Ein künstlerischer Adventure Room für Zug
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Die Verantwortlichen der Zuger Kunstpause haben etwas Neues ausgeheckt. Dabei werden Besucher – schwupps – zu Künstlern. (Bild: wia)

Ulkiges Alternativprojekt der «Kunstpause» Ein künstlerischer Adventure Room für Zug

4 min Lesezeit 06.12.2020, 16:30 Uhr

Keine Weihnachtskonzerte, kein Adventssingen, keine Kultur? Stimmt nicht ganz. Die Organisatoren der Zuger Kunstpause haben Corona ein Schnippchen geschlagen und bringen Zuger im «Warteraum» dazu, selber Kunst zu schaffen. Das Ganze ganz spielerisch, quasi in Form eines künstlerischen Adventure Rooms.

Eigentlich wäre die Zuger Kunstpause letzten Juni über die Bühne gegangen. Die Seuche machte den Jungkünstlern jedoch einen dicken roten Pinselstrich durch die Rechnung. Alles abgesagt? Nun, nicht ganz. Denn jetzt, auf den letzten Drücker quasi in diesem seltsamen Jahr, gibt’s doch noch einen Hauch von Kunstpause zu spüren.

Und das auf ganz unkonventionelle Art. Denn wer sich ins «Wartezimmer», oder besser gesagt «wARTezimmer» begibt, kann nicht einfach konsumieren, sondern wird flugs selber zur Künstlerin.

Der Minister gibt die Aufgaben vor

Das funktioniert so: Im «Ministerium für Kultur und andere lebensnotwendige Angelegenheiten», einem Atelier der Landis&Gyr-Stiftung, das die Kunstpause während der kommenden Zeit nutzen darf, ist Platz, um Kunst zu schaffen. Nicht einfach frei Hand, nein. Der «Minister für Kultur» schaltet sich mittels Videoprojektion ein und gibt vor, in welche Richtung die zu erschaffenden Werke gehen sollen.

Immer zwei Besucher gleichzeitig dürfen das Atelier während zweier Stunden nutzen, um verschiedene künstlerische Aufgaben zu lösen, die ihnen vom Ministerium gestellt werden. Quasi ein Adventure Room, einfach für Kunst.

Im Warteraum wird nicht gewartet

«Eigentlich wäre im Sommer noch geplant gewesen, hier eine Mini-Ausstellung durchzuführen. Mit den jetzigen Corona-Massnahmen ist das jedoch unmöglich», erklärt Projektleiterin Laura Hürlimann. «Somit mussten wir um die Ecke denken.» Sie führt aus: «Mit dem Warteraum geht das ohne Bedenken, da sich neben den beiden Teilnehmern anfangs und am Ende nur eine weitere Person im Raum aufhält.» Die Teilnehmer melden sich im Voraus online für einen Slot an.

«Erwachsene haben meist keinen leichten Zugang mehr zur Kunst.»

Laura Hürlimann, Projektleiterin

Einer der Aspekte, der für die «Wartezimmer»-Initianten wichtig ist: der Austausch mit der Bevölkerung. «Dass also nicht unbedingt Künstler hier Hand anlegen, sondern alle, die Lust haben, etwas Kreatives zu machen. Wenn man sich im Moment schon sonst nicht kulturell ausleben kann, dann kann man zumindest selber kreativ sein», sagt Hürlimann.

Sie gibt zu bedenken: «Als Schüler hat man jede Woche Kunstunterricht und kann dieses Bedürfnis dort ausleben. Erwachsene haben meist keinen leichten Zugang mehr zur Kunst.»

Aus diesem Grund spricht man mit dem Wartezimmer explizit junge Erwachsene an. «Besonders würden wir uns freuen, wenn es auch Senioren gibt, die mitmachen. Doch natürlich dürfen selbst Jugendliche teilnehmen», so die Projektleiterin.

Parat für seine Künstler: das Wartezimmer.

Nur keine Hemmungen

«Wichtig ist uns ausserdem, dass es dabei kein richtig und kein falsch gibt», so betont Nadine Schrick, die Kommunikationsverantwortliche des Projekts. Das Angebot soll niederschwellig sein.

Viele Menschen hätten Hemmungen, aufs Geratewohl irgendetwas zu malen. «Durch die Anleitungen und diese Art Gamification, sprich, diesen spielerischen Zugang, möchten wir diese Hemmungen abbauen», wirft Kuratorin Sam Heller ein. Damit wollen die Initianten auch das Vorurteil aus dem Weg räumen, dass Kunst mit Hochkultur gleichgesetzt werde.

Nun. Zwei Stunden also können sich Neo-Künstlerinnen im Atelier austoben. Und danach? Ist man nicht ganz aus dem Schneider. Denn eines der verschiedenen Werke, die man währenddessen erschaffen hat, wird ausgewählt und später an der Kunstpause 2021 gezeigt.

Nicht nur erschaffen, auch reflektieren

Dieser Auswahlprozess wird unterstützt von einem Mitglied der Organisatoren. «Somit erlebt man den ganzen Prozess: Das Erschaffen von Kunst, aber auch die Diskussion respektive die Reflexion über das, was entstanden ist», sagt Heller.

Es sei dem Team ein Anliegen, dass die entstandenen Bilder denn nicht einfach als Bilder angesehen werden, sondern als Werke. «Diese Wertschätzung möchten wir den Teilnehmern vermitteln.»

40 Franken zahlen die beiden Teilnehmer zusammen für einen Slot. «Damit decken wir ungefähr Zweidrittel der Materialkosten. Wer will, kann uns jedoch mit mehr unterstützen», sagt Hürlimann. Der Rest wird mit einem Teil der Gelder gedeckt, die eigentlich in die Kunstpause 20 geflossen wären.

Der Warteraum ist ab Donnerstag für vier Tage geöffnet. Elf Slots sind gesamthaft zu reservieren. Wer Lust darauf hat, muss sich sputen. «Wir haben bis jetzt bereits fünf Anmeldungen», sagt Hürlimann.

Wenn es schon kaum Kultur zu geniessen gibt, kann man hier zumindest selber Kunst schaffen.

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