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Ebikoner erteilen Migros-Projekt eine Abfuhr – eine Klatsche für den Gemeinderat?
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So könnte das neue Wohnquartier aussehen: Blick vom Vino Vintana auf die verkehrsberuhigte Weichlenstrasse und die Do-it-Halle. (Visualisierung: zvg)

Vorerst kein neues Hochhaus für Ebikon Ebikoner erteilen Migros-Projekt eine Abfuhr – eine Klatsche für den Gemeinderat?

4 min Lesezeit 10.02.2019, 14:16 Uhr

An diesem Sonntag entschieden die Ebikoner über die Zukunft des MParc-Areals. Der Entscheid fiel deutlich aus: 58,7 Prozent stimmten gegen das geplante «Qube»-Quartier der Migros. Obwohl der Gemeinderat der Bevölkerung die Annahme empfohlen hat, möchte er trotz klarem Resultat von einer Klatsche nichts wissen.

Ein knappes Resultat wurde erwartet, ein wesentlich deutlicheres Resultat hat sich gezeigt: Während sich 41,3 Prozent der Stimmbevölkerung für das geplante «Qube»-Quartier aussprachen, sagten 58,7 Prozent Nein. Das Weichle-Projekt hat die Ebikoner Bevölkerung wohl so stark bewegt, wie kaum eine andere. Dies zeigte sich auch in der Stimmbeteiligung, die bei 43,8 Prozent lag.

«Bebauungsplan Weichle und Teilzonenplanänderung» – denn was trocken klang, war eine Vorlage, welche die Gemeinde und die Parteien spaltete. Auf dem Areal Weichle plante die Migros als Eigentümerin in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein modernes Quartier «Qube» inklusive Hochhaus (zentralplus berichtete). Geplant waren bis zu 340 Wohnungen und ein 55-Meter-Hochhaus.

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Zukunft des Weichle Areals ungewiss

Waren die Pläne zu gross, zu hoch und zu dicht? Hans Peter Bienz, Gemeinderat und Ressortvorsteher Planung und Bau, kennt die Antwort noch nicht: «Die effektiven Gründe, die zu diesem Abstimmungsresultat führten, müssen nun vertieft analysiert werden.»

Der Ebikoner Gemeinderat empfahl der Bevölkerung die Annahme des Projekts. Das überraschte nicht, denn die Gemeinde hat gemeinsam mit der Genossenschaft Migros Luzern das Richtprojekt erarbeitet. Eine Annahme der Vorlage wäre zudem der Gemeindekasse zugute gekommen: Dank der vorgeschriebenen Mehrwertabgabe hätte Ebikon mit einen Beitrag von rund 3,5 Millionen Franken rechnen können.

Keine Niederlage, so der Gemeindepräsident

«Grundsätzlich bedauern wir den Entscheid, aber wir sind zugleich froh über das deutliche Resultat», sagt der Gemeindepräsident Daniel Gasser. Die Gemeinde arbeite seit zehn Jahren mit strategischen Planungsinstrumenten, welche unter Mitwirkung der Bevölkerung entstanden sind. «Dieses Nein zum ersten grösseren Projekt dieses Masterplans heisst zugleich für uns, dass wir analysieren müssen, ob diese Instrumente die richtigen sind», so Gasser.

«Es ist kein isoliertes Problem, dass nur Ebikon betrifft. Schweizweit geht es vielen Leuten zu schnell, was das Wachstum betrifft.»

Daniel Gasser, Gemeindepräsident Ebikon

Zentral sei es nun, die Ebikoner Bevölkerung vertieft abzuholen. Ein runder Tisch werde einberufen, um gemeinsam mit dem Ja- und Nein-Komitee die Gründe für den Entscheid herauszukristallisieren. Man möchte so herausarbeiten, was die Menschen vor Ort wollen. Von einer Klatsche möchte der Gemeindepräsident jedoch nichts wissen. «Für uns ist es keine Niederlage.» So sei die Demokratie. Und weiter: «Es ist kein isoliertes Problem, das nur Ebikon betrifft. Schweizweit geht es vielen Leuten zu schnell, was das Wachstum betrifft.»

