Ein Holzfäller alleine reicht dem Kunstmuseum Luzern nicht
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Der Klassiker: Ferdinand Hodlers Holzfäller. (Bild: Marc Latzel)

Rezension «Hodlers Holzfäller. Eine Erfolgsserie» Ein Holzfäller alleine reicht dem Kunstmuseum Luzern nicht

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.10.2021, 18:33 Uhr

Das Kunstmuseum Luzern widmet sich in der am Freitagabend eröffneten Ausstellung dem Schweizer Künstler Ferdinand Hodler. Die ganze Bandbreite seines künstlerischen Schaffens wird dabei auf ein Motiv reduziert, den Holzfäller. Diese Reduktion macht die Ausstellung aber nicht weniger abwechslungsreich.

Ganz hinten im Kunstmuseum Luzern findet sich am Freitagabend eine überblickbare Menge Menschen ein, die für die Vernissage der Ausstellung «Hodlers Holzfäller. Die Schweizer Erfolgsserie» das Museum besucht. An in unterschiedlichen Farbtönen gehaltenen Raumteilen hängen Gemälde, die auf den ersten Blick alle gleich aussehen. Darauf abgebildet ist ein breitbeinig stehender Holzfäller in Arbeitshosen. Dynamisch hält er die Axt in die Luft und holt aus, um kraftvoll auf den bereits eingekerbten Holzstamm zu schlagen.

Bei genauerem Hinsehen wird schnell ersichtlich, dass das Motiv auf allen Gemälden gleich ist, sich aber in feinen Nuancen, zum Beispiel den Gesichtszügen oder der Farbgebung, unterscheidet. Auch die Hintergründe variieren – mal ist es ein wolkiger Himmel, mal wird eine Schneelandschaft angedeutet.

Der Titel der Ausstellung weist bereits darauf hin, dass es sich beim Holzfäller um eine Serie handelt. Der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler (1853 – 1918) hat die Serie, die um 1910 entstanden ist, gemalt. Er ist wohl einer der bekanntesten Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts. Neben dem Holzfäller sind auch zahlreiche Selbstbildnisse und andere Porträts, seine Landschaftsmalereien vom Genfersee, dem Silvaplanersee oder der Walliser Bergkette Dents Blanche Bilder, die im kollektiven Gedächtnis der Schweizer Malerei gespeichert sind.

Vom Banknoten-Sujet zum Gemälde

Seinen Anfang nahm die Geschichte um das Motiv des Holzfällers im Jahr 1908, als Ferdinand Hodler im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank die 50-Franken-Note gestalten durfte. Einige der Studien, Entwürfe und Skizzen, in welcher Hodler das Motiv des Holzfällers schrittweise entwickelte, sind im Kunstmuseum Luzern ausgestellt. Die frisch gedruckte 50er-Note mit dem Holzfäller als zentralem Element kam im Dezember 1911 in die Hände der Schweizer Bürgerinnen.

Hodler scheint nicht zufrieden mit seiner Arbeit. Als er aber zahlreiche Aufträge bekommt, das Motiv wieder aufzugreifen und für private Sammler zu malen, entwickelt sich aus dem kleinformatigen Druck auf einem Geldschein eine 18-teilige Serie, deren einzelnen Teile sich im Format, den eingesetzten bildnerisch-technischen Mitteln und der Darstellung des immer gleichen Motivs unterscheiden.

Kommerzialisierte Kunst

Durch die Vervielfältigung seines Werkes für kommerzielle Zwecke holte sich Ferdinand Hodler aber auch Kritik bei Künstlerinnen ein, die einem kapitalistisch orientierten Kunstmarkt auszuweichen versuchten. Bis heute stellt sich die Frage, ob er die Serie, die sich für ihn als gewinnbringend erwies, nur des Geldes wegen schuf, oder wirklich daran interessiert war, die Ausgestaltung in jeder neuen Malerei auszubessern und zu verfeinern.

Die Serie führte ausserdem dazu, dass es für Fälscher ein leichtes Spiel war, Ferdinand Hodlers Werke zu kopieren und für viel Geld in Umlauf zu bringen, ohne als Kopie erkannt zu werden. 1912 musste Ferdinand Hodler als Zeuge vor Gericht aussagen, um einen gefälschten Hodler aufzudecken. Das Thema der Fälschung, aber auch der Raubkunst, wird in der aktuellen Ausstellung aufgegriffen, indem das Kunstmuseum mit Unterstützung des Bundesamtes für Kultur den Hintergrund und die Herkunft des Holzfällers, der Eigentum des Museums ist, erforscht hat und transparent macht. Auch zu den anderen ausgestellten Werken, bei welchen es sich um Leihgaben handelt, wird auf die Provenienz hingewiesen.

Kompakte Ausstellung mit Erweiterung in den digitalen Raum

Kurze, grossgedruckte Texte informieren die Besucher über das Leben des Künstlers, die Techniken, die er zur Vervielfältigung der Werke anwandte, und die Provenienz. Die Ausstellung ist zwar nur auf einen Raum begrenzt, aber durch die raumtrennenden Elemente, die zusätzliche Fläche für das Aufhängen der Gemälde bieten, nicht weniger reichhaltig, denn in der Ausstellung konnte ein grosser Teil der Serie zusammengeführt werden. Die Grösse der Ausstellung ist auch in Anbetracht dessen, dass nicht das ganze Werk des Künstlers, sondern eben nur ein einziges Motiv gezeigt wird, gut gewählt. Ausserdem wird unter www.hodler2021.ch eine digitale Tour angeboten, die zwar die Begegnung mit den realen Werken nicht ersetzen, aber mit zusätzlichen Informationen bereichern kann.

Über die Ausstellung

Die Ausstellung «Hodlers Holzfäller. Die Schweizer Erfolgsserie» ist vom 2. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022 zugänglich. Am 24. November 2021 erzählt die Restauratorin Karoline Beltinger über die Techniken der Vervielfältigungstechniken, die Hodler bei der Entstehung der Serie verwendete und untersucht den Holzfäller, der im Besitz des Kunstmuesums Luzern ist, etwas genauer. Im Zusammenhang mit der Ausstellung erscheint zudem die gleichnamige Publikation mit Texten der Kunsthistorikerin Monika Brunner und anderen Autoren. Weitere Informationen zur Ausstellung sind unter www.kunstmuseumluzern.ch zu finden.

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1 Kommentare
  1. Heinz Gadient, 04.10.2021, 14:40 Uhr

    Hodler hat sich selbst oft «kopiert». Wenn der Kunsthändler Tannhäuser in München eine Genferseelandschaft gut verkauf hat, bestellte er noch drei davon und Hodler hat geliefert. Cuno Amiet hat das nie getan. Ich schätze vor allem sein Frühwerk sehr.

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