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Ei, Ei, Ei, die Häberli-Euphorie ist vorbei
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Dem FC Luzern und seinem Zauberlehrling Thomas Häberli läuft es nicht mehr: nur noch zwei Punkte aus den letzten vier Spielen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Kuriose FCL-Fanaktion sorgt für Spielunterbruch Ei, Ei, Ei, die Häberli-Euphorie ist vorbei

4 min Lesezeit 10.04.2019, 23:18 Uhr

Das 1:3 gegen den designierten Meister YB ist das vierte Spiel in Folge ohne FCL-Sieg. Und es hat vor Augen geführt: Die Luzerner sind nach der Euphorie um den zweiten Zauberlehrling auf ihrem Trainerposten auf den Boden der Realität zurückgekehrt.

Es passierte am 6. März dieses Jahres. Zehn Tage, nachdem Thomas Häberli beim FCL René Weiler als Cheftrainer ersetzt hatte, zündete er bei seiner Heimpremiere ein fussballerisches Feuerwerk. Die Young Boys wurden mit 4:0 aus dem Cup-Viertelfinal geschossen. Vier Tage später kam der FC St. Gallen in der Swissporarena unter die Räder (0:3). Es war der zweite Sieg nebst zwei Unentschieden in vier Meisterschaftspartien unter Häberli.

Doch von dieser Euphorie und dem Luzerner Spassfussball ist gut einen Monat später nicht mehr viel übrig. Geblieben ist einzig der Fanprotest gegen frühe Spielansetzungen an Abenden, an denen Champions League gespielt wird. Nachdem die FCL-Fans beim letzten Cup-Duell gegen YB auf den Platz stürmten und ein Tor verketteten (zentralplus berichtete), warfen sie dieses Mal Eier auf den Platz.

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Weil die Wurfgeschosse nicht eben gross sind, war aus der Distanz zunächst nicht ersichtlich, worum es sich bei diesem weissen Zeug handelte. Erst als David Zibung einen Treffer einstecken musste, beim Schiedsrichter einen Spielunterbruch forderte und ein Ei Richtung Luzerner Spielerbank warf, war die Sache klar. Die FCL-Fans entrollten dazu ein Spruchband auf der Stehrampe, auf dem stand: «Ehr bruched Eier, mer gänd sie üch.» In der Pause wurden auch die «Teleclub»-Experten Philippe Montandon und Georges Bregy mit Eiern beworfen.

Dinge schöner dargestellt als sie waren

Zu diesem Zeitpunkt hatte noch keine Mannschaft der anderen ein Ei legen können. Das bedauerte der FCL-Trainer hinterher: «Für uns war das 0:0 zur Pause zu wenig. Wir hatten unsere Chancen.» Es ist Häberli nicht zu verübeln, dass er in Zeiten des nachlassenden Erfolgs die Dinge schöner darstellte, als sie wirklich waren. Der FCL war wie YB oft zu ungenau, und die einzig wirklich gute Chance vergab Pascal Schürpf mit einem Schuss neben das Tor.

Das Unheil für den FCL nahm zwischen der 56. und 61. Minute seinen Lauf. Vor dem herrlichen 0:1 durch Jean-Pierre Nsamé, der schon Ende April 2018 das siegbringende 2:1 gegen den FCL schoss, mit dem sich die Berner vorzeitig den Meistertitel sicherten, verlor Ruben Vargas den Ball. Gerüchten zufolge soll der FCL-Flügel bei YB auf der Einkaufsliste stehen. Werbung in eigener Sache konnte Vargas vor den Augen von YB-Coach Gerardo Seoane, dem Urvater aller Zauberlehrlinge auf dem FCL-Trainerstuhl, nicht machen.

«Schürpf hatte schon zur Pause Probleme mit beiden Waden. Ich wollte nichts mehr riskieren.»

Thomas Häberli, Trainer des FC Luzern

Und beim 0:2 enteilte Djibril Sow auf einen Pass von Roger Assalé, der alle drei Treffer seines Teams vorbereitete, der FCL-Abwehr. Man bekam nie das Gefühl, dass die Berner an ihre Leistungsgrenze gehen mussten, um Spiel und Gegner zu kontrollieren. «Wir zeigten uns sehr effizient, und das ist der individuellen Klasse der Spieler geschuldet», sagte Seoane, der am Sonntag in Zürich vor dem Gewinn seines ersten Meistertitels steht.

Häberlis eigenartige Personalmassnahme

Eigenartig mutete die Personalmassnahme an, die Häberli eine Minute nach dem von Blessing Eleke verwerteten Handspenalty zum 1:2 (63.) vollzog. Er nahm Offensivspieler Schürpf vom Platz und gewährte Aussenverteidiger Claudio Lustenberger das erste Spiel in der Saison nach überstandener Schambeinentzündung. Dafür zog er Linksverteidiger Silvan Sidler nach vorne.

Dabei hätte Häberli mit Francisco Rodriguez noch einen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler auf der Bank sitzen gehabt. Warum hat er sich so entschieden? «Schürpf hatte schon zur Pause Probleme mit beiden Waden. Ich wollte nichts mehr riskieren. Mit der Hereinnahme von Lustenberger haben wir das System auf drei Abwehrspieler gewechselt. Wir waren offensiver als vorher.» Und Rodriguez weiss spätestens seit Mittwochabend, dass er nach Weiler auch bei Häberli keine hohe Wertschätzung geniesst.

Nur noch zwei Punkte aus den letzten vier Spielen

Bewirken konnte Häberli damit allerdings nichts. Spätestens mit dem 1:3, dem allerdings eine Offside-Position vorausging, stand der Sieger fest. Der FC Luzern ist hingegen wieder auf das Level zurückgekehrt, das ihm schon unter dem gefeuerten René Weiler eigen war. Nach dem Startfurioso in die Cheftrainer-Karriere von Thomas Häberli schauten in den letzten vier Spielen nicht ein Sieg und bloss noch zwei Punkte heraus.

Als nächstes erwartet der FCL am Samstag Neuchâtel Xamax und reist darauf nach St. Gallen. Ob das die richtigen Aufbaugegner sind für das kapitale Cup-Halbfinalspiel gegen Thun am Dienstag nach Ostern?

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