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Ein einziger Kandidat für die Richterstelle
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Am Strafgericht Zug hat der Prozess gegen die Verantwortlichen der Invest Energy Group AG wegen gewerbsmässigen Betrugs und weiterer Delikte begonnen. (Bild: Archiv)

Ein 33-jähriger Zuger wird Kantonsrichter Ein einziger Kandidat für die Richterstelle

3 min Lesezeit 22.07.2017, 05:12 Uhr

Der Gerichtsschreiber Aldo Staub wird voraussichtlich ins Zuger Gremium der Kantonsrichter aufgenommen. Er ist der einzige Kandidat für die Stelle. Aber ist er mit 33 Jahren nicht noch etwas zu grün hinter den Ohren?

Im Kanton Zug ist eine Stelle als Kantonsrichter frei und es gibt nur eine einzige Bewerbung darauf. Will denn keiner mehr Richter werden?

Der Zuger FDP-Präsident Andreas Hofstettler widerspricht. Die Bewerbungsverfahren für Richter laufen bloss parteiintern ab: «Es gibt einfach ein stillschweigendes Abkommen unter den Parteien, wie man diese Präsidien und Richterstellen untereinander aufteilt», erklärt Andreas Hostettler (zentralplus berichtete).

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Eine Gruppe in der Zuger FDP habe sich mehrere Kandidaten angesehen und dann einen davon zur Nomination vorgeschlagen. «Es war ein mehrstufiges Verfahren, weil wir uns bewusst sind, wie wichtig gute Richter für Zug sind.»

Umstrittene Praxis

Dieses Verfahren, dass Parteien intern Kandidaten vorschlagen, welche dann in stiller Wahl von den anderen Parteien abgesegnet werden, wird immer wieder kritisiert. Der Zuger Stefan Thöni, Co-Präsident der Piratenpartei Schweiz, findet: «Das Auswahlverfahren hat so natürlich nicht viel mit Demokratie zu tun.» Eine Sprengkandidatur wie im letzten Jahr bei den Wahlen des Verwaltungsgerichts sei jedoch nicht geplant. «Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es das in Zukunft wieder geben könnte.» Beispielsweise bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen der Zuger Gerichte in rund einem Jahr, schiebt Thöni nach.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Das umstrittene Verfahren führt auch zu einer eher flexiblen Haltung der Kandidaten gegenüber den Parteien. «Gerade bürgerlichen Richterkandidaten ist in der Regel egal, von welcher Partei sie nominiert werden, die Stelle steht im Vordergrund», meint Andreas Hostettler.

Was also erst nicht passt, wird passend gemacht: Wird eine Stelle frei, ist der beste Kandidat meist schnell in der richtigen Partei. Im aktuellen Fall war das jedoch überhaupt nicht nötig.

Richter mit 33 Jahren

Aldo Staub ist derzeit Gerichtsschreiber am Kantonsgericht Zug. Und nun wurde der Zuger mit dem Doktor in Jura als Kantonsrichter nominiert. Mit 33 Jahren ist er einer der jüngsten Kantonsrichter im aktuellen Gremium. Ist das ungewöhnlich? «Eigentlich nicht», meint er. «Wenn man genauer hinschaut, dann haben einige der bisherigen und jetzigen Kantonsrichter ihr Richteramt im Alter um 35 angetreten» Man brauche schon etwas Lebenserfahrung für den Job als Richter. Die bringe er jedoch mit.

«Beispielsweise war ich schon immer in vielen Vereinen», erzählt Staub. Und das sei eine gute Schule gewesen: «Vereine sind oft das Mini-Abbild der Gesellschaft.» Aber nicht nur von den Vereinen konnte Staub profitieren für seine zukünftige Stelle. Ausserdem ist er im Bürgerrat von Neuheim engagiert und mit einem Lehrauftrag der Uni Luzern betraut.

Die Richterstelle – ein Karriereziel

«Ich bin in einer KMU-Familie aufgewachsen, meine Eltern hatten eine Konditorei und Bäckerei. So habe ich die Arbeitgeberseite kennengelernt», erklärt Staub. Auf der anderen Seite sei er selber auch schon Arbeitnehmer gewesen. Beispielsweise als Anwalt in zwei verschiedenen Kanzleien.

«Ich habe zwar in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn überwiegend Dinge gemacht, die mit dem Gericht zu tun haben, vor allem mit dem Zivilgericht.» Gezielt auf die Stelle hingearbeitet habe er nicht. «So eine Stelle ist natürlich nicht wirklich planbar.» Trotzdem: Richter sein, das sei schon ein Karriereziel gewesen, sagt Staub.

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