Ein Jahr Corona: So hat das Virus Luzern und Zug bewegt
  • Gesellschaft
Begleitet uns nun seit über einem Jahr und wir hassen es immer noch: Das Covid-19-Virus. (Bild: pixabay)

Ein unrühmliches Jubiläum Ein Jahr Corona: So hat das Virus Luzern und Zug bewegt

7 min Lesezeit 1 Kommentar 25.02.2021, 05:00 Uhr

Wer hätte gedacht, dass dieses «mysteriöse Virus» aus der chinesischen Metropole Wuhan auch nach über einem Jahr noch unseren Alltag bestimmt? Zum unrühmlichen Jahrestag der schweizweit ersten Infektion hat zentralplus eine Chronik mit – teils zweifelhaften – Höhepunkten zur Pandemie in Luzern und Zug erstellt.

Die ersten Berichterstattungen waren noch sehr zögerlich. Von einem mysteriösen Virus aus der chinesischen Metropole Wuhan war die Rede. Von einer neuen Lungenkrankheit, die sich auch auf Menschen übertragen kann und in manchen Fällen gar tödlich sei. Der Begriff Corona wurde bei zentralplus das erste Mal am 18. Januar 2020 erwähnt – in den «News Weltweit».

Seither hat zentralplus 6’347 Beiträge verfasst, die das Stichwort Corona beinhalten. Dabei war Trauriges und Kritisches, aber auch Schönes und Hoffnungsvolles. Werfen wir doch einen Blick auf ein Jahr, das wohl eine Zäsur in der Weltgeschichte bedeutet.

Am Anfang war das Restaurant

Der erste Luzern betreffende Artikel erschien auf diesem Portal am 27. Januar. Fast schon niedlich, wie wir damals den Begriff Corona-Virus in Klammern gesetzt haben, weil die Allgemeinheit damit noch nicht vertraut war …

Ein Tag, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO den Notstand ausgerufen hatte, wurde die Angst auch in der Schweiz spürbar. Am 31. Januar waren die Schutzmasken in den ersten Apotheken bereits ausverkauft. Zu Beginn wurden die Masken – je nach Laden – noch für rund 40 Franken pro 50er-Packung verkauft. Aktuell bieten mehrere Detaillisten dieselbe Packung für unter 10 Franken an.

Anfangs Februar machte man sich in der Tourismusstadt Luzern zum ersten Mal konkrete Gedanken über die ausbleibenden Touristen aus China. Aktuell könne die Schweiz den Schaden verkraften, hiess es am 2. Februar noch bei Schweiz Tourismus. Man fügte jedoch an: «Wenn der Einbruch bis zum Sommer anhält, wird’s problematisch.» Tja, wenn es nur bis zum Sommer gewesen wäre … Die letzte chinesische Reisegruppe ist mittlerweile nur noch auf Archivbildern anzutreffen.

Während das Corona-Virus in den ersten Wochen noch eine Anomalie im fernen China war, wurde die Bedrohung am 25. Februar, unmittelbar nach der Fasnacht in den Kantonen der Zentralschweiz, plötzlich konkret: An diesem Tag wurde der erste Corona-Fall der Schweiz bekannt. Vier Tage später gab es die erste Ansteckung in Luzern. Am 5. März berichteten Medien bereits über den ersten Todesfall in der Schweiz. Dazwischen startete das BAG mit der Präventionskampagne und erklärte uns, wie wir idealerweise husten und die Hände waschen sollten.

Lasst das Hamstern beginnen!

Jetzt drückte die Regierung aufs Gaspedal. Am 16. März rief der Bundesrat den Notstand und den Lockdown aus. Ein Wort, das sich in die Köpfe dreier ganzer Generationen eingebrannt hat. Die meisten Läden wurden ebenso geschlossen wie Schulen. Veranstaltungen über 1’000 Personen wurden verboten – das traf besonders die Kultur- und Veranstaltungsbranche. Für viele Freischaffende und Selbstständige begann damit eine Zeit des Bangens und der Existenzängste.

Obwohl die Detaillisten immer wieder betonten, genügend Waren auf Lager zu haben, hielt das Herrn Luzerner und Frau Zugerin nicht davon ab, die Regale zu plündern. Bilder, die man sonst aus Black-Friday-Sales in den USA kennt, traf man hierzulande zwar nicht an, aber etwas beschämend war es trotzdem. Zum Glück hatten wir genug WC-Papier, um uns die Tränen wegzuwischen.

Meine Wohnung ist meine Welt

Ende März traf man in den Strassen Luzerns kaum noch Menschen an. Wer durch die verwaisten Gassen streifte, wähnte sich fast in Danny Boyles Horrorfilm «28 Days Later», nur ohne blutgierige Zombies – die blühen uns dann vielleicht in der nächsten Pandemie, wer weiss.

Viele Betriebe schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice oder setzten sie auf Kurzarbeit. Weil die meisten Freizeitangebote wegfielen, wurde vermehrt gelesen, im Internet geshoppt, die Bude aufgeräumt, der Keller entrümpelt und Rezeptbücher ausprobiert. zentralplus hat damals für alle Daheimgebliebenen eine Playliste gegen den Wohnzimmer-Koller zusammengestellt. Die gilt übrigens immer noch.

Laden, öffne dich!

