Ein Luzerner Schafhalter wappnet sich gegen den Wolf
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Wie wohl kein anderes Tier in der Schweiz polarisiert der Wolf. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Emotionale Debatte im Natur-Museum Luzern Ein Luzerner Schafhalter wappnet sich gegen den Wolf

5 min Lesezeit 8 Kommentare 21.11.2018, 14:36 Uhr

Er bewegt, er polarisiert, er fasziniert und schreckt viele zugleich ab: Eine Tourismusfachfrau und ein Schafhalter aus dem Entlebuch sehen in der Rückkehr des Wolfes eine Gefahr für Landwirtschaft und Tourismus. Soll man «gefährliche» Wölfe gar unbürokratisch abschiessen können?

«Für die Bergbevölkerung ist die Wiederansiedlung des Wolfes eine Katastrophe», beginnt Werner Wicki, Schafhalter. Er habe zwar noch nie einen Wolf in freier Natur gesehen – jedoch schon x-mal gerissene Tiere. «Die Verharmlosung des Wolfes ist für mich frustrierend.»

Im Natur-Museum Luzern fand am Dienstagabend eine Podiumsdiskussion rund um das Thema Wolf statt. Dabei waren neben Werner Wicki auch die Luzernerin Carolina Rüegg (Tourismusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe).

Die Debatte um den Wolf und seinen Platz in der Schweiz ist immer wieder aufs Neue emotionsgeladen. Der Wolf bewegt. Wohl wie kein anderes Tier in der Schweiz polarisiert er. Die Gesellschaft scheint hin- und hergerissen zu sein zwischen Faszination und Ablehnung. Während die Stadt die Rückkehr des Wolfes eher begrüsst, scheint sich auf dem Land vermehrt Ablehnung ihm gegenüber aufzubauen.

Auch im Kanton Luzern kam es in der Vergangenheit immer wieder zum Reissen von Schafen oder von Hausziegen (zentralplus berichtete). Besonders im Entlebuch ist der Wolf immer wieder aktiv. Landwirtschaft und Tourismus stehen vor einer grossen Herausforderung.

«Ein scharfer Hund, der einen Wolf vertreibt, ist auch scharf zu Touristen»

Schafe müssen vor dem Wolf geschützt werden. Die effektivste «und einzige Möglichkeit, dies zu tun», sind laut Werner Wicki Herdenschutzhunde: «Ich habe alles gesehen und vieles selbst probiert», sagt Wicki, der Geschäftsführer des Produzentenverbands Zentralschweizer Lamm ist. 2009 sei zum ersten Mal eines seiner Schafe gerissen worden. Zäunen sei im Berggebiet unmöglich, der Schutz durch Esel und Lama sei keine Alternative zum Hund. Seit nun bald zehn Jahren habe er Herdenschutzhunde – und deshalb auch kein Schaf mehr an einen Wolf oder Luchs verloren.

Das Problem dabei: «Ein scharfer Hund, der einen Wolf vertreiben muss, ist auch scharf zu den Touristen», sagt Wicki. Immer wieder käme es vor, dass ein Wanderer von einem solchen verängstigt oder gar gebissen werde.

Und genau diese «scharfen» Hunde machen dem Tourismus zu schaffen, wie Carolina Rüegg, Direktorin Sörenberg Flühli Tourismus, sagt. Sie bekomme vermehrt von verschreckten Wanderern die Rückmeldung, dass diese eine «beängstigende Begegnung» mit einem Herdenschutzhund gemacht hätten. «Und wenn jemand von einem Herdenschutzhund gebissen wird, dann ist das einer zu viel.»

«Man kann nicht mit einem Schosshündchen seine Schafherde schützen.»

Werner Wicki, Schafhalter in Flühli

Werner Wicki erklärt, dass man früher von der Philosophie ausgegangen sei, dass ein Herdenschutzhund möglichst menschennah sein sollte. Heute sei man davon weggekommen. «Man kann nicht mit einem Schosshündchen seine Schafherde schützen», so Wicki. Ein zahmer Hund werde keinen Wolf angreifen – sondern sich viel eher aus Angst hinter den Schafen verstecken, so seine Theorie.

Werner Wicki (Schafhalter), Carolina Rüegg (Tourimusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe) diskutierten am Dienstagabend im Natur-Museum Luzern.

Werner Wicki (Schafhalter), Carolina Rüegg (Tourimusfachfrau) und Peter Ulmann (Biologe) diskutierten am Dienstagabend im Natur-Museum Luzern.

