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Ein Luzerner auf grosser Tour
  • Sport
Der Roggliswiler Mathias Frank sorgt zur Zeit mit seinen Auftritten an der Tour de France für Furore. (Bild: Luca Bettini/BettiniPhoto )

Roggliswil fiebert an Tour de France mit Ein Luzerner auf grosser Tour

5 Min 24.07.2015, 10:15 Uhr

Am Sonntag kommt es bei der Tour de France zur Ankunft in Paris. Mittendrin und sehr erfolgreich: der Roggliswiler Mathias Frank. Mit dem Top10-Ergebnis vor Augen holt er das Letzte aus seinem Körper. Seinetwegen werden derweil im heimischen Roggliswil die Nerven strapaziert.

Das prestigeträchtigste Radrennen der Welt – die Tour de France – führt während 21 Etappen über insgesamt 3’360 Kilometer. Millionen Fans zäumen drei Wochen die Strassen Frankreichs und 198 Fahrer aus 32 Nationen kämpfen um das gelbe Trikot. Am Start auch das Schweizer Team «IAM Cycling» mit Leader Mathias Frank aus Roggliswil. Sein selbsternanntes Ziel ist ein Platz unter den Top10 in der Gesamtwertung und er ist auf gutem Weg.

Während er in den ersten beiden Wochen, insbesondere in den Pyrenäen, Zeit verlor, setzte er am Mittwoch in den Alpen zur Aufholjagd an. Momentan liegt er mit 8 Minuten und 47 Sekunden Rückstand auf Rang acht.

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Szenenwechsel: Im überschaubaren Roggliswil sitzt Thomas Winterberg wenn immer möglich vor dem Fernseher. «Ich kenne Mathias sehr gut und verfolge das Geschehen natürlich gespannt», sagt er. Seine Begeisterung für das grösste Radrennen der Welt ist förmlich spürbar. «Wir kennen uns seit der Schulzeit», verrät er. Im Veloclub Pfaffnau-Roggliswil seien sie gemeinsam Rad gefahren. Und auch Rennen. Während Mathias Frank zur Profi-Karriere ansetzte, habe er andere Ziele verfolgt, erklärt er. Noch heute sind sie miteinander verbunden. Winterberg unterstützt Frank beim Betreuen der Homepage und Facebookseite, damit sich dieser vollständig auf das Radfahren konzentrieren kann.

Frank kündigte Attacke an

«Ich habe mit Mathias am letzten Dienstag – die Tour de France legte ihren zweiten Ruhetag ein – telefoniert», erzählt Winterberg. Frank sei mit dem bisherigen Verlauf der Tour nicht vollständig zufrieden gewesen, die Topform habe gefehlt. In der Tat, in den Pyrenäen konnte Frank das Tempo der Gesamtersten nicht mitgehen und verlor viel Zeit. «Er sprach von der Absicht, die Taktik zu ändern.» Statt mitzufahren bis es nicht mehr geht und anschliessendem Zeitverlust, wolle er angreifen, habe ihm Frank versichert.

«Ja, am Mittwoch war ein spezieller Tag», versichert Winterberg. Denn Frank machte den angekündigten Angriff wahr. «Ich musste zwar arbeiten, trotzdem habe ich versucht das Renngeschehen im Auge zu behalten. Gemeinsam mit 27 Fahrern hatte Frank attackiert und einen grossen Vorsprung herausgefahren. Frank war der Bestplatzierte im Gesamtklassement der Angreifer, doch das Feld liess ihn fahren. «Ich war selber überrascht, dass hinten im Feld nicht reagiert wurde. Zeitweise war der Vorsprung so gross, dass Mathias virtuell fast Leader war», sagt Winterberg und der Gedanke an seinen Freund im gelben Trikot entlockt ihm ein Schmunzeln. Das Ende der Etappe habe er live gesehen: «Ich mache während der Tour de France jeweils etwas früher Feierabend.»

