Dreckschleudern sollen in Zug ausgeschlossen werden
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Künftig könnten gewisse Strassenabschnitte nicht mehr für all Fahrzeugtypen zugänglich sein. (Bild: Adobe Stock)

Nach dem Vorbild von London Dreckschleudern sollen in Zug ausgeschlossen werden

3 min Lesezeit 16 Kommentare 23.02.2021, 05:00 Uhr

Zonen im öffentlichen Raum, zu denen man nur noch mit Elektroautos, Velos oder zu Fuss Zutritt hat: Das soll im Kanton Zug bereits ab 2025 möglich sein, fordert die CVP. Damit würde Zug sogar einen Schritt weiter gehen als Städte wie Genf oder London.

Mit einem Auspuff kommst du hier nicht rein: Die Zuger Gemeinden sollen Zonen definieren können, in denen nur noch Fahrzeuge ohne Schadstoffausstoss verkehren dürfen.

Die Zuger CVP hat im Kantonsrat eine entsprechende Motion eingereicht. Diese fordert den Regierungsrat auf, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, dass die Gemeinden ab dem Jahr 2025 sogenannte Nullemissionszonen einführen können.

Als Praxisbeispiele verweist die CVP unter anderem auf die Städte London und Genf, wo bereits ähnliche Massnahmen umgesetzt werden.

London: 18 Monate Probelauf

Die Stadt London hat insgesamt ein ambitioniertes Ziel. So soll der Verkehr im Stadtzentrum bis 2040 komplett CO2-neutral sein. Einen ersten Schritt auf diesem Weg macht man an der Beech Street. Sie ist erste und einzige emissionsfreie Strasse der Stadt.

Die Beech Street ist zwar nichts fürs Auge – sie ist praktisch nur ein Tunnel, der unter dem Kultur- und Kongresszentrum Barbican hindurch führt. Dennoch wird ihr derzeit einiges an Beachtung geschenkt. Noch bis im August läuft eine 18-monatige Testphase, in der die Strasse fast nur emissionsfreien Fahrzeugen offensteht. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor müssen sich einen anderen Weg suchen.

Die Beech Street wurde gerade wegen ihres Tunnelcharakters für den Versuch ausgewählt. So hätten sich die Luftverschmutzungswerte dort schon immer auf sehr hohem Niveau befunden, ist in der Medienmitteilung der Stadt London zu lesen.

Blick in die Beech Street in London:

Nun also sind auf der Beech Street grundsätzlich nur noch Füssgängerinnen, Velos und E-Fahrzeuge erlaubt. Ausnahmen gibt es für Polizei und Rettungskräfte sowie gewisse emissionsarme Hybridfahrzeuge. Kontrolliert wird das Regime mittels Kameras, welche die Nummernschilder registrieren.

Genf: Bei Smog bleiben manche aussenvor

In der Schweiz hat bisher nur Genf Zonen mit Emissionsvorschriften für Fahrzeuge erlassen. Dort wurde im Januar 2020 ein System eingeführt, das bei Smogbildung greift. Erreicht die Luftverschmutzung einen gewissen Wert, dürfen Fahrzeuge mit hohem Ausstoss zwischen 6 und 22 Uhr nicht ins Stadtzentrum fahren.

«Auf dem Zugerberg könnte eine solche Zone beispielsweise eine deutliche Entlastung bringen.»

Laura Dittli, CVP-Präsidentin

Deshalb müssen Fahrzeuge in Genf mit einer Umweltplakette namens «Stick’air» ausgestattet sein. Je nach Emissionsrate und Kraftstofftyp werden Fahrzeuge in eine von sechs Kategorien eingeteilt. Je höher die Kategorie, desto eher wird einem die Zufahrt in die Innenstadt verwehrt.

Keine Autos mehr auf dem Zugerberg?

Zurück nach Zug: Wo könnte sich die Zuger CVP solche Nullemissionszonen konkret vorstellen? «Grundsätzlich natürlich überall, wo eine solche realisierbar wäre», sagt Parteipräsidentin Laura Dittli auf Anfrage. «Zweckmässig wäre eine solche vorab wohl in Zonen, die vor allem von Freizeitverkehr betroffen sind. Auf dem Zugerberg könnte eine solche Zone beispielsweise eine deutliche Entlastung bringen.»

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Im Gegensatz zu den genannten Beispielen aus Genf oder London will die CVP weiter gehen und in diesen Zonen konsequent keine Fahrzeuge mit Ausstoss mehr erlauben, also auch keine Hybride. Dittli ist überzeugt, dass diese Forderung gerade auch im «Autokanton» Zug Sinn macht: «Die ökologischen Zukunftsperspektiven machen eine Entwicklung in diese Richtung sowieso unumgänglich. Ein Zwischenschritt mit der Duldung von emissionsarmen Fahrzeugen macht deshalb wenig Sinn.»

