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Doppelt so viele Einwohner – keine neuen Autos
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Grün trifft grün: Cyrill Wiget (Gemeindepräsident von Kriens) und rechts neben ihm die Luzerner Stadträtin Manuela Jost. (Bild: jwy)

Luzern Süd: ÖV hat Vortritt Doppelt so viele Einwohner – keine neuen Autos

6 min Lesezeit 1 Kommentar 16.02.2016, 15:27 Uhr

Luzern, Horw und Kriens haben Grosses vor: Zwischen Eichhof und Horwer Seebucht sollen Einwohnerzahl und Arbeitsplätze in den nächsten 20 Jahren um 15’000 Personen wachsen. Dies gilt aber nicht für Autos, für diese soll’s keinen weiteren Platz geben. Wie man das erreichen will.

Dienstagmorgen in der Kantine der Stiftung Brändi: Der Ort ist nicht zufällig gewählt – hier, in Kriens Mattenhof, ist man mittendrin in diesem Konstrukt namens Luzern Süd. Im Drei-Gemeinde-Eck von Luzern, Kriens und Horw. Die Horwer Gemeinderätin Manuela Bernasconi nennt das Gebiet zwischen Eichhof und Horwer Seebucht, angelehnt an seine längliche Form, ein «Nierli» – eine schöne Verniedlichung. Und ein schöner Gegensatz zum «Meilenstein», von dem mehrfach die Rede war.

Thema der Zusammenkunft: Wie kann das Wachstumsgebiet in Zukunft den Verkehr stemmen? Denn es wird viel passieren: In den nächsten 20 Jahren soll sich die Zahl der Einwohner und Arbeitsplätze verdoppeln – das heisst um jeweils 15’000 wachsen. Zum Vergleich: Die Gemeinde Horw zählt aktuell knapp 14’000 Einwohner. Und laut Statistik gibt es in der Gemeinde «nur» 403 Autos auf 1000 Einwohner – also könnte man rund 6000 Autos sparen, wenn alle verzichten würden.

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Das Gebiet Luzern Süd: Hier, zwischen Luzern, Horw und Kriens, soll sich die Einwohnerzahl verdoppeln.

Das Gebiet Luzern Süd: Hier, zwischen Luzern, Horw und Kriens, soll sich die Einwohnerzahl verdoppeln.

(Bild: PD)

Weniger Autos, mehr Velos und Fussgänger

Auf dem Stadtgebiet Luzern Süd sind etliche Überbauungen geplant: Eichhof West, Stadtquartier Nidfeld/Sternmatt, Schweighofpark, Kriens Mattenhof, Überbauung Horw Mitte oder die Musikhochschule beim Südpol (zentral+ berichtete).

Um es kurz zu machen: Mehr Autoverkehr verträgt das Gebiet nicht. Darum sollen laut den Verantwortlichen der öffentliche Verkehr sowie ein Ausbau des Fussgänger- und Veloverkehrs das Wachstum auffangen. Das ist – insbesondere für die Agglomeration – ein Paradigmenwechsel: Nicht mehr die Nachfrage bestimmt die Verkehrsplanung, sondern das Angebot, sprich die Planung.

«Autos brauchen nun mal am meisten Platz – und der Platz ist das Rare.»

Cyrill Wiget, Gemeindepräsident Kriens

Luzern Süd wird städtischer: Verdichtetes Bauen und kurze Wege – sodass man zu Fuss oder Velo bequem eine nahe ÖV-Haltestelle findet. Die Mobilität einschränken will man dabei nicht. «Wenn man ein attraktives Netz hat, geht man auch in diesem Agglomerationsgebiet mehr zu Fuss», ist Cyrill Wiget, Gemeindepräsident von Kriens, überzeugt.

