Durchgangsbahnhof: Jetzt soll ein Mediator vermitteln
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Marc Lustenberger und die FDP verlangen ein Konfliktmanagement für den Durchgangsbahnhof.

Nach Misstönen zwischen Stadt und Kanton Luzern Durchgangsbahnhof: Jetzt soll ein Mediator vermitteln

5 min Lesezeit 4 Kommentare 04.09.2021, 17:00 Uhr

Stadt und Kanton Luzern haben das Heu in Verkehrsfragen oft nicht auf derselben Bühne. Das zeigte sich zuletzt bei den städtebaulichen Fragen zum Durchgangsbahnhof. SP und FDP wollen deshalb einen Mediator engagieren – ein bekannter Name ist bereits im Gespräch.

Der Durchgangsbahnhof ist für Luzern ein Generationenprojekt, das nicht nur den Schienenverkehr, sondern auch das Stadtzentrum umpflügen wird. Während der neue Bahnhof in Luzern weitgehend unbestritten ist, gehen die Meinungen über die städtebaulichen Folgen des Milliardenprojekts auseinander – besonders zwischen Stadt und Kanton. Das zeigte sich eindrücklich, nachdem die Stadt die Resultate der Testplanung veröffentlichte (zentralplus berichtete).

Der Kanton kritisierte relativ unverblümt, dass den Auswirkungen aufs Gesamtverkehrssystem zu wenig Beachtung geschenkt werde – und initiierte eine eigene Studie.

Um die schwelenden Konflikte zu lösen, wollen sowohl die SP und FDP jetzt eine Mediatorin einsetzen. Entsprechende Vorstösse sind geplant beziehungsweise bereits eingereicht: Im Stadtparlament von der FDP, im Kantonsrat will die SP den Lead übernehmen.

«Enorme Widerstände» befürchtet

Jener der städtischen FDP liegt nun vor. Der Stadtrat wird darin ersucht, sich beim Kanton und bei den SBB dafür einzusetzen, dass diese eine «professionelle Mediation» unterstützen und sich finanziell daran beteiligen. «Bestehende Differenzen zwischen diesen beiden staatlichen Ebenen könnten durch ein solches gemeinsames Vorgehen gemildert werden», begründen die FDP-Grossstadträte Marc Lustenberger, Fabian Reinhard und Marco Baumann ihr Postulat.

Das Konfliktmanagement soll aber nicht nur zwischen Stadt und Kanton die Wogen glätten, sondern auch zwischen den Bedürfnissen von Wirtschaft und Bevölkerung vermitteln. «Auch hier werden sich viele Interessenkollisionen auftun. Sofern diese nicht bearbeitet werden, sind enorme Widerstände gegen den Durchgangsbahnhof oder den Bypass zu erwarten», so die FDP.

An der Planung und Realisierung des Durchgangsbahnhofs – und auch des Bypasses – seien Stadt, Kanton, Bund, aber auch viele direkt betroffene Unternehmen, Institutionen und Private involviert. «Die Stolpersteine auf dem Weg zur Umsetzung sind gross», warnen die Stadtparlamentarier. Bei einer derartigen Konstellation sei deshalb die Installation eines «unabhängigen Konfliktmanagements» zu prüfen, heisst es im Postulat weiter. «Es wäre wünschenswert, wenn Stadt und Kanton dies (zusammen mit der SBB) an die Hand nähmen.»

Alt-Stadtrat als Wunschkandidat?

Wie es beim Kultur- und Kongresszentrum einen «Mister KKL» gab, soll auch beim Durchgangsbahnhof ein «Mister DBL» das Projekt in die gewünschten Bahnen lenken. Es kursiert auch bereits der Name eines Wunschkandidaten: Alt-Stadtrat Kurt Bieder.

Kurt Bieder war von 2000 bis 2012 Baudirektor der Stadt Luzern. Mit Grossprojekten ist der ehemalige FDP-Stadtrat bestens vertraut. In seiner Amtszeit ging der Bau der Swissporarena über die Bühne. Auch als Mediator hat er in den letzten acht Jahren Bauprojekte betreut, beispielsweise die Pilatus Arena. In einem Gastbeitrag in der «Luzerner Zeitung» sprach er kürzlich von den zahlreichen Stolpersteinen beim Durchgangsbahnhof – und erwähnte explizit die Differenzen zwischen Kanton und Stadt.

Gespräche mit Kurt Bieder hätten den Vorstoss der FDP inspiriert und inhaltlich geprägt. Dennoch sei er nicht mit dem Ziel verfasst worden, Bieder für diese Mediationsarbeit zu gewinnen, sagt Postulant Marc Lustenberger auf Anfrage. Er begründet dies mit dem relativ langen Zeithorizont des Projekts. Zur Erinnerung: Der Baustart ist aktuell erst für das Jahr 2030 vorgesehen. Eröffnet werden soll der neue Durchgangsbahnhof dann im Jahr 2040.

Kurt Bieder winkt ab

Auch Kurt Bieder selbst nimmt den Gerüchten den Wind aus den Segeln. «Aus mehreren Gründen käme ich für ein solches Mandat nicht in Frage – auch weil die Umsetzungsphase noch in relativ weiter Zukunft liegt.» Bieder ist allerdings durchaus bereit, seinen reichen Erfahrungsschatz in Sachen Mediation weiterzugeben.