(Bild: ida)

«Schadenstiftende Wölfe sollen unbürokratisch abgeschossen werden»

In der Schweiz gibt es rund 40 Wölfe, jedoch befindet sich keiner davon momentan auf Luzerner Boden, wie Peter Ulmann, ein Luzerner Biologe, sagt. Grund, aufzuatmen, ist dies für Schafhalter Wicki jedoch allemal nicht. Er teilt die Befürchtung, dass sich das, was sich 2009 im Entlebuch abgespielt hat – damals wurden rund 40 Schafe rund um das Gebiet Feuerstein von einem Wolf gerissen –, wiederholen könnte.

Es sei ein «Blutgemetzel» gewesen, das sich so nicht wiederholen dürfe. So betont er: «Wenn mittelfristig betrachtet ein schadenstiftender Wolf nicht vergrämt beziehungsweise sofort abgeschossen werden kann, werden viele Schafhalter aufhören.» Man wolle den Wolf nicht ausrotten, doch schnelles Handeln sei im Ernstfall gefragt. Es sei frustrierend und täte einem weh, sein eigenes Schaf tot auf dem Boden vorzufinden – dessen Leben ein Wolf ein Ende gesetzt habe.

«Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna und hat seinen Platz. Gleichzeitig warne ich davor, den Wolf zu verklären.»

Peter Ulmann, Biologe

Dem schliesst sich auch Tourismusfachfrau Carolina Rüegg an. Auf die Frage, ob der Wolf nicht auch eine Chance für den Tourismus darstellen könne, winkt sie vehement ab. «Der Wolf ist kein Streicheltier, mit ihm muss man folglich keinen Tourismus betreiben», stellt sie klar.

Ein Schafzüchter aus dem Freiamt, der unter den Gästen sitzt, probiert das Problem der städtischen Bevölkerung, die dem Wolf offener gegenübersteht, näherzubringen. Er selbst habe zwei Katzen. «Stellen Sie sich vor, Ihr Haustier wird von einem Wildtier verrupft. Wie würden Sie denn das finden?» Prompt wird dann auch gekontert: «Ja, bringen Sie Ihr Haustier denn auch zum Schlachthof?»

Keine unbürokratische «Eliminierung» der Tiere

Viele Fragen bleiben am Ende offen. «Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna und hat seinen Platz. Gleichzeitig warne ich davor, den Wolf zu verklären», sagt Biologe Peter Ulmann. «Mit einer Population von 40 bis 50 Tieren ist es jedoch nicht möglich, unbürokratisch die Tiere zu eliminieren.»

Denn wenn man den Wolf wolle, brauche er eine bestimmte Stückzahl, damit er sich auch ohne Inzucht halten könne. Seiner Meinung nach brauche es ein klares Bild davon, wie sich die Alpwirtschaft verändere. Und ein klares Bild davon, welche Erschwernisse auch auf den Tourismus aufgrund der Herdenschutzhunde zukommen werden. Es brauche ein Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen. Von Tourismus, Landwirtschaft, aber auch Politik, wie Werner Wicki sagt.

Noch bis 28. April 2019 ist die Sonderausstellung «Zum Verhalten des Wolfs – Eine Bilddokumentation zur Verhaltungsforschung über 70 Jahre» im Natur-Museum Luzern zu sehen.

Derzeit ist im Treppenhaus des Natur-Museums Luzern eine Sonderausstellung im Treppenhaus zum Thema «Verhalten des Wolfs» zu sehen.

Derzeit ist im Treppenhaus des Natur-Museums Luzern eine Sonderausstellung zum Thema «Verhalten des Wolfs» zu sehen.

(Bild: ida)

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8 Kommentare
  1. Lutz Bürger, 27.12.2019, 14:50 Uhr

    Es ist doch ganz einfach:
    Für die von Wölfen angerichteten Schäden sollten die Geschädigten (und potenziell Geschädigten, wie z.B. Gehbehinderte, die sich nun garnicht mehr in die freie Natur wagen können!) von jenen Personen persönlich und als Gesamtschuldner vollumfänglich schad- und klaglos gehalten werden, die das Leben von Wölfen in besiedelten, wirtschaftlich und zur Erholung(!) genutzten Landschaften befürworten/für möglich halten/dulden. Es fällt nämlich auf, daß stets diejenigen für die Wiederbesiedlung mit Wölfen sind, die meinen, von etwaigen Schäden persönlich nicht betroffen sein zu können. Dies verzerrt die Diskussion und macht diesen Unsinn erst möglich.

