Luzern: Die Eichwäldli-Bewohner räumen das Feld nicht
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Die Soldatenstube bleibt (vorerst) wirklich – weil die Bewohnerinnen das Feld nicht räumen wollen. (Bild: bic)

Es werden neue Pläne geschmiedet Luzern: Die Eichwäldli-Bewohner räumen das Feld nicht

3 min Lesezeit 12 Kommentare 15.02.2021, 05:00 Uhr

Eigentlich müssten die Bewohner des Eichwäldli in Luzern die Soldatenstube an diesem Montag definitiv verlassen. Doch sie bleiben in dem Gebäude – und schmieden neue Pläne: Eine neue, gesamtheitliche Beurteilung soll her, von einem eigenen zusammengestellten Expertinnenteam.

«Wenn wir hier rausgehen, wird das Haus abgerissen. Das bringen wir einfach nicht übers Herz …» Das sagt ein Mitglied der Familie Eichwäldli.

An diesem Montag müssten die Bewohnerinnen das Haus am Murmattweg 2 bei der Allmend verlassen. Zumindest erwartet dies der Stadtrat, der die alten Soldatenstube abreissen möchte. Auch wenn SP und Grüne den Luzerner Stadtrat dazu verdonnerten, mit dem Abriss zuzuwarten und nochmals zu prüfen, ob an dem Haus nicht doch Stabilisierungsmassnahmen möglich wären (zentralplus berichtete).

Letzte Woche war noch unklar, was die Eichwäldli-Bewohnerinnen tun werden. Nun melden sie sich aber zu Wort. Ihre deutliche Botschaft: Sie werden das Feld nicht räumen und das Haus somit nicht verlassen.

Ein Expertinnenteam soll Gebäude «gesamtheitlich» beurteilen

Stattdessen will die Familie Eichwäldli eine neue «gesamtheitliche Beurteilung» des Gebäudes in Auftrag geben. In der letzten Woche habe man dafür ein renommiertes Expertinnenteam aus den Bereichen Architektur, Statik, Holzbau und Denkmalschutz zusammengestellt, schreibt die Familie Eichwäldli in einer Mitteilung. Bereits letzte Woche sei der Stadtrat über die Zusammensetzung des Teams und den Zeitplan informiert worden. Die Kosten für diese Neubeurteilung wollen die Bewohner übernehmen. Wie auch sämtliche Kosten, die durch Messungen und Sofortmassnahmen in der Erarbeitungsphase dieser gesamtheitlichen Neubeurteilung anfallen.

Dieser neue Vorschlag komme erst jetzt, weil der Stadtrat selbst erst vor einer Woche die Daten und Gutachten vollständig veröffentlicht hat. Die Stellungnahme zum dringlichen Vorstoss habe es den Bewohnern ermöglicht, diese von verschiedenen Fachpersonen begutachten zu lassen. «Diese sehen aufgrund der vollständigen Daten weder eine Einsturzgefährdung noch einen Nutzen darin, das Gebäude abzureissen», so die Familie Eichwäldli.

«Wir sind zuversichtlich, dass der Stadtrat auch an einer deeskalativen und konstruktiven Lösung interessiert ist.»

Familie Eichwäldli

Der bestehende Massnahmenkatalog des Stadtrates sei zwar «sehr detailliert» ausgearbeitet, jedoch würden in dieser Beurteilung weitere Aspekte fehlen – wie das architektonische und historische Gesamtbild. Die Fachpersonen meinen, dass die Liegenschaft mit «verhältnismässig geringem Aufwand» instand gestellt werden kann. In einem 6-wöchigen Prozess soll das Expertinnen-Team nach einer gemeinsamen Besichtigung vor Ort das Dossier erstellen, das dann gemeinsam evaluiert wird und so die weitere Planung eingeleitet werden könne.

Räumen Sie das Feld, wird das Haus abgerissen

Auf die Frage, ob es legitim sei, nicht der Bitte nachzukommen, das Haus für den Abriss freizugeben, schreibt die Familie Eichwäldli: «Wir haben nochmals alles in unseren Möglichkeiten Stehende getan, um den drohenden Abriss auf Vorrat noch zu verhindern.»

