Droht jetzt ein Imker-Sterben?
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Akut gefährdet: Die Sauerbrut bedroht die Zentralschweizer Honigbienen. (Bild: Fotolia/Pakhnyushchyy)

Immer mehr Aufwand bei weniger Ertrag Droht jetzt ein Imker-Sterben?

4 min Lesezeit 07.08.2015, 12:46 Uhr

Alarmstufe Rot für die Imker in Luzern und Zug: Im Kampf gegen die Bienenseuche wird zu radikalen Massnahmen gegriffen. Doch damit nicht genug – die Imker plagen auch noch Zukunftssorgen.

Auf eindrückliche Art und Weise hat 2014 der Dokumentarfilm «More Than Honey» gezeigt, wie wichtig die Honigbiene für die Natur ist. Das Bienensterben, die Gefährdung der Bienen durch menschgemachte Ursachen, war in aller Munde. zentral+ hat bei Imkern in Zug und Luzern nachgefragt, wie es hierzulande um die Bienen steht.

Bei den Bienenvölkern im Kanton Zug scheint die Lage etwas entschärft. «Von den rund 2’500 Bienenvölkern sind die meisten gesund», erklärt der kantonale Bieneninspektor Hermann Villiger. Damit das so bleibt, muss allerdings immer mehr getan werden. Und das wird manchem Imker zu viel.

Gefährliche Bienenseuche 

Obwohl die Imker einen immensen Aufwand betreiben, seien die Völker in ihrem Bestand stets gefährdet. «Trotz aller Vorsichtsmassnahmen verlieren wir immer wieder Völker», so Villiger. Derzeit wütet im Kanton Zug wieder eine gefährliche Bienenkrankheit – die Sauerbrut. «Es handelt sich um eine bakterielle Erkrankung, die die Brut befällt und bis zum Absterben des Volkes führen kann», erklärt Villiger. Kranke Völker seien geschwächt, würden weniger Nektar sammeln, wodurch es auch den Bienen selbst an Nahrung fehle.

«Es handelt sich um eine bakterielle Erkrankung, die die Brut befällt und bis zum Absterben des Volkes führen kann.»

Hermann Villiger, Zuger Imker und Bieneninspektor

Das Problem ist laut Villiger akut. «Es handelt sich um eine meldepflichtige Krankheit nach der Tierseuchenverordnung.» Deshalb müsse er bei Anzeichen eines Befalls unverzüglich informiert werden. «Nur so können wir die Ausbreitung der Seuche vermeiden und wirksame Massnahmen treffen.»

Sperrgebiete und Bienenvergasung

Was dann geschieht, erklärt Christof Bünter, Bieneninspektor im Amt Luzern. Der Befall durch die Sauerbrut ist auch dort – etwa 2500 Bienenvölker gibt es rund um die Stadt – ein Problem. «Nach der Meldung aufgrund festgestellter Symptome wird das verdächtige Bienenvolk sofort kontrolliert», so Bünter. Bestätige sich der Verdacht, müsse das gesamte Volk «umgehend abgeschwefelt» werden.

«Wir machen das nicht zum Vergnügen.»

Christof Bünter, Luzerner Imker und Bieneninspektor 

Mehr als Honig

Umwelt- und Haltungsbedingungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Bienengesundheit. An erster Stelle stehen daher die Vorbeugung in Form von optimalen Haltungsbedingungen und eine sorgfältige Völkerführung durch die Imker.

Denn nur ein gesundes Bienenvolk kann die zentrale natürliche Aufgabe der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen erfüllen. Krankheiten und Parasitenbefall, sowie Futtermangel bewirken eine erhebliche Schwächung des Bienenvolkes. Dadurch leidet wegen deutlichen Leistungseinbussen in der Bestäubung vor allem die Umwelt. Auch die Erzeugung von Honig und anderen Bienenprodukten wird schwieriger.

