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Ein gewöhnlicher Nachmittag auf dem Fleischberg
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Auf der Luzerner «Ufschötti» legen sich Leiber an Leiber. (Bild: jav)

Satire von der Luzerner «Ufschötti» Ein gewöhnlicher Nachmittag auf dem Fleischberg

4 min Lesezeit 1 Kommentar 26.07.2015, 05:00 Uhr

Die Hitze lockt ans Wasser. Und dort tummelt sich der Mensch in all seinen Varianten und seltsamen Verhaltensformen. zentral+ hat sich zwischen nasse Hunde und enthaarte Brustmuskeln an die Ufschötti gelegt und beobachtet: Was kreucht und fleucht denn da an Luzerns beliebtestem Badeort?

Hitze, Ächz, Tropf … Bewegen ist kaum noch möglich, denken auch nicht. «Ans Wasser!», ruft der Körper und der Geist bringt keinen besseren Vorschlag zu Stande, als sich an den Luzerner Fleischberg zu schleppen – die Ufschötti.

Kaum angekommen zeigt sich das erste Problem: Wohin mit mir? Möchte man sich nicht unbedingt an die pralle Sonne zwischen die enthaarten, gegrillten Hühnerbrüste und die schlecht tätowierten, krebsroten Waden legen, wirds schwierig. Die Schattenplätze sind rares Gut und es fügt sich Badetuch an Badetuch.

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Natürlich will man weder zu Nahe am überquellenden Abfalleimer mit Wespenplage liegen, noch in der Reichweite der jonglierenden Jugend, die anscheinend tagtäglich die Mitte der Grünfläche für sich beansprucht. Man hat hier ja auch rundherum die meisten Zuschauer und leichte Beute für den Flirtfrisbee oder den Kontaktball. Wie in einer Arena wird hier posiert, geblufft und stolziert. Wer hat die hyperaktivsten Brustmuskeln, wer die farbigsten, kürzesten Badehöschen, wer hat die am besten schräggegelte Frise und wer am wenigsten Häärchen über der Gürtellinie?

Nur grillieren oder gleich einziehen?

Auch bei der Musikwahl wirds schwierig. Je nach Hügel variiert diese jedoch nur im unmerklichen Bereich. Ein bisschen mehr Reggae, oder doch lieber vorwiegend Sambarythmen? Egal wofür man sich entscheidet – es wird sowieso untermalt mit Rammstein und fetzigen Thai-Housebeats.

Mit Spielzeug, Luftmatratzen, Kinderwagen, Velo, Kühlkisten, Decken und Essen für die nächste Naturkatastrophe haben sich die Familien eingerichtet. Ich halte Ausschau nach den Sherpas, kann sie aber nirgends entdecken. Eine Mutter hat das komplette Spielzimmer mitgeschleift. Die Kleine interessiert sich aber gerade mehr für das nasse Badekleid der älteren Dame nebenan. Die Barbie liegt unbeachtet im Gras.

Um Beachtung kämpfen daneben die jungen, lebenden Versionen von Ken. Mit glatt glänzender Brust und leicht unnatürlich abgespreizten Armen stolzieren sie zwischen den Badetüchern hindurch zur Dusche. Mit Erfolg. Die jugendlichen Gegenstücke beginnen kichernd über die Brustmuskeln und Sixpacks zu diskutieren.

Zwischen einem rummachenden Teeniepärchen und einer grillierenden, oder eher kochenden, Grossfamilie, die übergangsweise hier eingezogen zu sein scheint, sieht es nach etwas Platz aus.

Achtung Ball, Achtung Hund

Erstmal hinlegen und ein bisschen entspannen ist das Ziel. Doch kaum liegt man, springt bereits der erste Ball gegen die Birne. Wasser spritzt auf den Rücken – ein Hund, der sich genüsslich ausschüttelt und sich gefährlich nahe beim Badetuch wälzt.

Nebenan wird die Slackline inflationär genutzt. Um nicht zur Matte für die Fallenden zu werden, muss man eine schnelle Reaktion an den Tag legen. Neben den Balancekünstlern flechten sich ein paar Mädchen mit Piercings und Hennalocken gegenseitig die Haare. Haarbüschel rollen an mir vorbei wie trockenes Gebüsch im wilden Westen. Wasser spritzt an die Beine – ein älterer Herr schüttelt sich, wälzen tut er sich zum Glück nicht.

Rauch und Wasser

Selbstverständlich zieht auch der Rauch vom Grill der Familie herüber. Ach. Doch nicht, es ist der Einweggrill der biertrinkenden Gruppe mit den rassigen Wampen und Schweizerkreuzhosenträgern. Doch leider riecht es weniger nach Wurst und Steak, sondern eher nach verkohltem Nachbarshund. Wasser spritzt auf den Kopf – ein nasses Kleinkind rennt im Kreis, man wartet bis es fällt.

Die Flucht in den See ist angesagt. Hier herrscht ein solidarisches gegenseitiges Angrinsen beim hereinwaten in das kühle Nass. Danach ab aufs WC. Denn im Wasser hat es doch gerade einige Leute zu viel, um ohne schlechtes Gewissen … nun ja. Die Schlange ist endlos doch die Gespräche halten auf. Etwas befremdlich sind hier die ganzen vollangezogenen, stumpenrauchenden, biertrinkenden Festbankbesitzer. Man fühlt sich leicht beobachtet.

Unterhaltung ist umsonst

Zu beobachten gibt es wirklich einiges. Denn natürlich sind immer auch die Mit-Badetuch-Umzieher und die Ohne-Badetuch-Umzieher vor Ort. Die einen, die ein unheimlich komplexes, tänzerisches Versteckspiel mit Tüchern und Kleidungsstücken um ihre Hüften herum aufführen – gerne auch zu zweit, mit Hilfe von Partner oder Elternteil. Und die anderen, die dir ihre Weichteile schon fast ins Gesicht halten.

Zwei Jungs beginnen lautstark die Vorbauten der vorbeigehenden weiblichen Badegäste zu kommentieren. Wasser spritzt an die Arme – ach egal … Ufschötti, wir nehmen dich so, wie du bist.

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1 Kommentare
  1. Christof Jegen, 26.07.2015, 09:21 Uhr

    Ist ja (fast) alles in der Realität genau so 🙂