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Dzaferi bekommt Schützenhilfe von rechts
  • Politik
Gregor Bruhin (links) will Zari Dzaferi unterstützen – und dafür sogar Flyer verteilen. (Bild: zvg, Montage fam )

Zuger Regierungsrats-Gerangel Dzaferi bekommt Schützenhilfe von rechts

4 min Lesezeit 3 Kommentare 07.12.2015, 05:55 Uhr

Es ist wie bei den Tiervideos, bei denen Hund und Katze plötzlich Freunde sind. Nur weniger flauschig. Zari Dzaferi will für die SP in den Regierungsrat – und erhält Rückendeckung aus sehr unerwarteter Richtung. Und die ist sogar ernst gemeint.

Wie bitte? Was macht Gregor Bruhin da? Wer sich Zari Dzaferis Unterstützerkomitee anschaut, stösst auf eine überraschende Personalie: Unter den Unterstützern für den SP-Regierungsratskandidaten hat sich auch SVP-Jungpolitiker Gregor Bruhin eingereiht. Wie passt das zusammen – junger und pointierter SVP-Politiker unterstützt sein Gegenstück auf linker Seite? Alles halb so wild, sagt Gregor Bruhin. «Ich mag Zari Dzaferi als Person und bin auch der Meinung, dass er dieses Amt gut ausführen würde. Natürlich liegt er nicht auf meiner politischen Linie. Aber bei dieser Auswahl habe ich praktisch keine andere Wahl.»

Denn die drei Regierungsratskandidaten seien alle links, sagt Bruhin. «Wenn man anschaut, wie Martin Pfister teilweise im Kantonsrat abstimmt, dann wird schnell klar, dass er eigentlich eher links in der CVP steht. Obwohl ich auch ihn persönlich mag. Aber wenn ich zwischen drei linken Kandidaten auswählen muss, dann wähle ich lieber das Original. Bei Dzaferi weiss ich wenigstens, was drinsteckt.» Er sei in der SVP nicht der Einzige, der so denke, sagt Bruhin. «Da gibt es einige andere, die Zari wählen werden. Was mir aber an Pfister gefällt, ist seine Funktion im Militär, er ist Oberst.»

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«Ich habe gar keine Wahl»

Ein zweiter linker Sitz im Regierungsrat kann aber unmöglich im Interesse der SVP liegen. Wie echt ist also die Unterstützung? «Ich habe Zari geschrieben, ich werde sein Plakat bei mir am Balkon aufhängen», sagt Bruhin. «Und vielleicht kann ich auch zwei, drei Flyer verteilen, allerdings wird das schwierig, weil ich in Chur im Militär bin.»

«Dzaferi könnte hier sicher frischen Wind und neue Ideen bringen, auch wenn mir seine Ideen politisch nicht gefallen.»

Gregor Bruhin, SVP

Ein zweiter linker Sitz im Regierungsrat wäre offenbar für ihn nicht besonders schlimm: «Ich habe ja gar keine Wahl, für mich stehen alle drei links.» Und nicht wählen zu gehen, das liege ihm nicht. «Zari wird es aber im Regierungsrat schwieriger haben, linke Ideen einzubringen, als Martin Pfister. Das spricht ebenfalls für ihn.»

Alles links, was links der FDP?

Zudem sei Dzaferi jung, das sei ein weiterer Vorteil, so Bruhin: «Ich finde es wichtig, dass ein junger Kandidat in den Regierungsrat kommt. Dzaferi könnte hier sicher frischen Wind und neue Ideen bringen, auch wenn mir seine Ideen politisch nicht gefallen.»

Ob Dzaferi sich geschmeichelt fühlt, werden wir gleich herausfinden. Martin Pfister dürfte sich aber vehement dagegen wehren, als Linker bezeichnet zu werden. Gibt es für die SVP schlicht keine Mitte – ist für sie alles links, was links von der FDP steht? Bruhin bekräftigt: «Wenn man schaut, wie etwa ein Gerhard Pfister politisiert: Das ist Mitte-rechts-Politik. Und der kommt ja auch aus der CVP. Einen solchen Kandidaten hätte ich gewählt, die CVP hat einige solcher Kantonsräte und Amtsträger im Kanton Zug.»

Zari Dzaferi sieht das naturgemäss ganz anders: «Martin Pfister ist bestimmt kein linker Kandidat. Wenn man betrachtet, in welchen Zünften und Vereinen er verkehrt, dann ist klar: Das ist keine soziale Stimme. Dabei braucht es eine zweite soziale Stimme im Regierungsrat. An Gerhard Pfister sollte die politische Mitte ohnehin nicht gemessen werden. Dieser politisiert nämlich mindestens mitte-rechts.»

«Linke Ideen haben es sowieso schwierig»

Ist ihm wohl dabei, dass er von rechts Unterstützung bekommt? Dzaferi sagt: «Ich mache klare Politik, und wenn Gregor Bruhin findet, dass das unterstützenswert ist, dann freut mich das.» Politische Überschneidungen mit Bruhin gäbe es zwar wenige, findet auch Dzaferi, «höchstens in einzelnen Fragen der Bildungspolitik, möglicherweise treffen wir uns da.» Das sei aber gar nicht zentral: «Es ist für linke Kandidaten wichtig, in der ganzen Breite des politischen Spektrums Unterstützung zu finden. Wenn mir das gelingt, dann ist das sehr positiv.»

