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«Ein Blech kann reichen, wenn es die Strahlen reflektiert»
  • Gesellschaft
Das Gebäude der Zuger Kantonalbank nach dem Brand vom Donnerstag. (Bild: jav)

Grossbrand in Zug «Ein Blech kann reichen, wenn es die Strahlen reflektiert»

5 min Lesezeit 18.07.2014, 14:10 Uhr

Der Brand ist gelöscht, die Glutnester beseitigt. Was bleibt ist eine Ruine: Mitten in der Stadt Zug hat ein Grossbrand gewütet, auf dem Dach der noch nicht fertig renovierten Zuger Kantonalbank. Die Polizei sucht nach der Ursache, und schliesst auch Vorsatz oder Fahrlässigkeit nicht aus.

Es tropft immer noch von den verkohlten Balken, am morgen nach dem Grossbrand. Kein Wunder: 8000 Liter haben die versammelten Feuerwehren des Kantons Zug pro Minute in die oberen zwei Etagen gepumpt. Zwei Stunden lang. «Das Wasser ist fast noch schlimmer als das Feuer», sagt der Feuerwehrmann, der die Journalisten auf der Hebebühne weit übers Dach befördert, «es ist bis ins UG geflossen.»

Die Zuger Kantonalbank hat gebrannt, den ganzen Donnerstagabend, in der Sommerhitze, so heiss, dass die Leute vom Atemschutz sich erschöpft von den Rettungskräften behandeln lassen mussten. «Die Hitze hat unsere Leute stark gefordert», sagt Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zug, Daniel Jauch. Die ganze Gegend musste abgesperrt, die Bevölkerung evakuiert werden. «Weggemacht», wie Jauch sagt, er ist immer noch im Einsatzmodus. Der Brand habe sich schlagartig übers ganze Dach ausgebreitet, am Schluss brannte das ganze Dachgeschoss und das darunterliegende Stockwerk. «Wir mussten den Brand von aussen angreifen», sagt Jauch, «da die Statik des Gebäudes wegen dem Feuer und dem Gewicht des Löschwassers nicht mehr sicher war.»

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Auch das noch: Ein Bus-Brand

Bis um Mitternacht dauerten die Löscharbeiten. Die ganze Nacht über waren Brandwachen im Gebäude postiert, um Glutnester zu beseitigen. Es war ein Grosseinsatz, den Jauch da koordinierte: 260 Personen waren rund um den Brand im Einsatz. Die Feuerwehren der Gemeinden Zug, Cham, Baar und Risch-Rotkreuz rückten aus, die Feuerwehr Steinhausen stand im Pikett-Dienst, musste dann aber auch noch ihre Feuerwehrleute aufbieten, um einen Bus-Brand zu löschen. Auch die Zürcher Feuerwehr wurde einbezogen, mit einem grossen Hubretter, einiges grösser als der Kran, der jetzt noch im Einsatz steht. Zudem waren die Rettungsdienste der Kantone Zug, Luzern und Zürich vor Ort. Sieben Personen mussten behandelt werden, zwei davon mussten ins Spital, darunter auch ein Feuerwehrmann. Er konnte das Spital am selben Abend wieder verlassen.

«Unsere Leute sind schon dran, die können das»

Was den Brand ausgelöst hat, ist nach wie vor unklar: Die Polizei wird in den nächsten Tagen die Brandspuren untersuchen. «Im Moment kann man über die Brandursache nur spekulieren», sagt Stephan Rogger, er ist Oberleutnant und Pikett-Offizier der  Zuger Polizei. Die Medien hatten in ersten Mutmassungen die Bitumenfässer auf dem Dach als Schuldigen ausgemacht, davon könne aber keine Rede sein, so Rogger: «Dass es da oben auf der Baustelle Bitumen gibt, das ist jedem klar. Das ist aber überhaupt kein Garant dafür, dass der Bitumen den Brand auch tatsächlich ausgelöst haben soll.»

