Drei Luzerner Clubgänger haben sich im «Rok» angesteckt
  • Gesellschaft
Nicht nur bei Geimpften garantiert das Covid-Zertifikat keine absolute Sicherheit, sondern insbesondere auch bei negativ Getesteten. (Bild: jru)

Wie verlässlich ist das Covid-Zertifikat wirklich? Drei Luzerner Clubgänger haben sich im «Rok» angesteckt

4 min Lesezeit 3 Kommentare 21.07.2021, 11:57 Uhr

Der Coronafall in einem Luzerner Club erweist sich nicht als Superspreader-Event. Trotzdem wirft er Fragen auf im Umgang mit dem Covid-Zertifikat. Der Kanton sieht vor allem in einem Punkt Handlungsbedarf.

Aufatmen beim «Rok» und beim Kanton Luzern: Bei der Frau, die am vorletzten Samstag im Luzerner Club unterwegs war und später positiv auf Covid getestet wurde, handelt es sich offensichtlich nicht um eine Superspreaderin.

Zehn Tage danach sind dem Kanton insgesamt drei positiv getestete Personen bekannt, die am besagten Abend im Rok waren. Das sagt David Dürr, Leiter Dienststelle Gesundheit und Sport, auf Anfrage von zentralplus. Er fügt an: «Auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, so lässt es sich nicht beweisen, dass die Ansteckungen mit hundertprozentiger Sicherheit im Club stattgefunden haben.» 

Ob die Partygängerin die leichter übertragbare Deltavariante aufwies, die inzwischen rund drei Viertel des Infektionsgeschehens in der Schweiz dominiert, ist nach wie vor ungeklärt. Es wurde zwar eine Sequenzierung in Auftrag gegeben, mit dem Ergebnis werde aber erst Ende der Woche gerechnet.

Zertifikate bleiben sofort gültig

Der Vorfall wirft Fragen im Umgang mit dem Covid-Zertifikat auf, gerade im Hinblick auf die beginnende Festival- und Fussballsaison. Denn die besagte Frau konnte das «Rok» nur besuchen, weil sie ein Covid-Zertifikat besass. Sie war bereits doppelt geimpft – allerdings lag die zweite Impfung noch keine zwei Wochen zurück (zentralplus berichtete).

Genau hier liegt aber eine Sicherheitslücke. Laut dem Bundesamt für Gesundheit tritt der Impfschutz ungefähr eine bis zwei Wochen nach Verabreichung der zweiten Impfdosis ein – das Zertifikat ist hingegen bereits am ersten Tag der zweiten Impfung gültig.

«Aktuelle Daten zeigen, dass die Übertragung des Coronavirus auf andere Personen nach vollständiger Impfung gering ist.» 

BAG-Sprecher

Trotzdem sieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keinen Handlungsbedarf. Der Schutz könne bereits nach der ersten Impfdosis als gut bezeichnet werden. «In Anbetracht dessen und um den Zugang zum Covid-Zertifikat zu erleichtern, hat der Bundesrat pragmatisch entschieden, den Geimpften-Status ab dem Tag der Verabreichung der zweiten Impfdosis festzulegen», sagt ein Sprecher. Es sei aktuell nicht vorgesehen, diese Regelung in der Schweiz anzupassen.

Dass sich jemand trotz Impfung mit Corona infiziert, ist kein Einzelfall. Wie das BAG bestätigt, sind mehrere Fälle von infizierten, geimpften Personen aus dem Kanton Luzern bekannt. Unklar ist, wie ansteckend diese Personen sind. «Aktuelle Daten zeigen, dass die Übertragung des Coronavirus auf andere Personen nach vollständiger Impfung gering ist», heisst es beim BAG. «Die Impfung bietet jedoch keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung.» Deshalb sei es weiterhin wichtig, sich an die Hygiene- und Verhaltensregeln zu halten.

