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Das neue Zuger Busdepot Ein Haus für 190 Millionen anstelle einer Strategie

3 min Lesezeit 06.09.2018, 16:07 Uhr

Die Politik ist immer für eine Überraschung gut. Neuster Coup in Zug: Man will 190 Millionen Franken in eine Busgarage investieren, ohne sich mit der Mobilität der Zukunft auseinanderzusetzen.

Vor zwei Wochen feierte sich Luzern: 20 Jahre KKL stand auf dem Programm, geladen waren nicht nur die Bauherren und heutigen Nutzer, sondern auch Politiker aus den Nachbarkantonen. Die Laudatio über das bekannteste Schweizer Konzerthaus drehte sich um hochfliegende Visionen, begeisterte Bundesräte; um ein Haus, in dem Veranstaltungen wie das Lucerne Festival oder das Blue Balls stattfinden und das durch seine Dacharchitektur und die spektakuläre Lage im Seebecken in keinem Reiseführer über Luzern fehlen darf.
Kostenpunkt: 220 Millionen Franken.

Szenenwechsel. Kantonsratssaal Zug am Donnerstag. Auf dem Programm steht der Standortentscheid für das neue Zuger Busdepot (zentralplus berichtete). Geplant ist ein abweisender Stahl-Glas-Komplex, in dem die Dieselbusse der ZVB nach ihrer Fahrt gewartet und parkiert werden sollen. Ein Jubiläum wird man hier 20 Jahre nach der Eröffnung nicht feiern, kaum ein Zentralschweizer wird sich je voller Vorfreude in Richtung dieses Gebäudes aufmachen.
Kostenpunkt: 190 Millionen Franken.

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Die Kosten sind das eine. Der Objektkredit muss erst beraten werden, noch ist der Kantonsanteil an das Gebäude über 94,2 Millionen Franken nicht gesprochen. Geradezu fahrlässig erscheint es jedoch, dass der Standortentscheid gefällt wurde, ohne eine Mobilitätsstrategie zu erarbeiten. Frei nach dem Motto: Wir wissen zwar, wie das Gebäude aussehen soll, nicht aber, ob und wie in Zug in 20 Jahren überhaupt noch Busse verkehren werden.

Denn: Bereits im Jahr 2025 sollen sich auf Schweizer Strassen teilautonome Fahrzeuge bewegen, ab 2030 voll-automatisierte Autos und Kleinbusse, prognostizieren Schweizer Experten. Getestet wurde ein solches Gefährt im Frühjahr auch in Zug. Die absehbare Zukunft: Autonome Autos setzen den Passagier am gewünschten Ort ab und nehmen in der Nähe einen nächsten Passagier auf, ein eigenes Fahrzeug wird der Vergangenheit angehören. Die Fahrzeuge sind rund um die Uhr im Einsatz, der Flächenbedarf reduziert sich drastisch, Parkplätze sind kaum mehr nötig. Frei werdende Flächen könnten für Parks oder separate Spuren genutzt werden.

Im Dieselbus ins Crypto Valley

Zukunftsmusik? Mag sein. Doch diese wird zumindest teilweise spielen, wenn die im Zuger Zentrum geplante Garage eröffnet wird. Nun zählt das Profil eines Visionärs (glücklicherweise) nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen eines Kantonsrates, eher schon eine gehörige Dosis Pragmatismus. Selbst in einem so technologieaffinen Kanton wie Zug, der sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit dem Attribut «Crypro Valley» brüstet.

Dennoch wäre es nicht nur in Zeiten des Spardruckes angezeigt, sich vor einer Standortwahl eines Gebäudes mit dessen Funktion und der Mobilität der Zukunft auseinanderzusetzen. Denn wer dies tut, setzt mehr als nur ein Fragezeichen hinter dieses Projekt. Wozu etwa braucht es noch eine zentrale Busgarage im Zuger Zentrum, wenn die Fahrzeuge dezentral verkehren und lediglich noch an einem Ort gewartet werden müssen? Ein solcher Stützpunkt könnte genauso gut an der Zuger Peripherie im Hünenberger Bösch oder in Sihlbrugg liegen. Und sind es die heutigen Busbetreiber wie die ZVB, welche die viel kleineren, agileren und kurzfristig verfügbaren Kleinbusse betreiben werden? Oder werden allenfalls andere Mitbewerber wie beispielsweise Mobility oder Taxidienste den Markt erobern, nachdem Linien und Fahrpläne überflüssig geworden sind?  

Selbstbewusst – oder fahrlässig

Der Kantonsrat hat am Donnerstag entschieden, dass er weitreichende Entscheide fällen kann, ohne sich mit Fragen der Zukunft auseinanderzusetzen. Das ist im besten Fall selbstbewusst und mutig, im schlechteren fahrlässig. Zu hoffen ist, dass sich die Technologie bis zur Volksabstimmung über den Objektkredit so rasant entwickeln wird wie bisher – und noch ausreichend Gelegenheiten für eine Korrektur bestehen.

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