Geplante Massnahmen sind:

  • Herzstück ist die Zentralbahn. In Stosszeiten wird die Frequenz auf einen 7,5-Minuten-Takt verdoppelt
  • Die Businien 14 und 16 werden an den Bahnhof Kriens Mattenhof angebunden
  • Ein neuer Bushub in Horw verbessert die Umsteigezeiten von Bus zu Bahn
  • Die Bahnhöfe Kriens Mattenhof und Horw werden ausgebaut
  • Rad- und Gehweg auf dem ehemaligen Bahntrassee von Kriens nach Luzern (zentral+ berichtete), Ende Februar ist Baubeginn, im Frühling 2017 soll er fertig sein

 

Daneben machen kleinere Massnahmen den ÖV und das Velo attraktiver: Sichere Veloverbindungen, mehr Busspuren, Priorisierung bei Rotlichtern, Dosierung des Autoverkehrs während der Stosszeiten auf den Hauptachsen und eine restriktivere Parkplatzpolitik. Vereinfacht gesagt: Je besser ein Gebiet mit Bus oder Bahn erschlossen ist, desto weniger Parkplätze sind erlaubt. In der Parkplatzpolitik sei Luzern den Gemeinden Kriens und Horw noch voraus, sagt Cyrill Wiget. «Autos brauchen nun mal am meisten Platz – und der Platz ist das Rare», so Wiget.

Wichtig ist zudem: All die geplanten Massnahmen seien nicht starr, so Wiget: Wenn sie sich nicht bewähren, sucht man neue Massnahmen. Im Fachjargon: ein iteratives, also «lernendes» Projekt.

ÖV: von 15 auf 32 Prozent

All das soll dafür sorgen, dass sich der Modalsplit (der Vekehrsmix) weg vom motorisierten Individualverkehr (MIV) hin zum ÖV und Langsamverkehr (LV) verschiebt. In der Agglo hat sich der ÖV-Anteil zwar in den letzten Jahren erhöht: von 15 auf aktuell 32 Prozent erhöht, in der Stadt beträgt er bereits 45 Prozent. Der Velo/Fussverkehr beträgt in Stadt 12, in der Agglo nur 6 Prozent. Und der MIV misst in der Agglo 60 und in der Stadt 41 Prozent.

Eines der Grossprojekte: Überbauung von Mobimo in Kriens-Mattenhof. (Bild: Visualisierung von Mobimo AG)

Eines der Grossprojekte: Überbauung von Mobimo in Kriens Mattenhof. (Bild: Visualisierung von Mobimo AG)

Cyrill Wiget, Krienser Gemeindepräsident, sagt: «Wir haben gar keine Wahl, wenn wir neu ansiedeln und verdichten wollen. Das ist nur möglich, wenn wir den Autoverkehr plafonieren. Die meisten Strecken in diesem Gebiet sind bereits am Belastungspunkt.» Darum will man dort ausbauen, wo der ÖV eh schon in der Nähe ist. Cyrill Wiget: «Es geht nicht um den Bauern im Vogelsang, der soll weiter das Auto benützen dürfen.»

«Ohne Verkehrslösung gibt’s keine Entwicklung.»

Kurt Sidler, Geschäftsführer LuzernPlus

Push-und-Pull-Prinzip

Man orientiert sich an einem Modell zwischen Druck und Anreizen: Anreize tun niemandem weh und sind populär – aber man müsse auch den Mut und die Nerven haben, die Menschen zu überzeugen, öfters aufs Auto zu verzichten. Auch Manuela Bernasconi meint: «Wenn wir nicht den Mut haben, das Volk und das Parlament davon zu überzeugen, wird hier keine Entwicklung stattfinden.» Und Wiget leicht scherzend: «Wir machen das nicht, weil Manuela Jost und ich das Grün im Parteinamen tragen, wir haben keine Wahl.» Bei vielen Unternehmen, sei es eh schon selbstverständlich, dass man vom Auto wegkomme und auf den ÖV setze.

Auch Kurt Sidler, Geschäftsführer von LuzernPlus meinte: «Ohne Verkehrslösung gibt’s keine Entwicklung.» Die drei Gemeinden, der Verbund LuzernPlus und der Kanton Luzern treiben die Entwicklung des Gebiets gemeinsam vorwärts. «Das Gebiet ist eine Einheit, man bemerkt keine Grenzen», sagt Manuela Bernasconi von der Baudirektion Horw. Sie konnte den Stolz nicht verbergen: Eine solche Zusammenarbeit in der Agglomeration sei selten, dementsprechend finde sie schweizweit Beachtung.

