Ein fahrendes Denkmal kehrt auf den Vierwaldstättersee zurück
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Der neugestaltete Salon. (Bild: jru)

Dampfschiff «Stadt Luzern» aufwändig restauriert Ein fahrendes Denkmal kehrt auf den Vierwaldstättersee zurück

5 min Lesezeit 3 Kommentare 29.04.2021, 19:16 Uhr

Die «Stadt Luzern» ­– sie ist das Flaggschiff der Dampferflotte des Vierwaldstättersees. Mit viel Herzblut wurde die über 90 Jahre alte Dame während mehr als zwei Jahren wieder auf Vordermann gebracht und kehrt nun zurück dahin, wo sie hingehört: Auf die Gewässer des Vierwaldstättersees.

Liebevoll als alte Dame bezeichnet, stellt der Raddampfer Stadt Luzern das Flaggschiff der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) dar. Paradoxerweise ist sie jedoch das jüngste aller fünf Dampfer, die derzeit im Hafen Luzerns auf ihr erstes Auslaufen in diesem Jahr warten.

Die «Stadt Luzern» musste sich im Gegensatz zu den weiteren Schiffen etwas länger auf ihre erste Reise gedulden. Über zwei Jahre hatte sie nämlich nicht Wasser, sondern Boden unter den Füssen. Der Grund dafür: Die über 90-jährige Dame wurde generalrevidiert. Und zwar von Kopf bis Fuss.

Geschichten aus dem Leben einer Greisin

Bei einem Rundgang durch das brandneu revidierte Schiff zeigt sich schnell: Die «Stadt Luzern» wurde mit viel Mühe und Sorgfalt erneuert; planerische, ingenieurtechnische und handwerkliche Kunst flossen ineinander. «Uns ist dies eine sehr gefreute Sache­», erklärt der SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter indes an einer Medienkonferenz vom Donnerstagnachmittag. Sichtlich stolz auf das alte Dampfschiff erzählt er Geschichten aus dem Leben der Dame.

«Schon am zweiten Einsatztag dieses Schiffes, über neun Jahrzehnte her, ist der Motor ausgestiegen», meint Schurter und schmunzelt. Die «Stadt Luzern» habe viel schöne, aber auch einige tragisch-komische Szenen geboten. So zwang ein Brand in der Kombüse beispielsweise das Küchenpersonal einst, sich aus einem der Bullaugen ins kühle Nass zu retten.

Revisionen soll es auch schon in der Vergangenheit gegeben haben. Nie zuvor jedoch wurde eine solch umfangreiche Generalrevision vorgenommen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden 81’000 Stunden in die Arbeit an der «Stadt Luzern» investiert. Dafür sind 13,3 Millionen Schweizer Franken aufgewendet worden. Dabei wurden die Kosten grossmehrheitlich von der Schifffahrtsgesellschaft selbst getragen.

Zweites Schiff unter Denkmalschutz

Doch auch die Dampferfreunde, welche seit rund 50 Jahren massgeblich für den Erhalt der Dampfschiffflotte auf dem Vierwaldstättersee kämpfen, konnten dank verschiedener Aktionen ganze vier Millionen Franken zur Renovation beisteuern. Auch die Denkmalpflege von Bund und Kanton Luzern haben das Projekt mit 1,1 Millionen unterstützt.

Die Arbeiten am Schiff haben sich aber nicht nur aus erscheinungsbildtechnischen Gründen gelohnt. Cony Grünenfelder, sie ist Denkmalpflegerin beim Kanton Luzern, erklärt: «Dampfschiffe haben eine grosse Faszination für viele Menschen. Sie erinnern nicht nur an die Geschichte, sie lassen den Fahrgast sie sinnlich erleben.» Alle fünf Dampfschiffe Uri, Unterwalden, Schiller, Gallia und die Stadt Luzern sind von nationaler Bedeutung. Somit ist die Stadt Luzern im Rahmen ihrer Generalrevision nun das zweite Schiff der SGV, das unter Denkmalschutz steht.

Dies hatte revisionstechnische Folgen. So musste das Schiff mit kleinstmöglichen Eingriffen sowie beispielsweise bei Schäden nach dem Prinzip «Reparatur statt Ersatz» erneuert werden. Denn: «Die Elemente sind ein Teil der Geschichte. Das Schiff ist ein fahrendes Denkmal und kein Museumsstück. Das darf leben», führt Grünenfelder aus.

Der Kompromiss als Schlüssel zum Ziel

Eine der grossen Herausforderungen bei der zurückliegenden Revision war es, den Kompromiss zwischen Wünschen der Dampferliebhaberinnen, des Denkmalschutzes und der Sicherheit für die Passagiere zu finden. «Die Diskussionen sind aber immer sehr konstruktiv verlaufen, sodass wir für alles eine gute Lösung gefunden haben», kommentiert die Denkmalschützerin die Bauzeit.

In der Bildergalerie erhältst du noch mehr Eindrücke vom «neuen» Dampfschiff.

Tatsächlich scheint es, als habe das hinter der Revision stehende Team für alles eine passende Lösung gefunden. Vom Türgriff über die Stühle bis hin zu den Lampen – alles scheint im Originalzustand geblieben zu sein, erstrahlt dabei aber in neuem Glanz. Darauf ist auch der neue Kapitän Roger Murer stolz, wie er verkündet. Obwohl die Geschichte «Stadt Luzern» schon über 90 Jahre alt ist: Murer ist erst der zehnte Kapitän auf der Dame.

Schliesslich können es alle Beteiligten kaum erwarten, bis die «Stadt Luzern» schon bald wieder im neuen, originalen Kostüm in See sticht. So meint Werner Grossniklaus, Vizepräsident der Dampferfreunde Vierwaldstättersee: «Wir als Dampferfreunde Vierwaldstättersee freuen uns auf den grossen Moment am ersten Mai.» Der Verein, der weltweit über 10’000 Mitglieder zählt, hat massgeblich dazu beigetragen, dass das Schiff nun wieder in Form gebracht werden konnte. Grossniklaus schliesst ab: «An dieser Stelle bleibt mir nichts mehr anderes zu sagen übrig, als allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Was hier erschaffen wurde, ist ein wahres Meisterwerk!» Das stimmt.

Ab dem 1. Mai 2021 wird das Schiff mit einem Fassungsvermögen von rund 1’200 Passagieren nun wieder im Kursverkehr von Luzern nach Flüelen unterwegs sein. Die erste Fahrt geht um 11.12 Uhr an der Landungsbrücke 1 los. Für die erste Fahrt ist eine Voranmeldung nötig ­– Platz hat es noch. Die angedachte Willkommensparade im Frühling wurde aufgrund der aktuell geltenden Massnahmen auf den September verschoben.

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3 Kommentare
  1. Johannes Mahler, 29.04.2021, 23:59 Uhr

    What a comment. Sie haben bestimmt ganz viel Ahnung von ganz vielem. Ich danke für Ihren wertvollen Beitrag zu einem Thema, das komplexer zu sein scheint als Sie es sich jemals vorstellen werden können.

  2. Daniel Zehnder, 29.04.2021, 22:56 Uhr

    Solange man Maske tragen muss, hat es auf dem Schiff sicher noch Platz.

    1. Franz Heller, 30.04.2021, 11:16 Uhr

      Immer diese Diskussion mit den Masken. Lasst es doch endlich mal sein gopferidstutz.

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