Das Untersuchungsteam der Polizei müsse ganz offen an die Untersuchung gehen: «Wir halten jede Möglichkeit im Blickfeld, von Fahrlässigkeit bis Vorsätzlichkeit. Sehen Sie, bei dieser Sonne könnte auch ein Blech reichen, das die Strahlen reflektiert. Genauso, wie man Papier mit einer Lupe anzünden kann.» Die Untersuchung werde einige Tage dauern. «Unsere Leute sind schon dran. Die können das. Und wir stehen in Kontakt mit dem Forensischen Institut in Zürich: Falls wir nicht weiterkommen, werden wir um Unterstützung anfragen.»

«Am meisten Leid tut es mir für die Bauarbeiter»

Noch ein Jahr hätten die Renovierungsarbeiten dauern sollen, dann wären die Mitarbeiter der ZKB wieder in ihr Gebäude eingezogen. Pascal Niquille, CEO der ZKB, hat die Nachricht vom Feuer erst gar nicht geglaubt: «Dann bin ich aufs Velo gestiegen und in die Stadt gefahren und siehe da: Dummerweise brannte es tatsächlich», sagt er und lacht etwas erschöpft: Bis um drei Uhr nachts war er beim Gebäude, und ist seit sechs schon wieder da. Die obersten beiden Stockwerke sind zerstört, gerade die, bei denen die Umbauten schon am weitesten fortgeschritten waren. Ist das das Ende des stolzen ZKB-Gebäudes? «Nein, davon gehe ich nicht aus», sagt Niquille, «Ich denke, es bedeutet in erster Linie eine Verzögerung der Bauarbeiten.» Das Gebäude befände sich im Rohbau, es gäbe kein Mobiliar, dass ersetzt werden muss. «Am meisten leid tut es mir für die Handwerker: All die Dinge, die sie in den letzten Monaten hineingebaut haben, die müssen sie jetzt wieder herausreissen.» Was bedeutet das für den Umzug der ZKB? «Wir benötigen das Gebäude im Moment für den Bankbetrieb nicht. Unser Provisorium kann zwar nicht ewig weiterbestehen, aber wir sind einigermassen flexibel. Diese Verzögerung müssen wir uns jetzt leisten können. Wichtig ist, dass niemand verletzt worden ist.»

Der Brand lasse das Team der ZKB nicht kalt: «Das ist halt das Haus der Zuger Kantonalbank, das liegt den Leuten am Herzen. Aber die Stimmung im Haus ist gut, wir sind näher zusammengerückt. Das ist so ein Moment, der eine Unternehmenskultur definiert.»

Das ganze Ausmass des Brandes. (Bild: Raphael Good)

Das ganze Ausmass des Brandes. (Bild: Raphael Good)

«Vielleicht kann man es rekonstruieren»

Das Gebäude liegt nicht nur den Bankangestellten am Herzen, sondern auch der Stadt: Stadtratsvizepräsident Andreas Bossard sagt: «Wir sind natürlich traurig um das Gebäude: Es ist das erste moderne Haus, das in der Stadt gebaut und unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es hat damals in den 50ern für viel Aufruhr gesorgt: So mutig wie es dastand, mit dem Flachdach.»

Bossard war da, als es brannte: «Ich war beeindruckt von der Organisation der Rettungskräfte. Wie ruhig und sachlich das abgelaufen ist.» Bossard hoffe, dass das Haus wiederhergestellt werden könne. Das hofft auch der Architekt, der den Umbau leitet: Alphons Wiederkehr leitet die Renovationen an dem Haus, das sein Vater Alfons Wiederkehr 1958 gebaut hatte. «Ich konnte noch nicht hinein», sagt er, «vielleicht kann man es rekonstruieren. Aber ich kann es beim besten Willen nicht sagen.» Er ist aber überzeugt, dass bei einer Rekonstruktion der Denkmalschutz erhalten bleiben könnte. «Wir stehen in gutem Kontakt mit der Denkmalpflege.»

Die Feuerwehr zieht ab und überlässt das Feld der Polizei und der Gebäudeversicherung, die jetzt den Schaden einschätzt. Für ZKB-CEO Niquille ist klar: «Wir wollen das Gebäude auf jeden Fall wieder instand stellen.»

Weitere Bilder finden Sie unter unseren Fundstücken.

 

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