    Eine andere Frage ist es, wo plötzlich dieser Wolfsboom herkommt.
    Nach quälenden und schadenbehafteten Jahrtausenden hat die Bevölkerung mittels gezielter Bejagung und Vergrämung vor dem Wolf seit knapp 150 Jahren Ruhe und es ging allen damit bisher fabelhaft – gibt es also einen einzigen sachlichen Grund, der das Wiederaufkeimen dieser Pest rechtfertigen könnte? Das Wort „Pest“ wähle ich absichtlich, denn mit demselben Argument, der Wolf gehöre nun mal dazu (ist das heute das allgemeine Niveau heutiger „Biologen“?), könnte man auch wieder Pestviren und Pockenerreger, Kartoffelkäfer, Masernerreger, Ratten, Wanzen, Läuse etc. pp. einführen – alles Natur pur! Auch sie gehörten seit Jahrmillionen „dazu“.

    Stellt sich eine weitere Frage: Ist eine Gesellschaft, die sich auf die spleenigen Ideen solcher selbsternannter Wolfsexperten und Geschichtsignoranten einläßt und ihnen durchgehen läßt, daß sie gegen alle Menschheitserfahrung alle anderen Bürger tyrannisieren, auf Dauer noch lebensfähig? Wer bitte kann ein Interesse an einer derartigen Spaltung der Gesellschaft haben? Ist der Wolf nicht vielleicht nur ein Werkzeug politischer Intriganten? Die tausenden Mannstunden, die nun über Wölfe verdiskutiert werden, sind schließlich für die Diskussion dringenderer sozialer Probleme „verbrannt“.

    Der Wolf als Ablenkungsmanöver?Verdeckter „Klassenkampf“ und der Wolf als „biologische Waffe neuen Typs“?
    Und: Wo wird das Geld für die Reparation der Wolfsschäden eingespart? Bei den Wolfsverstehern? Wohl kaum! Eher wie immer bei den Ärmsten der Armen!
    Gefährliche Zeiten für Obdachlose, die sich nun kaum noch in freier Natur aufhalten können!
    In die Städte aber dürfen sie auch nicht mehr . . .

    Was scheinbar als Wolfsproblem daherkommt, ist letztlich wohl eher eine Hetzjagt gegen die Ärmsten der Armen! Der Wolf also als Lösung der sozialen Frage? Na, wenn das Schule macht, dann gute Nacht Zivilisation! Der Wolf ist der erste Schritt zurück in die Steinzeit. Nur weltfremde Sozialromantiker und eingefleischte reiche Klassenkämpfer können dies gutheißen.

    1. Martin Schleiss, 27.12.2019, 15:11 Uhr

      Zusammengefasst: Wölfe sind Schuld am Elend der Obdachlosen und Gehbehinderten, die sich aus lauter Angst vor diesen Tieren nicht mehr ins Freie wagen? Und die Politik nutzt die Tiere, um Hetze gegen arme Menschen zu betreiben? So einen Mist habe ich in der ganzen Wolfsdiskussion nun doch noch nie gelesen. Soll noch einer sagen, Wolfshasser seien nicht paranoid…

    2. Lutz Bürger, 28.12.2019, 14:05 Uhr

      @ Martin Schleiss, 27.12.2019, 15:11 Uhr

      „Zusammengefasst: Wölfe sind Schuld am Elend der Obdachlosen und Gehbehinderten, …“

      Sowas nennt man nicht „zusammengefaßt“, sondern „böswillig entstellt“, denn dies habe ich nirgends geschrieben! Auch von „Hetze“ finden Sie in meinem Beitrag nichts!
      Könnte es sein, daß Ihnen die Sachargumente ausgegangen sind?

      Wozu genau(!) bedarf es des Wolfes in bewirtshafteten Gegenden?

      Und, Frage: Ist es neuerdings schweizer Brauch und Nettiquette, Andersdenkende als „paranoid“ zu beschimpfen?

      Zur Nachhilfe:
      Die Wölfe sind an garnichts „schuld“, können es auch garnicht sein, denn sie folgen – im Gegensatz zum Menschen, ihrer (sic) natürlichen Vernunft und den Naturgesetzen.
      Diese aber sind nicht selten unmenschlich und verursachen eine Menge (vermeidbares!) Leid – und dies gerade auch in Verbindung mit der menschlichen Art, Tiere zu halten – sinnlose Verluste, Sie SO in freier Wildbahn garnicht vorkommen würden (die Tiere können ja aber von einer Koppel nicht flüchten, der Wolf beißt also mehr tot, als er braucht, weil seine Biologie auf solch eine künstliche Situation ja garnicht eingestellt ist!).

