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«Eichhof»-Beizer sind pleite
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Die Feststimmung ist verflogen: Patric Ambühl (links) und der gesuchte Hardy Mieskes mit Ehrengast und Stadtpräsident Stefan Roth anlässlich der «Eichhof»-Eröffnung im Juli 2014. (Bild: Tillate/Lukas Schnellmann)

Veruntreuung durch flüchtigen Geschäftspartner «Eichhof»-Beizer sind pleite

3 min Lesezeit 09.02.2015, 18:56 Uhr

Das Wirtshaus zum Eichhof ist nur sechs Monate nach seiner Eröffnung schon wieder geschlossen. Der Beizer musste offenbar Konkurs anmelden, zehn Angestellte stehen auf der Strasse. Schuld am Debakel hat wohl der Ex-Geschäftspartner, der die Kassen der beliebten Beiz geplündert haben soll.

«Liebe Gäste, wir haben ab 7. Februar Betriebsferien. Wir freuen uns, Sie schon bald wieder bei uns begrüssen zu können.»

Ein Aushang mit diesem Inhalt liest, wer derzeit im altehrwürdigen Wirtshaus Eichhof an der Obergrundstrasse 106 in Luzern einkehren will. Doch von «Betriebsferien» kann ziemlich sicher keine Rede sein, wie Recherchen von zentral+ zeigen. Deshalb fehlt auch das Datum, ab wann das Restaurant wieder geöffnet ist. Vielmehr sind die beiden Betreiber, Patric Ambühl und Hardy Mieskes, offenbar in den Konkurs geschlittert. Das geht aus einem zentral+ vorliegenden Mail von Ambühl an dessen Geschäftspartner hervor. Darin orientiert Ambühl über die offenbar aussichtslose Lage seiner Betreiberfirma Gastconcept AG. Das Konkursverfahren sei eröffnet worden, die Konkurseröffnung werde in diesen Tagen im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert. Genauso der Schuldenruf an die Gläubiger.

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Eröffnung war erst letzten Juli

Dieses unschöne Ende für die beliebte Beiz kommt überraschend. Haben doch die beiden Jungunternehmer das «Eichhof» erst im Juli 2014 übernommen und wieder eröffnet. Dies, nachdem es aufwendig saniert worden war. Besitzer der Liegenschaft sind die Gebrüder Amberg aus Kriens. Sie haben das Haus an Heineken Schweiz verpachtet.

Partner plündert Kassen

Als Grund für die Misere verweist Patric Ambühl im Mail auf seinen deutschen Geschäftspartner Hardy Mieskes. Respektive ex-Geschäftspartner. Denn Mieskes ist offenbar am 2. Oktober 2014 spurlos verschwunden – und mit ihm der Inhalt zweier Firmenkonten sowie die Tageseinnahmen. Zwischen 60’000 und 100’000 Franken seien gestohlen worden, sagte der betrogene Ambühl damals (zentral+ berichtete). Das bedeutete offenbar der Todesstoss. Denn im Mail an die Geschäftspartner schreibt Ambühl weiter: «Die Veruntreuung fügte dem Unternehmen grossen finanziellen Schaden zu.» Im Laufe der Zeit seien zudem noch weitere Betrugsfälle, die Herr Mieskes verursacht habe, aufgetreten.

«Die Veruntreuung fügte dem Unternehmen grossen finanziellen Schaden zu.»

Patric Ambühl, Eichhof-Wirt

10 Angestellte verlieren Job

Update: Heineken bestätigt Konkurs

Noch am Montag wusste man bei Heineken Schweiz, der Besitzerin des Restaurants Eichhof, nichts vom Konkurs der Traditionsbeiz. Am Dienstagnachmittag nun hat Jan Freitag, Leiter Kommunikation bei Heineken, gegenüber zentral+ bestätigt: «Wir sind soeben über das Konkursverfahren informiert worden.» Natürlich sei man enttäuscht, dass das Lokal schon ein halbes Jahr nach seiner Wiedereröffnung geschlossen werden musste. Man werde nun mit dem Beizer Patric Ambühl die Situation besprechen. Diesem macht Freitag keine Vorwürfe: «Es tut mir sehr leid, dass ein engagierter Wirt wie er in solch eine Situation geraten ist.» Wie es nun konkret weiter geht, ob Ambühl als Pächter bleiben kann, ob rasch ein neuer Pächter gesucht wird, wie hoch die Schulden sind, ob Heineken die Vergangenheit des flüchtigen Mieskes nicht genügend gecheckt hat – darüber kann Jan Freitag noch keine Angaben machen.

Zwar habe man versucht, den Betrieb auch nach Mieskes Verschwinden aufrecht zu halten. Jedoch habe sich das als sehr schwierig erwiesen. So sei es etwa nicht möglich gewesen, einen neuen stellvertretenden Geschäftsführer zu finden. «Auf Grund der fehlenden Liquidität und der Bilanzüberschuldung musste das Wirtshaus zum Eichhof am 6. Februar 2015 nach nur sechs Monaten den Betrieb einstellen. Alle 10 Mitarbeitenden verlieren ihre Stelle.» Der geschädigte Wirt Patric Ambühl hat nun gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Strafanzeige eingereicht. Dies bestätigt auf Anfrage Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. Er sagt weiter: «Die  Ermittlungen sind noch am Laufen.»

Wie hoch sind die Schulden?

Ambühl, der sich als diplomierter Restaurateur und Hotelier bezeichnet und in Hergiswil (NW) wohnt, war am Montag für zentral+ nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Entsprechend ist auch noch unklar, wie es für den offenbar unverschuldet in grosse Nöten gekommenen Jungunternehmer weiter geht, wie hoch die Schulden sind, etc.

Besitzer wusste von nichts

Noch keine Ahnung vom Konkurs hatte bis diesen Montag der Krienser Bauunternehmer André Amberg. Er als Besitzer der Eichhof-Liegenschaft sagt: «Ich habe erst durch die Anfrage von zentral+ davon erfahren. Ich bedaure sehr, dass das Restaurant nach so kurzer Zeit schon wieder geschlossen werden musste und hoffe, dass es schnell wieder eröffnet werden kann.» Vom Pächter Heineken Schweiz war diesen Montagabend niemand erreichbar. Laut Amberg war bis dato aber auch dort nichts von einem Konkurs bekannt.

Kritik an Beizern und Heineken

Hinter vorgehaltener Hand kritisieren Kenner der Gastrozene, dass Ambühl zwar engangiert, aber zu unerfahren und Mieskes in erster Linie ein Selbstdarsteller war. Auch wird hinterfragt, warum Heineken Schweiz den offenbar vorbelasteten Mieskes nicht besser durchleuchtet hat. Ein langjähriger Stadtluzerner Beizer stimmt dem zu und ergänzt: «Schliesslich ist das ‹Eichhof› nicht irgendeine Spunte, die man Amateuren überlassen sollte.»

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