Droht dem FCL mit Fabio Celestini das Gleiche wie mit Gerardo Seoane?
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Fabio Celestini hat die Luzerner zurück in die Spur gebracht: Wird er seine Arbeit nächste Saison fortsetzen? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Celestinis Vertrag wird frühestens Ende Saison verlängert Droht dem FCL mit Fabio Celestini das Gleiche wie mit Gerardo Seoane?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 02.07.2020, 05:00 Uhr

Fabio Celestini (44) hat den FC Luzern schnell von den Abstiegssorgen befreit und sowohl Einzelspieler als auch Mannschaft besser gemacht. Der Romand ist wohl der interessanteste Schweizer Trainer der Liga – und das wird den grossen Vereinen bestimmt nicht verborgen geblieben sein.

In acht Spielen unter Fabio Celestini hat der FCL nur einen Punkt weniger geholt (17) als in der gesamten Vorrunde mit dessen Vorgänger Thomas Häberli (18). Dabei stehen noch zehn Meisterschaftsspiele aus bis zum Saisonende. Heute Donnerstag (20.30 Uhr, Stade de Tourbillon) erwartet der abstiegsbedrohte FC Sion den ehemaligen Abstiegskandidaten Luzern.

Es ist nicht nur der Sprung aus den Niederungen der Tabelle, der Celestinis Arbeit auszeichnet. Der Anfang Jahr verpflichtete FCL-Trainer vermag die Spieler mit seinem Charisma und seinen Vorstellungen von modernem Fussball mitzureissen und zu begeistern. Dazu FCL-Sportchef Remo Meyer: «Mit seinem positiven Denken, seiner Freude an der Arbeit und seinem Engagement hat Fabio Celestini frischen Wind reingebracht.»

Meyer: «Trainer mit grosser Zukunft»

Selbstverständlich, dass man im FCL mit der Arbeit des Trainers mehr als zufrieden ist. «Fabio Celestini ist ein Trainer mit grossen Qualitäten, er hat eine grosse Zukunft vor sich», so Meyer.

Dennoch wird Celestinis Vertrag, der noch eine weitere Saison gilt, frühestens nach Saisonende verlängert. «Wir werden die Saison fertigspielen, dann zusammensitzen und gemeinsam analysieren», sagt Meyer. Sein Credo ist, dass er die Zusammenarbeit mit den entscheidenden Figuren im FCL spätestens ein Jahr vor Vertragsablauf verlängert.

Klar ist: Der eng getaktete Spielplan mit englischen Wochen bis zum Meisterschaftsende am 2. August lässt praktisch keinen Spielraum für Vertragsverhandlungen. Da kann sich der Trainer nicht über mangelnde Arbeitsauslastung beklagen.

Sein Profil passt zu den Liga-Titanen

Allerdings hat der FCL schon einmal eine unerfreuliche Erfahrung mit einem aufstrebenden Trainer machen müssen. In der Rückrunde 2017/18 hatte der aus dem eigenen Nachwuchs beförderte Gerardo Seoane auf sein enormes Potenzial als Trainer aufmerksam gemacht: Er hatte den FCL aus dem Tabellenkeller bis auf Rang 3 geführt, den nächsten Karriereschritt aber bei den Young Boys gemacht – trotz weiterlaufendem Vertrag mit dem FCL.

«Alles, was konkret ist, ist mein gültiger Vertrag mit dem FCL. Und nur das zählt für mich.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Droht dem FCL nun mit Fabio Celestini ein Déja-vu? Trainer-Bedarf bei den Grossen der Liga scheint durchaus vorhanden zu sein. Der FC Basel wird sich nach dieser Saison aller Voraussicht nach auf Trainersuche machen. Und vielleicht auch die Young Boys, falls Seoane den Sprung ins Ausland wagen wird.

Das Profil des aktuellen FCL-Trainers passt bei beiden Vereinen wie die Faust aufs Auge. Fabio Celestini lässt modernen, attraktiven Fussball spielen. Und er kann junge Talente weiterentwickeln und auf ein höheres Niveau führen, weil er den Mut hat, sie im «Ernstkampf» laufen zu lassen, selbst wenn keine Personalnot herrscht (zentralplus berichtete).

Gemeinsame Eigenschaften

Mit Seoane verbindet Celestini ein paar Eigenschaften: Beide sind Latinos, sie haben feine Sensoren für den Umgang mit Multikulti-Truppen. Sie haben Ausstrahlung, was eine zwingende Voraussetzung ist, um als Trainer Erfolg zu haben. Seoane macht dabei den kontrollierteren Eindruck als Celestini, der mit seiner Art offener, zugänglicher ist. Vor allem sind sie beide lernbegierig; nicht einfach nur als Trainer, sondern auch als Psychologen, als Kommunikatoren.

Und sie mussten in ihrer Karriere als Fussballer um Anerkennung kämpfen. Ihnen wurde nicht der rote Teppich ausgelegt. Das mag ein Antrieb dafür sein, erst recht alles aus ihrer Trainerkarriere herauszuholen.

Celestini will übers Sparen reden

Die kurzfristige Perspektive beim FCL mag für einen ambitionierten Trainer wie Celestini nicht sehr reizvoll sein. Denn das Budget für die erste Mannschaft muss als Folge der Corona-Krise reduziert werden (zentralplus berichtete).

Celestini sagt: «Was das für die Mannschaft und mich konkret bedeutet, werde ich nach dem Saisonende mit Remo Meyer und Präsident Philipp Studhalter besprechen.»

«Fabio Celestini glaubt an das Potenzial des Vereins und unser Projekt.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

Bis zum Saisonende drehe sich in seinem Kopf alles um die Spiele, die Schlag auf Schlag folgen. «Darum kann ich versichern, dass ich weder mit den FCL-Verantwortlichen über eine vorzeitige Verlängerung des Vertrags geredet habe noch mit einem anderen Verein über eine mögliche Zusammenarbeit. Deshalb ist alles, was konkret ist, mein Vertrag mit dem FCL, der noch ein Jahr gültig ist. Und nur das zählt für mich.»

Meyer spürt gegenseitige Wertschätzung

Remo Meyer macht nicht den Eindruck, dass er auf Nadeln sitzt, wenn es um die Personalie Celestini geht. Er weist zwar darauf hin, dass das Fussball-Geschäft schwierig zu antizipieren sei, aber «ich gehe nicht davon aus, dass unsere Zusammenarbeit nach acht Monaten zu Ende gehen wird. Fabio Celestini glaubt an das Potenzial des Vereins und unser Projekt.»

Meyer spürt gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung. Vieles zeige ihm, dass es Fabio Celestini Freude und Spass mache, in Luzern zu sein. «Schliesslich», folgert Meyer, «lebt seine Persönlichkeit und Arbeit von Authentizität und Herzblut.»

Oder anders ausgedrückt: Verlässt Celestini den FCL im Sommer, tut er seiner Glaubwürdigkeit und seinem Ansehen keinen Gefallen. Zumindest nicht in unserer Liga.

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1 Kommentare
  1. Karl Ottiger, 07.07.2020, 08:50 Uhr

    Es kann nicht sein das einer überall entlassen wird und in Luzern ist er auf einmal ein Trainertalent. Ich kenne Geni Colatrella und weiss wie er arbeitet Ich war mit ihm in Goldau zusammen. Colatrella ist der jenige wo Spieler weiter entwickelt und von seiner Art her eine gute Gruppendynamik entwickelt wenn Celestini das könnte wäre er im noch bei Lausanne oder Lugano

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