Politik

Luzern ist «weltbester Businessstandort»
«Dubiose Sache»: Kritik an fragwürdigem Wirtschaftspreis

Simone Brunner (SP) und Armin Hartmann (SVP) bewerten das Vorgehen der Wirtschaftsförderung sehr unterschiedlich.
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Simone Brunner (SP) und Armin Hartmann (SVP) bewerten das Vorgehen der Wirtschaftsförderung sehr unterschiedlich. (Bild: zvg)

Die Wirtschaftsförderung Luzern hat Geld für eine fragwürdige Auszeichnung bezahlt. Das sei oberpeinlich, finden linke Politiker. Das sei legitim, entgegnen Bürgerliche. Das Vorgehen der durch Steuergeld mitfinanzierten Organisation könnte ein politisches Nachspiel haben.

Das Wirtschaftsmagazin «World Biz Magazine» in London hat Luzern als weltbesten Businessstandort für das Jahr 2022 ausgezeichnet. Wie zentralplus-Recherchen zeigen, handelt es sich dabei jedoch um einen zweifelhaften Preis (zentralplus berichtete).

Die Wirtschaftsförderung Luzern hat gleichwohl 6000 Franken in die Hand genommen, um die Auszeichnung mit einem Kommunikationspaket zu bewerben. Zudem hat sie mit einer offiziellen Medienmitteilung dem Preis einen Stellenwert beigemessen, den er gar nicht hat.

Die Wirtschaftsförderung wird zum Teil vom Kanton Luzern sowie den Luzerner Gemeinden finanziert. Vor diesem Hintergrund wirkt das Vorgehen fragwürdig, zumal sie für die PR-Aktion Steuergelder verwendete.

Wirtschaftsförderung soll Luzern vermarkten

SVP-Kantonsrat und Fraktionschef Armin Hartmann sieht darin kein Problem. Es sei weitverbreitet, dass Medien «irgendwelche» Preise verleihen. «Sie benennen es als Preis, obwohl es tatsächlich einfach eine Auszeichnung in dieser Ausgabe des Mediums ist.»

«Es ist legitim, einen solchen Preis zu vermarkten, auch wenn es sich nur um einen Preis auf dem Papier handelt.»

Armin Hartmann, SVP-Kantonsrat und Fraktionschef

Da es Auftrag der Wirtschaftsförderung sei, den Standort Luzern zu vermarkten, erachtet er das Vorgehen im Zusammenhang mit der Auszeichnung als gerechtfertigt. «Es ist legitim, einen solchen Preis zu vermarkten, auch wenn es sich nur um einen Preis auf dem Papier, beziehungsweise um einen digitalen Preis handelt.»

«Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt»

Hartmann, Mitglied der Finanzkommission des Kantonsparlaments, findet es darum korrekt, wenn dafür in einem «verhältnismässigen Rahmen» Geld ausgegeben wird. Da die Meldung vom Gewinn der Auszeichnung weitherum verbreitet wurde, profitiere davon letztlich der Standort Luzern. Der Zweck der Aktion sei damit erfüllt. So bilanziert Hartmann in klassischer Wirtschaftsmanier: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt.»

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So argumentiert auch der Direktor der Wirtschaftsförderung. Ivan Buck rechtfertigt den Kauf des Kommunikationspakets mit der Plattform, die der Standort Luzern dadurch erhalten habe: «Wir haben dies entschieden, weil wir das ‹World Biz Magazine› aufgrund der Leserschaft als ideale Plattform für die Ansiedlung von internationalen Firmen im Kanton Luzern erachten.»

SP schlägt Konsequenzen vor

Anders beurteilt SP-Kantonsrätin Simone Brunner die Situation. Die Stadtluzernerin ist Mitglied der Wirtschaftskommission im Parlament und kritisiert das Vorgehen der Wirtschaftsförderung scharf. Aufgrund der Informationen, die ihr vorlägen, spricht sie von einer «dubiosen Angelegenheit». Dass weder transparente Informationen zur Bedeutung des Awards noch zu den Finalisten in der Endentscheidung vorliegen, mache die Sache nicht vertrauenswürdiger.