Bruhins Hoffnung, dass er seine Ideen im Regierungsrat im Gegensatz zu Martin Pfister nicht durchbringen könne, verneint Dzaferi. «Linke Ideen haben es sowieso schwierig im Kanton Zug. Da kommt es nicht darauf an, wer sie vorbringt.»

Dzaferi hat seine Website so angepasst, dass sich Unterstützer bei ihm eintragen können. Die Liste seines Unterstützerkomitees werde mit dem Erscheinen des Flyers in den nächsten paar Tagen aufgeschaltet. 170 Menschen haben sich bisher eingetragen, auch solche von ausserhalb des Kantons. Beat Schlatter zum Beispiel. Dzaferi freut sich: «Das hat zwar politisch keine Relevanz, aber es ist trotzdem recht spektakulär.»

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3 Kommentare
  1. Gregor R. Bruhin, 07.12.2015, 23:25 Uhr

    @Martin
    Du überschätzt mich, was mich eigentlich ehrt. Ein derart ausgewiefter Politstratege, wie du denkst, dass ich bin, bin ich leider nicht. Vielleicht fehlen mir dazu einfach noch die Anzahl Jahre oder ich bin naiv. Aber nach all den Gesprächen und Diskussionen die wir hatten, solltest du wissen das ich weder ein (Majorz-)Opportunist bin, sondern ein Überzeugungstäter. Ich habe immer eine Meinung, vielleicht nicht immer die Populärste. Manchmal auch eine Meinung, welche 70.5% der Stadtzuger in einer Volksabstimmung nicht teilen. Mir geht es nicht um Goodwill oder irgendeine eventuell vielleicht mögliche Kandidatur in mind. 3 Jahren, wenn es die Leute sowieso nicht mehr interessiert was ich heute gesagt habe. Ich vertrete, dass was ich richtige finde und was ich im Wahlkampf versprochen habe. Ich unterstütze Zari, weil ich unter drei Linkskandidaten das Original lieber wähle als eine (light) Kopie – nicht mehr und nicht weniger. 2018 könne die Zugerinnen und Zuger dann wieder entscheiden, ob ihnen meine Art passt oder nicht und ob sie mich weitere 4 Jahre in der Politik haben wollen, oder nicht. So einfach ist das 🙂

  2. Markus Mathis, 07.12.2015, 22:52 Uhr

    Auch wenn er in der neuen Legislatur nicht mehr mittut, weiss der alternativ-grüne Zuger Kantonsrat Martin Stuber natürlich, dass der SP-Regierungskandidat Zari Dzaferi den Alternativ-Grünen keineswegs mit einem offenen Brief “in den Rücken gefallen ist”. Vielmehr wollten alle im Kantonsrat vertretenen Parteien, die nicht direkt im Zuger Sexskandal verwickelt sind, dass SVP und ALG ihre beiden Alleinunterhalter Hürlimann und Spiess-Hegglin endlich mal zur Ordnung rufen und daran erinnern, dass sie per Amtseid geschworen hatten, das Ansehen des Kantons Zug zu fördern und nicht etwa, das Gegenteil zu bewerkstelligen. Unterschrieben wurde dieser Brief von sieben Leuten – drei Fraktionschefs und vier in Parteivorständen/präsidien engagierten Personen – darunter auch Dzaferi als Geschäftleitungsmitglied der Zuger SP.

    Ich finde es gut, dass sowohl SVP-Bruhin wie auch die Alternativ-Grüne des Kantons Zug die Kandidatur von Dzaferi unterstützen, obwohl sie nicht in der selben Partei wie er sind.

    Seien wir ehrlich: Das Wahlvolk hat diese diese ständigen Kindereien, Intrigen und parteipolitischen Schützengräbenscharmützel satt. Vielleicht können sich auch deswegen nur noch 30 bis 50 Prozent aufraffen, ihr Stimm- oder Wahlcouvert auszufüllen und in einen Briefkasten zu werfen.

  3. Martin Stuber, 07.12.2015, 16:19 Uhr

    Als zukünftiger Majorzkandidat (Stadtrat? Regierungsrat? Ständerat? Wenn CVP/FDP durchdrehen irgendwann mal auch Kantonsrat?) macht das Herr Bruhin geschickt: Goodwill bei der Linken für die Zukunft holen. Und das, ohne einen politischen Preis dafür zu bezahlen – denn bei dieser Wahlkonstellation ist der Wahlausgang zu 100% klar: Martin Pfister ist schon Regierungsrat. Bruhin-Parole hin oder her.
    Und Zari Dzaferi hat es sich mit seinem für die SP wahltaktisch geschickt der ALG in den Rücken fallen (offener Brief wegen Spiess-Hegglin/Hürlimann) ja auch redlich verdient…

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