Ein Dach und seine Folgen
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Für die Luzerner Alternativszene ein Symbol: Das marode KKL-Dach (Bild: Nina Laky)

KKL-Sanierung Ein Dach und seine Folgen

8 min Lesezeit 1 Kommentar 28.02.2013, 14:52 Uhr

Die KKL-Dachsanierung ist in vollem Gange. Wer für die Kosten aufkommt, ist immer noch nicht klar. Trotzdem geht das Geldausgeben weiter: Die Gesamtsanierung kostet nicht mehr «nur» 30 Millionen, sondern schon 50 Millionen Franken. Das sagt KKL-Präsident Pius Zängerle im Interview. 

Schon wieder kommuniziert das KKL eine Kostensteigerung. Die Gesamtsanierung von 2014 bis 2028 wird 20 Millionen teurer als die letzte Einschätzung. 

Allein für das verpfuschte Dach müssen schon heute 18 bis 19 Millionen auf den Tisch. Bereits im Herbst soll dieser Teil fertig saniert sein. Wer den Dachschaden bezahlt, ist noch immer nicht klar.

Das Geplänkel um das Dach und die Sanierungen wurden mit den Jahren für die Luzerner Alternativszene zum Symbol der städtischen Kulturpolitik. Moderig, giftig und sanierungsbedürftig. «Was nicht rentiert oder explizit gewinnorientiert arbeitet, hat über kurz oder lang keinen Platz mehr in der Stadt Luzern», sagt Jakob Ineichen, Mitinitiant der Kulturoffensive. 

Weitere Gespräche mit Exponenten der Luzerner Alternativszene zeigen zudem auf: Mehr als ein müdes Lächeln lösen Nachrichten über die KKL-Kosten nicht mehr aus, die Stimmung ist auf Nullpunkt. Das hat seine Gründe.

Leidensgeschichte nimmt kein Ende

Beim Bau des KKL musste es schnell gehen, und das hatte Folgen. Die Leitung des 226 Millionen Baus gestand ein, dass unter dem grossen Zeitdruck nicht alle Qualitätsstandards eingehalten werden konnten. Was sie nicht sagte: Der Zeitdruck war selbstgemacht. «Plan B» hiess ein unterzeichneter Vertrag zwischen der Totalunternehmung (ARGE TU) und der KKL-Trägerschaft, der den Bau beschleunigte. Das sei auch ein Wettbewerbs- und Marktvorteil und minimiere zudem das Kostenrisiko, hiess es aus der Stadtverwaltung. So wurde das KKL zwei Jahre früher als geplant fertiggestellt. Diese Geschwindigkeit lobten alle Involvierten. 

Die Rechnung dafür wird jetzt präsentiert. Im gleichen Jahr (2011), als die Stadt ein Sparpaket von 16,7 Millionen Franken schnürte, schipperten Spezialanfertigungen von Baugerüsten über den See nach Luzern. 

Sichtbar sind seither die schönen Baugerüste, welche die KKL-Besucher weder stören noch unschön aussehen sollen. Weniger sichtbar sind die Schäden am Dach. Weil Nägel falsch eingeschlagen wurden, sickerte Wasser durch das Holz und versursachte einen Pilzbefall. Falsche Materialwahl und falsche Verschraubungen gefährden die Stabilität der Konstruktion, Nähte sind bereits gerissen. 

Das Dach soll seine Stabilität im Herbst zurückgewonnen haben. Auch das wieder früher als geplant. Über die Kosten von 18 bis 19 Millionen Franken streiten sich die Erbauerin, die Arbeitsgemeinschaft Totalunternehmung (ARGE TU) und das KKL. Wird am Ende wieder die Steuerzahlerin und der Steuerzahler bluten müssen?

Die Chancen sind gross, das Geldausgeben hat Tradition. Schon kurz nach der Eröffnung im Jahr 2000 machte das KKL die hohle Hand: 18 Millionen Franken Mehrkosten musste von der Allgemeinheit übernommen werden, plus höhere Beiträge an die Betriebskosten. Der Konkurs konnte so abgewendet werden.

Gespräche verlaufen im Nichts

Kulturpolitisch war das Haus am See schon immer ein Pulverfass und deshalb Ursprung des Kulturkompromisses. Die Alternativkultur und die Stadt fanden im Kulturkompromiss in den 80ern noch einen Konsens: Falls ein neues Konzerthaus gebaut werden sollte, brauche es auch Räume für die Alternativkultur. 

Diese Einsicht war spätestens 2003 Geschichte. Die Initiative, die dem Kulturhaus Boa eine 2,5 Millionen hohe Sanierung versprach, wurde abgelehnt.

