Ein junges Büsi sorgt für Streit zwischen Luzerner  Tierschützern
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Eine junge Katze wurde eingeschläfert. Dies sorgt für einen grossen Knatsch zwischen zwei Tierschutzorganisationen in Luzern.

Strafanzeige wird geprüft Ein junges Büsi sorgt für Streit zwischen Luzerner Tierschützern

5 min Lesezeit 5 Kommentare 23.12.2020, 05:00 Uhr

Die Zusammenarbeit zwischen dem Luzerner Katzenschutz und dem Tierschutz Luzern ist bald Geschichte. Grund: Im Tierheim an der Ron in Root soll ein Katzenbaby zu Unrecht eingeschläfert worden sein. Gegen den Vorwurf vom Katzenschutz wehrt sich der Tierschutz Luzern und prüft gar die Einreichung einer Strafanzeige.

In einem Facebookpost machte der Katzenschutz Luzern am Sonntag publik, dass die bisher vertraglich festgehaltene Zusammenarbeit mit dem Tierschutz Luzern per Ende Jahr aufgelöst wird. Grund dafür: Die beiden Organisationen würden nicht denselben Tierschutzgedanken in sich tragen, schreibt der Katzenschutz.

Eingeschläfertes Katzenkind

Der Auslöser für die plötzliche Distanzierung vom Tierschutz Luzern war offenbar ein Katzenbaby. Das angeblich wenige Wochen alte Tier wurde vom Katzenschutz dem Tierschutz Luzern, genauer dem Tierheim an der Ron in Root anvertraut, wo es betreut werden sollte. Ein Test auf Leukose am Kätzchen soll positiv ausgefallen sein. Infolgedessen habe sich der Tierschutz dann dazu entschieden, das aus seiner Sicht gar nicht mal mehr so junge Tier einzuschläfern.

So lautet der Vorwurf des Katzenschutzes. Er findet, es handle sich dabei «um eine Problemlösung, nicht aber um eine Erlösung». Eine sogenannte Euthanasie, also das Einschläfern eines Tieres, impliziere aber genau diese Erlösung. Und da eine angeblich gesetzlich verankerte Sperrfrist von zwei Monaten bis zum Einschläfern nicht eingehalten worden sei, spricht die Organisation von einer Tötung, die zu allem hin grundlos sei.

«Wir finden die Reaktion vom Katzenschutz Luzern unverständlich.»

Susanna Ineichen, Präsidentin Tierschutz Luzern

Auf Anfrage beim Tierschutz Luzern stösst man auf grosses Unverständnis und eine geballte Ladung Frustration. Präsidentin Susanna Ineichen bestätigt zwar, dass sich «bei der Kooperation von Katzenschutz Luzern und Tierschutz Luzern inhaltliche Differenzen» ergeben haben und dadurch eine künftige Zusammenarbeit verunmöglicht werde, ergänzt jedoch: «Wir finden die Reaktion vom Katzenschutz Luzern unverständlich.»

Zu einzelnen Fällen möchte der Tierschutz Luzern keine Auskunft geben. Dabei weist er jedoch die Anschuldigung, Tiere grundlos zu euthanasieren, in jeder Form zurück. «Über das Vorgehen bei Findlingstieren entscheidet in jedem Fall ein Fachgremium aus drei Personen, die aus einem Tierarzt, der Chef-Tierpflegerin sowie der Betriebsleitung des Tierheims an der Ron besteht», erklärt Ineichen.

«Es ist nicht akzeptabel, dass die Arbeit der Mitarbeiter so schlecht dargestellt wird. Daher prüfen wir die Einreichung einer Anzeige wegen Ehrverletzung.»

Susanna Ineichen, Präsidentin Tierschutz Luzern

Sie stellt klar, dass eine solch einschneidende Massnahme nur durchgeführt werde, wenn alternative Massnahmen aus Sicht des Tierwohls nicht mehr zumutbar seien, heisst es weiter. Somit soll das Einschläfern eines Tieres immer die letzte Option bleiben.

