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Ein Leben zwischen zwei Spitzenhotels
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Hoteldirektor Bardhyl Coli draussen vor dem Hotel Vitznauerhof. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Gastgeber des Hotels Vitznauerhof ausgezeichnet Ein Leben zwischen zwei Spitzenhotels

5 min Lesezeit 28.05.2017, 13:01 Uhr

Gerade wurde das Hotel Vitznauerhof für die Sommersaison eröffnet. Bardhyl und Maria Coli leiten gemeinsam das Hotel in Vitznau – als eines der jüngsten Direktionspaare der Schweiz. Die beiden haben noch viele Pläne, womöglich gar in der Politik.

Die Sonne scheint, der Winter ist definitiv vorbei. Das bedeutet, dass das Hotel Vitznauerhof für die Sommersaison geöffnet hat. Die Gläser mit den Süssigkeiten stehen symmetrisch angeordnet auf dem Tischchen in der Rezeption. Das Licht im Raum ist weich und warm. Nichts scheint hier zufällig, alles perfekt platziert, ohne unangenehm museal zu wirken. Verantwortlich für diese wohlige Atmosphäre ist das Direktionspaar Bardhyl (33) und Maria Coli (28).

Während dem Winter leiten die beiden das Waldhotel Davos, im Frühling geht es dann nach Vitznau. «Im Vitznauerhof haben wir viele Hochzeiten, im Waldhotel mehr Familien und natürlich das WEF. Doch wenn ich zwischen den zwei Hotels wählen müsste, dann würde ich im Winter im Waldhotel sein wollen und im Sommer im Vitznauerhof», sagt Bardhyl Coli lachend. Der Aargauer und seine Frau gehören zu den jüngsten Hoteldirektoren in der Schweiz. Bardhyl Coli kam mit fünf Jahren als Flüchtling mit seiner Familie aus dem Kosovo in die Schweiz.

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Alter kaum Thema

Bereits mit 15 Jahren war ihm völlig klar, dass er in die Hotellerie will. «Ich habe mich gefragt, was ich für mein Ziel brauche. Und ich hatte auch Glück, habe die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen», erklärt der junge Hoteldirektor seinen Erfolg bescheiden. Der Vitznauerhof wurde 1901 erbaut – das Richtige für ein junges Paar? «Das Hotel verbindet die Geschichte mit der Moderne, hat ein frisches Auftreten. Es ist romantisch, klein, fein. Ich bin stolz auf den Vitznauerhof», freut sich Bardhyl Coli.

Das Alter des Direktionspaares überrascht, ist aber im Berufsalltag kein Thema. «Wir haben auch eine sehr lange Erfahrung in unseren Berufen. Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr in der Hotellerie und meine Frau seit dem 18. Lebensjahr.» Das Alter sei nicht immer matchentscheidend, sondern die Erfahrung zähle (siehe Box am Ende). «Wir leiten nun im sechsten Jahr das Waldhotel Davos und seit bald 3 Jahren den Vitznauerhof noch dazu.»

Das Hotel Vitznauerhof am Vierwaldstättersee.

Das Hotel Vitznauerhof am Vierwaldstättersee.

(Bild: Facebook/ Hotel Vitznauerhof)

Gefunkt hat’s in London

Zwei Top-Hotels zu führen mit nur 33 beziehungsweise 28 Jahren, das zeugt von viel Arbeit und Zielstrebigkeit. «Meine Frau ist etwas zufälliger zum Tourismus gekommen als ich, aber wir sind beide ehrgeizig und zielorientiert. Getroffen haben wir uns damals in London», erinnert er sich. Es sei zwar viel Arbeit, doch diese bedeute für ihn keinen Stress, sondern Befriedigung. «Wir planen aber unsere freien Tage bewusst», betont der Hoteldirektor. Das Paar wohnt übrigens nicht im Hotel, sondern im Dorf.

«Wir sind wie eine Familie, bei unseren 42 Angestellten gibt es mehrere Paare.»

Bardhyl Coli, Hoteldirektor

Natürlich braucht es mehr als nur ein ehrgeiziges Hoteldirektorenpaar, um Erfolg sowie diese Woche mit einem Award von Karl Wild (siehe Box) zu haben. «Wir sind ein sehr gutes Team, das ist das Fundament. Alle sind loyal, zuvorkommend und tragen unsere Grundgedanken mit», betont Bardhyl Coli. Ausdruck des Grundgedankens ist ein kleiner Flyer, der jeder bei sich trägt. Unter anderem steht darin, dass Herzlichkeit, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Höflichkeit täglich gepflegt werden. Aber eben auch, dass jede Arbeit wertvoll sei und einen Beitrag zum Ganzen sei, dass Mitarbeiter gefördert und gefordert werden.