Etliche Versuche der Alternativkulturszene, sich in der Stadt Platz zu verschaffen, endeten seither in Räumungen und Abrissen (GOWA-Halle, Geissmättli und Frigorex in Luzern, Hammer in Littau etc.). Oder in Massenverhaftungen wie im Vögeligärtli (wegen einer EM-Auslosung im KKL).

Man wurde sich nicht mehr einig, Gespräche um mögliche Räumlichkeiten verliefen im Nichts. «Es geht vielen Menschen so, dass sie nicht immer der Stadt auf den Füssen rumtrampeln wollen, sondern halt neue Nischen und Ecken suchen. Eigentlich schade, aber auch nachvollziehbar», sagt Jakob Ineichen von der Kulturoffensive und fügt an: «Dass die Lösung eben nicht in vorgefertigten Projekten wie zum Beispiel einem Kulturzentrum Südpol zu finden ist, scheinen die Verantwortlichen bei der Stadt immer noch nicht ganz begriffen zu haben.»

Über kurz oder lang: Alle haben die Kosten des KKL und die Auswirkungen auf Kulturszene und Stadtfinanzen unterschätzt. Pius Zängerle, Präsident des Verwaltungsrates der KKL Luzern Management AG, nimmt Stellung im Interview mit zentral+.

 

zentral+: Die KKL Dachsanierung ist kurz vor dem Ende. Kostet die Sanierung tatsächlich 18 bis 19 Millionen Franken oder haben Sie neue Zahlen?

Pius Zängerle: Die Sanierungsarbeiten kommen gut voran. Wir können diese im Herbst frühzeitig beenden. Und die Zahlen sind – Stand heute – verlässlich.

zentral+: Ist man sich bei der Kostenaufteilung zwischen KKL, Stadt/Kanton und der ARGE TU ein halbes Jahr vor Ende der Sanierungsarbeiten einig geworden?

Zängerle: Das Rechtsverfahren ist noch am Laufen, bis jetzt wurde noch keine Lösung gefunden. Wir gehen davon aus, dass wir eine Einigung finden werden, die den Steuerzahler nicht tangiert, aber versprechen können wir nichts.

zentral+: Das KKL bringt der Stadt Millioneneinnahmen, aber gleichzeitig kostet es die Stadt auch Millionen. Wie sieht da die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Stadt aus?

Zängerle: Vorneweg: Das KKL ist gut aufgestellt. Wir finanzieren uns aus dem laufenden Betrieb und können Rückstellungen tätigen. Doch von Beginn weg war klar, dass das KKL Luzern als Werk von Privaten, Stadt und Kanton nicht bis in die letzte Renovation ausfinanziert sein würde. Es erhält jährlich öffentliche Beiträge an den Gebäudeunterhalt, aber auch zur Abgeltung von speziellen Nutzungsrechten.

Bei den werterhaltenden Massnahmen wurde seitens der öffentlichen Hand nie ein Modell verfolgt, das die absehbaren Bedürfnisse ausfinanzieren würde. So stehen wir derzeit in Verhandlungen mit unseren Partnern von Stadt und Kanton und klären die Finanzierung für die nötigen werterhaltenden Massnahmen von 2014-2028.

zentral+: Wieso hat man 2003 von 13,5 Millionen Franken Gesamtsanierungskosten gesprochen und jetzt sind es 30 Millionen Franken, also mehr als doppelt so viel?

Zängerle: Ihre Zahlen sind so nicht richtig. Da vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Im Bericht und Antrag von 2003 hat man den Zeitraum bis 2020 dargestellt und dabei ausserordentliche, damals nicht finanzierte 13.5 Millionen Franken ausgewiesen. 

Wir haben nun die Zahlen bis 2043 analysiert und diesen Zeitraum in zwei 15-jährige Perioden aufgeteilt. Im Zeitraum von 2014-2028 erwarten wir einen Gesamtaufwand für Instandsetzungsarbeiten von rund 50 Millionen Franken. 

Vieles davon können wir im Rahmen der selbsterwirtschafteten und der vertraglich vereinbarten Mittel umsetzen. Unsere Planrechnungen zeigen aber wie schon vor 10 Jahren, dass wir alleine nicht über die Runden kommen, sondern noch zusätzliche Mittel benötigen. Vor einem Jahr errechneten wir ein verbleibendes Defizit von 19 Millionen Franken für die ganze Periode bis 2028. 

zentral+: Für die Dachsanierung wurden Gerüste spezialangefertigt. Stimmt es, dass diese aus rein ästhetischen Gründen hergestellt werden mussten?

