motel in Neudorf eine passende Ergänzung zum Angebot in der Gemeinde dar. «Zimmer werden in unserer Region gesucht», sagt Freitag. Die bereits vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten im Michelsamt treffen auf Anklang. Und die Anzahl der Gästeübernachtungen in der Region sei in den letzten Jahren steigend, weshalb davon auszugehen sei, dass auch das «Motel Wyna» gut ausgelastet werde.

Darauf hofft auch Salicunaj. Er stützt sich auf eine Quelle von Lustat. Gemäss dieser gibt es in keiner Luzerner Region so wenige Übernachtungsmöglichkeiten wie im Michelsamt. Motels abseits des städtischen Treibens beweisen, dass die Zimmer gut besetzt sind. Auch das Motel in Sursee, in das besonders viele Chinesen pilgern, läuft gut (zentralplus berichtete). Abgelegene und ländliche Regionen seien gefragt: «Zudem haben wir 16 und nicht etwa 50 Betten, sodass eine gute Auslastung realistisch erscheint», so Salicunaj.

Nun soll bis Mitte Oktober das «Motel Wyna», welches sich über zwei Geschosse erstreckt, bezugsbereit sein. Im Erdgeschoss des Motels sei ihm lange Zeit die Idee einer Bäckerei mit Café vorgeschwebt. Was es konkret gebe, wisse Salicunaj noch nicht. Jedoch gehe es in Richtung Shop oder Café, das auch den Neudorfern etwas zurückgeben solle.

Handwerker und Golf-Turnierspieler als Zielgruppe

Als Zielgruppe des Motels kämen Handwerker und Aussendienstmitarbeiter infrage. «Ich weiss von externen Unternehmen, dass sie in abseits gelegenen Regionen Schwierigkeiten haben, für ihre Mitarbeiter Unterkunftsmöglichkeiten zu finden», sagt Viktor Salicunaj. «Da wir im Standort ein wenig eingeschränkt sind, müssen wir uns von anderen abgrenzen. Und etwas für einen vernünftigen Preis bieten.» Konkrete Preise habe er noch keine ausgearbeitet. Im «mittleren Segment» und «günstiger als in der Stadt» soll es sein.

Auch möchte er eine Zusammenarbeit mit dem Golfpark Hildisrieden anstreben. Golfer in einem Motel auf dem Land, die in der Gesellschaft oftmals als eher elitär gelten – ist dies überhaupt wahrscheinlich? «Ich sehe hier durchaus Potenzial», sagt Salicunaj. Man habe von Beginn an ein Motel realisieren wollen, das «gediegen» sei und auch hohen Ansprüchen gerecht werden solle. Man treffe nicht gerade auf vergoldete Wasserhähne, jedoch auf ästhetisches Mobiliar.

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