Ein inoffizieller Biketrail sorgt in Allenwinden für Missmut
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Aufgrund von Bauarbeiten ist der Biketrail zwischen Allenwinden und der Tobelbrücke gesperrt. Ob er je wieder eröffnet wird, steht in den Sternen. (Bild: wia)

Veloclub Baar-Zug wünscht sich Weg zurück Ein inoffizieller Biketrail sorgt in Allenwinden für Missmut

6 min Lesezeit 3 Kommentare 23.05.2021, 12:01 Uhr

Manch ein Zuger trauert um einen beliebten Bikeweg in Allenwinden, der seit letztem Sommer geschlossen ist. Ob der Trail je wieder geöffnet wird, ist unklar. Er führt nämlich über mehrere Privatgrundstücke, worüber die Besitzer aus mehreren Gründen nicht erfreut sind. Gleichzeitig wünschen sich Hunderte Bikefreunde den Trail zurück. Eine verzwickte Sache.

Die eifrigen Zuger Biker, die den Kanton wie die eigene Westentasche kennen, dürften auch den inoffiziellen Pfad in Allenwinden kennen, der sich mittlerweile als «Wildenburg-Trail» einen Namen gemacht hat. Das ist kein Wunder, denn der Trampelpfad, der hinter dem ehemaligen Werkhof Winzrüti beginnt und bis zur Tobelbrücke führt, ist äusserst schön gelegen. Bei schönem Wetter ist die Aussicht auf den See und die Berge grandios.

Unweit dieses Trails, auf der anderen Seite eines kleines Tobels, verläuft der offizielle Wanderweg. Bloss: Biker sind dort unerwünscht, wie der dortige Grundstückbesitzer mit Tafeln deutlich macht. Abgesehen davon ist der Wanderweg, der direkt an der Wildenburg vorbeiführt, nur für absolute Bikecracks befahrbar und nicht ungefährlich. Darum also die sanftere, aber eben inoffizielle Bikevariante.

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Diese jedoch ist seit letztem August geschlossen. Auf dem ehemaligen Gelände des Werkhofs in der Winzrüti, lauschig gelegen am Waldrand, entsteht eine Überbauung mit 41 Wohnungen. Rainer Hodel ist der Verwaltungsratspräsident der Gebrüder Hodel AG, die besagten Werkhof betrieb und das Grundstück besitzt. Er erklärt: «Seit vergangenem Sommer ist der Weg aufgrund der Bauarbeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt.» Diese dauern bis voraussichtlich Frühsommer 2022. Doch weil es sich beim Pfad um einen inoffiziellen Bike- und Wanderweg handelt, ist nicht klar, ob dieser überhaupt je wieder eröffnet wird.

«Irgendwann begannen Biker, den Weg mehr und mehr in Beschlag zu nehmen.»

Rainer Hodel, Verwaltungsratspräsident der Gebrüder Hodel AG

Rainer Hodel erklärt: «Früher wurde dieser Pfad einzig vom Forstamt genutzt, um im anliegenden Wald einfacher holzen zu können. Irgendwann entdeckten vor allem die Biker diesen Weg und begannen, ihn mehr und mehr in Beschlag zu nehmen.»

Das Problem: Der Weg liegt auf dem Privatgrund mehrerer Eigentümer. Und nicht alle freuen sich über die sportliche Nutzung. Insbesondere die Landwirte, deren Land der Weg durchkreuzt, ärgern sich über die Landschäden, welche die Fahrräder auf der Wiese hinterlassen.

So etwa Peter und Rita Schmid, denen das Grundstück unterhalb der Winzrüti gehört. Sie selber haben sich zwar auf Melk- und Stalltechnik fokussiert und das Land mittlerweile verpachtet, dennoch spüren sie die Auswirkungen des inoffiziellen Bikewegs deutlich. «Grundsätzlich wären die Biker kein Problem, wenn sie auf den Wegen bleiben würden», erklärt Peter Schmid während eines Besuchs auf seinem Hof. «Doch gerade wenn die Biker nicht nur auf dem inoffiziellen Trail, sondern auch daneben fahren, entstehen irgendwann Landschäden, was für die betroffenen Landwirte wiederum zu Einbussen führt.»

Eine Frage des Anstands

Das Phänomen, das Peter Schmid erklärt, ist an einigen Stellen des Trails besonders gut sichtbar. So etwa oberhalb der Bushaltestelle Tobelbrücke, wo sowohl der Trail als auch der offizielle Wanderweg zur Strasse hinunterführt. Aus einem schmalen Pfad sind mittlerweile drei geworden. Der Grund ist einfach: Wenn das steile Wegstück nass ist, weichen sowohl Biker als auch Wanderer auf die Wiese aus, bis dort ebenfalls keine Wiese mehr ist.

«Viele Biker reagieren ungehalten und werden unanständig, wenn man sie anspricht.»

