Ein missglückter Wüsten-Trip
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Das Londoner Trio von Desert Mountain Tribe versuchte, das Schüür-Publikum mit auf eine Wüsten-Reise zu nehmen. Sie richtig gelungen ist ihnen das allerdings nicht. (Bild: Meret Wettstein)

Desert Mountain Tribe in der Schüür Ein missglückter Wüsten-Trip

3 min Lesezeit 05.05.2016, 17:03 Uhr

Die gut 20 Zuhörer in der Schüür waren bereit für ein Wüsten-Abenteuer. So richtig gelungen ist dies der Londoner Band Desert Mountain Tribe allerdings nicht. Und dann kamen auch noch technische Probleme hinzu.

Das Londoner Trio Desert Mountain Tribe ist schon seit Anfang April auf Tour. Zuerst wurde Amerika in Beschlag genommen – und nun sind sie wieder zurück auf europäischem Boden, um auch hier ihre Runden zu ziehen. Nachdem die Rock-Musiker Frankfurt unsicher machten, war Luzern ihre nächste Station.

Wenn man als Pressemensch mehrheitlich Rezensionen schreibt, macht man sich meistens nicht die Mühe, die Bands anzufragen, ob sie schon vor dem Gig ein bisschen plaudern möchten. Nimmt man aber mal eine Fotografin mit, wird daraus gleich ein vorkonzertliches Foto-Shooting. Daraus resultierte dann auch ein gemeinsames Abendessen beim lokalen Koreaner. So wirklich viel über Musik wurde zwar nicht gesprochen, aber man merkte sofort: Die drei haben einen wunderbaren Humor.

Das Londoner Trio beim Fotoshooting vor dem Konzert.

Das Londoner Trio beim Fotoshooting vor dem Konzert.

(Bild: Meret Wettstein)

Kurzer Spannungsbogen

Früher oder später wird dann auch jedem noch so verpeilten Musiker bewusst, dass Bühne und Publikum warten. Dieses war leider nicht wirklich zahlreich erschienen, so dass Desert Mountain Tribe mit einer halb leeren Schüür Bar vorlieb nehmen musste.

Dieser Fakt schien jedoch kein Problem für die Band zu sein. Es wurde mit «one, two, three, four» eingezählt und richtig auf die Pauke gehauen. Wie man Spannung aufbaut, wissen die drei offensichtlich sehr gut. Wie man die Spannung halten kann, ist allerdings eine andere Frage. So gut wie die Musik auch war, blieb es doch häufig beim gleichen. Hallige Gitarren-Sounds, zerriger Bass und harte, tanzbare Drums.

Desert Mountain Tribe in der Schüür.

Desert Mountain Tribe in der Schüür.

(Bild: Meret Wettstein)

Unterbruch im Western-Showdown

Man stelle sich vor, man befindet sich in einer Wüste (sehr naheliegend, oder?) und steht seinem Duell-Partner gegenüber. Genau dazu passte der Sound von Desert Mountain Tribe. Würde man dann aus solch einem Duell als Sieger hervorgehen, gäbe es nichts Besseres, als mit einem solchen Song in den Horizont zu verschwinden.

Diese erschaffene Welt wurde jedoch jäh durch die abrupten Schlüsse der Songs gestört. Die längeren Pausen zwischen den Songs trugen ihren Teil dazu bei. Damit nicht genug: Die Flucht ins Wüsten-Duell wurde auch durch technische Probleme auf der Bühne sabotiert. Nach vorne hinaus hätte man zwar nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass irgendwas falsch läuft (bis auf das Mikrofon, dass hin und wieder feedbackte). Aber für die Musiker war es anscheinend nicht tragbar. So musste kurz mit dem Mischer verhandelt werden, bis dann alles zur Zufriedenheit der Band war.

Das Ganze machte die drei nicht weniger sympathisch, denn es wurde eine solche «Laissez-faire»-Attitüde an den Tag gelegt, dass man das einfach nur hinnehmen konnte und sich nichts weiter dabei dachte.

Die Cowboy-Stiefel durften nicht fehlen.

Die Cowboy-Stiefel durften nicht fehlen.

(Bild: Meret Wettstein)

Wüstensand und Peyote

Musikalisch waren Desert Mountain Tribe ein Ausflug in die Gefilde des Stoner Rock, bei dem der Gesang sich einen Schlagabtausch mit Jim Morrison und Eddie Vedder-Einflüssen lieferte. Bass und Schlagzeug drückten satt nach vorne und die Gitarre gab dem Ganzen den finalen Schliff.

Selbst 20 Leute können genug Lärm machen, um eine Band für eine Zugabe zurück auf die Bühne zu locken. So nahmen die Musiker nochmals ihre Plätze ein und versprachen einen brandneuen Song, den noch niemand zuvor gehört hat. Der Song war zwar richtig gut, hätte aber auch genau so gut schon mal gespielt worden sein. So wirklich was neues hörte man da nicht raus.

Alles in allem sind Desert Mountain Tribe eine Band, die einen musikalisch für kurze Zeit auf einen Wilden-Western-Trip mitnehmen könnte. Wüstensand und Peyote wären ideal, um von diesem Stamm aufgenommen zu werden. Man sollte sich vielleicht einfach darauf einlassen und nicht allzu viel analysieren, damit es ein Erlebnis bleibt.

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