Dabei gilt es, als Erstes mit einem veralteten Bild der Mediationsarbeit aufzuräumen. «In der modernen Mediationsarbeit wird diese nicht erst dann eingesetzt, wenn das Geschirr bereits zerbrochen ist, sondern schon lange bevor unterschiedliche Interessen und Ansprüche kollidieren», erklärt Bieder. «Ich könnte mir vorstellen, bei Interesse die Grundlagen aufzuzeigen, um solche Mediationsintrumente einzusetzen. Die Umsetzung werden dann aber andere übernehmen müssen.» Die entsprechenden Positionen müssten öffentlich ausgeschrieben werden, ist Bieder überzeugt.

«Der Durchgangsbahnhof ist ein Jahrhundertprojekt. Es ist allerdings auch mit Jahrhundertherausforderungen verbunden.»

Kurt Bieder, Alt-Stadtrat

Kurt Bieder hält zudem fest, dass der präventive Einsatz von Mediationsinstrumenten nicht als Misstrauensvotum gegenüber den im Durchgangsbahnhof federführenden Akteuren zu deuten sei. «Systembedingt treffen bei diesem Projekt eine Vielzahl von unterschiedlichen Interessen aufeinander. Ein unabhängiges Konfliktmanagement kann hier ein entscheidender Faktor für das Gelingen des Projekts sein», sagt Bieder. Für den Alt-Stadtrat ist es klar, dass der Durchgangsbahnhof für Luzern ein Jahrhundertprojekt ist. «Es ist allerdings auch mit Jahrhundertherausforderungen verbunden. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und anzupacken.»

Sommerferien forcieren Alleingang im Stadtparlament

Gerade in diesen Jahren sehen Lustenberger und die FDP diverse Konflikte aufflammen – von den Fragen rund um die Autoparkierung während und nach der Bauphase bis zu den Auswirkungen einer teilweisen Trockenlegung des Seebeckens auf den Tourismus. «Es geht darum, sich bereits präventiv mit möglichen Interessenskonflikten zu befassen, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen und Lösungsansätze bereitzustellen.»

«Es ist über die Sommerferien entstanden, zu einer Zeit, wenn man die anderen Parlamentarier eher weniger sieht.»

Marc Lustenberger, FDP

Das Postulat wurde im Namen der FDP eingereicht. Inhaltlich hätte eine überparteiliche Abstützung des Anliegens nicht überrascht. Dass dies nicht der Fall ist, begründet Lustenberger auch mit dem Zeitpunkt des Postulats. «Es ist über die Sommerferien entstanden, zu einer Zeit, wenn man die anderen Parlamentarier eher weniger sieht.» Letztlich spiele es auch keine grosse Rolle, wie viele Unterschriften ein Vorstoss trägt, wenn er inhaltlich überzeugend ist, so Lustenberger.

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4 Kommentare
  1. Paul Stopper, 05.09.2021, 15:16 Uhr

    Weshalb sollen sich Kanton und Stadt Luzern Gedanken um ein Luftschloss ohne jegliche Realisieruncs-Chancen machen? Bis 2045 ist ohnehin Tote Hose! Und bis dann ist sowieso kein Geld für den nutzlosen «Kehrtunnel» vorhanden.

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    1. mvonrotz, 06.09.2021, 11:36 Uhr

      Aus welcher Glaskugel haben Sie diese «Weisheiten» gelesen? Jede Meinung ist zu respektieren, sollte dann aber auch mit Fakten untermauert werden.

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  2. Lucommenter, 04.09.2021, 18:55 Uhr

    Es kann nicht sein, dass die Stadt und der Kanton ohne Mediator keine gemeinsamen Lösungen mehr finden können. FDP Regierungsrat Peter, SP Stadtpräsident Züsli und der Grüne Stadtrat Borgula müssen einen gemeinsamen Weg finden. Falls Sie dazu nicht fähig sind, sollten sie sofort zurücktreten. Es kann nicht sein, dass Unfähigkeit von Amtsträgern durch den Einsatz von zusätzlichen Steuergeldern kompensiert werden soll. Auch Geld wird hier nicht helfen.

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  3. Hegard, 04.09.2021, 18:32 Uhr

    Es wäre an der Zeit,im neuen Bahnhof eine Verkehrszentrale zu realisieren, anstatt da etwas zu wursteln,da etwas wursteln usw.
    Sondern auch zB das Passbüro,Einwohner Kontrolle,Schulen einfach Soziale Diensleistungen die dann mit allen Fahrmöglichkeiten erreichbar wäre.Nicht nur zum Vorteil der Bittsteller sonder auch der Arbeitnehmer und Reisenden.Da das alte Parkhaus mit dem Tiefbahnhof dezimiert wird,könnte man dies für Velos und E- Klein Fahrzeugen oder sonstigen Anlässen nutzen und im neuen Freien Terrain des Bahnhof ein neues Tief Parkhaus bauen mit zu/Abfahrt von der zentralstr. oder Rösslimatt (für neue Industrie)zu realiesieren.Sogleich könnte man unterirdisch die verbindung zentralstr.-Rösslimatt mit dem Velo ermöglichen.Dann wäre auch das (ausser Taxi)BusTerminal,KKL usw Autofrei und würde sich die An und Abfahrt zum Parkhaus mehr verteilen.Die Zufahrt zur Rösslimatt könnte mit eine Strasse Seite Schür,auf der freiwerdenden Bahntrasse erleichtern.Auch das Inseli könnte mit dem Teil des Aushubsmaterial 3x vergrössert werden,das zB eine wärschafte Chilbi gebe würde.

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