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Drücken, sperren, drücken, sperren … mit Standesdünkel auf den Berg
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René Schnoz als Bergführer Christian Klucker und Gian Rupf als Baron Anton von Rydzewski. (Bild: Bernhard Fuchs)

Ein Russ im Bergell im Burgbachkeller Zug Drücken, sperren, drücken, sperren … mit Standesdünkel auf den Berg

3 min Lesezeit 05.05.2017, 12:20 Uhr

Ohne detaillierte Karten und aktuelle Wetterinformationen auf eine Bergtour zu gehen, ist für uns heute unvorstellbar. Im Stück «Ein Russ im Bergell» zeigte sich im Burgbachkeller, wie es einst war, als man nicht nur mit primitivster Ausrüstung zu kämpfen hatten, sondern auch mit extremen Standesunterschieden.

Schon im Foyer des Burgbachkellers werden wir auf das kommende Theaterstück eingestimmt. Die an die Wand projizierten, originalen Bergfotografien vom russischen Baron Anton von Rydzewski eröffnen die Welt der alpinistischen Pionierarbeit des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit dem Fextaler Bergführer Christian Klucker unternahm der Baron zwischen den Jahren 1890 und 1900 zahlreiche Erstbesteigungen in den Bergeller Alpen.

Diese Erstbegehungen haben die beiden in umfangreichen Aufzeichnungen festgehalten. Die Autoren Emil Zopfi und Stefan Keller fanden in diesen Originaltexten die Grundlage für das Stück «Ein Russ im Bergell». Seit 2010 inszeniert das Schauspielerduo René Schnoz und Gian Rupf das Bergsteigerstück sowohl unten im Tal als auch oben in den Bergen und wurde bereits mit dem SAC-Kulturpreis ausgezeichnet.

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Wie real am Berg

«Drücken, sperren, drücken, sperren …», laut schreit der Bergführer Christian Klucker (gespielt von René Schnoz) von weit hinten durch den dunklen Saal und gibt seinem Gast, dem Baron Anton von Rydzewski (gespielt von Gian Rupf), vorne neben der Bühne sitzend, Anweisungen, wie er durch den steilen Kamin hinaufzuklettern hat. Bereits in dieser ersten Szene trumpfen die beiden mit viel szenischem Feingefühl auf und verstehen es gekonnt, den ganzen Raum für sich zu nutzen.

Wie es auch real am Berg sein kann, sehen sich Bergführer und Gast nicht mehr. Aber nicht nur die physische Distanz trennt das ungleiche Bergsteigerpaar, sondern auch die krassen Standesunterschiede. Der distinguierte, gut betuchte und unsportliche Baron trifft dabei auf den einfach gestrickten, mittellosen und tüchtigen Klucker.

Das eloquente Geschwätz des Barons geht dem wortkargen Bergführer bald restlos auf die Nerven. Und auch die Ungeschicklichkeit und Schwerfälligkeit des Russen ist dem wendigen Fextaler ein grosser Verdruss. Doch wie das Seil die beiden unterschiedlichen Körper am Berg miteinander verbindet, ist es die Entdeckerlust, die es schafft, gesellschaftsübergreifende Verbindungen herzustellen.

Was ist wahr?

Mit dem Aufkommen der Fotografie wurde das Gipfelbild zu einem wichtigen Beweis für die Erstbesteigung. Für den Baron, der vor allem auch an Ruhm und Ehre interessiert war, das zentrale Thema der Besteigung. Es gilt «wahrhaft, ohne Übertreibung, nicht Märchen oder Romane» zu schreiben. Doch gerade die Originalaufzeichnungen und Tagebücher von Rydzewski und Klucker zeigen beispielhaft auf, wie ein und dieselbe Tour von zwei Personen ganz unterschiedlich beschrieben wurde.

Was ist dann noch Wahrheit? Auch heute werden Erstbegehungen gerne hinterfragt.

Nicht erst seit Ueli Stecks umstrittener Annapurna-Südwand-Begehung ist das Thema aktueller denn je.

Stimmungsvolle musikalische Begleitung

Die Story – die beiden besteigen zusammen den Ago di Sciora – ist zwar wenig originell und teilweise etwas langatmig. Die zahlreichen historischen Bezüge, so zum Beispiel der legendäre Versuch Kluckers, im Alleingang den Piz Badile über die spektakuläre Nordkante zu besteigen, lassen aber die Bergsteigerherzen im Publikum höherschlagen. Zudem interagieren die beiden gekonnt mit dem Publikum, indem sie es in ihr Stück miteinbeziehen.

Die ausdrucksstarke Inszenierung der divergierenden Charaktere sorgt dabei für den einen oder anderen Lacher. Besonders Gian Rupf vermag bald mit seinem vornehmen Getue, bald mit ins Gesicht geschriebener panischer Angst besonders zu überzeugen. Das Pünktchen auf dem i ist jedoch der Akkordeonist Hans Hassler, der mit seinen schaurigen, dissonanten und tiefklingenden Tönen die gewaltige, ehrfurchtgebietende Bergeller Bergwelt ins Burgbachtheater holt.

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