Ebikoner Tunnelidee im Zentrum dürfte es schwer haben
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Das Thema lockte viele Ebikonerinnen und Ebikoner in die Turnhalle Wydenhof. (Bild: bic)

Podium offenbart kritische Haltung in der Bevölkerung Ebikoner Tunnelidee im Zentrum dürfte es schwer haben

6 min Lesezeit 1 Kommentar 14.10.2020, 00:04 Uhr

Soll im Zentrum Ebikons die Kantonsstrasse überdacht und somit neue Grün- und Aufenthaltsflächen geschaffen werden? Darüber wurde am Dienstag in der Turnhalle Wydenhof diskutiert. Obwohl sich die Initianten mächtig ins Zeug legten, dürfte es das Projekt bei einem grossen Teil der Bevölkerung schwer haben.

Wenn es um Ebikon geht, denkt wohl manch einer an Verkehrsschilder und Ampeln, die haufenweise entlang der Kantonsstrasse stehen. Links und rechts davon Imbissbuden, Autogaragen und ein paar Gewerbebetriebe. Lebensraum und Grünflächen für die Menschen sind, zumindest im Dorfkern, kaum vorhanden. Dominant prägt die Hauptstrasse das Ortsbild.

Geht es nach einem Bürgerkomitee, soll sich das so rasch wie möglich ändern. Ihm schwebt eine Überdachung im Zentrum zwischen der Kirche und der Ladengasse auf einem Abschnitt von 270 Metern vor. Darauf soll es unter anderem neue Wohnungen geben. Der Gemeinderat wurde beauftragt, eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten zu lassen. Diese kam zum Schluss, dass ein Tunnel machbar wäre. Verschiedene Gremien lehnen den Vorschlag aus unterschiedlichen Gründen jedoch ab (zentralplus berichtete). Auch aus der Bevölkerung gibt es Widerstand.

Grosses Interesse an Podium

Am Dienstagabend kreuzten Befürworter und Gegner in der Turnhalle Wydenhof nun die Klingen. Mehr als 200 interessierte Ebikerinnen und Ebiker unterschiedlichen Alters liessen sich den angeregten Austausch nicht entgehen. Die Gemeinde hatte mit rund 160 Anwesenden gerechnet. Die, aufgrund der Abstandsregeln, über die Hälfte gefüllte Dreifachturnhalle zeigte: In Ebikon geht es um sehr viel. Folglich war auch der Gemeinderat vollzählig anwesend.

«Ich stelle mir vor, dass Ebikon auf diese Art zusammenwächst.»

Jan Hufschmid, Vertreter der jungen Generation

Im Einstiegsreferat legte sich Roland Huwiler, Initiant des Projektes, mächtig ins Zeug. «Das Dorf ist heute durchtrennt. Es fehlt das verbindende Element», sagte er gleich zu Beginn. Mit der Überdachung der Kantonsstrasse wolle er einen Weg zur langfristigen Attraktivierung des Zentrums aufzeigen. «Dies würde die Standortattraktivität erhöhen und künftigen Generationen viele Entwicklungsmöglichkeiten bieten», hielt Huwiler fest. «Alles wird möglich, aber nichts muss», fasste er die Ausführungen zusammen.

Utopisches Projekt oder Lösung für die Zukunft?

Als Vertreter einer jüngeren Generation von Ebikern nahm Jan Hufschmid den Ball am anschliessenden Podium dankbar auf. Zusammen mit Patrick Widmer, vielen als Badmeister der Rotseebadi bekannt, weibelte er für das Projekt. «Ich stelle mir vor, dass Ebikon auf diese Art zusammenwächst und dass meine Kinder dereinst nicht mehr über die Strasse müssen», sagte er mit Blick auf eine noch jüngere Generation. Ausserdem biete die durch den Tunnel entstehende Fläche viele Optionen für die Fasnacht oder die Chilbi und schaffe Platz für Neues. «Mit der Fläche bilden wir ein Fundament für die Zukunft, an dem die Jungen weiterdenken und gestalten können», betonte Hufschmid.

Patrick Widmer ergänzte, dass Ebikon immer mehr zu einer Stadt werde, die dank Traditionen wie dem Samichlaus und anderen Vereinen einen Teil des ehemaligen Dorfcharakters aber weiterhin am Leben erhält. «Wir haben jetzt die Chance, das Zentrum entsprechend zu gestalten und dem Leben neue Dynamik geben», so Widmer.

Geht es nach den Initianten, könnte es in Ebikons Zentrum künftig so aussehen.

Gegner fürchten sich vor den Kosten

Mit dem Tunnel überhaupt nichts anfangen kann hingegen Marcel Neuenschwander, Architekt und Ebiker Einwohner. Ihm sind insbesondere die errechneten Kosten von 25 Millionen Franken für die klamme Gemeinde ein Dorn im Auge. «Ich bin auch der Meinung, dass es im Zentrum Verbesserungspotential gibt. Der Tunnel ist dafür aber kein Allheilmittel und der falsche Ansatz», so seine Kritik.