«Aufsteiger des Jahres»

Maria und Bardhyl Coli, Gastgeber vom Hotel Vitznauerhof und Waldhotel Davos, wurden vom Hoteltester Karl Wild als «Aufsteiger des Jahres» ausgezeichnet. Im Rahmen der Buchvernissage von «Die 150 besten Hotels in der Schweiz 2017/18» erhielten sie am vergangenen Montag die Auszeichnung.

«Die Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg.» So reisen denn auch 80 Prozent des Teams mit, wenn die Saison zu Ende geht. «Wir sind wie eine Familie, bei unseren 42 Angestellten gibt es sogar mehrere Paare», so Coli. Das Personal sei die Kernaufgabe jedes Chefs: «Unsere Philosophie zu leben ist ein täglicher Prozess, es ist wichtig, dafür die richtigen Leute zu finden.» Um gleich eine Beziehung zwischen Gast und Angestellten zu erzeugen, stehe auf den Namensschildern auch gleich ein Hobby.

Bettflaschen aus Hamburg

Damit der Wechsel zwischen Davos und Vitznau reibungslos über die Bühne gehen kann, wird eine Saison bereits ein Jahr zum Voraus geplant. «Die Hotels werden ausserdem das ganze Jahr unterhalten. Zwei Wochen vor Eröffnungen geht es dann zum Feintuning ins Hotel», erzählt der 33-Jährige. Die beiden Hotels seien sich aber, abgesehen von der geografischen Lage, recht ähnlich.

Zwischendurch stehlen sich die Hoteldirektoren auch mal weg und fahren in die Ferien. «Natürlich schaut man sich auch im Urlaub andere Hotels an, wird inspiriert. Zum Beispiel haben wir in einem Hamburger Hotel Bettflaschen im Zimmer gefunden. Das gefiel uns als Idee», verrät Bardhyl Coli. Sie nahmen die Idee nach Hause und setzten sie im Waldhotel um: «Die Bettflaschen werden geliebt», freut sich der Direktor, der in seiner Freizeit gern auf dem See ist, die Familie im Aargau oder die Freunde in der ganzen Schweiz besucht und sich mit Wein beschäftigt.

«Manchmal könnte die Demokratie schneller funktionieren.»

Bardhyl Coli

Nach seinem Aufwachsen als Fremder in der Schweiz ist Bardhyl Coli jetzt angekommen. «Schweiz ist Heimat. Und die Schweiz ist klein. Ich könnte hier überall leben», ist er überzeugt. Trotzdem sei für die Zukunft nicht ausgeschlossen, dass es die Colis wieder ins Ausland ziehe. «Das weiss man nie, doch ich lebe im Jetzt, im Moment befriedigt mich die Arbeit hier. Ich kann gestalten und Menschen führen und mit Menschen arbeiten.»

Bardhyl und Maria Coli.

Bardhyl und Maria Coli.

(Bild: zvg)

Wenn er dann aber doch in die Zukunft schaut, sieht er Herausforderungen: «Wir müssen Vitznau als Ort bekannter machen und als Hotellerie-Verband eine politische Kraft sein.» Er sei in der FDP als Mitglied dabei und versuche da, mit seiner Stimme für bessere Rahmenbedingungen der Branche zu kämpfen. «Manchmal könnte die Demokratie schneller funktionieren.»

Auch Kinder kann er sich in Zukunft vorstellen. «Dann müsse man sich halt etwas anders organisieren.» Doch erst wird die Sommersaison in Angriff genommen: «Ich wünsche mir glückliche Gäste und schönes Wetter», meint er lachend. Und lässt seinen Blick über den Garten auf den Vierwaldstättersee hinausgleiten.

Werdegang der Colis

 
Bardhyl Coli

  • Seminarhotel Kartause, Ittingen (Service-Ausbildung)
  • Hotel Jägerhof, St. Gallen (Chef de Rang, Sommelier-Ausbildung)
  • Gasthaus Römerhof, Arbon (Koch-Ausbildung)
  • Hotel Jägerhof, St. Gallen (Restaurantleiter, Sommelier)
  • Capital Hotel, London (Chef de Rang)
  • Hotel Hof, Weissbad (Empfang)
  • Hotelfachschule Belvoirpark, Zürich (dipl. Hotelier)
  • NH Hotel Berlin Mitte, Berlin (F+B Manager, stv. Hoteldirektor)
  • Waldhotel, Davos (Hoteldirektor)
  • Hotel Vitznauerhof, Vitznau (Hoteldirektor)
Maria Coli
  • Hotel The Levin, London (Empfang)
  • European Business College, Berlin (Studium International Tourism + Event Management)
  • Hotel The Ritz Carlton, Berlin (Club Lounge)
  • Tourismusverband, Linz
  • Hotel The Ritz Carlton, Berlin; Berlin Marriott Hotel; Courtyard Berlin Mitte (Sales Coordinator)
  • Waldhotel, Davos (Sales + Marketing)
  • Hochschule für Technik und Wirtschaft, Chur (Master of Science in Business Administration, Major Tourism)

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