Covid-Zertifikat bietet keine 100-prozentige Sicherheit

Doch nicht nur bei Geimpften garantiert das Covid-Zertifikat keine absolute Sicherheit, sondern insbesondere auch bei negativ Getesteten. Für Schlagzeilen sorgte kürzlich ein Musikfestival im holländischen Utrecht, wo sich gemäss Medienberichten Anfang Juli Hunderte Menschen – trotz Zertifikat – mit dem Coronavirus ansteckten.

Wie am Dienstag bekannt wurde, haben sich auch in Basel Partygänger im Ausgang angesteckt. Bisher seien elf Fälle verzeichnet worden, bei denen von einer Ansteckung in Clubs ausgegangen wird, so das Basler Gesundheitsdepartement in einer Mitteilung. Auch im Zürcher «Hive» verkehrte am vergangenen Wochenende ein Partygänger, der später positiv getestet wurde, wie der Club auf Facebook informiert.

Klar ist also: Auch bei jenen, die dank eines negativen Tests ein Covid-Zertifikat erhalten, können positive Fälle nicht ausgeschlossen werden. Dies, wenn sie sich zwischen Test und Lokalbesuch infizieren. Oder wenn sie fälschlicherweise negativ getestet werden. Akzeptiert sind auch Schnelltests, obwohl diese bekanntlich nicht so genau sind wie ein PCR-Test.

2-G-Regel wäre eine Option – noch ist es zu früh

Das Risiko sei bekannt, sagte Samia Hurst, Vizepräsidentin der wissenschaftlichen Task-Force des Bundes, am Dienstagnachmittag vor den Medien. Eine Lösung wäre es, die 3-G-Regel durch die 2-G-Regel zu ersetzen: Demnach erhielten nur noch Genesene und Geimpfte das Covid-Zertifikat – ein negativer Test würde nicht mehr ausreichen. Die Idee wurde in jüngster Vergangenheit von Politikern geäussert und steht auch im Kontext der abgeflachten Impfeuphorie: Wird das Testen unattraktiver, dürften sich mehr Junge impfen lassen, hoffen manche.

«Die fehlende Gästeliste erschwert das Contact Tracing in solchen Fällen erheblich.»

David Dürr, Kanton Luzern

Das scheint derzeit aber keine ernsthafte Option zu sein. So lange der Zugang zur Impfung limitiert sei, bleiben negative Tests ein wichtiges Element, sagte Hurst. Wie das aussehe, wenn alle geimpft sind, die das wollen, liess sie offen. Denn das sei eine politische Frage.

Auch der Kanton Luzern will sich erst zu möglichen Massnahmen äussern, wenn diese vom Bundesrat tatsächlich vorgeschlagen werden. Vorerst gibt nach dem «Rok»-Fall vor allem die fehlende Gästeliste zu reden. Denn wo das Covid-Zertifikat vorgeschrieben ist, entfallen alle weiteren Einschränkungen – so auch das Erfassen der Kontakte. «Dies erschwert das Contact Tracing in solchen Fällen erheblich», sagt David Dürr vom Gesundheits- und Sozialdepartement. Man habe den Bund auf diese Problematik aufmerksam gemacht.

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3 Kommentare
  1. Marc, 21.07.2021, 18:28 Uhr

    Ganz einfach, Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene. Wer sich ggü. Ader Gesellschaft asozial verhält und sich nicht impfen lässt soll die Konsequenzen tragen und draussen bleiben.

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    1. outremont, 23.07.2021, 20:08 Uhr

      Mit Ihrer Vorschlag schliessen Sie alle aus die sich aus medizinischen gründen nicht impfen können oder noch auf der Wartelisten sind. Ob das Erstrebenswert ist…?

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  2. Hegard, 21.07.2021, 14:27 Uhr

    Bravo.
    Jeder Geimpfte meint, jetzt habe ich einen Freipass und muss nicht mehr Rücksicht nehmen. Hygenie wird nicht mehr wahrgenommen und gibt dann das Virus mit dem Kontakt anderen Leute oder Türfallen weiter. Auch das desinfizieren der Hände wird vernachlässigt.
    Ha, ich bin frei, ich bin ja geimpft.

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