Peter Schmid, betroffener Landbesitzer

Obwohl der Hof der Schmids nicht direkt am Biketrail liegt, haben die Bewohner, gerade im letzten Jahr, unschöne Veränderungen zu spüren bekommen. Wohl weil der Trail geschlossen ist, aber auch, weil aufgrund der Pandemie mehr Menschen mit dem Velo unterwegs sind. Obwohl der Weg zum Hof in einer Sackgasse endet, versuchen immer wieder Biker dort einen Durchgang zu finden – trotz des beeindruckenden Hofhunds. «Wenn man die Leute freundlich darauf anspricht, dass der Weg nicht durchgehend ist, reagieren viele ungehalten und werden unanständig», erklärt das Ehepaar. «Nicht wenige fahren dann einfach durchs hohe Gras. Das ist schon ärgerlich», sagt Rita Schmid. Es gehe letztlich um Respekt und Anstand, sind sich die beiden einig.

Obwohl die Wiedereröffnung des Trails diesen aktuellen Umstand entschärfen würde, sieht das Paar ein Problem. «Weil der Weg entlang des Walds führt, kann es sein, dass bei einem Sturm ein Baum umstürzt und sich jemand verletzt. Und wenn sich dieser Unfall auf unserem Wegstück ereignet, müssen wir dafür haften.»

Wo einst ein schmaler Pfad war, wird der Weg immer breiter.

Die Grundeigentümer sind mit der Gemeinde im Gespräch

Rainer Hodel äussert sich ausserdem zu einer weiteren unschönen Entwicklung, die mit dem Gebrauch des Trails ihren Anfang nahm: «Manch einer verrichtet im Waldstück neben dem Pfad seine Notdurft. Das hat für die Anwohner und die Betriebe in der Nähe sehr unangenehme Konsequenzen.» Weiter habe man realisiert, dass man vom Pfad aus direkt in die Häuser sehe, die derzeit in der Entstehung sind. «Das dürfte für die künftigen Einwohner etwas problematisch sein.» Derzeit stünden die Landeigentümer mit der Gemeinde Baar in Kontakt, um herauszufinden, wie es nach den Bauarbeiten mit dem Weg weiter gehe.

Dies bestätigt der zuständige Gemeinderat Zari Dzaferi gegenüber zentralplus. «Am 29. April fand auf Initiative der Grundeigentümer Peter Schmid und Rainer Hodel eine Vorortbesichtigung statt.» Dabei sei besprochen worden, inwiefern ein Wanderweg im Wald realisiert werden könnte.

Doch gäbe es dabei einige Hürden, so Dzaferi: «Ein entsprechendes Baugesuch müsste von den Grundeigentümern kommen und vom Amt für Wald und Wild bewilligt werden.» Dabei sei jedoch zu beachten, dass der Wald grundsätzlich geschützt sei. Diesen Umstand betonen gleich mehrere Landwirte aus der Umgebung und verweisen darauf, dass es sich beim besagten Waldstück um ein wichtiges Wildrückzugsgebiet handle.

Über 700 Bikefreunde wünschen sich den Weg zurück

Dass die Gemeinde und die betroffenen Parteien derart aktiv an einer Lösung für den Weg suchen, kommt nicht von ungefähr. Im April wurde beim Baarer Gemeinderat eine Onlinepetition des Veloclubs Baar-Zug eingereicht. Sage und schreibe 729 Personen setzen sich darin für die Erhaltung respektive die Wiedereröffnung des «Wildenburg-Trails» ein.

Die Forderung im Wortlaut: «Wir bitten den Gemeinderat Baar, alles daranzusetzen, dass die Strecke Wildenburg-Trail wieder uneingeschränkt geöffnet wird.» Dies, da aus Sicht der Petitionäre keine Alternative bestünde, die als attraktive Route bezeichnet werden könnte. Ausserdem seien dem Veloclub Baar-Zug bis heute keine Situationen bekannt, die eine Schliessung rechtfertigen würden.

Gemäss Gemeinderat Dzaferi soll die Antwort auf die eingereichte Petition Anfang Juni erfolgen.

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3 Kommentare
  1. Marc Mingard, 25.05.2021, 06:12 Uhr

    Die 500m2 der Gemeinde verpachten, ne schöne Dornenhecke mit Weiss- Schwarzdorn und sonstigen Rosengewächsen und Ruhe ist.

  2. Horst vom Forst, 24.05.2021, 08:00 Uhr

    Neulich bin ich, aus Stallikon kommend, an der Lorze hochgefahren, um dann den eingezeichneten Wildenburg-Trail (bis eben wusste ich nicht mal, dass der so heißt) wieder runter nach Baar zu fahren. EXTREM ÄRGERLICH, wenn man nach so einer Auffahrt feststellen muss, dass eine Großbaustelle den Weg ersatzlos gefressen hat und es KEINE Alternative gibt! Auch ich habe den Hofhund kennengelernt, weil auch ich davon ausgehen musste, dass man ja irgendwie wieder auf den Weg kommen müsste. Allerdings bin ich hier freundlich geblieben! Dumm und unglücklich ist es, einen eingezeichneten Weg ohne Hinweis und Alternative zu sperren. Hätte ich von der Petition gewusst, ich hätte sie auch unterschrieben. Immer mehr Land wird versiegelt, für immer teuerere Wohnungen etc. und hier wird gejammert, weil ein Pfad zu einem Weg geworden ist!?

    1. Godi 'Sauhund' Schmutz, 24.05.2021, 10:12 Uhr

      Tja Horst, hättest ja mit deinem E-Bike den Weg zurückfahren können auf dem du gekommen bist. Aber das ist wohl nicht in den Sinn gekommen.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.