«Diese Aktion schadet letztlich mehr, als dass sie dem Kanton Luzern nützt.»

Simone Brunner, SP-Kantonsrätin

Sie kommt daher zum Schluss, dass sich eine solche Aktion für eine öffentliche Organisation nicht gehört: «Dass für die Bewerbung eines zweifelhaften Awards auch noch Geld ausgegeben wird, finde ich sehr stossend. Diese Aktion schadet letztlich mehr, als dass sie dem Kanton Luzern nützt», hält Brunner fest.

Es sei für die Wirtschaftsförderung peinlich, dass die Geschichte nun publik wird, so Brunner weiter. Gleicher Meinung ist der Luzerner SP-Präsident David Roth. Er kommentiert die Aktion der Wirtschaftsförderung auf Facebook gar als «oberpeinlich».

Für die Wirtschaftsförderung Luzern könnte es derweil noch dicker kommen. Simone Brunner erwägt politische Konsequenzen. «Wir sollten auch darüber nachdenken, ob der Verwendungszweck der Steuergelder, die an die Wirtschaftsförderung fliessen, stärker reglementiert werden muss.»

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17 Kommentare
  1. Borsa, 08.01.2022, 12:28 Uhr

    Danke Zentralplus für die gute Info und die Recherche zu dieser peinlichen Anbiederung des Kantons Luzern. Die Wirtschaft hat durch Steuergeschenke genug Geld erhalten, um Propaganda aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.

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  2. remo.genzoli, 08.01.2022, 11:38 Uhr

    @controller
    Doch, stimmiger Vergleich mit der Velostation…..dort kann ich dann wenigsten mein Velo einstellen. Der Award hingegen ist steuergeldfinanzierte Werbung für den bürgerlichen und bis jetzt erfolglosen, jahrelangen Steuerfetischismus, der nur einigen wenigen etwas bringt.

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  3. Plus Zentral, 08.01.2022, 11:35 Uhr

    Alles eine Frage des eigenen standpunkts. Wenn Wermuth und Molina zur Bundestagswahl nach Berlin reisen und das ganze medienwirksam darstellen, ist das «gutes Marketing». Hat sicherlich auch schön gekostet, ich mags den Jungs auch gönnen!

    Aber wehe denen, die für den Unternehmensstandort Luzern werben! Und 6’000 sind ja wirklich nicht erwähnenswert.

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    1. remo.genzoli, 08.01.2022, 12:09 Uhr

      Ja, und wieder ein stimmiger Vergleich….die SP ist eine Partei und der Wermuth und der Molina haben diese PR-Aktion selber finanziert, die Wirtschaftsförderung Luzern eben nicht, macht aber mit öffentlichen Geldern, ob 6k oder 600k ist Wurst, bürgerliche Parteipropaganda.

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      1. Analise, 09.01.2022, 13:17 Uhr

        Selber finanziert? Molina und Wermuth haben in ihrem Leben beruflich noch keinen Finger gerührt. Dies zu den Tatsachen.

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      2. G. Russ, 10.01.2022, 10:53 Uhr

        @Analise:
        Leider nicht ganz richtig. Cédric Wermuth war bereits 2010 in Baden im Immobilienbusiness tätig – nämlich beim Besetzen von Häusern;-) Dafür wurde er übrigens auch verurteilt.

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    2. Michel von der Schwand, 09.01.2022, 19:03 Uhr

      @Analisa Herziger Neidkommentar gepaart mit grosser Frustration. Wehrmuth und Molina haben mit dieser peinlichen Posse nichts zu tun. Hier hat lediglich der bürgerliche Steuer-Fetischisten-Filz aufgezeigt, dass nicht mal eine einfache Marketing-Aufgabe gelöst werden kann. Das ist unglaublicher Dilettantismus. Auch wenn dieser Betrag nicht hoch erscheinen mag, sind für viele Familien CHF 6‘000.- sehr viel Geld. Ein Blick auf die Webseite des Anbieters ist übrigens selbsterklärend.

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  4. Labelkönig, 08.01.2022, 10:11 Uhr

    Nicht weniger «dubios» als andere Labels wie z.B. Max Havelaar, Fair Trade, Bio Suisse, MSC, ASC, und, und, und…

    Gehört heute halt dazu – so what?