Gasser spricht den vermehrten Bauboom in den Agglomerationen Luzerns an. Beispielsweise entstehen in den nächsten Jahren rund um das Kuonimattquartier in Luzern tausende neue Wohnungen. In der Bevölkerung erhebt sich Widerstand. So wurde in Hochdorf beispielsweise 2015 eine Wachstumsbeschränkungsinitiative angenommen, in Emmen wird in eine ähnliche Richtung gezielt (zentralplus berichtete).

Migros braucht Denkpause bis zu zehn Jahren

Wie es nach dem heutigen Verdikt der Stimmbürger mit den leerstehenden Gebäuden auf dem Weichle-Areal weiter geht, ist derzeit noch offen. Die Genossenschaft Migros Luzern wies stets darauf hin, über kein Konzept zur alternativen Nutzung oder Weiterentwicklung ihrer Infrastruktur zu verfügen. Die Gemeinde wolle nun möglichst bald das Gespräch mit den Grundeigentümern suchen. «Als Gemeinde ist es uns ein Anliegen, Baubrachen auf einem so zentralen Areal wie der Weichle verhindern zu können», so Hans Peter Bienz, Ebikoner Gemeinderat.

«Nach dem negativen Abstimmungsresultat wird es eine Denkpause von fünf bis zehn Jahren geben.»

Genossenschaft Migros Luzern

Bedauern wird auch auf Seiten der Genossenschaft Migros Luzern geäussert. «Nach dem negativen Abstimmungsresultat wird es eine Denkpause von fünf bis zehn Jahren geben», teilt die Genossenschaft Migros Luzern mit. Das Areal bleibe weiterhin grösstenteils ungenutzt und der leerstehende MParc so belassen.

Bevölkerung zu wenig miteinbezogen?

Die Vorlage spaltete nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Parteien. Während sich neben dem Ebikoner Gemeinderat die FDP, SP, GLB sowie ein Ja-Komitee für das Projekt aussprachen, sprachen sich die CVP und die SVP Ebikon dagegen. Die Gegner kritisierten insbesondere die Grösse des Projekts und forderten ein «qualitatives statt quantitatives Wachstum». SVP- und CVP-Vertreter fanden sich neben FDP-Mitgliedern im gebildeten Nein-Komitee. Die Grünen erteilten Stimmfreigabe.

Christian Huber, Vorstandsmitglied der SVP Ebikon und Co-Präsident des Nein-Komitees ist natürlich erfreut über das deutliche Wahlergebnis. Denn 2207 Ebikoner stimmten dagegen, 1553 stimmten dafür. «Es wäre suboptimal für die weitere Entscheidungsfindung gewesen, wenn es nur einen Unterschied von knapp 100 Stimmberechtigten gegeben hätte.»

«Schlussendlich ist es eine politische Niederlage, mit der auch ein Gemeinderat umgehen muss.»

Christian Huber, Vorstandsmitglied SVP Ebikon

Wie Huber kritisiert, habe sich der Ebikoner Gemeinderat bei der Ausgestaltung des Projekts vermehrt mit nicht ortansässigen Planern auseinandergesetzt – statt mit der Bevölkerung vor Ort. Von einer Blamage für den Gemeinderat möchte er trotz des deutlichen Resultats nicht sprechen: «Schlussendlich ist es eine politische Niederlage, mit der auch ein Gemeinderat umgehen muss.»

Huber betont, dass es auch nicht in ihrem Interesse liege, dass das Areal weiterhin leer bleibt. «Es wäre ökonomisch betrachtet völliger Schwachsinn, das Areal weitere Jahre so zu belassen», so Huber. «Die Migros als Eigentümerin hat zwar die Freiheit, das Areal zu nutzen oder nicht.» Er sei jedoch überzeugt, dass es keine zehnjährige Entscheidungsfindung benötige. «Die Migros wird alles daran setzen, dass Areal für die nächsten Jahre sinnvoll zwischenzuvermieten, um so Zeit zu erhalten, eine langfristige und nachhaltige Lösung zu erarbeiten.»

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