Drei Baustellen beschäftigen FCL-Trainer Fabio Celestini
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Bis jetzt blieben seine Anweisungen von den Spielern unerhört: FCL-Trainer Fabio Celestini. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Cupsieger wieder mit Fehlstart in die Saison Drei Baustellen beschäftigen FCL-Trainer Fabio Celestini

5 min Lesezeit 2 Kommentare 08.08.2021, 22:06 Uhr

Wer im Durchschnitt drei Gegentore pro Pflichtspiel zulässt wie der FC Luzern, braucht sich nicht zu wundern, dass es mit dem Siegen in dieser jungen Saison (noch) nicht klappen will. Beim 1:3 gegen den FC Zürich wurden drei Baustellen sichtbar: Die Rede ist von den Leistungen Holger Badstubers, Varol Tasars – und der namhaften FCL-Verletztenliste.

Ein Raunen ging durch die Schweizer Medien, als der FCL vor Beginn dieser Saison nach Christian Gentner mit Holger Badstuber noch einen zweiten Bundesliga-Titanen auf die Allmend lotste. Badstuber, vor acht Jahren Champions-League-Sieger mit den Bayern, sollte neuer Luzerner Abwehrchef werden, um die Flut an Gegentoren in der Saison 2020/2021 einzudämmen.

Stattdessen sieht es mittlerweile eher danach aus, als dieser Transfer eine Hypothek für FCL-Trainer Fabio Celestini werden könnte. Dem 32-jährigen Badstuber eilt zwar der Ruf voraus, ein ganz Grosser seiner Zunft zu sein. Doch mit dem, was der vermeintliche Defensivstratege aktuell im FCL-Dress auf den Platz bringt, beschädigt er die Ikone, die er vor Jahren selber geschaffen hat.

Er verliert die Mehrheit seiner Kopfball-Duelle

Badstuber ist im besten Fall noch eine Karikatur seiner besten Tage, sodass er fast schon Mitleid erregt. Selbst für die nicht ganz so hohen Ansprüche in der Super League wirkt der Mann mit der ellenlangen Verletzungshistorie und der kurzen Vorbereitungszeit mit dem FC Luzern in seinen Bewegungen hölzern.

«Es war einfach nicht genug, was wir mit oder ohne den Ball machten.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Badstuber ist (zu) langsam geworden. Zweikämpfe kann er nur noch mit seinem Stellungsspiel und seiner Schlauheit gewinnen. Hingegen verliert er die Mehrheit seiner Kopfball-Duelle. Und das ist für einen Innenverteidiger fatal.

Zum Saisonstart hat er schon jenes beim entscheidenden 3:4 gegen YB tief in der Nachspielzeit verloren. Und gegen den FCZ jenes vor dem zwischenzeitlichen 1:1 in der 35. Minute. Es war der Anfang vom Luzerner Untergang.

Badstubers Abgang im Unfrieden

Allerdings schien Badstuber die Qualität seiner Leistung höher einzuschätzen als jene gut 8’800 Zuschauer, die ihm in der Swissporarena zuschauten – und erst recht als sein Chef Fabio Celestini. Als der Deutsche in der 55. Minute per hochgehaltener Anzeigetafel durch den vierten Offiziellen angezeigt bekam, dass er ausgewechselt werde, konnte er die Welt nicht mehr begreifen.

An der Seitenlinie vor der Luzerner Trainerbank angekommen, warf Badstuber Celestini keinen gutgesinnten Blick zu und verzichtete auf einen Handschlag, der in dieser Situation eigentlich gang und gäbe ist. Stattdessen verschwand er subito von der Bildfläche.

«Ich habe die richtige Balance im Team noch nicht gefunden, die passenden Duos in der Abwehr, im Mittelfeld und im Sturm.»

Es wird wohl kein Leichtes, den mit einem bis zum Saisonende gültigen Vertrag ausgestatteten Badstuber die Diskrepanz zwischen den Leistungen und den Ansprüchen, die der FCL mit seiner Verpflichtung hatte, zu erklären. Der Bundesliga-Titan ist nicht geholt worden, um eine Alternative im Abwehrzentrum zu sein. Er muss deren unbestrittener Chef werden – aber davon ist Badstuber derzeit weiter weg als Luzern von seinem letzten Arbeitgeber Stuttgart.

Zumindest agierte der für Badstuber eingewechselte David Domgjoni solide – und das reichte für den aus der zweiten türkischen Liga transferierten Kosovo-Albaner bereits, um einen besseren Eindruck als der Starspieler der Luzerner zu hinterlassen.

Celestini übernimmt Verantwortung

FCL-Trainer Fabio Celestini mochte hinterher auf eine Frage von zentralplus kein Öl in ein züngelndes Feuer giessen. Er wolle sich nicht Einzelkritik üben, die Luzerner gewännen oder verlören zusammen, betonte er und kam zum Schluss: «Es war einfach nicht genug, was wir mit oder ohne den Ball machten.» Damit hatte Celestini zweifellos Recht.

