Politik

Erste Ideen liegen auf dem Tisch
Ein Hauch Kopenhagen: Kanton Luzern plant bessere Velowege

  • Lesezeit: 4 min
Kopenhagen gilt als velofreundlichste Stadt und Vorbild vieler Verkehrsplaner. So wirds in Luzern auch in Zukunft nicht aussehen, doch der Kanton erarbeitet ein neues Velokonzept.
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Kopenhagen gilt als velofreundlichste Stadt und Vorbild vieler Verkehrsplaner. So wirds in Luzern auch in Zukunft nicht aussehen, doch der Kanton erarbeitet ein neues Velokonzept. (Bild: Unsplash/Febiyan)

Velofahren boomt, doch in Luzern fehlen schnelle, sichere und attraktive Verbindungen. Der Kanton hat das Problem erkannt und gelobt Besserung. Wer in Bälde auf ein Veloparadies hofft, wird aber enttäuscht.

Bis Kopenhagen ist es noch ein weiter Weg. Die dänische Hauptstadt gilt bei Stadt- und Verkehrsplanerinnen als Pionierin in Sachen Veloverkehr. Dazu tragen breite Wege, Schnellstrassen und eine Fahrradkultur bei – und die Stadt hat mit «copenhagenize» sogar einen englischen Ausdruck für die systematische Veloförderung mitbegründet.

Dass Luzern diesbezüglich noch Luft nach oben hat, räumt auch die bürgerliche Kantonsregierung ein. «Uns ist bewusst, dass Handlungsbedarf beim Veloverkehr besteht», schreibt sie in ihrer Stellungnahme auf eine Anfrage der grünen Kantonsrätin Korintha Bärtsch.

Denn obwohl die städtische Bevölkerung viele Wege zwischen drei und fünf Kilometer zurücklegt – diese Distanz gilt als besonders geeignet fürs Velo – ist der Anteil an Velofahrern vergleichsweise klein. «Ein wichtiger Grund dürfte darin liegen, dass kein über die ganze Agglomeration reichendes, zusammenhängendes und attraktives Angebot vorhanden ist», heisst es im aktuellen Bericht zum Agglomerationsprogramm.

Velonetz: Kantone müssen aktiv werden

Der Kanton verspricht deshalb, vorwärtszumachen. Das Ziel: Ein attraktives und durchgängiges Netz an Velowegen und schnelle Verbindungen zwischen den Zentren. Die Arbeiten für die neue Veloverkehrsplanung sind bereits im Gange. Diese soll das Radroutenkonzept von 1994 ersetzen. Beim entsprechenden Departement ist ein neuer Veloprojektleiter tätig. Eine erste Studie zum Veloverkehr in der Agglomeration liegt bereits vor.

«Die schönen Worte sind gut und recht. Aber am Ende braucht es vor allem Mut.»

Korintha Bärtsch, Kantonsrätin Grüne

Der Tatendrang kommt nicht von ungefähr. Corona hat den Zweirädern zu neuem Aufschwung verholfen. Aber Velofahren scheint nicht nur beliebt, sondern auch politisch populär zu sein. Ein attraktives Velonetz ist einerseits Teil der kantonalen Klimastrategie, die demnächst im Kantonsrat diskutiert wird.

Andererseits ist es eine Vorgabe des Bundes. Nach dem Ja der Bevölkerung zu einer entsprechenden Vorlage 2018 liegt inzwischen ein neues Veloweggesetz vor, das bis im Sommer vom eidgenössischen Parlament gutgeheissen werden dürfte. Es nimmt die Kantone in die Pflicht, für ein sicheres und zusammenhängendes Velowegnetz zu sorgen. Mit seinen aktuellen Plänen will der Luzerner Regierungsrat dem nachkommen.

Wie schnell geht es dann wirklich vorwärts?

«Ich bin einerseits positiv überrascht, dass der Regierungsrat so progressiv antwortet und ein attraktives, durchgängiges Velonetz schaffen will», sagt die grüne Co-Fraktionschefin Korintha Bärtsch gegenüber zentralplus. Er habe offensichtlich das Problem erkannt und sei gewillt, die Situation zu verbessern.

Andererseits befürchtet Bärtsch, dass es noch Jahre dauert, bis tatsächliche Verbesserungen umgesetzt sind. «Die schönen Worte sind gut und recht», sagt die Co-Präsidentin von Pro Velo Luzern. «Aber am Ende braucht es vor allem den Mut, um ein sicheres und schnelles Netz zu realisieren.» Denn gerade in der Stadt und der Agglomeration sind die Platzverhältnisse eng und der Kampf um den Strassenraum ist entsprechend gross.

Studie liefert erste Hinweise

In der Tat werden die Antworten umso kürzer, je konkreter die Fragen sind. So lässt es die Regierung offen, welche Lücken sie als Erstes schliessen wird. Zumindest erste Hinweise findet man in im Agglomerationsprogramm sowie in der erwähnten Studie. Demnach liegen die Unfallschwerpunkte vor allem in der Stadt Luzern, insbesondere entlang der Kantonsstrasse vom Tribschenquartier über die Seebrücke bis zum Schlossberg. Velofahren ist demnach besonders entlang und quer zu stark befahrene Autostrassen unattraktiv.

Doch befragt nach Verbesserungen für konkrete Stellen, etwa dem Bahnhofplatz, der Haldenstrasse oder der Bundesstrasse, bleibt die Regierung in ihrer Antwort auf Bärtschs Vorstoss vage. Oder sie lehnt Vorschläge geradeheraus ab – etwa die Idee, im Innenhof des Regierungsgebäudes zwei Autoparkplätze in Veloparkplätze umzuwandeln. «Eine attraktivere Gestaltung des Innenhofs des Regierungsgebäudes, kombiniert mit einer besseren Veloverbindung, ist aktuell nicht vorgesehen», schreibt sie.

Es scheint deshalb nicht, als würde der Kanton das Momentum nutzen wollen, das mit dem Veloboom in der Coronakrise entstanden ist. Das bedauert Kantonsrätin Korintha Bärtsch. «Man könnte die Veloinfrastruktur mit einfachen Massnahmen sicherer machen – dazu braucht es keine Studien und Konzepte.»

Luzern wird also nicht so schnell zu einem zweiten Kopenhagen. «Das ist auch nicht die Erwartung», sagt Bärtsch. Aber die Veloförderung dürfe nicht zum Etikettenschwindel verkommen. «Wir messen die Regierung deshalb an ihren konkreten Taten.»

Pro Velo nimmt Gemeinden in die Pflicht

Geht es um neue Achsen für Fahrradfahrer, stehen auch die Gemeinden in der Pflicht. Pro Velo hat in Luzern, Emmen und Kriens Veloinitiativen lanciert. Am weitesten fortgeschritten ist der Prozess in Luzern. Der Stadtrat hat diesen Herbst seinen Gegenvorschlag präsentiert, der im Dezember auch die Hürde im Stadtparlament nahm (zentralplus berichtete).

Er sieht ein Velonetz von insgesamt rund 27 Kilometer Länge vor. Für die verschiedenen Projekte – unter anderem eine neue Brücke über die Reuss – rechnet die Stadt mit Kosten von knapp 20 Millionen Franken (mehr dazu im folgenden Video).

Noch ist unklar, ob es zu einer Volksabstimmung kommt. Denn es ist gut möglich, dass das Komitee die Velonetz-Initiative zugunsten des Gegenvorschlages zurückziehen wird. Der Entscheid wird diesen Dienstag kommuniziert.

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