Dasselbe Ziel, doch zwei verschiedene Auffassungen davon

Im Artikel 2 der Vereinsstatuten des Tierschutzes Luzern ist tatsächlich vermerkt, dass der Verein stets im Sinne des Tierwohls handle. Auch die notwendige Bewilligung des kantonalen Veterinärdienstes für solche Massnahmen sei vorhanden. Ineichen führt deswegen aus: «Es ist nicht akzeptabel, dass die Arbeit der Mitarbeiter so schlecht dargestellt wird. Daher prüfen wir die Einreichung einer Anzeige wegen Ehrverletzung.»

Per Ende Jahr wird die Zusammenarbeit zwischen dem Katzenschutz Luzern und des Tierschutzes Luzern nun also definitiv aufgelöst. Ein unschöner Ausgang zwischen zwei Organisationen, die grundsätzlich dasselbe Ziel verfolgen – nämlich den Schutz von Tieren. Es wird eindeutig klar, dass zwei verschiedene Auffassungen von Tierschutz im Spiel sind: Einerseits die Erhaltung eines lebendigen Wesens um jeden Preis, sei es noch so krank oder alt. Auf der anderen Seite steht die Ansicht, dem Tierwohl gerecht zu werden, wenn man es – sollte es denn wirklich nicht mehr zumutbar sein – von seinen Leiden erlöst.

Eine offene Frage bleibt aber noch: Hätte die junge Katze vor Ablauf der Frist getötet werden dürfen? Auf Anfrage bei den beiden Organisationen sowie beim Luzerner Kantonstierarzt Martin Bruegger vom Veterinäramt will man auf die Unklarheiten nicht weiter eingehen.

Gesunder Menschenverstand ist gefragt

Nachgefragt beim Schweizer Tierschutz (STS) wird bestätigt, dass es eine solche zweimonatige Sperrfrist bei Findlingskatzen gibt. Doch: «Diese Sperre von zwei Monaten gilt für gefundene Katzen, die nicht sofort weitervermittelt werden dürfen. Damit sollen die eigentlichen Besitzer die Möglichkeit haben, sich beim jeweiligen Heim zu melden», erklärt Helene Sandmeier, Mediensprecherin des Schweizer Tierschutzes.

«Wenn das Tier stark leidet und der Tod eine Erlösung darstellt, gibt es keinen erkennbaren Grund, während zwei Monaten auf eine allfällige Meldung des Besitzers zu warten.»

Helene Sandmeier, Mediensprecherin Tierschutz Schweiz

Sandmeier betont, dass das Einschläfern einer Katze durchaus möglich sei, wenn das Tier krank ist. «Wenn das Tier stark leidet und der Tod eine Erlösung darstellt, gibt es keinen erkennbaren Grund, während zwei Monaten auf eine allfällige Meldung des Besitzers zu warten», führt sie aus. Ergänzend erklärt sie, dass es sich dabei um eine generelle Haltung handle, die ihres Erachtens mit dem Bestreben, das Tierwohl zu gewähren, am besten einhergeht.

Der konkrete Fall sei ihr hingegen nicht bekannt. Aber: «Vom Tierschutz Luzern und dem Tierheim in Root halte ich sehr viel. Dort wird wirklich professionell gearbeitet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nicht im Sinne des Tierwohls gearbeitet wurde. Wenn Fachpersonen zu einem solchen Entschluss kamen, hat das ganz bestimmt seine Richtigkeit», führt Sandmeier aus.

Tierschutz Luzern prüft neue Lösung

Gemäss seinen Statuten, genauer dem Artikel 3 im Absatz c muss der Tierschutz seinen Auftrag trotz Verlusts des Katzenschutzes Luzern weiterführen können. Bei der Präsidentin des Tierschutzes Luzern heisst es, dass aktuell eine Lösung für 2021 erarbeitet würde. Über das weitere Vorgehen oder einen allfälligen Plan könne jedoch bisher keine Auskunft gegeben werden.

