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Behindern sich die Bürgerlichen gegenseitig? Ein heisser Wahlkampf ums Stadtpräsidium wartet auf Zug

4 min Lesezeit 1 Kommentar 26.01.2018, 14:01 Uhr

Vier Stadträte wollen in Zug nicht nur wiedergewählt, sondern auch jeweils zum Stadtpräsidenten gekürt werden. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Irgendwie mutet es schon ein bisschen an wie der Kampf der vier Giganten. Denn vier amtierende Stadträte schwingen nun das Florett bei den Wahlen im Kampf um die Stimmen. Nicht nur, um wiedergewählt zu werden. Nein, sie möchten auch alle gerne zum Nachfolger von Dolfi Müller auserkoren werden. Der Zuger SP-Stadtpräsident, der seit 2007 im Amt ist, hört ja bekanntlich auf (zentralplus berichtete).

Dolfi Müller hinterlässt ein Machtvakuum

Was bedeutet das für die Stadt Zug und ihre Bewohner? Zunächst einmal, dass es einen spannenden und heissen Wahlkampf ums Stadtpräsidium geben wird. Die Zuger können aus vier Kandidaten auswählen.

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Dass sich gleich vier Politiker berufen fühlen, in die Fussstapfen von Dolfi Müller treten zu wollen, heisst vor allem: Der Sozialdemokrat und Cüpli-Linke hinterlässt ein Machtvakuum. Sprich: Ein klarer Favorit oder designierter Nachfolger für Müller steht nicht fest. Der 62-Jährige geniesst seit Jahren dank seiner persönlichen Integrität, seiner sozialen Gesinnung und nicht zuletzt dank seines exzellenten politischen Riechers – Stichwort Crypto-Valley – ein grosses Ansehen in Zug.

Die drei Bürgerlichen haben alle Chancen

Nun gut, man könnte sagen: Karl Kobelt, freisinniger und allseitig interessierter Zuger Finanzchef, ist eigentlich derjenige mit den meisten Chancen aufs Stadtpräsidium. Er hat die Stadtfinanzen im Griff, ist seriös und zeigt sich gerne bei vielen gesellschaftlichen Anlässen. Die besten Voraussetzungen für einen Stadtpräsidenten – auch wenn man ihn auf der ganz grossen Bühne noch nicht so richtig erlebt hat. Nicht zuletzt hat er bei den letzten Stadtratswahlen die meisten Stimmen bekommen.

André Wicki hat wiederum bereits Erfahrung mit dem Kampf ums Stadtpräsidium. Der SVP-Bauchef, der mittlerweile viel Erfahrung gesammelt als Magistrat, verlor allerdings 2014 die Wahl gegen Dolfi Müller. Eine «lahme Ente» ist er aber deswegen nicht. Wicki ist in Zug gut positioniert, gerade mit seiner Business-Erfahrung von seiner Johnson&Johnson-Vergangenheit. Und auch als ehemaliger Letzibutzäli-Fasnachts-Prinz ist er vielen auf der Strasse ein Begriff. Top-Favorit ist er gleichwohl nicht.

Nun hat auch noch Urs Raschle von der CVP seinen Hut in den Ring geworfen. Das ist ein mutiges und selbstbewusstes Signal des 40-jährigen Stadtrats – zumal er bei den letzten Wahlen als Neuling nur gerade so reingerutscht ist. Obwohl der frühere Zuger Tourismuschef mit der Erhöhung der Parkgebühren viele Autofahrer jüngst in Zug verägert hat, stehen seine Chancen nicht schlecht. Er hat insgesamt einen soliden Eindruck als Stadtrat hinterlassen, ist angesehen in seinem Departement. Als Zuger, der in vielen Vereinen gut vernetzt ist, gehören ihm viele Sympathien. Er ist aber sicher auch kein Top-Favorit.

Vroni Straub mit dem Frauenbonus als einzige Linkskandidatin

Alle drei haben also Chancen gewählt zu werden – wäre da nicht Vroni Straub-Müller von der linken CSP. Die Bildungschefin ist von ihrem Charakter her zwar eher bodenständig und bescheiden. Sie kann sich aber seit Jahren einer zunehmenden Popularität ihrer Person nicht erwehren: Weil sie stets authentisch auftritt, mit politischen Machtspielchen nichts im Sinn hat und als Schulvorsteherin im Gegensatz zu manchen Vorgängern offensichtlich ein harmonisches Verhältnis zwischen Schülern, Eltern und Lehrern etabliert hat. Als frühere Hebamme und einzige Frau im Stadtrat vereint sie zudem viele weibliche Sympathien auf ihre Person. Als einzige Linke unter den Kandidaten könnte sie deshalb die wahre Profiteurin des Wahlkampfs sein.

Denn egal, wie man es dreht und wendet: Die drei bürgerlichen Kandidaten werden sich gegenseitig die Stimmen klauen. Das bedeutet, dass wohl im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit erreichen wird. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass Vroni Straub als einzige populäre Linke in die zweite Runde kommt. Dort ist dann gar nicht sicher, ob alle bürgerlichen Stimmen tatsächlich zum bürgerlichen Kandidaten wandern. Insbesondere die Stimmen von der CVP.

Am Ende könnten die Bürgerlichen tatsächlich die Gelackmeierten sein. Und Vroni Straub als lachende Siegerin unter den vier Kandidaten brillieren. Oder schafft es doch, wie von den meisten kalkuliert, Karl Kobelt? Es wird auf jeden Fall spannend. Denn bei Majorz ist die Persönlichkeit entscheidend. Ein heisser Wahlkampf wartet auf Zug.

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1 Kommentare
  1. Heinrich Vogelsang, 31.01.2018, 12:38 Uhr

    Die Erwartung einer spannenden Wahl überzeugt mich nicht ganz. Indem alle Zuger Stadträte auch Stadtpräsident werden wollen, neutralisieren sie sich, können aber nur im eigenen Lager Stimmen holen. Am Ende ist Karl Kobelt doch wieder der Favorit.