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Ein KKL für die Zuger Busse
  • Politik
Sieht um einiges unscheinbarer aus als das KKL in Luzern, kostet aber annähernd so viel: Visualisierung des neuen Busdepots. (Bild: zvg)

Viertelmilliarde für ZVB-Busdepot und Ambulanz Ein KKL für die Zuger Busse

4 min Lesezeit 03.05.2018, 13:59 Uhr

Die Zuger Regierung legt ein Projekt für ein neues Hauptquartier der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) und des Rettungsdienstes Zug auf. Ein erstes Mal war davon am Donnerstag im Kantonsrat die Rede. Dabei geht es nicht nur um die Baukosten, andere Kantone leisten sich mit demselben Betrag Leuchttürme wie das KKL. Sondern auch um den Standort und den Ausbau.

So viel Geld für ein Bauwerk nimmt man im Kanton Zug selten in die Hand. Der Zuger Stadttunnel wäre teurer gewesen, wurde aber an der Urne abgelehnt. Auch die im Bau befindliche Tangente Zug–Baar kostet mit 200 Millionen Franken weniger.

Der neue Hauptstützpunkt der Zugerland Verkehrsbetriebe umfasst Werkstätten, das Depot und Büros und wird mit 188,4 Millionen Franken veranschlagt (inklusive 15 Prozent Bauteuerung). Zusätzlich entsteht ein neues Hauptquartier des Rettungsdienstes Zug, der auch Reservebüros umfassen soll. Für ihn sind weitere 85,7 Millionen Franken vorgesehen.

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Visualisierung des geplanten Bürogebäudes für den Rettungsdienst.

Visualisierung des geplanten Bürogebäudes für den Rettungsdienst.

(Bild: zvg)

Showdown im Herbst

Der Hauptstützpunkt der Verkehrsbetriebe kostet also fast so viel, wie in Luzern für den Bau des Kultur- und Kongresszentrums KKL inklusive Tiefgarage aufgewendet wurde. Jean Nouvels Renommierbau wurde für 194 Millionen Franken geplant, kostete dann aber 32,5 Millionen Franken mehr.

Die Projektunterlagen wurden kürzlich online gestellt, denn die geplanten Neubauten kamen am Donnerstag ein erstes Mal im Zuger Kantonsrat zur Sprache. Er legte einen Bericht zur Anpassung des Richtplans vor, der im Herbst erfolgen soll.

Denn die Stadt Zug hatte einen Planungshalt verlangt, nachdem die beiden Gemeinderäte Philip C. Brunner (SVP) und Martin Eisenring (CVP) mit einer Motion die Verlegung des ZVB-Hauptstützpunktes an den Stadtrand am Göbli anregten. Darauf geht die Zuger Regierung jedoch nicht ein (zentralplus berichtete).

In den Untergrund verlegt

Doch was entsteht überhaupt an der Aa für diese gewaltigen Summen? Wie zentralplus berichtete, sollen im südlichen Teil des heutigen ZVB-Areals zwei querliegende Baukörper errichtet werden, die mit 25 Metern relativ niedrig ausfallen. Das Depot wird teilweise in den Untergrund versenkt. Im heiklen Baugrund aus Seekreide sind zwei Untergeschosse vorgesehen. Die Architektur mutet schlicht an.

Der nördliche Teil des Areals ist erst mal dazu verurteilt, innerstädtische Brache zu werden. Denn der Kanton hat die hier vorgesehenen Büro- und Wohnungsbauten wegen der aktuellen kantonalen Finanzierungskrise und der drei Sparprogramme von der To-do-Liste gestrichen.

Der Bauplan.

Der Bauplan.

(Bild: zvg)

Darlehen für 67 Jahre

Nicht alle Kosten bleiben beim Kanton hängen – aber doch ein respektabler Anteil. Die ZVB allein kann die Bauten nicht finanzieren, also will der Regierungsrat 94,2 Millionen Franken für den Hauptstützpunkt aufwenden. Ausserdem sollen die ZVB eine Bürgschaft von 116,2 Millionen Franken erhalten.

Für den Verwaltungsbau des Rettungsdienstes erhalten die ZVB weiter ein zinsloses Darlehen von 73,1 Millionen Franken – rückzahlbar in 67 Jahren. A fonds perdu steuert der Kanton Zug weitere 26 Millionen Franken für den Mieterausbau bei – schliesslich will er sich hier auch in überzählige Büros einmieten.

ZVB sagt, es sei die günstigste Variante

Verbunden mit dem Projekt sind Landgeschäfte: Die Stadt Zug verkauft dem Kanton ihr Grundstück auf dem ZVB-Areal und erhält im Gegenzug den nördlichen Teil des Gaswerkareals.

Areal des neuen Busdepots: Eine grosse Fläche im zentralen Bereich der Stadt Zug.

Areal des neuen Busdepots: Eine grosse Fläche im zentralen Bereich der Stadt Zug.

(Bild: zvg)

Die ZVB ist derzeit in 60-jährigen Werkstätten untergebracht, die Bausubstanz ist nach eigenen Angaben «schlecht». Die Verkehrsbetriebe behaupten, dass es sich beim Neubauprojekt langfristig um die günstigste Variante für einen neuen Busstützpunkt handle.

Die meisten Busse fahren im Zuger Zentrum

Vor allem aber mache es auch ökologisch mehr Sinn, im zentralen Schutzengel-Quartier zu bleiben, als ihn an den Stadtrand zu verlegen. 60 Prozent der Busfahrten würden in Zentrumsnähe stattfinden. Und die Zahl der Busfahrten in der Region Zug hat sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt – Tendenz weiter steigend.

Der Ball liegt nun bei der kantonsrätlichen Kommission für öffentlichen Verkehr und der Kommission für Hochbau, die am Mittwoch bestellt wurden, um das Geschäft für den Herbst vorzubereiten. Mitglied der öV-Kommission ist wiederum Philip C. Brunner, der im Kantonsrat bei der Debatte zur Immobilienstrategie deutlich machte, dass er massive Vorbehalte gegen das Neubauprojekt vorbringen wird.

Bessere Ausnützung des Grundes verlangt

Nicht nur der Standort im Stadtzentrum stört ihn, auch glaubt er, dass beim vorliegenden Wurf zu wenig verdichtet gebaut werde. Ausserdem sollte man gleich noch mehr Fläche unterkellern, wenn man schon dabei sei.

Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot.

Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot.

(Bild: zvg)

Bei der Kommission für Hochbau ist die parteilose Kantonsrätin Susanne Giger aus der Stadt Zug dabei, die Mitglied der ALG-Fraktion ist. Sie hat ein ganz anderes Problem: Der Neubau des ZVB-Hauptstützpunktes am alten Ort, der eigentlich von der Linken befürwortet wird, würde ein anderes Lieblingsprojekt ihrer politischen Freunde aus der Stadt torpedieren: den Velo-Highway, der Zugs Norden über das alte Bahntrasse auf der Schleife mit dem See verbinden soll.

Velo-Highway torpediert

Nun sieht freilich der Plan vor, dass der neue Hauptstützpunkt der Busse über einen neuen Knoten im Nordwesten des Grundstücks angefahren wird. Dazu soll die Unterführung unter dem einstigen Industriegleis aufgeschüttet werden. Deswegen müsste die heutige Brücke, über die der Velo-Highway nach dem Willen der Grünen geführt werden soll, abgebrochen werden. Und die mögliche schöne Fahrradverbindung wäre dadurch zerstört.

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