Der Schweizer Mathias Frank im Angriff. Auf der 17. Etappe wollte er es wissen, griff an und machte im Gesamtklassement einen grossen Sprung nach vorne (Bild: Graham Watson/BettiniPhoto).

Der Schweizer Mathias Frank im Angriff. Auf der 17. Etappe wollte er es wissen, griff an und machte im Gesamtklassement einen grossen Sprung nach vorne (Bild: Graham Watson/BettiniPhoto).

Am Samstag folgt das absolute Highlight

Am Ende der Etappe schaute der fünfte Schlussrang heraus. «Dass es nicht zum Etappensieg reichte, ist natürlich schade», trauert Winterberg der verpassten Chance nach. «Noch einmal wird ihm das Feld einen solchen Vorsprung nicht mehr gewähren, weil er im Gesamtklassement durch die Attacke über fünf Minuten herausholte und damit einen Sprung nach vorne machte.» Nichtsdestotrotz könne man die Leistung des 28-Jährigen nicht genug loben. «Die Tour ist das härteste Radrennen der Welt – da gehen alle an ihre Grenzen.»

Mit dem am Mittwoch herausgefahrenen Zeitgewinn schob sich Frank auf den achten Zwischenrang vor. Das Ziel unter die besten Zehn zu fahren scheint also in Griffnähe. Doch es warten noch weitere harte Bergetappen. Insbesondere am Samstag, wenn die legendäre Zielankunft auf der «Alp d’Huez» auf dem Programm steht. Winterberg dazu: «Der Anstieg nach Alp d’Huez ist für jeden Radrennfahrer und jeden Fan ein absolutes Highlight.» Er werde sich die ganze Etappe anschauen und natürlich voll mitfiebern.

Stürze sind Berufsrisiko

Thomas Winterberg freut sich über die guten Resultate von Mathias Frank (Bild: Adrian Bitzi).

Thomas Winterberg freut sich über die guten Resultate von Mathias Frank (Bild: Adrian Bitzi).

Auf die Frage, ob er keine Angst um Frank habe, wenn sich dieser durch das Menschenlabyrinth die Kurven hinauf schlängelt, antwortet Winterberg: «Die Gefahr umgerissen zu werden besteht tatsächlich, man sieht ja im Fernseher jeweils kaum die Strasse. Aber darüber sollte man sich keinen Kopf zerbrechen».

Schlimmer als die teilweise unachtsamen Zuschauer – die in diesem Jahr vermehrt auch mit Selfie-Stangen die Fahrer belästigen – sind für Winterberg die rasanten Geschwindigkeiten in den Abfahrten. «Da werde ich jeweils richtig nervös», verrät er, «obwohl ich eigentlich Vertrauen in Mathias und auch das Material habe.» Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit sei in den Abfahrten das Wichtigste und erlaube auch ans Limit zu gehen.

Frank und Frankreich – bisher ohne Happy-End

Bis jetzt ging an der diesjährigen Tour für Frank alles gut. Dies war nicht immer so. Bei seinen zwei bisherigen Teilnahmen musste er nach Stürzen aufgeben. Besonders im vergangenen Jahr traf es ihn mit einem Oberschenkelbruch schwer. «Das gehört zum Radsport», sagt Winterberg und könne allen Fahrern passieren. Klar kann man sich schützen, wenn man im vorderen Teil des Feldes fahren würde – doch das wollen natürlich alle.

Winterberg drückt seinem Freund die Daumen, dass es mit der Top10-Platzierung klappt. «Mathias hätte es verdient», sagt er. Ebenso die Erholung von den Strapazen. «Ich denke, er wird nächste Woche so richtig ausspannen und Zeit mit seiner Frau und der einjährigen Tocher verbringen.» Und auch in Roggliswil wird wieder der Alltag einkehren.

Mathias Frank gemeinsam mit seinem Freund Thomas Winterberg, hier an der Tour de Suisse (Bild: zvg).

Mathias Frank gemeinsam mit seinem Freund Thomas Winterberg, hier an der Tour de Suisse (Bild: zvg).

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