Und weiter sagt ein Mitglied der Familie Eichwäldli: «Wenn wir hier rausgehen, wird das Haus abgerissen. Das bringen wir einfach nicht übers Herz, nicht nach all dem, was wir die letzten zweieinhalb Jahren für diesen Ort gemacht haben und nicht mit diesem Vorschlag in der Hand, den wir als für alle Seiten konstruktiv und gangbar erachten.»

Die Stadt scheint ernst zu machen. Am vergangenen Donnerstag wurde die alte Soldatenstube schon einmal eingezäunt.

Folgt nun eine polizeiliche Räumung?

Offen bleibt, wie es nun am Montag weitergeht. Stadtpräsident Beat Züsli meinte Anfang Februar gegenüber zentralplus, dass der Stadt nichts anderes übrig bleibe, als eine Anzeige zu machen, sollten die Eichwälder das Haus nicht verlassen (zentralplus berichtete). Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht dazu äussern, wie das weitere Vorgehen in einem solchen Fall aussähe (zentralplus berichtete).

Gehen die Eichwäldler selbst von einer polizeiliche Räumung aus? Diese schreiben nüchtern: «Wir sind zuversichtlich, dass der Stadtrat auch an einer deeskalativen und konstruktiven Lösung interessiert ist.»

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12 Kommentare
  1. konfettikanone, 15.02.2021, 12:23 Uhr

    Ich verstehe beim bestem Willen nicht, was diese ganze Aufregung soll! Es ist Fasnacht! Und dies bedeutet die Umkehr der Ordnung. Die Narren in der Stadthaus-Teppichetage scheinen dieser Tradition mit sehr viel Herzblut und Engagement zu folgen! Echt gelungenen.

  2. flashgordon, 15.02.2021, 11:43 Uhr

    Jetzt kommt doch noch etwas Fasnachts -und Klamaukstimmung auf! Helau! Die Stadt Luzern scheint noch immer nicht auf ein kohärentes Vorgehen „geeicht“ zu sein. Können die sich solch einen Gesichtsverlust leisten? Offenbar ja, gar mit einer spielenden, tänzelnden Leichtigkeit des Seins! Die Frage sei erlaubt: Was rauchen die im Stadthaus?

  3. Gläske, 15.02.2021, 11:31 Uhr

    Ach?. In den Medien geistert bereits die Meldung herum, dass die Frist schon wieder verlängert wurde!! Geduld ist – in diesem Fall – eine Untugend!!

  4. D.K., 15.02.2021, 10:14 Uhr

    Würde sich auch ganz gut als rasantes Brettspiel eignen (ab 16 Jahren). Ob der Stadtrat nun die Räumungskarte zieht? Die Abrissbirnen-Karte? Dann heisst es für die Eichwäldli-Familie flux zurück auf Feld 1. Oder zieht die Familie Eichwäldli in allerletzter Sekunde noch die Karte „wütender, militanter Unterstützer-Mob“ oder „unerwartet erwarteter Krawall“? Eieiei, es ist so spannend! Meine Nerven, herrje….! Dafür lässt man ganz gerne ein paar Steuerfranken liegen!

  5. Cesar Schwegler, 15.02.2021, 09:06 Uhr

    Das könnte für Rot/Grün politisch durchaus noch ein unkontrollierbares Nachspiel haben. Die sitzen in der Stadt Luzern in der Exekutive wie auch in der Legislative noch nicht so fest im Sattel (wie z.B. in Zürich, Basel-Stadt oder auch Bern), dass man von politischem Gewohnheitsrecht reden könnte. Die Situation in der Stadt Luzern ist daher viel fragiler.

    Noch bin ich zwar Stammwähler – aber wenn ich mir dieses Szenario hier in voller Tiefenschärfe zu Gemüte führe, könnte man auch zu anderen, verträglicheren politischen Angeboten übersiedeln. Vorsicht also: Es steht hier für die Linken politisch durchaus viel auf dem Spiel! Verbrennt euch an dieser Eintagsfliege nicht dauerhaft die Finger! Es wäre schade um die Erfolge!