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    1. Michel von der Schwand, 09.01.2022, 19:04 Uhr

      Der Vergleich hinkt und zeigt, dass Sie keine Ahnung haben.

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  5. M. Unternährer, 08.01.2022, 09:28 Uhr

    Da wird von Links gerade versucht, eine Story aufzubauschen, die gar keine ist. Würden die SP-Exponenten/innen Realpolitik betreiben, hätte man solche effekthascherischen Aktionen gar nicht nötig. Und natürlich hilft zentral+ tatkräftig mit.

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    1. remo.genzoli, 08.01.2022, 10:31 Uhr

      Ihr Kommentar und dieser mit Steuergeldern finanzierte und gekaufte Pseudowirtschaftsaward macht die desolate und jahrelange bürgerliche Steuerpolitik nicht besser.
      Herzlichen Dank an Zentralplus, die einzige Lokalzeitung, welche diese peinliche Posse erhellt hat.

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      1. Controller, 08.01.2022, 10:46 Uhr

        Natürlich ist diese Auszeichnung nicht ernst zu nehmen, und es ist auch gut, dass zentralplus die Hintergründe ausleuchtet. Aber solche Awards gehören nun mal zum Marketing, und das ist nun mal nicht gratis zu haben. Aber daraus politisch Kapital zu schlagen, ist angesichts der mickrigen Kosten ebenso lächerlich. Bei den Lieblingsprojekten und -menschen der Linken geht es jeweils um ganz andere Summen, etwa bei Velostationen.

        Im Übrigen hat jeder Kanton eine Wirtschaftsförderung.

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    2. Celine Brunner, 08.01.2022, 11:56 Uhr

      Kann man so sehen. Ich nenneso etwas unlauter und erwarte anderes von einer kantonalen Stelle. Aber es hat halt jeder seinen eigenen moralischen Kompass.

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  6. A. Kunz, 08.01.2022, 07:40 Uhr

    Zu blöd für den Wirtschaftsförderer. Nicht nur, dass es peinlich ist. Jetzt ist wohl auch der Bonus weg, den er sich damit sichern wollte. Nur gut, ist zentral+ nicht wie die LZ auf diese Posse reingefallen.

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    1. L. Glanzmann, 08.01.2022, 09:58 Uhr

      Sehen Sie sich doch den ersten verfassten Artikel zu diesem Thema an.

      https://www.zentralplus.ch/luzern-gilt-als-weltbester-business-ort-2261207/

      Die Haltung gewissen SP Leuten macht ratlos. Welches Geld wollen Sie umverteilen, wenn keines verdient wird? Die Steuerstrategie des Kantons Luzern ist im marktorientierten interkantonalen Steuerwettbewerb ein Erfolg, der Mehrwert und Wertschöpfung für unseren Kanton bringt. Und das kommt schliesslich allen zu Gute.

      Ob die Marketingmassnahme kosteneffizient war, werden die Zuständigen sicher messen und daraus Learnings ziehen.

      Verglichen mit der «hocheffizienten», steuerfinanzierten eidgenössischen Impfwoche sind die 6 TCHF doch wohl kaum erwähnenswert.

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      1. Marc, 09.01.2022, 00:44 Uhr

        Die Steuerstrategie des Kantons Luzern ist im marktorientierten interkantonalen Steuerwettbewerb ein Erfolg, der Mehrwert und Wertschöpfung für unseren Kanton bringt.

        Ein Erfolg finanziert durch die Geberkantone. Eine Unsäglichkeit.

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  7. Sandra Klein, 08.01.2022, 07:31 Uhr

    So wie es aussieht, hat sich die Wirtschaftsförderung einfach einen erfundenen Award gekauft. Dass ist eines. Dass sie dazu eine eigene Medienmitteilung verfasst und damit die eigene Bevölkerung an der Nase herum führt, ist das andere. Geld ausgeben um die Finanzierer zu veräppeln, geht gar nicht. Dass Hartmann gerne hinters Licht geführt wird, passt nicht zu ihm.

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