«Da wir in den kommenden Jahren bis zu 70 Millionen Franken in die Schulräume investieren müssen, können wir uns dieses Projekt schlicht nicht leisten.»

Marcel Neuenschwander, Einwohner und Architekt

Hinzu komme, dass man sich von den Bildern der Fläche auf dem Tunnel, welche die Initianten in ihrer Broschüre zeigen, nicht blenden lassen dürfe. Denn um das Projekt überhaupt finanzieren zu können, müsste der Boden an einen Investor verkauft werden, der die Umgebung allenfalls nicht so gestalten würde, wie sich das die Einwohner möglicherweise erhoffen. Vielmehr würde ein Eigentümer in erster Linie die Bedürfnisse seiner Mieterinnen berücksichtigen.

«Da wir in den kommenden Jahren bis zu 70 Millionen Franken in die Schulräume investieren müssen, können wir uns dieses Projekt schlicht nicht leisten», sagte Neuenschwander mit Nachdruck. Zudem würde man das Geld lieber in eine Mehrzweckhalle stecken. Für seine Ausführungen erhielt Neuenschwander, im Gegensatz zu seinen Opponenten, mehrmals Applaus. Eine Zuschauerin haderte im Anschluss denn auch damit, dass die Stimmung auf dem Podium eine «negative Richtung» eingeschlagen habe.

Kann Zentrum anderweitig aufgewertet werden?

Das Zentrum anderweitig aufpeppen möchte auch Stefan Gassmann, GLP-Mitglied und ebenfalls Architekt. Er nimmt dafür die Dorfstrasse und den Raum rund um den Löwen und das Pfarreizentrum ins Visier. Denn dort sei das Potenzial, um den alten Dorfkern für die Zukunft fit zu machen noch längst nicht ausgeschöpft. «Es macht hingegen keinen Sinn, die stark befahrene Kantonsstrasse auf drei Kilometern bestehen zu lassen und im Zentrum einfach ein Dach darüber zu bauen», sagte Gassmann.

Die Lösung sieht er in einer Reduktion der Fahrspuren und damit verbunden einer Aufwertung der Durchgangsstrasse zu einer Art Boulevard. In diese Richtung geht auch der so genannte Masterplan der Gemeinde zur Attraktivierung des Zentrums. Ein Aufhübschung sei insofern möglich, da der Verkehr aufgrund der zunehmenden E-Mobilität und neuen Strassenbelägen künftig viel leiser sein werde. «Die Aufwertung des Zentrums wird so oder so einiges kosten. Es geht einfach darum, wie wir die Prioritäten setzen wollen», so Gassmann.

Bevölkerung gab Gemeinderat eine Botschaft auf den Heimweg

Sukkurs erhielt er von seinem Mitstreiter Marcel Neuenschwander. «Horw hat es geschafft, beim Kanton eine Temporeduktion und die Förderung des Langsamverkehrs auf der Kantonsstrasse im Dorfkern auszuhandeln. Wieso sollen wir das nicht auch schaffen?», fragte er in die Runde. Sollte dies gelingen, würde eine Überdachung überflüssig. Patrick Widmer bezweifelte allerdings, dass sich der Kanton für eine Verringerung der Kapazität einspannen lässt. Er geht hingegen davon aus, dass sich der Kanton und der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogrammes möglicherweise sogar grosszügig an den Kosten beteiligen werden. Im Vergleich zu Neuenschwander, der sich zwischenzeitlich richtiggehend in Rage redete, blieben die beiden Projektbefürworter eher blass.

Nun muss der Gemeinderat entscheiden, wie es weitergeht. Beim Verlassen der Turnhalle konnten die Besucherinnen ein rotes oder grünes Kärtchen in eine Urne werfen, um den Verantwortlichen zu signalisieren, ob sie die Idee der Überdachung weiterverfolgen oder in den Schredder stecken wollen. Ergebnis hin oder her: Die langfristige Zukunft des Zentrums wird Ebikon noch eine ganze Weile beschäftigen.

Rot oder grün? Das Publikum konnte dem Gemeinderat eine Botschaft mitgeben.

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1 Kommentare
  1. Heidi Koch, 15.10.2020, 11:02 Uhr

    Die Animation „Geht es nach den Initianten, könnte es in Ebikons Zentrum künftig so aussehen.
    (Bild: zvg)“ mit dem Tunnelportal vermittelt leider ein völlig falsches Bild: Nicht dargestellt sind die zu beiden Seiten des Portals vorgesehenen, 30 m langen Bushaltestellen für drei Buslinien. Diese Positionierung der Haltestellen ist besser als wie geplant im Tunnel selbst, aber immer noch sehr ungünstig: es wird zu Rückstau in den Tunnel kommen bzw. auf der Gegenseite Rückstau auf den Knoten Sonne bzw. noch weiter zurück, da die Fahrpläne sehr dicht getaktet sind.

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