Sonst hätte man dem 45-jährigen Romand vorwerfen können, er versuche als Teamleiter von seiner eigenen Verantwortung abzulenken. Schliesslich steht der FCL nach drei Meisterschaftsspielen erst mit einem Punkt da und ist mit einem 0:3 im Hinspiel der Conference League gegen Feyenoord Rotterdam schier ausgeschieden.

Stattdessen hielt Celestini fest: «Ich habe die richtige Balance im Team noch nicht gefunden, die passenden Duos in der Abwehr, im Mittelfeld und im Sturm. Jetzt liegt es an mir, die Lösung zu finden.»

Tasar: Edeljoker ist seine Rolle

Wie Badstuber in der zentralen Abwehr ist auch Varol Tasar im Mittelfeld eine Fehlbesetzung. Weil er in der Rückwärtsbewegung ein zu hohes Risiko für die defensive Stabilität seiner Mannschaft darstellt. Er macht nahezu alles falsch, was man falsch machen kann.

Seine Arbeit gegen den Ball ist zu inferior, als dass sie durch seine offensive Wirkung nicht kompensiert werden kann. Varol Tasar hat die Situation vor dem 1:2 gegen den FC Zürich verschuldet (zentralplus berichtete). Die Rolle eines Luzerner Edeljokers ist ihm stattdessen wie auf den Leib geschneidert.

Und damit hat der flinke Offensivspieler seinem Arbeitgeber in der letzten Saison schon viele schöne und entscheidende Momente geschenkt.

Qualität von FCL-Ersatzbank überschaubar

Die dritte und letzte Baustelle, die den FC Luzern derzeit in seinen Grundfesten erzittern lässt, ist die Verletztenliste. Wie schwerwiegend das aktuelle Problem ist, löst der Blick auf die Luzerner Ersatzbank gegen den FC Zürich auf: Darauf sassen Simon Grether, Yvan Alounga, Lorik Emini, Silvan Sidler, Noah Rupp und David Domgjoni neben dem zweiten Ersatzgoalie Pascal Loretz.

Bei allem Respekt vor ihren bisherigen Verdiensten: Die Qualitäten, die diese Spieler in die entscheidende Phase einer Partie bringen können, sind eher überschaubar.

«Nach dem Spiel am Donnerstag in Rotterdem werden ein paar Verletzte zurückkehren.»

Auf der Luzerner Absenzenliste standen hingegen die Namen von Stammgoalie Marius Müller, Vorkämpfer Pascal Schürpf, Kreativspieler Samuele Campo, Tsiy Ndenge und Samuel Alabi. Und dazu der wegen einer roten Karte noch zwei weitere Meisterschaftsspiele gesperrte Marvin Schulz. Das tut dem FCL wirklich weh!

In einem seiner letzten Sätze entfuhr es FCL-Trainer Fabio Celestini: «Nach dem Spiel am Donnerstag in Rotterdem werden ein paar Verletzte zurückkehren.»

Dieser Blick in die Zukunft macht den FCL-Fans Hoffnung: Am nächsten Sonntag wird der aktuelle Cupsieger zum ersten Cupduell der neuen Saison in Cham erwartet. Diese Herausforderung müsste auch im aktuellen Anzug erfolgreich erledigt werden können.

Eine Woche später steht allerdings das Auswärtsspiel bei Servette an. Wir erinnern uns: In der letzten Saison feierte der FCL in Genf in seinem siebten Meisterschaftsspiel den ersten Sieg.

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2 Kommentare
  1. Hanjo Zuesli, 12.08.2021, 05:37 Uhr

    Jedermann wusste, dass Badstuber eine schwierige Saison hinter sich hatte.
    Gebt ihm nicht nur mehr Zeit, sondern forciert in im Training auch entsprechend.
    Die körperlichen Defizite sind unuebersehbar, er macht einfach keinen austrainierten
    Eindruck.
    Sowohl bei Schalke 04 wie bei Stuttgart sah dies noch besser aus. Fuer ihn waere
    Magath der bessere Trainer als Celestini. Vogel friss oder stirb! Es ist nicht die Frage
    Ob er sich noch quälen kann, sondern ob er gequaelt wird. Fuer eine schoenen Lenz
    In der Schweiz, ist der FC Luzern bestimmt die falsche Adresse.

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  2. Mia San Lozärner, 09.08.2021, 00:27 Uhr

    Die Presse in Luzern spricht von Transfer Sieger Luzern, dabei kann man sowas erst in der Halbzeit der Saison behaupten, wenn überhaupt. Alte Spieler (auch wenn sie mal viel Pokale gewonnen haben) bekommt man heute besonders billig angeboten, wegen Pandemie. Es ist schön einmal einen Pokal zu gewinnen, besonders nach 30 Jahren. Aber nach dem Spiel ist fertig, das neue Spiel fängt dann wieder bei 0:0 an !

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