Luft für die Lozärner Määs wird immer dünner
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Rico De Bona hat die Hoffnung auf die Lozärner Määs 2021 noch nicht aufgegeben. (Bild: Tobias Lackner, CVP Luzern)

Ohne Zaun geht's kaum Luft für die Lozärner Määs wird immer dünner

4 min Lesezeit 2 Kommentare 11.08.2021, 18:10 Uhr

Der Bundesrat stellt vorerst keine weiteren Lockerungen in Aussicht. Damit sitzt Rico De Bona weiterhin wie auf Nadeln. Der Mitorganisator der Lozärner Määs hält eine Durchführung mit Zertifikatspflicht zwar für möglich, aber «sehr schwierig».

Gebannt sassen heute Tausende vor dem Youtube-Stream. Wird das Zertifikat nun auch für das Beizenznacht obligatorisch? Oder gibt es bald auch Grossanlässe ohne Zertifikat? Der Bundesrat hielt seine erste Sitzung nach der Sommerpause ab und informierte anschliessend vor den Medien. Noch will die Landesregierung keine Schutzmassnahmen abbauen – die Zertifikate bleiben für Grossevents Pflicht.

Hier will der Bundesrat gar noch eine Hürde einbauen. Ab Oktober sollen Ungeimpfte, die ohne Symptome einen Test für einen Event benötigen, den Test selber zahlen. Damit geht das Bangen auch für Rico de Bona weiter. Der Präsident der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte hat ein Ziel: Die Lozärner Määs im traditionellen Stil vom 2. bis 17. Oktober durchzuführen. Ohne Abstriche. Mit allen Bahnbetreiberinnen und Markthändlern, die dabei sein wollen.

De Bona zeigt sich nach der Bundesrats-Pressekonferenz ernüchtert. «Bis heute Morgen habe ich gesagt: Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Nun sage ich: Es ist sehr schwierig, aber immer noch nicht unmöglich.» Natürlich habe er sich Lockerungen auf den Herbst erhofft. Daraus wird nichts. «Es kam heute keine weitere Perspektive dazu.»

Ein Zaun um die Määs?

Das Grundsatzproblem für die Määs-Organisatoren sind die Zutrittsbeschränkungen. «Wir müssten alles einzäunen», betont De Bona. Ein schwieriges Unterfangen. Schliesslich handelt es sich um grösstenteils öffentliches Gelände. Wie kommt die KKL-Besucherin trotz Absperrung an das Konzert? Oder der Pendler an den Bahnhof, weil sein Zug in einer Minute fährt?

Die Lozärner Määs fiel 2020 aus.

«Wir müssten genau schauen, wo wir die Ein- und Ausgänge machen, wer diese kontrolliert, mit welchem Material wir die Määs umzäunen, und und und.» Solche Überlegungen wurden bereits mit der Stadt Luzern diskutiert. Und budgetiert. «Gemäss unserer ersten Berechnung würde alleine das Umzäunen rund 150’000 Franken kosten.»

Da die IG als Non-Profit-Organisation auf kein Kässeli zurückgreifen kann, müsste man das Geld bei den Schaustellern und Markthändlerinnen eintreiben. «Also bei denjenigen, die seit über 500 Tagen faktisch ein Berufsverbot haben. Ich gehe nicht davon aus, dass die das zahlen wollen und können», so De Bona. Auch die Stadt müsste wohl einen Teil berappen.

«Wollen wir den grössten Anlass der Zentralschweiz durchführen, wenn wir einen Teil der Öffentlichkeit ausschliessen?»

Rico De Bona, Präsident IG Luzerner Herbstmesse und Märkte

Dennoch sind für den IG-Präsidenten nicht die finanziellen Hürden die höchsten. Sondern die strukturellen. «Wir müssen uns schliesslich fragen: Wollen wir den grössten Anlass der Zentralschweiz durchführen, wenn wir einen Teil der Öffentlichkeit ausschliessen?»

Denn eine «Mini-Määs», wie sie letztes Jahr durch Private organisiert wurde (zentralplus berichtete), steht für die Interessengemeinschaft nicht zur Diskussion. «Wenn das jemand Privates auf die Beine stellen will, nur zu. Aber wir vom Vorstand betonen es immer wieder: Entweder gibt’s die Lozärner Määs mit Warenmesse und Schaustellern, oder gar keine.» Eine Zertifikatspflicht scheint unumgänglich.

90 Prozent der Chilbis bereits abgeblasen

Noch ist die Hoffnung nicht erloschen. Mut machen De Bona auch die zahlreichen Schausteller. Die insgesamt rund 160 Schaustellerinnen und Markthändler, die schon letztes Jahr im Boot gewesen wären, haben allesamt auch für dieses Jahr zugesagt. Noch keine einzige Putschiautobahn-Betreiberin und kein Zuckerwatteverkäufer hat den Bettel hingeworfen. Im Gegensatz zu vielen Organisatoren.

Tausende pilgern für die traditionsreiche Lozärner Määs jeweils nach Luzern. (Bild: Tobias Lackner)

Zahlreiche Chilbis wurden für dieses Jahr bereits abgesagt. 90 Prozent sind es gemäss «Sonntagszeitung». Neben der Lozärner Määs hoffen die Schausteller auch auf die Einnahmen durch die Basler Herbstmesse. Denn Ende Jahr laufen voraussichtlich die Härtefallgelder aus. «Findet die Lozärner Määs auch dieses Jahr nicht statt, wird es einige nächstes Jahr nicht mehr geben», seufzt De Bona.

Der definitive Entscheid wird am 23. August gefällt. Dann trifft sich die IG wieder mit Stadt, Polizei, Nachbarn und sonstigen Involvierten.

Wie war das nochmal mit den Corona-Regeln?

Der Bundesrat hat die Massnahmen für Veranstaltungen per 26. Juni gelockert. Und folgende verpflichtende Bedingungen aufgestellt:

– Privates Geburifest: Draussen darfst du mit Freunden und Familie mit maximal 50 Personen feiern, drinnen sind 30 erlaubt. Dies gilt aber nur, wenn die Geburifete nicht in öffentlich zugänglichen Einrichtungen steigt.

– Events bis 1000 Teilnehmerinnen: Der Veranstalter kann selber entscheiden, ob alle Teilnehmerinnen ab 16 Jahren nur mit Zertifikat dabei sein dürfen. Wenn nicht, darf lediglich 2/3 der Kapazität erreicht werden und es gilt eine Sitzpflicht. Stehen dürfen die Teilnehmer nur, wenn maximal 500 Personen (draussen) respektive 250 Personen (drinnen) am Event teilnehmen. Drinnen gilt zudem Masken- und Abstandspflicht.

– Events mit über 1000 Teilnehmern: Hier ist das Covid-Zertifikat Pflicht. Einlass erhält nur, wer geimpft, genesen oder frisch negativ getestet wurde. Es gilt keine Sitz- oder Maskenpflicht.

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2 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 12.08.2021, 11:30 Uhr

    Etwas mehr Flexibilität an den Tag legen und schon sind Probleme keine mehr. Es gibt Lösungen, man sollte eben kreativ und innovativ sein. Sucht man in Luzern vergeblich. Man hängt lieber Vergangenem und ewig Gestrigem nach.

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  2. pädi, 11.08.2021, 23:46 Uhr

    150’000.- für einen Zaun? Aus Gold oder Silber? Bitte keine Feste mehr Luzern.

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