      D.h., es ist immer der Mensch, der an etwas „schuld“ ist – die Natur kennt keine Schuld, sondern nur Naturgesetze von nicht selten mörderischer Brutalität.

      Da fragt es sich schon, was dies wohl für Menschen sind, die die Segnungen menschlichen Eingreifens in die Natur immer genau dort rückgängig machen wollen, wo dieser menschliche Eingriff ausnahmsweise mal über Jahrhunderte nachweislich zur Verringerung von Leid und Verlusten geführt hat – was selten genug vorkommt – die zahllosen ansonsten vom Menschen getriggerten Umweltschäden sprechen da meist für sich und leider eine ganz andere Sprache.

      Wollen Sie dann also auch Wanzen und Läuse, Bandwürmer und Spulwürmer zurückhaben? Diese gehören schließlich auch zur Natur und zum ökologischen Gleichgewicht, wie der Wolf!

      Und es stellt sich natürlich die Frage, wozu es wohl dienen könnte und wem es nützt, wenn selbst angesichts seit Jahrhunderten ungelöster, schwerster, ja nicht selten für den einzelnen betroffenen Menschen tödlicher sozialer Probleme, stattdessen über die Wiederansiedlung des Wolfes nicht wenig Zeit verdiskutiert wird.
      Was ist daran falsch, die gesellschaftliche Problemmenge mal als Gesamtpaket zu betrachten und eine Gewichtung vorzunehmen?
      Freilich ist die Gesamtschau entlarvend.

      Was bitte war daran falsch, den Wolf und anderes für den Menschen gefährliches Raubzeug in den vergangenen Jahrhunderten aus den vom Menschen bewirtschafteten Gebieten zu verdrängen?

      Nun, gut, wer seine Mitmenschen einfach mal so als „paranoid“ beschimpft, hält wahrscheinlich auch seine eigenen Vorfahren, die den Wolf aus wohlüberlegten Gründen und nicht selten mit immensem Aufwand kurzhielten, für blöd. (Schachten Sie mal eine neun Meter tiefe Wolfsgrube mit der Hand aus, Bagger gab’s nämlich damals noch nicht! Meinen Sie wirklich, unsere Vorfahren taten dies aus purem Spaß, oder weil sie sonst nichts besseres zu tun hatten?)

      Anyway, es steht natürlich auch den Schweizern frei, ihr schönes Land den Wölfen, statt den Touristen zu überlassen – wenn die Kassen trotzem stimmen, kommt es ja eh fast aufs Gleiche heraus. 😉
      Fährt der Tourist eben woanders hin – der Besuch lohnt ohnehin immer weniger, denn der einstmals wache, blitzgescheite und weitsichtige bürgerliche Geist Wilhelm Tells scheint ja nun selbst auch in der Schweiz schon ziemlich perdu zu sein – willkommen also im „europäischen“ Club der Selbstgefälligen, Ahnungslosen und Träumer.
      Man muß kein Prophet sein, um die nächste europäische Auswanderungswelle vorauszusehen – denn vor so viel einfältiger Selbstvergessenheit kann der Denkende nur noch fliehen, denn Argumente und einwände werden ja offenbar garnicht mehr gehört.
      Viel „Spaß“ noch mit den Wölfen!

    3. Lutz Bürger, 28.12.2019, 14:27 Uhr

      Lieber Martin Schleiss,

      lassen Sie mich bitte mal selber eine Zusammenfassung versuchen:

      Haben die Schweizer keine ernsteren Sorgen, als mit dem Wiederaufkochen eines seit über hundert Jahren gelösten Problems ihre Gesellschaft zu spalten und ihre zahlenden Gäste zu vergraulen?