Elektroautos sind in Zug auf dem Vormarsch

Nach Ansicht der CVP sollte stattdessen direkt der Übergang zur sauberen Mobilität gefördert werden. «Mit der Schaffung solcher emissionsfreier Zonen könnte ein Anreiz geschaffen werden, dass der Umstieg auf diesen neuen Fahrzeugtyp beschleunigt wird», wird in der Motion argumentiert.

Dieser Punkt wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die Zuger tatsächlich Spitzenreiter in Sachen Elektromobilität sind. Der Kanton weist die schweizweit höchste Dichte an E-Fahrzeugen aus (zentralplus berichtete).

Der Kanton Zug hat den höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen in der Schweiz:

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16 Kommentare
  1. Strickler Beat, 24.02.2021, 11:37 Uhr

    Die Idee finde ich sicher prüfenswert, zumal frische Luft bessere Lebensqualität ist.
    Ich fahr seit rund sechs Jahren Elektroauto, daher sind für mich solche Regeln keine Einschränkung.

    Für Skeptiker der Emobilität empfehle ich folgenden Link: https://www.srf.ch/news/panorama/klimabilanz-von-autos-elektroautos-lassen-hybride-und-verbrenner-locker-stehen
    Und ja es ist ok, dass wir über Kinderarbeit, Batterieentsorgung jetzt schon sprechen, doch bitte macht dies in der gleichen Konsequenz mit dem Thema Fracking, Ölkatastrophen usw.

  2. Peter P. Odermatt, 23.02.2021, 19:46 Uhr

    Elektroautos sind die grössten Umweltsünder, von der Herstellung bis zur Verschrottung.

    Die neuen Dieselfahrzeuge sind ökologisch wertvoll, aber auch nicht die Zukunft: Diese gehört den Wasserstofffahrzeugen.

  3. Monica, 23.02.2021, 14:00 Uhr

    Was ich nicht in Ordnung finde, ist, dass man einfach dort anpackt, wo es am Einfachsten ist. Dass aber Elektroautos genauso umweltschädigend sind, wird einfach unter den Teppich gekehrt. Die Kosten/der Aufwand und die Nutzen stimmen überhaupt nicht überein; die nachhaltige Schädigung der Natur inklusive Kinderarbeit und nicht beachteten Gesundheitskonzepten für diejenigen, welche das Kobalt und das Lithium aus dem Boden holen, das alles ist schon fast kriminell. Abgesehen davon… wir wissen ja zwischenzeitlich all, dass die weltweite Fleischwirtschaft die grösste Schädigung und Zerstörung in Bezug auf die Umwelt und Erde verursacht. Aber das ist halt auch ungemütlich, möchten die meisten halt nicht weniger Fleisch essen. Und solange unsere Zuger Politiker weiterhin nichts in ihrem (Konsum)verhalten ändern, fahre ich mit meiner Dreckschleuder weiterhin in die Stadt (übrigens… dass die Lädeli dort dann auch alle Mittragende und Betroffene in Bezug auf wirtschaftlichen Verlust sind, das interessiert die Gesetzgeber wohl auch nicht, Hauptsache, sie alle haben ihren sicheren Lohn)

    1. Markus Zopfi, 23.02.2021, 14:35 Uhr

      Sie haben die Überbevölkerung vergessen. Dann hätten Sie so ziemlich alle aktuellen Umweltprobleme benannt. Aber wenn ich Sie richtig verstehe, dann sehen Sie Vegetarismus sozusagen als Ablasshandel für Ihre Dreckschleuder?

  4. Muscle Car, 23.02.2021, 12:48 Uhr

    Ich finde den Ansatz dieser Idee durchaus spannend……. Sollte aber für alle Autos gelten. Ein Auto ist in der Stadt IMMER das falsche Verkehrsmittel, egal ob Benzin, Diesel oder Elektro!

  5. Carl Solvedra, 23.02.2021, 10:51 Uhr

    Elektroautos sind über alles gesehen nicht sauberer als kleine Verbrenner. Die Abgase bei der Herstellung der Batterien verdampfen anderswo. Die Kinderarbeit stört „Die Mitte“ kaum, auch die vertrockneten Böden wegen der Kobaltgewinnung in den peruanischen Anden nicht. Die Haltung hat Tradition. Es ist die Fortsetzung der Briefkastenfirmen nach dem Motto: Der Profit bleibt hier, sonst machen’s andere. Die Vergaser durch die Batterieautos zu ersetzen ist wenig innovativ, passt also zur ehemaligen CVP, was wiederum beweist, dass Namenswechsel von Parteien weder Geist noch Mentalität der Mitglieder für die Zukunft updaten.

