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Ein Luzerner Schafhalter wappnet sich gegen den Wolf
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Wie wohl kein anderes Tier in der Schweiz polarisiert der Wolf. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Emotionale Debatte im Natur-Museum Luzern Ein Luzerner Schafhalter wappnet sich gegen den Wolf

5 min Lesezeit 1 Kommentar 21.11.2018, 14:36 Uhr

Er bewegt, er polarisiert, er fasziniert und schreckt viele zugleich ab: Eine Tourismusfachfrau und ein Schafhalter aus dem Entlebuch sehen in der Rückkehr des Wolfes eine Gefahr für Landwirtschaft und Tourismus. Soll man «gefährliche» Wölfe gar unbürokratisch abschiessen können?

«Für die Bergbevölkerung ist die Wiederansiedlung des Wolfes eine Katastrophe», beginnt Werner Wicki, Schafhalter. Er habe zwar noch nie einen Wolf in freier Natur gesehen – jedoch schon x-mal gerissene Tiere. «Die Verharmlosung des Wolfes ist für mich frustrierend.»

Im Natur-Museum Luzern fand am Dienstagabend eine Podiumsdiskussion rund um das Thema Wolf statt. Dabei waren neben Werner Wicki auch die Luzernerin Carolina Rüegg (Tourismusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe).

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Die Debatte um den Wolf und seinen Platz in der Schweiz ist immer wieder aufs Neue emotionsgeladen. Der Wolf bewegt. Wohl wie kein anderes Tier in der Schweiz polarisiert er. Die Gesellschaft scheint hin- und hergerissen zu sein zwischen Faszination und Ablehnung. Während die Stadt die Rückkehr des Wolfes eher begrüsst, scheint sich auf dem Land vermehrt Ablehnung ihm gegenüber aufzubauen.

Auch im Kanton Luzern kam es in der Vergangenheit immer wieder zum Reissen von Schafen oder von Hausziegen (zentralplus berichtete). Besonders im Entlebuch ist der Wolf immer wieder aktiv. Landwirtschaft und Tourismus stehen vor einer grossen Herausforderung.

«Ein scharfer Hund, der einen Wolf vertreibt, ist auch scharf zu Touristen»

Schafe müssen vor dem Wolf geschützt werden. Die effektivste «und einzige Möglichkeit, dies zu tun», sind laut Werner Wicki Herdenschutzhunde: «Ich habe alles gesehen und vieles selbst probiert», sagt Wicki, der Geschäftsführer des Produzentenverbands Zentralschweizer Lamm ist. 2009 sei zum ersten Mal eines seiner Schafe gerissen worden. Zäunen sei im Berggebiet unmöglich, der Schutz durch Esel und Lama sei keine Alternative zum Hund. Seit nun bald zehn Jahren habe er Herdenschutzhunde – und deshalb auch kein Schaf mehr an einen Wolf oder Luchs verloren.

Das Problem dabei: «Ein scharfer Hund, der einen Wolf vertreiben muss, ist auch scharf zu den Touristen», sagt Wicki. Immer wieder käme es vor, dass ein Wanderer von einem solchen verängstigt oder gar gebissen werde.

Und genau diese «scharfen» Hunde machen dem Tourismus zu schaffen, wie Carolina Rüegg, Direktorin Sörenberg Flühli Tourismus, sagt. Sie bekomme vermehrt von verschreckten Wanderern die Rückmeldung, dass diese eine «beängstigende Begegnung» mit einem Herdenschutzhund gemacht hätten. «Und wenn jemand von einem Herdenschutzhund gebissen wird, dann ist das einer zu viel.»

«Man kann nicht mit einem Schosshündchen seine Schafherde schützen.»

Werner Wicki, Schafhalter in Flühli

Werner Wicki erklärt, dass man früher von der Philosophie ausgegangen sei, dass ein Herdenschutzhund möglichst menschennah sein sollte. Heute sei man davon weggekommen. «Man kann nicht mit einem Schosshündchen seine Schafherde schützen», so Wicki. Ein zahmer Hund werde keinen Wolf angreifen – sondern sich viel eher aus Angst hinter den Schafen verstecken, so seine Theorie.

Werner Wicki (Schafhalter), Carolina Rüegg (Tourimusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe) diskutierten am Dienstagabend im Natur-Museum Luzern.

Werner Wicki (Schafhalter), Carolina Rüegg (Tourimusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe) diskutierten am Dienstagabend im Natur-Museum Luzern.