Bei der Begasung mit hochkonzentriertem Schwefeldioxid werden alle Bienen auf der Stelle getötet. «Das ist eine einschneidende Massnahme», sagt Bünter nachdenklich. «Wir machen das nicht zum Vergnügen», betont er. «Aber es ist nötig.» Es handle sich leider um das einzig wirksame Vorgehen im Kampf gegen die Sauerbrut. Seitens Betroffener komme es da schon mal zu Tränen. «Ein Imker liebt seine Völker.»

Die hohe Bienendichte rund um Luzern sei zwar erfreulich, werde aber genau in Fällen hochansteckenden Krankheiten wie dieser zur Hypothek, so Bünter weiter. «Das Ansteckungs- und Verschleppungsrisiko steigt.» Deshalb seien in fünf Gemeinden rund um die Stadt Luzern punktuell Zonen zu Sperrgebieten erklärt worden. «Im Umkreis von einem Kilometer um die befallenen Bienenstöcke ist es nicht erlaubt, Bienenvölker, -waben und Imkerwerkzeug ein- oder auszuführen», erklärt Bünter die sogenannte Bienensperre.

«Das Ansteckungs- und Verschleppungsrisiko steigt.»

Christof Bünter, Luzerner Imker und Bieneninspektor

Die Lage ist angespannt. Die Sauerbrut scheint in der Schweiz ausser Kontrolle zu geraten, nachdem sie 30 Jahre relativ gut in Schach gehalten werden konnte, teilen die Zuger Imker auf ihrer Homepage mit. Seit rund 15 Jahren sei eine starke Zunahme zu verzeichnen. «Dabei haben sich unsere Bienen erst gerade von der letzten grossen Seuche erholt – einigermassen», klagt Villiger.

2013 hat in der Schweiz die Varroa-Milbe, der häufigste Parasit der Honigbiene, ausserordentlich heftig gewütet. Dieser befällt wie die Sauerbrut die Jungbienen in ihren Waben – schwächt aber das ganze Volk: Befall durch Bakterien, Viren oder Pilze tritt dann sowohl bei der Bienenbrut als auch bei den erwachsenen Bienen auf. Das könne böse Folgen haben, warnt Villiger. «Schwache Völker sowie altes Wabenmaterial sind ohne entsprechende Vorkehrungen schnell einmal Beute von Wachmotten und können von anderen Bienen ausgeraubt werden.» Dadurch würden die Krankheiten verschleppt.

Imker plagen Nachwuchsprobleme

Verschärft würde die ohnehin prekäre Situation zusätzlich durch mangelnden Imker-Nachwuchs, sagt Herman Villiger. «Es wird immer schwieriger, jüngere Leute für die Imkerei zu begeistern.» Das sei schade. Dabei wäre genau dies wichtig, um die Bienenvölker angemessen zu betreuen. Man müsse aber auch sehen, dass es sich um ein sehr zeitintensives Hobby handle. «Das schreckt wohl viele ab.» Offenbar bleibe heute neben Beruf und Familie immer weniger Zeit.

«Imkerei ist Idealismus pur.»

Christof Bünter, Luzerner Imker und Bieneninspektor

Das sieht man in Luzern anders. Laut Christof Bünter könne man Imkerei-Grundkurse teilweise doppelt durchführen. «Der Imkerverein Luzern wird mit Anfragen überhäuft.» Allerdings, so gibt auch Bünter zu bedenken, sei schwierig zu sagen, wie viele Kursteilnehmer sich dann auch tatsächlich der Imkerei widmen würden. «Imkerei ist Idealismus pur.» Geld lasse sich mit den Honigbienen schon lange keines mehr verdienen», bestätigt Herman Villiger. Der Aufwand sei oft grösser als der Ertrag. Und mit den grossen Herstellern im Ausland könne man sowieso nicht mithalten. «Dabei übersteigt die Nachfrage nach Schweizer Honig das Angebot sogar», hält Bünter fest. «Wir könnten viel mehr verkaufen.»

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