Zängerle: Das stimmt so nicht. Vor allem erfordert die Dachkorrektur Arbeiten über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Das bedingte eine kostengünstige und einfache Lösung. Man kann die Gerüste in einem Tag umstellen, dank einem Kistenprinzip. Es ist eine hervorragende Lösung. Dass sie dabei noch ästhetisch zum KKL passen ist natürlich willkommen und schön. Ich wurde schon viel gefragt, ob die Gerüste zum Bau selbst gehören.

zentral+: Wie teuer war diese Spezialanfertigung und wurden diese Kosten in die Dachsanierung eingerechnet?

Zängerle: Ja, diese Kosten sind im Projekt miteingerechnet. Wie teuer die Dachkorrektur total ist, werden wir am Projektende sehen. 

zentral+: Das KKL war Auslöser für den Kulturkompromiss, der die Stadt zwischen Alternativ- und etablierter Szene gemacht hat. Können Sie den Unmut der Alternativszene verstehen, wenn man immer wieder von steigenden Kosten beim KKL hört?

Zängerle: Die Relationen liegen auch heute noch im Rahmen des Kulturkompromisses. Schauen Sie nur, was das KKL alles bewegt hat. Es hat sich eine kreative Wirtschaft entwickelt, wo die Grenzen zwischen etablierter und alternativer Kultur nicht mehr so klar sind. Ferner hat sich die Stadt mit ihrer Kulturpolitik stets zum Kulturkompromiss bekannt. Sonst gäbe es heute keinen Südpol und auch eine ganz andere Kulturförderung.  

zentral+: Also heisst das Nein, Sie verstehen den Unmut nicht?

Zängerle: Im KKL sind unglaublich viele junge Formationen tätig, es sind nicht nur klassische Veranstaltungen, sondern vielseitige Anlässe. Ich glaube, man muss immer wieder erklären, dass das KKL hervorragend funktioniert. Das Bedürfnis nach mehr Raum oder Mitteln verstehe ich. Wir begrüssen daher, dass die Stadt den Dialog zum Beispiel mit ihrer Kulturagenda 2020 unterstützt und fördert. Den Unmut interpretiere ich eher so, dass einfach viele Fragen rund um das KKL noch nicht beantwortet sind.

zentral+: Wie sieht die langfristige KKL Strategie aus, anfallende Kosten zu vermindern und den Steuerzahler zu verschonen?

Zängerle: Wir sind abhängig von den Veranstaltern, deren Publikumserfolg, aber auch von der Akzeptanz der Bevölkerung. Wir wollen ein attraktiver Kulturplatz bleiben und unseren Auftrag erfüllen. Nichts ändert sich schneller als die Ideen der Leute. Es ist klar das Ziel des KKL einen qualitativ hochstehenden und wirtschaftlich rentablen Betrieb zu führen. So können wir die Kosten für den Steuerzahler im Griff halten.

Hinweis: KKL-Präsident Pius Zängerle hat am 8. März zur Aussage von zentral+, die Gesamtsanierung des KKL koste nicht mehr nur 30 Millionen, sondern schon 50 Millionen Franken, folgende Präzisierung geschickt:

«Das KKL Luzern weist darauf hin, dass im KKL Luzern keine Gesamtsanierung für 50 Millionen Franken ansteht. Der Betrag von 50 Millionen Franken ist die Summe für laufende, ordentliche Instandsetzungsmassnahmen nach Ablauf der Lebensdauer von technischen Anlagen über den Zeitraum von 2014-2028. Diese sichern den Werterhalt und die Qualität im KKL Luzern. Bereits vor einem Jahr haben wir die Öffentlichkeit über diese Ausgangslage informiert und aufgezeigt, dass das KKL Luzern Massnahmen für ungefähr 19 Millionen nicht aus eigener Kraft decken kann. Das ist keine Kostensteigerung gegenüber früheren Aussagen, sondern ein erwarteter Finanzierungsbedarf, der bereits in der letzten KKL Vorlage von 2003 angekündigt wurde. Auch aus heutiger Sicht gibt es keine Abweichung zu den Aussagen vom letzten Jahr. Die Finanzierung der Lücke von 19 Millionen Franken wird derzeit mit Kanton Luzern, Stadt Luzern sowie mit privaten Partnern verhandelt.»

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1 Kommentare
  1. David Roth, 01.03.2013, 17:09 Uhr

    Wenn es den Bürgerlichen gefällt, dann kann es nicht teuer genug sein und bezahlen soll es jener Staat, den sie vorher kaputt gespart haben. Während Leute wie Pius Zängerle ohne mit den Wimpern zu zucken bei den Schwächsten spart, kassiert er für seinen Edelschuppen weiter flott Millionen aus der Staatskasse. Es ist Zeit, dass man dem KKL den Geldhahn zudreht. Sollen doch die feinen Damen und Herren kostendeckende Eintritte bezahlen. Viele Konzerte sind ja eh reine Werbeveranstaltungen irgend eines Grosskonzerns.

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