    4. Martin Schleiss, 29.12.2019, 00:15 Uhr

      Ich ziehe es vor, im „Club der Selbstgefälligen, Ahnungslosen und Träumer“ zu leben, wie Sie die Schweizer bezeichnen, als zu den paranoiden Wolfshassern zu zählen. Im Jahr 2018 bezifferte die Weltnaturschutzunion IUCN den gesamteuropäischen Bestand (ohne Russland) auf mehr als 17.000 Wölfe. Mir ist kein einziger Angriff auf einen Menschen bekannt, ebenso wenig habe ich je von Touristen gehört, die ihre geplante Reise in die Schweiz wegen den paar Wölfen hierzulande abgesagt hätten. Wird auch schwierig, wolfsfreie Gebiete ausserhalb der Tropen zu finden. Aber vielleicht gefällt es einigen da ja besser, auch wnen man Giftspinnen oder Schlangen und Moskitos nicht ganz so einfach erschiessen kann…

    5. Gelöscht99, 29.12.2019, 22:33 Uhr

      Lieber Martin Schleiss,

      Bitte verzeihen Sie mir meinen naiven Luxus, als Deutscher und damit „Zwangs-EU-Europäer“, aus purer mentaler Notwehr gegen die realen EU-Zustände, mir die Schweiz immer noch als die letzte Insel der Vernunft in diesem ansonsten vom Mehltau selbstgefälligen und arroganten Bonzentums zerfressenen Kontinent auszumalen.

      Wenn ich allerdings feststellen muß, daß selbst die Schweiz im Begriffe ist, langsam ihre bürgerliche Vernunft an der Garderobe blindmachenden Pseudowohlstandes abzugeben, wie dies in dieser EU schon leider sehr viel länger der Fall ist, beschleicht mich der Eindruck, daß wir (bedauerlicherweise, dies sei hier ausdrückich festgehalten) wohl bald auch die Schweiz zu den EU-geschädigten Regionen „EU“-Ropas zählem müssen – und so war mein ironisches „Willkommen“ auch gemeint.

      Zurück zum eigentlichen Gegenstand des Artikels, dem Wolf:

      1. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Wölfe – dies wäre ja biologisch absurd (bezeichnen Sie vielleicht auch jemanden, der sich einen Blitzableiter aufs Dach montiert, gleich als „Gewitterhasser“? 😉 aber ich bin gegen den verantwortungslosen Umgang mit ihnen, wie er heute in vielen (durchaus nicht allen!) Regionen unseres Kontinentes auffallend plötzlich(!) und konzertiert(!) in Mode kommt!

      2. Hominiden (zu denen auch der homo sapiens sapiens (das ist der Mensch) zählt) sind entwicklungsgeschichtlich Beutetiere – und haben alle und ausnahmslos deshalb einen angeborenen Schutzinstinkt gegen die ihnen unmittelbar gefährlich werden könnenden Raubtiere.

      Die instinktive Ablehnung von für Menschen gefährliche Raubtiere ist also kein „Haß“, wie sie unterstellen, sondern ein angeborener Instinkt – den übrigens auch Sie unsteuerbar entwickeln, wenn z.B. nur ein entsprechend großer Hund (was noch lange kein Wolf ist!) auf sie losgeht.

      Die heutige, verantwortungslos naive und manipulative „Wolfspropaganda“ verschweigt in unredlichster Weise, daß auch ein Wolf (oder ein ganzes Rudel) in eine außergewöhnliche Situation/Notlage kommen kann (dazu gehört schon der nachts verunfallte, hilflos und offen blutend auf der Straße liegende Motoradfahrer am Brennerpaß! Welcher wolf würde solch einer Versuchung widerstehen? Was meinen Sie, warum die Sprengstoffindustrie ihre Produktion nicht einfach neben der Würstchengrillbude betreibt? Weil es „Würstchenhasser“ sind?

      Schon allein insofern ist der Begriff „Wolfshasser“ böswillig entstellend, denn er verkennt die biologischen Zusammenhänge und Reaktionsmuster. Denn Inststinkte sind nur zu einem winzig kleine Teil bewust steuerbar. Und genau dort muß man die zu Recht Besorgten(!) abholen, wenn man kluge ökologsiche Politik machen will, statt sie zu beschimpfen!
      Sachargumente aber fehlen in Ihren Statements komplett – das fällt eben auf.

      Wozu genau brauchen wir den Wolf in bewirtschafteten und vom Menschen genutzten Gebieten?
      Diese Frage bleibt stets unbeantowrtet.

      Die Leute sind nicht besorgt über den Wolf, sondern über den leichtfertigen, verantwortungslosen und kaltschnäuzigen Umgang mit ihm und den Bürgern in der Politik und seitens bestimmter „Experten“.