Weil die Fallzahlen wieder abnahmen, wurden Ende April die ersten Lockerungen für Geschäfte bekannt gegeben. Zu den glücklichen zählten unter anderem die Coiffeur-Salons – was da und dort für Unverständnis sorgte, weil sich das restliche Gewerbe benachteiligt fühlte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten schon manche Gastrobetriebe mit schweren Einbussen zu kämpfen. Im Internet sah man vermehrt Sprüche wie: «Zum Glück gehen die Coiffeur-Salons auf, damit der Rest seine Konkurs-Anträge wenigstens hübsch frisiert ausfüllen kann.»

Am 11. Mai kam dann aber die vermeintliche Erlösung. Restaurants, Schulen, Läden und so weiter durften wieder öffnen. Später folgten Freizeitbetriebe wie Zoos, Kinos oder Theater. Auch Grossveranstaltungen konnten unter Auflagen wieder durchgeführt werden. Die Unsicherheit blieb spürbar, aber am Horizont leuchtete für viele ein Silberstreif der Hoffnung auf. Froh sein durften auch Eltern, die während des Lockdowns ihre Kinder zu Hause unterrichten und bespassen mussten – rund um die Uhr.

Zwar reagierte der Bund auch weiterhin mit Verschärfungen und führte beispielsweise am 1. Juli die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr ein, aber die Stimmung wurde allmählich verhalten optimistisch – obwohl Experten von den Gefahren einer zweiten Welle warnten.

Wie gewonnen, so zerronnen

Und die prognostizierte zweite Welle liess nicht lange auf sich warten. Die Fallzahlen stiegen kontinuierlich wieder an. Der Negativrekord war erstmals im November mit über 10’000 Ansteckungen pro Tag zu verzeichnen. Unter den Infizierten war auch EV-Zug-Coach Dan Tangnes.

Der Trainer blieb zwar von einem schweren Verlauf verschont und konnte seine Infektion im heimischen Bett auskurieren, war aber selbst nach der Genesung noch lange Zeit nicht auf dem Energie-Level, mit dem er seine EVZ-Spieler vor der Ansteckung angetrieben hatte.

Ergebnis der hohen Fallzahlen: Die Maskenpflicht wurde auch auf Innenräume ausgeweitet und am 12. Dezember verordnete der Bundesrat eine erneute Schliessung von Geschäften und Freizeitbetrieben. Seit dem 18. Dezember sind die Restaurants und viele Läden erneut zu. Der Spass war also von relativ kurzer Dauer gewesen. Die verbreitete Stimmung lässt sich am besten mit einem Wutausbruch von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger im Jahr 2001 beschreiben: «Isch doch en Scheiss!»

Die Impfung naht

Die Pharmaindustrie lieferte sich bereits im Frühjahr ein Wettrennen um die erste Impfstoff-Zulassung. Am 19. Dezember gab Swissmedic schliesslich dem Impfstoff von Pfizer grünes Licht. Die Impfstrategie des Bundes konnte umgesetzt werden. zentralplus hatte sich im Impfzentrum in Baar, im Kanton Zug, umgesehen, bevor die erste Nadel gesetzt wurde.

Am 23. Dezember, quasi als verfrühtes Weihnachtsgeschenk, wurde die erste Person in der Schweiz geimpft. Die Spritze wurde einer 90-jährigen Seniorin in einem Altersheim im Kanton Luzern verabreicht.

Eine Pandemie in Zahlen

Bis Ende 2020 zählte die Schweiz rund 7’000 Tote, die Covid-19 zugerechnet werden. Der aktuelle Stand liegt bei über 9’200 Toten. Im Kanton Luzern geht man gemäss Lustat von 299 Todesopfern seit Start der Statistik im März aus. Der Kanton Zug zählt seit Beginn der Pandemie 6’322 Ansteckungen und 112 Todesfälle, wie das Amt für Gesundheit des Kantons Zug schreibt.

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Neues Jahr neues Glück?

Die Vorsätze waren da, der Wille und der Wunsch auch – leider aber nach wie vor auch Corona. Der zweite Lockdown hält im neuen Jahr noch an. Die Luzerner Regierung versucht derzeit, mit einer Härtefall-Regelung geschädigte Betriebe – allen voran die Gastro- und Kulturbetriebe – zu unterstützen. Manche sind dankbar, andere verlangen mehr.

Quo vadis, Corona?

Stand 25. Februar 2021 – ein Jahr nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in der Schweiz: Noch ist die Pandemie nicht überstanden und zentralplus berichtet weiterhin über die Auswirkungen des Virus und dessen Folgen für das Gewerbe und die Menschen dahinter. Und wir wollen weiterhin wissen, wie die Betroffenen damit umgehen und wie sie in die Zukunft blicken. Noch haben wir «de huere Coröner» nicht überstanden, wie ein befreundeter Künstler ausruft.

Jedoch sinken die Zahlen wieder und der Bundesrat hat am Mittwochnachmittag erste Schritte zu einer Lockerung präsentiert (zentralplus berichtete). Bleibt nur zu hoffen, dass wir uns damit langsam zurück in die Normalität bewegen – und nicht geradewegs in eine dritte Welle laufen.

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1 Kommentare
  1. mebinger, 25.02.2021, 12:16 Uhr

    Keine kleinen Schritte sondern sofort zurück zur Normalität ohne irgendwelche dämlichen unnötigen Schutzkonzepte usw.

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