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Dr. Oetker serviert das vielleicht teuerste Hahnenwasser
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Das Café «Gugelhupf» von Dr. Oetker an der Waldstätterstrasse. (Bild: pze)

Luzerner «Gugelhupf»: 7 Franken für Hahnenburger Dr. Oetker serviert das vielleicht teuerste Hahnenwasser

4 min Lesezeit 2 Kommentare 29.06.2017, 05:21 Uhr

Im Café Gugelhupf wird Hahnenwasser für sieben Franken pro Karaffe serviert – unter dem Namen «Luzerner Wasser». Wucherpreis für Hahnenburger? Geschäftsführer Pascal Remmert argumentiert, dass in die Wasseraufbereitung viel investiert worden sei. Aber auch andere Luzerner Wirte langen beim Hahnenwasser kräftig zu.

Wer sich im neuen Dr.-Oetker-Café «Gugelhupf» zum Essen oder zum Kaffee ein Wasser bestellt, erschrickt wohl, wenn er die Rechnung erhält: Für eine grosse Karaffe «Luzerner Wasser» verlangt die Kette ganze sieben Franken – obwohl es sich dabei um Leitungswasser handelt.

Fragt man die Bedienung, weshalb, so erklärt diese: Das Wasser werde aufbereitet, mit Kohlensäure versetzt und gekühlt. Was «aufbereitet» genau bedeutet, kann das Personal aber nicht sagen. Nur so viel: «Es ist besser als normales Leitungswasser.»

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Dass teures Hahnenwasser die Gemüter erhitzt, zeigt beispielsweise die Facebookgruppe «Kein-Hahnenwasser-Blacklist». Bereits seit längerer Zeit werden dort Restaurationsbetriebe angeprangert, wenn sie für Hahnenwasser etwas verlangen (zentralplus berichtete).

Anlage zur Aufbereitung im Lokal

Man kommt auch im Gugelhupf nicht darum herum, zu fragen: Sieben Franken für Hahnenburger – was ist speziell an diesem Luzerner Wasser, dass der «Gugelhupf» den Preis von herkömmlichem Mineralwasser verlangen kann?

Pascal Remmert, Geschäftsführer von Dr. Oetker Schweiz, verweist als Allererstes auf die Behörden: «Gemäss Energie Wasser Luzern ist das Luzerner Trinkwasser von hervorragender Qualität und wird jährlich mit rund 2’000 Qualitätsproben durch die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz in Luzern überprüft.»

«Wir beobachten, dass in der Luzerner Gastronomie recht häufig Wasser in Glas- oder Plastikflaschen serviert wird.»

Pascal Remmert, Geschäftsführer von Dr. Oetker Schweiz

Remmert führt aus, die Mineralienkonzentration im Wasser würde durch einen speziellen Filter verbessert: «Der Ionenaustauscher reduziert die Karbonathärte und die Gesamthärte.» Mit Aktivkohle werde das Trinkwasser geschmacklich und geruchlich verbessert. Dabei würden Chlor und Chlorverbindungen reduziert. Durch den Partikelfilter würde das Wasser von «groben und organischen Partikeln» gereinigt.

Umweltaspekt wichtig

Der spezielle Filter hat laut Remmert rund 4’000 Franken gekostet. Dazu kämen die Kosten für Einbau und Wartung. Dabei lohne es sich wirtschaftlich für den «Gugelhupf» nicht einmal: «Mit eingekauftem Wasser hätten wir eine deutlich höhere Marge erzielen können.»

Warum nimmt das Café also diesen ganzen Aufwand auf sich? Remmert: «Im Unterschied zu zugekauftem Wasser erzeugt unser Luzerner Wasser keine Staus auf den Strassen und keine Umweltbelastung durch Glas- oder PET-Gebinde.»

Der ökologische Aspekt sei schlussendlich ausschlaggebend gewesen, die «betriebswirtschaftlich weniger sinnvolle Alternative» gewählt zu haben, sagt Remmert. Ob andere Gastronomiebetriebe dieses System des eigenen Hausfilters haben, könne er nicht sagen, doch Remmert glaubt: «Rein subjektiv beobachten wir jedoch, dass in der Luzerner Gastronomie recht häufig Wasser in Glas- oder Plastikflaschen serviert wird, das vorher Hunderte Kilometer in einem LKW über die Strassen chauffiert wurde.» Diesem herangekarrten Mineralwasser sei die Alternative aus dem Hahn «qualitativ und ökologisch deutlich überlegen», ist Remmert überzeugt.

Ausserdem: Im «Gugelhupf» gibt es auch ungefiltertes Leitungswasser – für zwei Franken pro Glas. Dies erklärt die Bedienung, als wir nachfragen. Man muss aber ausdrücklich «Hahnenwasser» bestellen.

«Kunde zahlt für Service»

Der «Gugelhupf» ist denn auch nicht der einzige Luzerner Betrieb, der das System des «Luzerner Wassers» kennt. Im Mill’Feuille beispielsweise kostet der halbe Liter fünf Franken. Das Thema hat auch an anderen Orten Wellen geschlagen: So sagte beispielsweise ein Basler Wirt, der 8.50 Franken pro Liter Leitungswasser (ebenfalls aufbereitet) verlangte, gegenüber SRF: Der Gast zahle mit dem Betrag hauptsächlich den Service, nicht das Produkt. GastroSuisse bekräftigte ihn in dieser Aussage: Insgesamt fliessen fast 80 Prozent der Einnahmen in Personalkosten und allgemeine Betriebsaufwände.

Inzwischen verlangen verschiedene Luzerner Betriebe etwas für Hahnenwasser – um danach einen Teil dieses Betrags zu spenden. Auf dieser Grundprämisse basiert der Verein «Wasser für Wasser», der mit den Einnahmen aus Hahnenwasser-Verkäufen Trinkwasserprojekte in Entwicklungsländern unterstützt. Die Preisempfehlung dort: 2 Franken pro halben Liter Leitungswasser.

Verbraucherschutz untersteht Schweigepflicht

Ob die Qualität des «Luzerner Wassers» tatsächlich diejenige von Mineralwasser übersteigt, wie Remmert antönt, lässt sich nicht abschliessend sagen. Der Luzerner Verbraucherschutz äussert sich zum konkreten Fall «Gugelhupf» nicht. Die Informationen zu einzelnen Betrieben unterliegen der Schweigepflicht.

Kantonschemiker Silvio Arpagaus sagt aber auf Anfrage: «Wasser, welches als Lebensmittel verwendet wird, muss grundsätzlich die lebensmittelrechtlichen Anforderungen erfüllen.» Dies gelte für Hahnenburger wie für Mineralwasser. «Dabei darf sicherlich festgestellt werden, dass die Trinkwasserqualität in Luzern hoch ist und auch ohne nachträgliche Aufbereitungsschritte eine einwandfreie Qualität aufweist.»

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2 Kommentare
  1. Heinz Gadient, 29.06.2017, 12:10 Uhr

    Nestlé lässt grüssen!

  2. Peter Bitterli, 29.06.2017, 09:52 Uhr

    In diesem Lokal steht zu jeder Tageszeit viel zu viel Personal (auch schon gezählt: 11) vorab hinter dem Tresen herum, ohne dass das dem Kunden vor dem Tresen, geschweige denn vor der Tür an den Tischchen irgendwie zugute käme. Das Problem, auch dasjenige mit dem Wasser, das zu trinken im Übrigen niemand gezwungen wird, wird sich also bald von selbst erledigen.