Ehemaliger Buvette-Betreiber räumt den Platz – gezwungenermassen
  • Regionales Leben
Sascha Welz ist von der Stadt enttäuscht – respektiert aber den Gerichtsentscheid. (Bild: jav)

Nach Kampf um Bar in der Luzerner Ufschötti Ehemaliger Buvette-Betreiber räumt den Platz – gezwungenermassen

3 min Lesezeit 5 Kommentare 14.08.2020, 20:00 Uhr

16 Jahre lang war Alexander Sascha Welz mit seiner Bar bei der Luzerner Ufschötti tätig. Damit ist nun Schluss. Nach einer Niederlage vor dem Bundesgericht zieht er einen Schlussstrich.

Man kann die Enttäuschung aus jeder Zeile der rund zweiseitigen Stellungnahme lesen, die Sascha Welz der zentralplus-Redaktion hat zukommen lassen. «Seit 16 Jahren führte ich die Bar gemäss den Vorgaben der Stadt», schreibt Welz darin. Zu den Vorgaben gehörten beispielsweise: keine Werbung, ein auf Getränke begrenztes Angebot sowie keine Veranstaltungen. «Nun wurde mir die Ufschötti entzogen.» Der Grund: «Wir hätten zu wenig Innovationen gezeigt, obwohl wir mit neuen Ideen immer von der Stadt gebremst wurden.»

Der gebürtige Berliner ist frustriert, dass ihm genau diese Regeltreue zum Verhängnis wurde. Schliesslich habe er auch aus Rücksichtnahme auf den gastronomischen Nachbarn – einen Kiosk – gehandelt und beispielsweise auf Glace und grössere Speisen in seinem Angebot verzichtet.

Mit 60 Jahren vom Platz gescheucht

«Ich finde es befremdlich, wie die soziale Stadt Luzern mit ihren freiberuflichen Mitarbeitern beziehungsweise langjährigen Geschäftspartnern umgeht», sagt Welz. «Seit 16 Jahren setze ich erfolgreich die Interessen der Stadt auf der Ufschötti um. Auf eigenes Risiko.» Und jetzt, da der Platz funktioniere und erfolgreich wachse, entziehe man diesen dem bald 60-Jährigen. «Weil ich mich an den Gegebenheiten orientiert habe und nicht ein Konzept eingereicht habe, das mir unrealistisch oder unfair gegenüber dem Kioskbetreiber erschien.»

Welz ist auch um seine Mitarbeitenden besorgt. Er hofft, dass er eine gute Lösung für den Sommer findet, damit er keine Stellen abbauen muss. «Ich finde es schade, dass sichere Arbeitsplätze abgebaut werden und durch ein Konzept ersetzt werden, das gemäss einer Expertenmeinung unrealistisch scheint.»

«Letzten Endes akzeptiere und respektiere ich natürlich den Entscheid des Bundesgerichts.»

Sascha Welz, Gastronom

Ära Welz geht zu Ende

In seiner Stellungnahme kritisiert Welz auch die Bewertung seines Falles. «Sie ist für mich immer noch nicht nachvollziehbar.» Bei den Verfahren seien seine Sachverhalte nicht vollumfänglich durch das Gericht geprüft worden. Auch Akteneinsicht habe er bis heute keine erhalten. Diese hätte laut Welz nämlich dazu beitragen können, Missverständnisse zu klären. Dies auch im Zusammenhang mit seinen Nachfolgern: «Zum Beispiel, dass die neuen Bewerber dafür gelobt werden, endlich lokales Bier zu verkaufen, obwohl ich selber seit Jahren Luzerner Bier im Angebot habe.»

Trotz allem lässt sich nichts mehr ändern. Die Ära Welz geht diesen Sommer zu Ende – durch den Entscheid des Bundesgerichts, das Welz‘ Antrag am Mittwoch eine Abfuhr erteilt hat (zentralplus berichtete). «Letzten Endes akzeptiere und respektiere ich aber natürlich den Entscheid des Bundesgerichts», sagt Welz.

Stadt Luzern bedauert Welz‘ Unmut

«Durch das Bundesgerichtsurteil endet das Kapitel Ufschötti nun für mich.» Den neuen Betreibern gegenüber hegt er keinen Groll. Vielmehr sei er gespannt, wie deren Konzept umgesetzt werde und ob und wie die Unterschiede und Verbesserungen ersichtlich würden. «Ich wünsche den neuen Betreibern viel Erfolg. Ich denke, sie können von unserer langen und engagierten Vorarbeit profitieren», so Welz.

Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern, nahm gegenüber der «Luzerner Zeitung» Stellung zu Welz‘ Vorwürfen. Man bedauere den Unmut von Herrn Welz und schätze seine Pionierrolle hoch ein. Trotzdem könne man sich in einem Wettbewerbsverfahren keine Garantien erkaufen. «Merkmal der öffentlichen Ausschreibung ist nun aber, nach vielen Jahren auch neuen Bewerbern mit entsprechend innovativen Konzepten eine faire Chance zu geben», so Lütolf.

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5 Kommentare
  1. CScherrer, 16.08.2020, 13:16 Uhr

    Das Nachtreten offenbart nur das eigene Unvermögen.

  2. Andreas Peter, 15.08.2020, 11:45 Uhr

    @Alle: Haben wir doch noch was mit „SVP“ gefunden, was daran Schuld sein soll?
    Lächerlich. Erst hat die Stadt entschieden und die tickt bekanntlich links.
    Dann das Kantonsgericht und erst dann das Bundesgericht.
    Aber klar die SVP ist schuld.
    Get a life!

  3. JimmyNo, 15.08.2020, 00:13 Uhr

    „fehlende Akteneinsicht“.. Luzern admin wie es leibt und lebt… Seit 16 Jahren hat Hr.Welz und seine MA , auf eine innovative, emphatische n deeskalierende Art gesorgt dass es friedlich bleibt. Die Menschen jeglicher coleur was lernen, feiern und trotzdem die Zigarettenstumel im mobilen Aschenbecher entsorgt werden. Aber hey, was weiss schon der *papierligummihals* (ironie)

  4. Kaspar juana, 14.08.2020, 20:51 Uhr

    Was ist das für ein Entscheid?
    Hoffentlich hat die Stadt ein schlechtes Gewissen.
    Einer der Richter ( natürlich SVP) schrieb mal, dass die EMRK ihre Schuldigkeit getan habe. Herr Welz ist ja Deutscher und kein Schweizer, obwohl er offenbar schon immer in Luzern gewohnt hat. Skandal ist nur der Vorname

  5. Janis Ottiger, 14.08.2020, 20:41 Uhr

    Der Entscheid ist skandalös. Aber kein Wunder, sind doch zwei der drei Bundesrichter svp Mitglieder. Sie sind schon früher als fremdenfeindlich aufgefallen und Herr Welz ist ja bekanntlich Deutscher. Das Urteil ist eines Rechsstaates unwürdig. Ich gehe nächstes Jahr nicht mehr auf die ufschötti

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