«Edwin ist die gute Seele des Bruchquartiers»
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Edwin's Kiosk im Bruchquartier Luzern ist mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. (Bild: Jana Avanzini)

Kioskbetreiber ist sprachlos über unverhofftes Crowdfunding «Edwin ist die gute Seele des Bruchquartiers»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 23.12.2020, 13:58 Uhr

Es ist eine richtige Weihnachtsgeschichte. Vor wenigen Tagen wurde ein Crowdfunding zur Unterstützung des Luzerner «Kiosk Edwin» aufgegleist. Innert weniger Tage wurden 18’600 Franken gesammelt. Edwin Suter, dessen Unternehmen unter der Coronakrise stark leidet, ist sprachlos. Nicht zuletzt, weil er nichts von der Unterstützung wusste. Die Hilfe anzunehmen fällt dem Kioskbetreiber sehr schwer.

Kürzere Öffnungszeiten, am Sonntag geschlossen. Für Kioske, und insbesondere für unabhängige, sind die gefällten Entscheide des Bundesrats höchst einschneidend. Doch genau solche Läden seien wichtig, beteuert Enea Von Fellenberg.

«Wer den Kiosk Edwin kennt, dem muss man nicht erzählen, was für eine Bedeutung er für das Bruchquartier hat», schreibt Fellenberg auf einer Crowdfunding-Seite, die er extra für Edwin Suter, den Betreiber ebendieses Kiosks, eingerichtet hat. Der Kiosk sei eine Institution, ein Treffpunkt, ein Stück Bruchstrasse.

Auf seine Aktion angesprochen, erklärt von Fellenberg: «Ich bin ein Nachbar von Edwin, kenne ihn schon seit über zehn Jahren. Edwin ist nicht nur ein Kioskverkäufer, er ist die gute Seele des Quartiers.» Und weiter: «Ich hatte am Rande mitbekommen, dass er es wegen der angepassten Öffnungszeiten schwer hat und auch die Einnahmen vom Sonntag fehlen. Gerade, weil der Kiosk privat geführt wird.»

Über 300 Menschen unterstützen Edwin Suter

Auch hatte von Fellenberg mitbekommen, dass es für den Kioskbetreiber schwer werden dürfte, einen Kredit zu erhalten. Vor zwei Wochen habe er Edwin auf die Situation angesprochen und angeboten, ihn via Crowdfunding zu unterstützen. Dieser habe jedoch abgewinkt, nicht zuletzt, da ihm die Idee von Crowdfundings nicht vertraut sei. «Edwin ist nicht der Typ Mensch, der Hilfe annehmen will.»

«Nachdem Edwin von der Aktion erfuhr, wollte er diese erst stoppen.»

Enea von Fellenberg, Organisator des Crowdfundings

Das Crowdfunding hat von Fellenberg dennoch in die Wege geleitet. Und plötzlich ging alles schnell. Erst drei Tage sind vergangen und bereits 18’630 Franken wurden gesammelt. Über 300 Spender sind bislang beteiligt.

«Nachdem Edwin von der Aktion erfuhr, wollte er diese erst stoppen. Die Idee, das ohne Gegenleistung anzunehmen, schien für ihn schwierig zu sein. Ich erklärte ihm dann, die zahlreiche Unterstützung als ein grosses Dankeschön an ihn zu verstehen ist.»

Hoffnung, dass der Kiosk gerettet wird

Wie viel Geld dem Kioskbetreiber fehle, wisse er nicht genau, so von Fellenberg. «Ich hoffe jedoch, dass es reicht, seinen Laden zu retten. Und falls nicht, so wird ihm das gesammelte Geld bestimmt weiterhelfen.»

Abschliessend erklärt der Luzerner: «Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Crowdfunding nicht von Edwin, sondern für Edwin gemacht wird.»

Zu überwältigt, um zu antworten

Schnell wird klar, dass Edwin Suter selber niemals auf die Idee gekommen wäre, Menschen um Hilfe zu bitten. Als wir am Montag anrufen, befindet sich Suter in einer Schockstarre. Er müsse die Sache erst ein paar Tage verarbeiten, bevor er Stellung dazu nehmen könne.

«Es ist nicht meine Art, dass ich Hilfe annehmen kann. Normalerweise bin ich der, der gibt.»

Edwin Suter, Kioskbetreiber im Bruchquartier

Am Mittwoch melden wir uns erneut bei Edwin Suter. Auf die Frage, wie er sich derzeit fühlt, folgt ein langes Seufzen. «Ich kann gar noch nicht sagen,was das mit mir macht.» «Onkel Edwin», wie er im Quartier liebevoll genannt wird, fährt fort: «Es ist nicht meine Art, dass ich Hilfe annehmen kann. Normalerweise bin ich der, der gibt.»

Wie im Weihnachtsmärchen

Er sei zwar sprachlos, dies jedoch auf eine gute Art. «Es ist schwer zu fassen, dass es so viele Leute gibt, die mich unterstützt haben. Und ich kann ja nicht einmal allen danke sagen, unter den Spendern gibt es ja auch anonyme», sagt Suter. «Jetzt frage ich mich auf der Strasse, wenn ich Leute sehe, immer wieder, ob diese mir geholfen haben, ich das aber nicht weiss.»

Dass so etwas passiere, kenne Suter nur aus dem Fernsehen von den kitschigen Weihnachtsmärchen. «Diese schaue ich mir sehr gerne an und schwelge dahin. Nun bin ich selber in einem solchen Märchen.»

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2 Kommentare
  1. Roli Greter, 24.12.2020, 00:44 Uhr

    Edwin, du bist einfach ein wundervoller Mensch! Danke für dich, und so bescheiden du auch sein magst, wir lieben dich und du machst uns die grösste Freude wenn du unseren Groschen annehmen kannst. Von Herzen, für Dich!

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  2. paul, 23.12.2020, 22:10 Uhr

    grosse tat! super typ! wunderschööön

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