  6. Sandra Klein, 23.02.2021, 10:43 Uhr

    Ich glaube nicht, dass das mit Bundesrecht vereinbar ist. Sonst hätte es doch Zürich längst umgesetzt…

  7. Philip C. Brunner, 23.02.2021, 10:28 Uhr

    Es ist schon sehr bedauerlich, welche Diskussion die Zuger CVP grade vom Zaune reisst, vorallem nachdem der Kanton Zug bereits den höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen in der Schweiz aufweist, freiwillig notabene. Es ist der zum Scheitern verurteilte krampfhafte Versuch als neugebildete Mittepartei Stimmen von links-grün-rot zu gewinnen. Diese Rechnung wird deshalb nicht aufgehen, weil erstens der geneigte CVP-Wähler meist das Original wählen wird, sei es links oder rechts von der Mitte. Und zweitens sind auch viele CVP-Wähler mit traditionellen Automodellen unterwegs und sind zum heutigen Zeitpunkt noch nicht von der Elektromobilität überzeugt. Den besten Ratschlag den man von aussen der verirrten CVP-die Mitte raten kann, ist: Besinnt Euch doch wieder auf Eure langjährigen traditionellen Werte und Einstellungen – sie haben wesentlich mehr Erfolgspotential, als die aktuelle grüne Welle, die sich der Mann/die Frau von der Strasse gar nicht leisten können. (CO2-Gesetz). Der ökologische Wandel wird durch den technischen Fortschritt vorangetrieben – nicht durch politische Vorstösse, welche realitätsfremd sind.
    Philip C. Brunner, KR, Zug

    1. Andreas Peter, 23.02.2021, 10:47 Uhr

      @Philip C. Brunner: Ich bin zwar politisch eher auf Ihrer Seite, aber ich finde, dass aktive Politiker andere Möglichkeiten der Kommunikation haben, als Leserkommentarspalten in Online Zeitungen.
      Mich hat das schon bei Cyrill Studer Korevaar gestört, aber dort hab ich nichts gesagt, weil ich nicht den Eindruck erwecken wollte, der anderen politischen Seite die Meinung verbieten zu wollen.
      Z+ mag das anders sehen, aber für mich wirken Kommentare von Politikern hier befremdlich, deplatziert und übergriffig.
      Ich bin auch nicht sicher, ob Sie Ihrer Partei damit einen gefallen tun.
      Das ist wirklich freundlich gemeint.
      Inhaltlich haben Sie meiner Meinung nach völlig recht.

    2. Redaktion Redaktion zentralplus, 23.02.2021, 10:59 Uhr

      Die Kommentarspalten von zentralplus stehen allen offen, die sich an die Netiquette halten. Dies schliesst Politikerinnen und Politiker explizit mit ein, zumal wir den Dialog und den konstruktiven Austausch von Argumenten so wie hier begrüssen. Unabhängig davon wäre es sehr schwierig, eine Grenze ziehen zu wollen. Welches Amt berechtigt zum Kommentieren, welches nicht?

    3. Andreas Peter, 23.02.2021, 11:54 Uhr

      @Redaktion: Meine Bemerkung war nicht an Sie gerichtet.
      Ich finde es sehr erfreulich, dass Sie Kommentare aus den unterschiedlichsten Richtungen veröffentlichen.
      Ich meinte, die Politiker sollten sich eine Selbstbeschränkung auferlegen.
      „Austausch von Argumenten“ ist gut, aber Wahlkampf finde ich hier nicht so passend.
      Herr Brunner hat bestimmt andere Möglichkeiten, der „Mitte“ gute Ratschläge zu geben.

    4. Vor allem, 25.02.2021, 08:30 Uhr

      Ach Herr Brunner
      Wie schon Herr Peter angefügt hat, ….
      Was mich jedoch mega triggert:
      Meine Güte „vorallem“ schreibt man nicht so. Als Politiker, der die Schweizerwerte so hochleben lässt, sollte auch deren Sprache mächtig sein. Auch schriftlich.

    5. Daniela Übersax, 25.02.2021, 09:34 Uhr

      @Vor allem: Echt jetzt? Und darüber regen Sie sich so sehr auf, dass Sie anonym posten müssen? Wenn Sie schon einen auf Oberlehrer machen müssen, dann bitte unter Ihrem Namen.

  8. Andreas Peter, 23.02.2021, 09:12 Uhr

    Ich weiss nicht, wie man auf diesen Titel kommt.
    Moderne Diesel reinigen die Luft sogar einem bestimmten Mass von Feinstaub.
    Und CO2 ist kein „Dreck“ oder Gift sondern das, was auch Menschen ausatmen.
    Akku-Autos sind ökologisch alles andere als sauber.
    Aber das ignorieren der Fakten hat bei in der Politik anscheinend Hochkonjunktur.
    Die „Mitte“ versucht es wohl mit dem Merkeltrick: Die Linksgrünen links überholen.
    Hoffentlich geht das gründlich in die Hose.

  9. Claudia Herger, 23.02.2021, 08:41 Uhr

    Die Luft über diesen grünen Reservaten ist selbstverständlich eine hermetisch abgedichtete Säule, die jede Vermengung mit „Dreckluft“ verhindert. So absurd stellt sich das Frau Dittli wohl vor. Die Grünen beissen sich gerade in die Lippen, da sie sich von der CVP links überholt sehen.
    Die Luft war noch nie so sauber wie heute, und CO2 ist kein Schadstoff, sondern ein Pflanzendünger.

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