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«Ein Frooind, ein guter Froooind»
  • Kultur
Liebe, Humor und Drama: Das alles in «Die Drei von der Tankstelle» in weniger als 90 Minuten. (Bild: zvg )

Gassenhauer am Zuger Operettensommer «Ein Frooind, ein guter Froooind»

5 min Lesezeit 15.08.2015, 12:00 Uhr

Die «Quickchange Company» trägt nicht umsonst ihren Namen. Seit sieben Jahren dampft sie in der Zuger Gewürzmühle Operetten ein. Fürs ungeduldige Publikum. So stark, bis nur noch die Essenz übrig bleibt. Dieses Jahr hat sich die Gesellschaft etwas besonderes angeschafft.

Die sind alle völlig entspannt. Eigentlich hätte die Probe bereits vor einer Stunde stattfinden sollen, noch fehlt jedoch der Boden der Bühne. Darum legen die Schauspieler nun selber Hand an, tuckern den Teppich an die Euro-Palletten, dabei rezitieren sie ihre Texte, es wird gescherzt und gelacht. Bald darauf kommen die Requisiten auf die Bühne, nach vorne? In die Mitte? «Ich weiss gar nicht wo das hinkommt!», so einer der Schauspieler verdutzt.

Der Text kommt mit den Bewegungen wieder

Schliesslich ist es auch schon ein Jahr her, seit die «Quickchange Company» das Stück «Die Drei von der Tankstelle» aufgeführt hat. Am Freitag ist Erinnerungsprobe, am Samstag wird aufgeführt. Ja wie jetzt? Kaum beginnt man mit der Probe, schong gilt es ernst? «Es ist das dritte Jahr, indem wir dieses Stück spielen. Von daher sitzt der Text schon ziemlich gut. Ausserdem kommen die richtigen Worte, sollte man mal einen Hänger haben, durch die Bewegungen wieder», erklärt die Schauspielerin Stefanie Gygax.

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Der Boden hält. Die Musik erklingt. Drei Kerle kommen auf die Bühne. «Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt», singen die Koffertragenden. Kaum verklungen, kommt bereits ein neuer Charakter ins Spiel. Hier wird offenbar jede Sekunde ausgenützt, es gibt kaum Redepausen. Denn die Operette «Die Drei von der Tankstelle» wird geschrumpft, wie jedes  Stück des Zuger Operettensommers.

Aus 150 Minuten mach 80

Zweieinhalb Stunden werden auf 80 Minuten heruntergebrochen. Operetten im Taschenformat – dies das Credo des Projekts, welches seit 2009 in der Gewürzmühle stattfindet. Die Probe wird gestoppt. Einen Moment. Diese Koffer stehen im Weg. Die Tankstelle muss weiter nach hinten.

«Das ist das Schöne bei diesem Projekt. Es wächst stetig. Von Jahr zu Jahr haben wir mehr Zuschauer, das motiviert.»

Björn Bugiel, Regisseur des Zuger Operettensommers

Naja, es sind ja noch über 24 Stunden, bevor das Stück vors Publikum kommt. Und sowohl die Schauspieler als auch der Regisseur Björn Bugiel sind noch immer entspannt. Alles eine Frage der Organisation, sagt er lakonisch. Ausserdem kommt langsam aber sicher Routine in die ganze Operettensommer-Geschichte. «Das ist das Schöne bei diesem Projekt. Es wächst stetig. Von Jahr zu Jahr haben wir mehr Zuschauer, das motiviert», erklärt Bugiel, und freut sich über jeden Fortschritt – sei er auch noch so klein.

«Schau, wir haben nun eine richtige Beschilderung! Ausserdem konnten wir uns diese Saison die zweite Hälfte des Zeltbodens leisten.» Dieser ist wichtig, da sich die Schauspieler, wenn sie bei schönem Wetter draussen spielen, im Zelt umziehen müssen. Und dabei dürfen die Schuhe keinesfalls schmutzig werden.

28 Profis sind am Werk

Die Einfachheit der ganzen Infrastruktur trügt. Wer hier auf der selbstgezimmerten Bühne steht ist kein Laie, sondern Profi. Aus der ganzen Schweiz kommen die 28 Bühnenkünstler angereist. Zwei gar aus den Nachbarländern. Und sie alle sind sich völlig bewusst, dass sie mit dem Operettensommer nicht reich werden. «Trotzdem, oder vielleicht weil es ein solch kleines, feines Projekt ist, sind alle mit enorm viel Herzblut hier dabei», so Bugiel.

«Hier wird niemand krank.»

Björn Bugiel, Regisseur des Zuger Operettensommers

Fast dreissig Musiker und Schauspieler stemmen also gemeinsam vier verschiedene Operetten, die während der nächsten zwei Wochen rauf und runtergespielt werden. Das setzt voraus, dass praktisch alle Darsteller in verschiedenen Rollen, verschiedenen Stücken mitmachen. Und wenn jemand krank wird? «Hier wird niemand krank», so der Regisseur. Und er meint das nicht als Drohung, sondern erklärt weiter, «Meine Leute sind alle sehr gesund. Ausserdem ist Krankwerden ist oft eine Einstellungssache. Die Leute hier haben so viel Freude am Projekt, dass sie kaum je ausfallen.» Aber ja, es müsse gar nicht so viel passieren, damit alles aus den Fugen gerät. Bugiel zuckt mit den Schultern: «Es ist wie es ist.»

Nach dem Musical kam die Operette

Die Operettensängerin Stefanie Gygax spielt in allen vier Stücken mit. Bei «My Fair Lady», «Die Fledermaus»und bei «Die Drei von der Tankstelle» hat sie jeweils eine Hauptrolle, einzig beim «Zauberer von Oz» spielt sie in einer Nebenrolle mit. Gygax, die ihren Lebensunterhalt auf den Operetten-Bühnen der Schweiz und mit Tanz- und Gesangsunterricht verdient, ist eigentlich beim Musical eingestiegen. «Erst später habe ich gemerkt, dass mir der klassische Gesang eigentlich besser liegt.»

Sie spielt diesen Sommer unter anderem die Adele in «Die Fledermaus». Eine Rolle, die ihr besonders zusagt. «Sie ist anspruchsvoll, verlangt einem schauspielerisch viel ab und ist ziemlich komödiantisch.» Gygax, welche die Rolle auch schon in der ungekürzten Fassung gespielt hat, schätzt die Kompaktheit der Operettensommer-Stücke. «So ist es einfacher, die Spannung während des Stücks zu halten. Ausserdem hilft man hinter der Bühne dauernd den anderen beim ankleiden, was die Zeit zusätzlich verkürzt.»

«Klein und fein solls sein, leicht bekömmlich, spritzig.»

Björn Bugiel, Regisseur des Zuger Operettensommers

Kürzt man eigentlich, um mit dem Groove unserer modernen, schnellen Zeit mitzuhalten? «Nein, überhaupt nicht», erklärt der Regisseur Björn Bugiel. «Wir stellen hier einfach eine andere Art von Theater auf die Beine. Klein und fein solls sein, leicht bekömmlich, spritzig.» Ein Abend des Operettensommers habe deshalb nur ganz wenig gemein mit einem Abend im Stadttheater, der auch mal drei Stunden andauern könne. «Hierher kommen auch Leute, die sich nicht so sicher sind, ob sie Operetten mögen. Denn sie wissen, dass sie in einer Stunde wieder nach Hause können.»

 

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