Dürfen Zuger Eltern ihre Kinder bald selber unterrichten?
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Neue Technologien erleichtern den Heimunterricht erheblich. (Symbolbild: Adobe Stock)

Rund 500 Leute unterschreiben Petition Dürfen Zuger Eltern ihre Kinder bald selber unterrichten?

3 min Lesezeit 1 Kommentar 24.08.2020, 05:00 Uhr

Während des Corona-Lockdowns haben Eltern von schulpflichtigen Kindern mit Homeschooling Bekanntschaft gemacht, obwohl dies im Kanton Zug praktisch unmöglich ist. Nun will eine Unterschriftensammlung eine Liberalisierung der Regeln – damit Eltern ihre Kinder leichter selber unterrichten können.

Das heute praktizierte Schulmodell sei das aus dem 19. Jahrhundert stammende Fabrikmodell: «Alles was hinten rauskommt, muss gleich aussehen». Unterwegs werde die schlechte Ware von der guten getrennt, «aber die Prozesse sind für alle gleich». Es gehöre abgelöst. Die Technologie ermögliche heute ein viel individuelleres Lernen und Lehren.

Mit diesen Zitaten des früheren Direktors der Zurich International School wird derzeit eine Online-Petition beworben, welche eine Liberalisierung der Homeschooling-Bestimmungen im Kanton Zug anstossen will. Lanciert wurde sie von Vera Hiltbrunner aus Steinhausen mit Unterstützung des Vereins «Bildung zuhause Schweiz».

Von liberalen Nachbarn umgeben

Die dreifache Mutter von kleinen Kindern stösst sich daran, dass Homeschooling im Kanton Zug überaus streng geregelt ist. «Ausser für einige Expats, die häufig das Land oder den Kanton wechseln, ist es heute eigentlich unmöglich.» Und dies, obwohl es in der Schweiz seit zwei Jahrzehnten eine Homeschooling-Bewegung gibt, welche im Heimunterricht die günstige Alternative zur Privatschulunterricht sieht.

«Ich sehe mich als Anwältin jener Eltern, die mit der Regelschule nicht zufrieden sind, aber sich keine Privatschule leisten können».

Vera Hiltbrunner, Petionärin

Auch ist Zug von Kantonen umgeben, die Bewilligungen für Homeschooling leichter abgeben – Luzern und Zürich etwa. «Am liberalsten in der Schweiz ist aber der Kanton Aargau», sagt Hiltbrunner.

Berner Modell: Lehrer sollen mitreden

Für den Kanton Zug schlägt sie in ihrer Petition aber eine Übernahme der Berner Bestimmungen vor, welche neben einer Bewilligung und dem Einhalten des Lehrplans unter anderem vorsehen, dass die unterrichtenden Eltern von einer ausgebildeten Lehrperson begleitet und beraten werden.

«Viele im Verein Bildung zuhause kennen das Berner Modell und beurteilen es als positiv», sagt Hiltbrunner. Es sei weniger liberal als andere, aber dennoch würden im Kanton Bern vergleichsweise mehr Eltern zu Hause unterrichten als anderswo in der Schweiz.

Nun wirkt die Idee des Homeschooling in einem Land wie der Schweiz, wo man auf gute öffentliche Schulen stolz ist, immer noch exotisch. Hiltbrunner will auch nicht ausschliessen, dass ihre eigenen Kinder die Regelschule besuchen würden.

Nicht alle kommen mit der Regelschule zurecht

Aber sie möchte, dass es für jene Kinder, die unter dem starren System der Regelschule leiden, Alternativen gibt. Dass mit einer flexiblen Unterrichtsgestaltung zu Hause, die intrensische, also innere Motivation zum Lernen länger erhalten bleibt. Dass der Spass am Schulunterricht nicht nach der ersten Klasse erlischt. «Ich sehe mich ein wenig als Anwältin jener Eltern, die mit der Regelschule nicht zufrieden sind, aber sich keine Privatschule leisten können», sagt sie.

«2013 wurde eine teilweise Liberalisierung bereits erwogen.»

Stephan Schleiss (SVP), Zuger Bildungsdirektor.

Doch isoliert man mit Heimunterricht nicht die Kinder von ihren Altersgenossen? «Keineswegs», sagt Hiltbrunner. Unterrichtende Eltern könnten sich zusammenschliessen – zu Exkursionen beispielsweise.

500 Unterschriften sind beisammen

Die Bittschrift wird am 27. August dem Zuger Regierungsrat übergeben – durch die Justizprüfungskommission anlässlich der nächsten Kantonsratssitzung. 500 Unterschriften hat Hiltbrunner derzeit zusammen, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, 422 waren es zum Zeitpunkt der Einreichung.

Die Zuger Regierung wird noch vor den Herbstferien das Anliegen der Petition beraten. Und diese hat dazu eine offenere Haltung, als man aufgrund der Gesetzeslage vielleicht erwarten würde.

Er könne dem Regierungsrat nicht vorgreifen, sagt Landammann Stephan Schleiss, Bildungsdirektor des Kantons Zug. «Aber 2013 wurde im Zuge der Revision des Schulgesetzes bereits eine teilweise Liberalisierung erwogen und in die Vernehmlassung gegeben.» Das Ansinnen war politisch allerdings chancenlos, weswegen die Idee fallen gelassen wurde. 

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1 Kommentare
  1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 24.08.2020, 07:40 Uhr

    Unser Bildungs- und Schulsystem fusst noch immer auf den Ideen preussischer Ausprägung. Die Kinder mussten ein Mindestmass an Bildung aufweisen, damit sie später in den Fabriken die stetig anspruchsvoller werdenden Aufgaben bewältigen konnten. Es war und ist eine blosse Vorbereitungshandlung, damit die Kinder später im Arbeitsprozess störungsfrei und optimal ökonomisch verwertet werden können, diese störungsfrei funktionieren. Oberste Prinzipen, welche die Volksschule gewährleisten und bei den kleinen Staatsbürgern ausbilden muss: Disziplin, Hierarchiehörigkeit und das Etablieren von Untertänigkeit.

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