Eine Grünzone beim Eichhof

Neben dem Verkehrskonzept hat Manuela Jost vorgestellt, wie es im Gebiet an der Grenze von Luzern und Kriens weitergeht – rund um den Eichhof, die Luzerner- und Arsenalstrasse. Es ist das einzige Gebiet von Luzern Süd, das auch auf Stadtboden liegt (zu einem Viertel, der Rest ist Kriens).

«Das Gebiet ist das Eingangstor – sowohl für Kriens wie auch für Luzern.»

Manuela Jost, Luzerner Baudirektorin

Massnahmen hier lauten:

  • Dichte Bebauung mit Hochhäusern nördlich der Luzernerstrasse
  • Weniger dichte Bebauung südlich der Luzernerstrasse
  • Die Langsägestrasse (die Parallelstrasse, die beim Eichhofareal vorbeiführt) wird vom Durchgangsverkehr befreit und zu einer Veloverbindung
  • Zwischen den beiden Strassen gibt’s einen Grüngürtel – eine sogenannte Esplanade
  • Busspur bis Kupferhammer, Verlegung der Buslinie 14 auf die Arsenalstrasse

 

 «Das Gebiet ist das Eingangstor – sowohl für Kriens wie auch für Luzern, es hat eine wichtige Scharnierfunktion», sagte Baudirektorin Manuela Jost. Elemente wie die Esplanade zwischen den Strassen sollen Identität stiften. Und auch hier wichtig: Neue Vernetzungen, Querverbindungen machen das Gebiet durchlässiger – und damit attraktiver für Velo- und Fussverkehr. So sieht das auf dem Plan aus:

Vertiefungsgebiet II: So soll das Areal beim Eichhof zwischen Luzern und Kriens kurzfristig aussehen.

Vertiefungsgebiet II: So soll das Areal beim Eichhof zwischen Luzern und Kriens kurzfristig aussehen.

(Bild: PD)

Vertiefungsgebiet II: So soll das Areal beim Eichhof zwischen Luzern und Kriens mittelfristig aussehen.

Vertiefungsgebiet II: So soll das Areal beim Eichhof zwischen Luzern und Kriens mittelfristig aussehen.

(Bild: PD)

 

Luzern Süd, Nord und Ost

Luzern Süd ist einer von drei grenzüberschreitenden Entwicklungsräumen der Agglomeration Luzern. Die anderen sind Luzern Nord (Reussbühl, Emmenbrücke) und Ost (Rontal). Zu Luzern Süd gehören Kriens, Horw, Luzern, der regionale Entwicklungsträger LuzernPlus und der Kanton – sie entwickeln dieses Gebiet gemeinsam.

Meilensteine:

2010: Leitbild für das Gebiet erarbeitet

2012: Studienauftrag für das Gebiet Eichhof bis Schlund

2014: Entwicklungskonzept Luzern Süd: von den Einwohnerräten (Kriens, Horw) respektive vom Luzerner Stadtparlament zur Kenntnis genommen.

2016: Konzept für Vertiefungsgebiet II und Grundkonzept Verkehr. Im März kommt das Konzept in die Parlamente

Kurt Sidler (Geschäftsführer LuzernPlus), Cyrill Wiget (Gemeindepräsident von Kriens) und Manuela Jost (Baudirektorin Luzern).

Kurt Sidler (Geschäftsführer LuzernPlus), Cyrill Wiget (Gemeindepräsident von Kriens) und Manuela Jost (Baudirektorin Luzern).

(Bild: jwy)

zentral+ hat schon mehrfach über Bauprojekte rund um Luzern berichtet:

Gewaltiger Bauboom im Krienser Schlund: Startschuss für Mega-Neubau: Hier leben bald 2000 Personen

Luzerner Agglo boomt: Tausende neue Wohnungen durch Monsterprojekte

Imagewandel der Gemeinde Emmen: Vom Agglo-Sumpf zum hippen Stadtzentrum

So wird sich Reussbühl West entwickeln: 800 neue Wohnungen – und die Shedhalle bleibt

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1 Kommentare
  1. Christian Schmid, 17.02.2016, 15:34 Uhr

    Ideologische Links-grün Träumereien und Fantastereien erster Güte.
    Leider werden solche Politiker immer wieder gewählt???
    So schneidet man sich ins eigene Fleisch.