  6. Daniela Bucher, 15.02.2021, 08:40 Uhr

    Einerseits ganz amüsant zu sehen, wie die Besetzer den Stadtrat imitieren. Muss ich etwas umsetzen, das mir nicht in den Kram passt, gebe ich zum letztmöglichen Zeitpunkt ein paar Studien in Auftrag, bevorzugt bei mit meiner Sache sympathisierenden Experten. Das Resultat kennt man jeweils schon im voraus. Und andererseits bedenklich, welche Zeichen die Stadtverantwortlichen hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit setzen. Als ob Verträge und Gesetze nichts gelten würden.

    1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 15.02.2021, 08:55 Uhr

      Studien? Wenn man hier das Wort mit „S“ überhaupt noch verwenden will, so sollte man – um die wirklichen Begebenheiten einigermassen abbilden zu können – nur noch die Terme „Zombie-Studien“ oder „Phantom-Studien“ oder „Schaumschlägerei-Studien“ oder „Helge-Schneider-Studien“ oder „Durruti-Studien“ gebrauchen.

  7. Sepp L., 15.02.2021, 08:26 Uhr

    Einfach schlimm, was sich da gewisse, vor allem Linke, Kreise immer wieder erlauben. Wenn jetzt da nicht endlich durchgegriffen wird, schiesst sich die Politik und Verwaltung langsam aber sicher einmal mehr ein Eigentor: Ihre Glaubwürdigkeit sinkt und sinkt. Aber es ist leider je länger je mehr so, auch bei Kundgebungen. Kommt etwas von Rechts, wird eingegriffen, kommt aber etwas von Links, lässt man sie gewähren!

    1. Lion, 15.02.2021, 09:49 Uhr

      Falsch

  8. Anastasios der Tränensack, 15.02.2021, 07:55 Uhr

    Stunde Null beim Murmattweg 2. Es kommt also zum Kräftemessen: Staat gegen die Anarchisten. Ich kann das Verhalten der Hausbesetzer nur noch als ignorant, dümmlich unnachgiebig, ideologisch verblendet und komplett unverfroren (passt zu den aktuellen Februar-Temperaturen) bezeichnen. Anfängliche Sympathien für das Projekt, die darin involvierten Personen und deren politischen/gesellschaftspolitischen Absichten haben sich längst verflüchtigt und sich ins Gegenteil verkehrt. So ist es unmöglich auf breiter Ebene Unterstützer für solche Art Ansinnen gesellschaftspolitischer Natur zu gewinnen. Das Gegenteil ist nun der Fall…

    Zu den Vorgängen möchte ich hier noch Konfuzius zitieren:

    „Wer von sich selber viel und den Anderen wenig erwartet, wird vom Hass verschont bleiben!“

  9. Hugo Ball, 15.02.2021, 07:38 Uhr

    Das eigene Expertenteam…?! Das Ganze wird immer noch kafkaesker!

    Nun gut – jetzt muss die polizeilich Ausweisung beim Bezirksgericht durch den Stadtrat beantragt werden. Dieser hat gar keine andere Handhabung mehr, will er Rechtsstaatlichkeit, Rechtsgleichheit und Gleichbehandlung gemäss geltender und unverhandelbarer Rechtssetzung gewährleisten und dem Steuerzahler nicht weiter vorsätzlich vor den geschundenen Kopf und Geldbeutel stossen! Dieser wurde in den letzten Monaten/Jahren bereits zur Genüge brüskiert!

    Und parallel dazu selbstverständlich Strafanzeigen gegen sämtliche Hausbesetzer erstatten. Die Kostenfolgen eines Polizeieinsatzes sind den Verursachern selbstredend zu überantworten. Auch hier ist nicht vom rechtstaatlichen Vorgehen und Usanz abzurücken!

    Die Utopie wird zu guter Letzt dann noch leidlich teuer!

    1. Eich Wäldler, 15.02.2021, 08:16 Uhr

      Im Zusammenhang mit dem Eichwäldli haben die Wörter Rechtsstaatlichkeit, Rechtsgleichheit und Gleichbehandlung längst nichts mehr verloren. Der Stadtrat gehört aus seinem Amt entfernt!

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.