Ein 300-Tonnen-Gebäude wird weggerollt
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Das Tramhüsli Emmen wird für die Rettungsaktion vorbereitet. (Bild: cha)

Spektakuläre Verschiebung in Emmen Ein 300-Tonnen-Gebäude wird weggerollt

4 min Lesezeit 13.05.2015, 07:30 Uhr

Die Rettungsaktion für das Tramhüsli Emmen, die voraussichtlich Ende Juni stattfindet, ist eine technische Herausforderung. Wie das Gebäude trotz der komplexen Aufgabe von der Verschiebung profitieren soll.

Voraussichtlich in der letzten Juniwoche kann die Bevölkerung Emmens eine spektakuläre «Rettungsaktion» für das Tramhüsli beim Centralplatz mitverfolgen. Das Häuschen mit dem Turm soll um fünf bis sechs Meter nach hinten verschoben werden. Denn es steht der geplanten Verbreiterung der Gerliswilstrasse im Weg.

Das Baugesuch für die Verschiebung des Gebäudes liegt momentan bei der Gemeinde auf. Auftraggeber ist die Stiftung Tramhüsli. Die Planung hat das Büro Emch + Berger WSP AG inne. Ausführen wird die Rettungsaktion die Iten AG. Das KMU-Unternehmen aus Morgarten ist Spezialist für das Verrücken von Gebäuden. Über 300 Gebäude hat es schon verschoben. 2012 «zügelten» die Spezialisten das ehemalige Direktionsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon beim Bahnhof Zürich-Oerlikon. Das 6200 Tonnen schwere Haus wurde rund 60 Meter versetzt, Zentimeter für Zentimer, die Aktion erregte weltweit Aufsehen als Beispiel für Schweizer Präzisionsarbeit.

Das Tramhüsli ist eher ein kleines, aber nicht minder herausforderndes Projekt. «Das Gebäude wiegt laut unseren Berechnungen rund 300 Tonnen. Vor allem der Turm ist schwer», sagt der Bauingenieur Hans Odermatt von Iten AG.

Gebäude wird mit Beton stabilisiert

Momentan wird das ganze Gebäude laut Odermatt unterfangen und mit Betonträgern gesichert. Dann wird es auf Stützen gestellt. «Darunter bauen wird dann eine Verschubbahn. Das Gebäude wird sodann auf Rollen gestellt. Wie bei jeder Verschiebung kommen spezielle Hydraulikpressen zum Einsatz.»

Momentan seien rund vier Personen mit den Vorarbeiten beschäftigt. Am eigentlichen Verschiebetag sind laut Odermatt rund zehn Personen beteiligt. «Der genaue Termin steht noch nicht fest, voraussichtlich wird es die letzte Juniwoche sein», sagt Odermann. Man wird bei der Aktion zuschauen können.

Die Gefahr, dass das Gebäude bei der ganzen Aktion kaputt geht, bestehe nicht, «es wird im Gegenteil immer noch stabiler werden», so Odermatt.

Letzter Zeuge der Trambahn

Das «Tramhüsli» am Centralplatz in Emmen erinnert daran, dass Emmenbrücke und Luzern einmal mit einer Trambahn verbunden waren. Das 1927 von der Viscose Emmenbrücke erbaute Gebäude ist einer der letzten Zeitzeugen des Luzerner Trams. Wegen der nötigen Verbreiterung der Gerliswilstrasse im Rahmen des kantonalen Strassenprojekts beim Seetalplatz sollte es dem Baggerzahn zum Opfer fallen.

300’000 Franken gesammelt

Das wird jetzt nicht geschehen, der Abbruch konnte in letzter Minute verhindert werden. Durch eine beispielhafte Solidaritätsaktion für ein Stück des alten Emmen, das unwiderruflich zu verschwinden drohte. Möglich wurde die Verschiebung, weil viele Privatpersonen und Firmen aus Emmen Geld gespendet haben zur Rettung des historischen Gebäudes. Im April 2015 wurde die Stiftung Tramhüsli gegründet.

Bereits im März waren die nötigen 300’000 Franken für die Verschiebung des schützenswerten Tramhüslis beisammen. Das Geld kam über Legate, Stiftungen, private Spender und Sponsoren zusammen. 30’000 Franken bezahlt die kantonale Denkmalpflege und 90’000 Franken die Gemeinde Emmen. Der Beitrag Emmens war ursprünglich für die Erstellung einer neuen Bushaltestelle vorgesehen, die nach dem Abbruch des Häuschens nötig geworden wäre.

Das gerettete Tramhüsli soll später für kulturelle Zwecke genutzt werden. Angedacht ist auch ein Café oder ein kleines Restaurant auf der hinteren Seite zum geplanten Emmenpark. Für diese neue Nutzung sammelt die Stiftung momentan weiter Geld und hat einen Spendenbarometer installiert.

Drei Fragen an Susanne Truttmann

Die Emmer Gemeinderätin und SP-Kantonsrätin Susanne Truttmann engagiert sich in der Stiftung Tramhüsli.

zentral+: Frau Truttmann, was bedeutet Ihnen das Tramhüsli persönlich?

Susanne Truttmann: Wir Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte möchten mit dem Tramhüsli ein Stück Emmer Vergangenheit für die Emmer Zukunft bewahren. Die neueste Broschüre der Denkmalpflege Luzern 2015/7 zeigt das Tramhüsli unter dem Titel «architektonische Perlen in der Agglomeration». Emmen ist reich an Industriegschichte. Die künftige Viscosistadt soll Raum schaffen für Begegnungen zwischen der Bevölkerung, den Studierenden, den Betreibern von Ateliers und Kreativwirtschaft. Das Tramhüsli soll ein schmuckes und geschichtsträchtiges Plätzchen für alle werden.

zentral+: Wieviel Geld kam bis heute zusammen?

Truttmann: Es sind mehr als 300‘000 Franken Spenden zugesichert. Die Sammlung muss weitergehen. Wir danken allen für die Solidarität und das Engagement.

zentral+: Wie sind die Reaktionen aus der Bevölkerung?

Truttmann: Das Tramhüsli ist für viele Menschen in der Region mit Erinnerungen an Eltern, Grosseltern oder Verwandte verbunden, welche in den Emmer Fabriken gearbeitet haben. Diese Leute erzählen Erinnerungen an die Trambahn nach Emmen, zur Viscosi. Und Erinnerungen an den Kiosk an der Ecke, wo man sich zu einem Schwatz treffen konnte. Es wurden beim Tramhüsli Lottoscheine ausgefüllt und Zigaretten gekauft. Heute interessieren sich auch viele junge Menschen für das Häuschen am Eingang zur künftigen Viscosistadt. Zwei Studierende der Hochschule Luzern, Design und Kunst, bringen sich aktiv ein mit Dokumentieren und Forschen. Für die Bevölkerung ist das Häuschen ein Stück Identität. Es wird auch ein attraktiver Treffpunkt am Eingang zur Viscosistadt werden. Wohl die liebevollste Busstation in der Luzerner Agglo.

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