      Ich selber habe es in Spanien erlebt, daß es zwischen Mensch und Wolf auch ganz anders, sehr natürlich, sehr unaufgeregt und sehr viel vernünftiger zugehen kann, als hier in Deutschland und nun wohl künftig auch in der Schweiz.

      Dies macht mich mißtrauisch gegenüber unseren Politikern und Wolfspropagandisten, denn es wäre für sie ein Leichtes, die Erfahrungen, Gepflogenheiten und Rechtsvorschriften der Spanier, russen, Norweger (Eisbären! Geht nahezu problemlos! Sind norwegische Politiker also intelligenter?) freundschaftlich abzufragen, zu studieren und in geeigneter Weise dann auch auf das eigene Land zu übertragen.

      Vernünftige Biologie, vernünftige Ökologie würde begründete Einwände, Hinweise und Anregungen ernstnehmen. Wir erleben hier in Deutschland gerade zunehmend, daß sich die „Prognosen“ der „Wolfsexperten“ mehr und mehr als völlig naiv und überhaupt nicht zutreffend herausstellen und daß die Probleme mit dem Wolf nicht weniger werden, sondern eher eskalieren.

      Z.B. war vor Jahren seitens der „Experten“ davon die Rede, daß sich die Wolfspopulation aufgrund der hohen menschlichen Besiedlungsdichte ohnehin auf niedrigem Niveau einpendeln werde – die Entwicklung hat aber gezeigt, daß dies bei den Wölfen genauso wenig der Fall ist, wie bei den Wollmäusen unterm Bett, wenn man glaubt, man könne aufs Reinemachen verzichten.

      Ich könnte mir also durchaus vorstellen, daß bald der logische Vorschlag kommen könnte, dann eben auch Bären wieder in großer Zahl anzusiedeln – um damit die Wolfspopulation im natürlichen Gleichgewicht zu halten. 😉

      Freilich müßten Sie dann zunächst erstmal wieder Auerochs, Bodensee-Kilch, Gravenche, Violette de Cry usw., wiederbeleben, denn ohne diese ist das ganze heutige biologische Gleichgewicht – mit oder ohne Wölfe, eh nur noch Flickwerk.

      Interessanterweise sind Sie aber wiederholt meiner Frage nach den vernunftgemäßen Grenzen der heutigen mißverstandenen ökologischen Zielstellungen und Notwendigkeiten aus dem Wege gegangen, denn zum Ökosystem gehören eben auch nicht nur jene in den heutigen Medien mit viel Tamtam gut „vermarktbaren“, weil stets „Dramatik“ garantierenden Tierarten wie Bär, Wolf und – na, der darf als künstlicher Aufreger und Ablenker natürlich nie fehlen, wenn am andern Ort politische Sauereien geplant werden: „Weißer Hai“ (LOL), sondern dazu gehören eben dann auch die Spulwürmer, Bandwürmer, Krätzemilben, Moskitos etc. Sollen wir die Malariaforschung einstellen, „weil die Mücken doch niedlich und so herzig seind“? 😉

      Ziel sollte sein, Schäden zu vermeiden! So, wie es im Moment in D/A/CH läuft, sind die Wolfs-Schäden aber bereits eingetreten, bzw. unmittelbar absehbar – und dieses unverantwortliche Verhalten gebietet Widerstand der Bürger. Dafür stehe ich, denn mein Name ist Programm.

  2. Oliver Baumberger, 21.11.2018, 19:07 Uhr

    Ich kann diese Diskussionen nicht verstehen. Wieso muss der Mensch ständig in die Natur eingreifen? Schiessen wir Wölfe und Bären ab, haben die Planzenfressenden Wildtiere der Schweiz keine natürlichen Feinde mehr und vermehren sich. Da diese junge Wälder abfressen kommt der Aufschrei von Förstern und wir müssen diese Tiere schiessen, um den Wald zu schützen. Irgendwie paradox…

    Ich finde man sollte eher mal über den masslosen Konsum unserer Gesellschaft diskutieren, welcher unsere Art der Tierhaltung erst notwendig macht. Die Natur würde, ohne dass der Mensch eingreifen muss, den Rest automatisch in Balance halten.

    1. Lutz Bürger, 27.12.2019, 14:57 Uhr

      Lieber Herr Baumberger,

      würden Sie persönlich sich gern von einem Wolf auffressen lassen, nur um das „biologische Gleichgewicht“ aufrechtzuerhalten?

      Ich sähe da eigentlich andere, menschengemäßere, naturgemäßere, zivilisiertere und intelligentere Lösungsansätze . . .

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