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5 Kommentare
  1. Katja Zuniga-Togni, Präsidentin Stiftung ProBüsi, 29.12.2020, 10:27 Uhr

    Die Vermenschlichung der Katze kennt anscheinend keine Grenzen. Ich finde er beschämend, wenn für ein aus medizinischer Sicht dem Tod geweihten Büsi Hunderte, gar Tausende von Franken ausgegeben werden in einer Welt, wo Flüchtlinge um ihr nacktes Überleben kämpfen und täglich Kinder verhungern. Und wohlgesagt, das Geld wird kaum vom Katzenschutz selber bezahlt,- diese Mittel hat wohl kaum eine Tierschutzorganisation, die länderfristig bestehen will.
    Ich liebe Tiere über alles – aber Menschen ebenso.Mein Vater, Gianpietro Togni, gründete 1969 die Stiftung ProBüsi in Luzern.
    Seit über einem halben Jahrhundert setzt diese sich für die Kastration von Bauernhofkatzen ein und ist auch sozial tätig, indem den Tierhaltern bei der Begleichung der Rechnungen geholfen wird.
    Der grösste Teil der Hilfesuchenden ist sehr realistisch und sehr dankbar – auch wenn man ein Büsi vor Leiden erlösen muss. Das schmerzt immer sehr, vorallem wenn man bedenkt, dass die Katze oft der einzige Sozialpartner dieser Menschen ist.
    Es ist falsch verstandene Tierliebe, das Leben um jeden Preis erhalten zu wollen. Der Schritt zu Abtreibunggegnern oder Kasrationsbekämpferinnen ist da nicht weit.

    1. Raemi, 11.01.2021, 16:06 Uhr

      Ich frage mich, ob sie das Statement des Katzenschutz Luzern gelesen haben? Wer spricht den hier von „aus medizinischer Sicht dem Tod geweihten“? Eine Leukose positive Katze ist dies jedenfalls nicht, solange die Krankheit nicht ausgebrochen ist. Also ist das Credo von Pro Büsi, lieber vorsorglich euthanasieren, als nach einigen Wochen einen zweiten Bluttest machen? Ihre Stiftung nimmt somit in Kauf, dass gesunden Tieren das Leben aufgrund eines falsch positiven Testresultats genommen wird. Eine bedenkliche Einstellung in meinen Augen, die nichts mit Tierschutz zu tun hat. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es Tierärzte und Tierschutzvereine gibt, die sich ihren Aufwand gerne möglichst klein halten wollen – arbeitsmässig und finanziell. Wir reden hier nicht von einem z.B. krebskranken Tier, dessen Tage unter Schmerzen gezählt sind und welches noch zu Tode therapiert werden muss.
      Und liebe Frau Zuniga, dann spenden Sie doch gerne für Flüchtlinge, die für ihre Zuwendung sicher auch dankbar sind. Aber lassen sie andere ihre Prioritäten dort setzen, wofür ihr Herz schlägt! Man sollte nicht Menschen und Tiere gegeneinander ausspielen, denn Leben möchten alle.
      Ihre Schlussfolgerung, dass wenn sich jemand für den Erhalt von bestehendem Leben einsetzt, dann zum Abtreibungsgegner oder zur Kastrationsbekämpferin wird, ist eine peinliche und völlig an den Haaren herbeigezogene Unterstellung.

  2. Anita, 24.12.2020, 12:42 Uhr

    Ich finde es beschämend eine Katze einzuschlafen ohne die Frist einzuhalten. Wer weiss hätte Hilfe noch gegeben fürdas Kätzchen. Und wenn es schon nicht anders geht giltet Fristen einzuhalten. Ich habe leider schon einiges negatives gehört von diesen angeblichen Tierschützern. Sind sie Gott um zu entscheiden die darf leben und die nicht. Gibt auch andere Möglichkeiten.

  3. Beatrice Isepponi, 23.12.2020, 17:14 Uhr

    Ich liebe Katzen und habe selber zwei und würde sehr viel für sie tun. Ich finde es beschämend, wenn um ein angeblich zu früh eingeschläfertes Büsi ein solches Drama gemacht wir. Gleichzeitig sehen wir jeden Tag Bilder von Flüchtlingslagen, wo total menschenunwürdige Zustände herrschen und es wird immer nur geredet, aber nichts geändert.
    Ich wünsche allen schöne Festtage.

    1. Patrick Keller, 25.12.2020, 10:59 Uhr

      Mit dem kleinen Unterschied, dass Menschen für sich selbst Sprechen und Handeln können, Tiere nicht!

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