(Bild: ida)

«Schadenstiftende Wölfe sollen unbürokratisch abgeschossen werden»

In der Schweiz gibt es rund 40 Wölfe, jedoch befindet sich keiner davon momentan auf Luzerner Boden, wie Peter Ulmann, ein Luzerner Biologe, sagt. Grund, aufzuatmen, ist dies für Schafhalter Wicki jedoch allemal nicht. Er teilt die Befürchtung, dass sich das, was sich 2009 im Entlebuch abgespielt hat – damals wurden rund 40 Schafe rund um das Gebiet Feuerstein von einem Wolf gerissen –, wiederholen könnte.

Es sei ein «Blutgemetzel» gewesen, das sich so nicht wiederholen dürfe. So betont er: «Wenn mittelfristig betrachtet ein schadenstiftender Wolf nicht vergrämt beziehungsweise sofort abgeschossen werden kann, werden viele Schafhalter aufhören.» Man wolle den Wolf nicht ausrotten, doch schnelles Handeln sei im Ernstfall gefragt. Es sei frustrierend und täte einem weh, sein eigenes Schaf tot auf dem Boden vorzufinden – dessen Leben ein Wolf ein Ende gesetzt habe.

«Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna und hat seinen Platz. Gleichzeitig warne ich davor, den Wolf zu verklären.»

Peter Ulmann, Biologe

Dem schliesst sich auch Tourismusfachfrau Carolina Rüegg an. Auf die Frage, ob der Wolf nicht auch eine Chance für den Tourismus darstellen könne, winkt sie vehement ab. «Der Wolf ist kein Streicheltier, mit ihm muss man folglich keinen Tourismus betreiben», stellt sie klar.

Ein Schafzüchter aus dem Freiamt, der unter den Gästen sitzt, probiert das Problem der städtischen Bevölkerung, die dem Wolf offener gegenübersteht, näherzubringen. Er selbst habe zwei Katzen. «Stellen Sie sich vor, Ihr Haustier wird von einem Wildtier verrupft. Wie würden Sie denn das finden?» Prompt wird dann auch gekontert: «Ja, bringen Sie Ihr Haustier denn auch zum Schlachthof?»

Keine unbürokratische «Eliminierung» der Tiere

Viele Fragen bleiben am Ende offen. «Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna und hat seinen Platz. Gleichzeitig warne ich davor, den Wolf zu verklären», sagt Biologe Peter Ulmann. «Mit einer Population von 40 bis 50 Tieren ist es jedoch nicht möglich, unbürokratisch die Tiere zu eliminieren.»

Denn wenn man den Wolf wolle, brauche er eine bestimmte Stückzahl, damit er sich auch ohne Inzucht halten könne. Seiner Meinung nach brauche es ein klares Bild davon, wie sich die Alpwirtschaft verändere. Und ein klares Bild davon, welche Erschwernisse auch auf den Tourismus aufgrund der Herdenschutzhunde zukommen werden. Es brauche ein Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen. Von Tourismus, Landwirtschaft, aber auch Politik, wie Werner Wicki sagt.

Noch bis 28. April 2019 ist die Sonderausstellung «Zum Verhalten des Wolfs – Eine Bilddokumentation zur Verhaltungsforschung über 70 Jahre» im Natur-Museum Luzern zu sehen.

Derzeit ist im Treppenhaus des Natur-Museums Luzern eine Sonderausstellung im Treppenhaus zum Thema «Verhalten des Wolfs» zu sehen.

Derzeit ist im Treppenhaus des Natur-Museums Luzern eine Sonderausstellung zum Thema «Verhalten des Wolfs» zu sehen.

(Bild: ida)

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1 Kommentare
  1. Oliver Baumberger, 21.11.2018, 19:07 Uhr

    Ich kann diese Diskussionen nicht verstehen. Wieso muss der Mensch ständig in die Natur eingreifen? Schiessen wir Wölfe und Bären ab, haben die Planzenfressenden Wildtiere der Schweiz keine natürlichen Feinde mehr und vermehren sich. Da diese junge Wälder abfressen kommt der Aufschrei von Förstern und wir müssen diese Tiere schiessen, um den Wald zu schützen. Irgendwie paradox…

    Ich finde man sollte eher mal über den masslosen Konsum unserer Gesellschaft diskutieren, welcher unsere Art der Tierhaltung erst notwendig macht. Die Natur würde, ohne dass der Mensch eingreifen muss, den Rest automatisch in Balance halten.